7

Diese 7 Sportstars setzen sich für Mental Health ein

LISTICLE | 10.10.2022
Autor:
Antonia Wille

Simone Biles, Naomi Osaka oder Michael Phelps haben im Sport Geschichte geschrieben. Und das nicht nur mit Leistungen: Sie haben mit ihrer Offenheit ihren Teil dazu beigetragen, dass psychische Probleme kein Tabu mehr sind. Wir zeigen euch 7 Sportstars, die sich ihren Problemen gestellt haben und für das Thema Mental Health einsetzen.

1

Der Superstar Simone Biles

SIMONE BILES ist die wohl beste Turnerin der Geschichte. Doch die US-Amerikanerin zeigte bei den Olympischen Spielen in Tokio, wie ungesund Erwartungsdruck und Stress sein können: Überraschend sagte Biles kurzfristig für fünf ihrer angepeilten sechs Wettbewerbe ab. Der Grund: Angstzustände. Dazu kam ein unerwarteter Todesfall in der Familie. „Ich sage, die mentale Gesundheit steht an erster Stelle. Daher ist es manchmal in Ordnung, die großen Wettbewerbe sogar auszusitzen, um sich auf sich selbst zu konzentrieren. Es zeigt, wie stark du als Wettkämpfer und Person wirklich bist anstatt sich einfach durchzukämpfen“, sagte die 24-Jährige bei einer Pressekonferenz. Monate nach den Olympischen Spielen, als Biles ihre Profisport-Karriere beendet hatte und mit einer Show-Tour unterwegs war, gab sie zu, "noch immer Angst vor dem Turnen" zu haben. Geholfen habe ihr professionelle Hilfe: „Es war eine große Erleichterung für mich, die nötige Psychotherapie zu bekommen, vor allem wenn ich auf Tournee bin.“ Inzwischen ist Biles außerdem Chief Impact Officer bei der Mental-Health-App Cerebral.

2

Schwimmkönig Michael Phelps

MICHAEL PHELPS reagierte tief betroffen auf Biles. Sie zu sehen habe ihm das Herz gebrochen, sagte der mit 23 Goldmedaillen mit Abstand erfolgreichste Olympia-Starter aller Zeiten. Der US-Schwimmer war auch in Tokio, aber das erste Mal nicht als Schwimmer bei Olympischen Spielen, sondern als Fernsehexperte. Phelps hatte in seiner Karriere schon früh mit Depressionen zu kämpfen. Nach außen an die Öffentlichkeit traten diese immer nur indirekt – Phelps fuhr betrunken Auto, er wurde beim Kiffen erwischt. Dass er Suizidgedanken hegte, gab Phelps später zu. Mit 30 Jahren habe er endlich gelernt, zu reden. Der Schweizer Zeitung „Blick“ sagte er unmittelbar vor dem Aus von Biles, „ich möchte mehr Menschen dazu ermutigen, darüber zu sprechen, was sie durchmachen. Ich gebe es zu: Das hat mir das Leben gerettet.“

3

Japans Tennishoffnung Naomi Osaka

NAOMI OSAKA war im Einsatz fürs Bewusstmachen psychischer Probleme in den Augen von Michael Phelps ein „Game-Changer“. Japans Tennis-Superstar Japans hat sich mit ihrer Reichweite in den sozialen Netzwerken offen zu ihren Depressionen geäußert. Auch in einer Doku-Reihe auf Netflix hat Osaka aus ihren nagenden Selbstzweifeln kein Geheimnis gemacht. 2021 hatte Osaka als Nummer 2 der Weltrangliste im Damen-Tennis die French Open abgebrochen und dabei ihre psychischen Probleme öffentlich gemacht. Seit den US Open im Jahr 2018 leidet sie demnach an Depressionen. Eskaliert war die Lage in Paris, weil Osaka nicht mit der Presse reden wollte – den Medien warf sie vor, keine Rücksicht auf die psychische Gesundheit von Sportlerinnen und Sportlern zu nehmen. 2022 brach Osaka nach einem Zwischenruf eines Zuschauer in Indian Wells in Tränen aus. Mithilfe einer Psychotherapeutin ging Osaka aus dem Vorfall nach eigener Aussage aber gestärkt heraus: “Sie hat mir Strategien für solche Vorkommnisse beigebracht und ich merke, wie hilfreich sie sind. Ich bin froh, dass die Menschen in meinem Umfeld mir zu diesem Schritt geraten haben.“

4

Noah Lyles

Noah Lyles ist Top-Favorit auf Olympia-Gold über die 200m.
Noah Lyles ist Top-Favorit auf Olympia-Gold über die 200m.

NOAH LYLES ist einer der besten Sprinter der Welt, wurde 2022 Weltmeister über die 200 Meter und gewann bei den Olympia-Bronze in Tokyo. Fast noch bewundernswerter als der sportliche Erfolg des US-Amerikaners ist sein Einsatz gegen die Tabuisierung psychischer Probleme. 2020 schrieb Lyles auf Twitter: „Vor kurzem habe ich mich für die Behandlung mit Antidepressiva entschieden. Das war eine der besten Entscheidungen, die ich seit langem getroffen habe. Seitdem bin ich in der Lage, ohne den dunklen Unterton im Kopf zu denken, dass ohnehin alles bedeutungslos sei.“ Später begründete Lyles seinen Tweet, er wolle damit das Stigma brechen, dass medikamentöse Behandlung „nur etwas für Leute sei, die verrückt sind“. 2020 wurde bei Lyles eine Depression diagnostiziert. „Als es dann in den Lockdown ging, die Black-Lives-Matter Bewegung Fahrt aufnahm und man gefühlt jeden Tag sah, wie ein anderer junger Mensch auf der Straße starb oder ein Amoklauf an einer Schule stattfand, kam in mir immer mehr das Gefühl auf, macht- und hilflos zu sein.“ Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder hat Lyles seitdem die Lyles Brothers Sports Foundation gegründet, die Jugendliche Sportler finanziell unterstützt sowie in Mental-Health-Fragen, sowie bei Stressmanagement und Anti-Mobbing beratend zur Seite steht.

5

Hürdenläuferin Jackie Baumann

JACKIE BAUMANN wäre womöglich bei den Olympischen Spielen Tokio für Deutschland am Start gewesen, über 400 Meter Hürden. 2015 und 2016 war Baumann Deutsche Meisterin in der Disziplin, 2020 galt sie als Favoritin bei den damaligen nationalen Titelkämpfen. Doch mit gerade mal 24 Jahren beendete die Tochter von 5000-Meter-Olympiasieger Dieter Baumann wenige Tage vor den Meisterschaften ihre Karriere. Zur Begründung nannte sie mentale Gründe, sie habe Wettkämpfe nicht genießen können, vielmehr hätten diese sie belastet und sich negativ auf ihre mentale Gesundheit ausgewirkt. Am Ende sei sie nicht mehr bereit gewesen, dem Druck standzuhalten, sagte sie damals zu ihrem überraschenden Schritt im Deutschlandfunk. „Irgendwann kommt man aus der Spirale nicht mehr raus, man ist gefangen in seinem eigenen Kopf.“ Schlafstörungen, schnelle Gereiztheit, Würgereize bis zum Übergeben seien ihre Symptome vor Wettkämpfen gewesen. Massiv wurden die Probleme rund um ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio 2016 – einer Wiederholung dieses Drucks in Tokio entging Baumann durch den Rücktritt.

6

Radprofi Mark Cavendish

MARK CAVENDISH ist ein Beispiel für viele Radprofis, die unter dem Druck des Gewinnenmüssens an die Grenzen ihrer psychischen Belastbarkeit gelangen oder darüber hinaus kommen. Der Brite ist einer der ganz großen Namen im Radsport. Er gewann bei der Tour de France oder beim Giro d’Italia etliche Etappen. Er ist einer der wenigen Namen, die auch einer breiteren Öffentlichkeit jenseits der Radfans etwas sagt. 2020 offenbarte er, dass er neben körperlichen auch seelische Probleme hat. „Es war nicht nur meine körperliche Gesundheit, die in den letzten Jahren einen Schlag erlitten hat. Ich habe in dieser Zeit ziemlich hart mit Depressionen gekämpft“, sagte der mittlerweile 37-Jährige der britischen Zeitung „The Times“. Cavendish stand aber wieder auf, in diesem Jahr bei der Tour holte er sogar seinen 34. Etappensieg und steht nun auf eine Stufe mit der Legende Eddy Merckx. Doch auf Cavendish warten weitere Bewährungsproben – nach dem Karriereende verfielen eine Reihe Radprofis in psychische Probleme, fielen durch Drogen- oder Alkoholmissbrauch auf. Der für einen der größten Dopingskandale stehende ehemalige Tour-Sieger Jan Ullrich etwa verfiel in einen Burnout.

7

Deutschlands Fußballer Per Mertesacker

PER MERTESACKER ist der wohl prominenteste deutsche Fußballspieler, der auf den Leistungsdruck folgende psychische Probleme öffentlich machte. Kurz nach seinem Karriereende berichtete der Weltmeister von 2014 im Jahr 2018 im „Spiegel“ davon, wie ihm der Leistungsdruck im wahrsten Sinne des Wortes auf den Magen schlug. Er habe vor jedem Spiel mit Brechreiz und Durchfall reagiert – „als sei das, was dann kommt, symbolisch gesprochen, einfach nur zum Kotzen“. Ihm seien seine Privilegien bewusst gewesen. Doch „irgendwann realisierst du, dass alles eine Belastung ist, körperlich und mental. Dass es null mehr um Spaß geht, sondern dass du abliefern musst, ohne Wenn und Aber.“ Verletzungen, die ihn zum Aussetzen zwangen, empfand er nicht als Drama, sondern als Erleichterung. „Denn es ist der einzige Weg, eine legitimierte Auszeit zu bekommen, mal raus zu sein aus der Mühle“, sagte der frühere Verteidiger von Werder Bremen und Arsenal London.

Artikel teilen
Autor:
Antonia Wille
Themen dieses Artikels