Olympische Sommerspiele 2020

Tokio und das Internationale Olympische Komitee (IOC) sind sich einig: Olympia findet statt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Olympischen Spiele allerdings außerhalb des üblichen Vier-Jahres-Rhythmus. Bedingt durch die Corona-Pandemie wurden die Olympischen Spiele nicht wie ursprünglich geplant vom 24. Juli bis 9. August 2020 abgehalten, stattdessen wurde das Großevent, das unter dem Motto „United by Emotion“ steht, um fast genau ein Jahr verschoben. 2021 ist es also soweit: Die Olympischen Sommerspiele starteten mit der Eröffnungsfeier am 23. Juli und enden am 8. August. Die Paralympics sind vom 24. August bis 5. September 2021 geplant.

Tokio ist gerüstet

Entgegen aller Zweifel der Bevölkerung wurden trotz der Pandemie umfangreiche Konzepte zur Durchführung der Spiele entwickelt. Unter anderem sind keine ausländischen Zuschauer für die Wettkämpfe vorgesehen. Zudem wurde ein umfassendes Hygienekonzept für alle Athleten und beteiligten Personen ausgearbeitet. Die Veranstalter haben intensiv an verschiedenen Szenarien zur Abhaltung der Spiele im Sommer 2021 gearbeitet und viele Einschränkungen und Regeln für einen reibungslosen Ablauf stehen bereits fest.

Teure Spiele: Nur Peking zahlte mehr für Sommerspiele

Die coronabedingte Verschiebung der Olympischen Spiele und die Kostenexplosion durch zusätzlich benötigte Schutzmaßnahmen macht das Event zu einem der teuersten überhaupt: 30 Milliarden US-Dollar kosten die Spiele in Tokio laut einem Bericht von tagesschau.de mittlerweile. Mehr als die vergangenen beiden Sommerspiele in Rio 2016 (14,4 Milliarden Dollar) und London 2012 (14,6 Milliarden Dollar) zusammen und deutlich mehr als die 7,5 Milliarden Dollar, die ursprünglich veranschlagt waren.

Unter den Sommerspielen war lediglich Peking 2008 mit 45 Milliarden Dollar Kosten noch teurer. Die teuersten Spiele überhaupt fanden allerdings im Winter 2014 im russischen Sotschi statt: 51 Milliarden Dollar kostete die Veranstaltung an der Schwarzmeerküste.

Naomi Osaka: Gesicht der Olympischen Spiele 2020

Kaum eine Sportlerin ist in Japan so populär wie Naomi Osaka. Kein Wunder, dass die Tennisspielerin zum Gesicht der Olympischen Spiele von Tokio geworden ist. Anfang 2020 veröffentlichten die Olympiaveranstalter einen Werbespot mit Osaka als Protagonistin. „Wir sind alle verschieden, und doch so ähnlich“, sagt das Tennis-Ass darin. „Wir finden, was wir brauchen, um über das hinwegzukommen, was uns voneinander trennt.“ Denn durch die Olympischen Spiele seien wir alle „vereint in Emotion“.

Der Höhepunkt der Osaka-Mania dann bei der Eröffnung der Spiele: Der Tennisspielerin wurde die Ehre zuteil, die Olympische Flamme bei der Eröffnungsfeier zu entzünden.

Neues Jahr, fünf neue Sportarten

Gleich fünf neue Sportarten haben es zu den Olympischen Spielen 2021 in Tokio geschafft. „Wir wollen den Sport zur Jugend bringen“, sagte Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees. „Mit den vielen Optionen, die junge Leute heute haben, können wir nicht länger erwarten, dass sie automatisch zu uns kommen.“ Die folgenden fünf Neulinge, werden in Tokio erstmals (wieder) dabei sein und Olympia für eine jüngere, hippe Zielgruppe öffnen.

Heimana Reynolds aus den USA ist derzeit einer der weltbesten Skateboarder.

1. Erster Skaterpark bei Olympia

Skateboard bei Olympia - Fluch oder Segen? Es gibt in der Szene die Befürchtung, dass Olympia dem Sport inmitten anderer angestaubter Sportarten Freiheit und Style nehmen könnte. Manche Skateboarder sehen jedoch die Chance, sich auf großer Bühne noch mehr Respekt zu verschaffen. Mehr als 80 weibliche und männliche Skateboarder zeigen bei Olympia in den Disziplinen Park und Street ihre Tricks und Moves.
„Ich denke, Skateboarding würde die gleiche, jugendliche Energie und Wachstum für Olympia freisetzen wie es das Snowboarding für die Winterspiele gemacht hat. Wenn die das Durchschnittsalter der TV-Zuschauer unter 50 Jahre kriegen wollen, brauchen sie so etwas wie Skateboarding“, so Profi-Skateboarder Tony Hawk.

Adam Ondra ist einer der weltbesten Kletterer.

2. Neue Disziplin: Sportklettern

Zum ersten Mal in der Historie der Olympischen Spiele wird auch die Disziplin Sportklettern vertreten sein. Geplant ist ein Einzelwettbewerb sowohl für Frauen als auch Männer, der vom 3. bis zum 6. August 2021 stattfinden soll. Der Wettbewerb wird als „olympische Kombination“ durchgeführt und aus zwei Durchgängen bestehen, zusammengesetzt aus den Disziplinen Speedklettern, Bouldern und Schwierigkeitsklettern. Die Anzahl der Teilnehmer ist auf 20 Personen je Geschlecht (max. zwei Teilnehmer pro Nation) beschränkt. In der Finalrunde treten die sechs Athleten gegeneinander an, die sich in der ersten Runde qualifiziert haben. Als einer der Top-Favoriten gilt der Profikletterer Adam Ondra

2021 erstmals olympisch: Karate.

3.Karate gibt Intermezzo

Das in Japan so populäre Karate wird ein Intermezzo geben - mit insgesamt 8 Medaillenentscheidungen. Ob Karate jedoch längerfristig Olympia-Disziplin bleibt, steht noch nicht fest. Jahrzehntelang haben die Karateka für die Aufnahme in die Olympischen Spiele gekämpft. Auch wenn die weitere Olympia-Zukunft ungewiss ist, herrschte daher großer Jubel, als sie 2016 in Rio de Janeiro von der Zulassung für Tokio erfuhren.

Ähnlich populär wie die Kampfsportart Karate sind auch Baseball bei den Männern und die Frauenalternative Softball in Japan, die ebenfalls mindestens einmal ins Programm rücken.

4.Baseball und Softball

Ähnlich populär wie die Kampfsportart Karate sind auch Baseball bei den Männern und die Frauenalternative Softball in Japan, die ebenfalls mindestens einmal ins Programm rücken. Fürs Erste haben es die Baseballer also geschafft, ob sie allerdings langfristig Olympioniken bleiben dürfen, wird sich wie beim Karate erst noch herausstellen. Baseball und Softball feiern übrigens ein Comeback: Schon 2008 waren diese beiden Sportarten olympisch.

Surfen feiert bei den Olympischen Spielen 2021 seine Olympia-Premiere.

5. Wellenreiten bei Olympia

Auch Surfen ist erstmals olympisch. Die Surf-Wettkämpfe werden am Tsurigasaki Surfing Beach in Ichinomiya, rund 65 Kilometer außerhalb Tokios stattfinden. Mit der Austragung der diesjährigen Olympischen Sommerspiele soll vor allem auch ein jüngeres Publikum adressiert werden. Da dürfen die weltbesten Wellenreiter*innen natürlich nicht fehlen. Wann genau die Wettkämpfe ausgetragen werden, steht übrigens nicht wie bei anderen Sportarten schon fest, sondern wird sich nach den Windverhältnissen richten. 

Die Olympischen Spiele im Wandel der Zeit

So jung und modern die Olympischen Sommerspiele in Tokio sein sollen, so weit liegt ihr Ursprung in der Vergangenheit zurück: Im Jahr 776 v. Chr. wurden die ersten Olympischen Spiele der Antike ausgetragen. Auch bei den alten Griechen standen athletische Wettkämpfe im Mittelpunkt, vor allem aber waren die Spiele ein religiöses Fest zu Ehren der Götter. Ausgetragen wurden die Spiele im namengebenden Olympia, dem Ort eines der größten Zeus-Tempel Griechenlands, der bereits in der Antike berühmt war für seine prächtige große Tempelanlage.
Die antiken Olympischen Spiele hatten eine wichtige Stellung im Leben der alten Griechen. Die Olympiade war eine Zeit der Vereinigung, die - wie auch heute - in einem vierjährigen Intervall veranstaltet wurde. Die Teilnehmer kamen aus allen Ecken der griechischen Welt, um den ultimativen Preis zu kämpfen: einen Olivenkranz, die Rückkehr in ihre Stadtstaaten als Helden und unsterblicher Ruhm. Zu Beginn der Olympischen Spiele der Antike wurde nur ein Laufwettkämpfe durchgeführt, im Laufe der Zeit kamen weitere Sportarten und Disziplinen hinzu. Insgesamt wurden 20 verschiedenen Sportarten über mehrere Tage hinweg ausgetragen. Die Sieger der Spiele wurden bewundert und Statuen verewigt.
Zweck der Olympischen Spiele war es einerseits, die körperlichen Qualitäten der Teilnehmer zu demonstrieren, von genau so großer Bedeutung waren die Spiele jedoch auch aus politischer Sicht, dienten sie doch dazu, die Beziehung zwischen den verschiedenen griechischen Städten zu stärken.

Neben dem Sieg waren es die olympischen Werte selbst, die den Spielen besondere Bedeutung verliehen - der edle Wettkampf und das Bemühen, Körper, Geist und Wille zu einem ausgewogenen Ganzen zu verbinden.
Im Laufe der Jahrhunderte kamen nicht nur weitere Sportarten hinzu, auch Abläufe und Organisation der Olympischen Spiele entwickelten sich weiter. So wurde beispielweise ein einheitlicher Zeitplan der Veranstaltungen eingeführt und mit dem Olympische Frieden ein Abkommen geschlossen, das durch mehrmonatigen Waffenstillstand die sichere Durchführung der Spiele gewährleisten sollte. Die Spiele fanden fast 12 Jahrhunderte lang statt, bis der römische Kaiser Theodosius sie 393 n. Chr. verbot. Wiederbelebt wurden die Olympischen Spiele durch den französischen Baron Pierre de Coubertin im späten 19. Jahrhundert. Die Spiele der Olympiade, auch bekannt als Olympische Sommerspiele, finden seit 1896 alle vier Jahre statt, mit Ausnahme der Jahre während der Weltkriege. Im Jahr 1924 fanden erstmals die Olympischen Winterspiele, die Veranstaltung für Wintersportarten, statt. Bei den alten Griechen war Olympia noch ein reiner Männer-Wettkampf, erst ab 1900 wurden auch Frauen zugelassen.

Warum Olympia 2020 so besonders ist

Neben den neuen Sportarten, die bei Olympia 2021 erstmals ins Programm aufgenommen werden, gibt es weitere News, die die Sommerspiele in Tokio ganz besonders spannend machen. Ganz nach dem Motto „United by Emotion“ wird erstmalig auch eine Transgender-Athletin an den Olympischen Wettkämpfen teilnehmen. Außerdem hat das IOC beschlossen, mit dem Start der Olympic Virtual Series (OSV) eSports bei den Olympischen Sommerspielen vom 23. Juli bis zum 8. August 2021 ins Programm aufzunehmen.

Transgender bei Olympia

Am 2. August 2021 wird Geschichte geschrieben! An jenem Montag nämlich steigt in Tokio das Finale der Frauen über 87 Kilogramm im Gewichtheben – und das aller Voraussicht nach mit einem absoluten Novum in der Sportgeschichte. Mit Laurel Hubbard könnte dann nämlich erstmals eine offen lebende Transgender-Athletin bei Olympischen Spielen an den Start gehen. Am 21. Juni nominierte das Nationale Olympische Komitee Neuseelands (NZOC) die Gewichtheberin für die Spiele in Tokio.

Laurel Hubbard bei Olympia

Premiere für eSports bei Olympia

Aus dem ehemaligen Nischendasein hat sich eSports mittlerweile zu einem Massenphänomen weiterentwickelt. Täglich verfolgt ein Millionenpublikum per Livestream oder in ausverkauften Stadien, was sich in der eSport-Szene abspielt. Die Spieler, auch Gamer oder Streamer genannt, müssen für die Spiele hart trainieren. Um einen Wettkampf zu gewinnen, müssen sie psychische sowie physische Höchstleistungen erbringen, weshalb eSports mittlerweile als anerkannte Sportart gilt. Auch das Internationale Olympische Komitee entschied sich, die Sportart bei den Olympischen Sommerspielen ins Programm aufzunehmen. Mit dem Start der Olympic Virtual Series (OSV) wird versucht, virtuelle Sport-, eSports- und Gaming-Enthusiasten auf der ganzen Welt zu mobilisieren.

Insights zum Thema eSports

„Ich kann nicht einfach stillsitzen!“

Einige Wochen vor den Olympischen Sommerspielen in Tokio kürt sich die Profi-Tunerin Simone Biles zur US-Meisterin. Die vierfache Olympiasiegerin von 2016 in Rio de Janeiro konnte bei den US-Meisterschaften in Texas den Mehrkampf mit unglaublichen 59,550 Punkten für sich entscheiden. Die Pandemie und die damit einhergehende Verschiebung der Olympischen Spiele 2020 war ein herber Schlag für die Turnerin, die es nicht gewohnt ist, einfach nichts zu tun und zu Hause zu sitzen. Biles ist aber wieder in Topform und strebt in Tokio ihre inzwischen fünfte Olympia-Goldmedaille an.