Autor:
Martina Wengenmeir

Mit Sinn für Mode, Politik, Geld und Erfolg

Tennisspielerin Naomi Osaka in sechs Fakten

Naomi Osaka ist der aufsteigende Star am Tennis-Himmel: Sie gilt als Ausnahmetalent auf dem Platz und ist eine Style-Ikone mit Millionen an Werbeeinnahmen im Jahr. Gleichzeitig bezieht sie politisch Stellung gegen Rassismus und Polizeigewalt, bekennt sich offen zu Depressionen. All das macht sie zum Vorbild und Aushängeschild für ihre Generation. Wer ist Naomi Osaka? Sechs spannende Fakten über das Multitalent und Gesicht der Olympischen Spiele in Tokio.

Naomi Osaka verfügt über aussagekräftigen Stil auf dem Tennis-Court und daneben.

Naomi Osaka als Titel-Sammlerin und Gesicht der Olympischen Spiele

2016 qualifizierte sich Naomi Osaka mit den Australian Open erstmals für ein Grand Slam Turnier, also eines der prestigeträchtigsten und wichtigsten Turniere im Tennis. Drei Jahre später gelang ihr der Sieg bei den US Open, noch dazu gegen Altmeisterin und Osakas Vorbild Serena Williams. Mit diesem Sieg im Alter von 20 Jahren ist sie die erste Japanerin überhaupt, die einen Grand Slam Titel bei den US Open erringen konnte. Ein weiterer US Open Titel in Folge sorgte für das Meisterstück. 

Zwei zusätzliche Grand Slam Titel bei den Australian Open, zuletzt 2021, lassen Japan voller Vorfreude auf die Olympischen Spiele in Tokio blicken. Als heiße Medaillen-Kandidatin ist Osaka ebenfalls Gesicht der Olympiade in der Heimatstadt ihrer Mutter. 

Und auch sonst verlief ihr Jahr extrem gut. Für ihre Leistungen wurde sie bereits zuletzt mehrfach ausgezeichnet. Anfang Mai 2021 gewann sie als Sportlerin des Jahres den Laureus World Sports Award, der auch als Oscar des Sports bezeichnet wird. Zu ihren Gewinn sagt Osaka selbst: „Ich habe so viele von meinen Vorbildern diesen Award gewinnen sehen, deshalb bedeutet es mir auf jeden Fall einiges, ihn jetzt selbst in den Händen zu haben. Ich bin so glücklich.“

Naomi Osaka mit dem Laureus World Sports Award als Sportlerin des Jahres 2020.

Naomi Osaka als Fashion-Vorbild und Werbegesicht

2020 war nicht nur sportlich ein starkes Jahr für Naomi Osaka. Auch ihr Verdienst erreichte neue Höhen und brachte sie auf Platz 1 der Topverdienerinnen im Sport. Während die auf Platz 2 verdrängte Serena Williams bei Preisgeldern die Nase vorn hatte, verdiente Naomi Osaka mit 34 Mio. US-Dollar Werbeeinnahmen (Quelle: Forbes) 2020 rund 2 Millionen mehr als die altgediente Tennis-Queen Williams. Vor allem ihr Modesinn, ihr politisches Statement, aber natürlich auch ihr Erfolg auf dem Platz sprechen Marken an. Als erste japanische Spielerin, die die US-Open gewinnen konnte, und als erste Asiatin auf Platz eins der Weltrangliste ist sie auch in Japan bei Werbepartnern sehr beliebt, aber nicht nur. Zu ihren Sponsoren zählen Nike oder Nissan und sie ist ebenfalls Ambassador für Luxus-Fashion Marke Luis Vuitton oder Premium-Uhrenhersteller Tag Heuer.

Sie als junges Modepüppchen oder Kleiderständer ihrer Sponsoren darzustellen, wäre aber weit gefehlt. Naomi Osaka hat selbst einen ausgeprägten Sinn für Mode, den sie auch gezielt dazu einsetzt, um mit Statements auf Dinge aufmerksam zu machen, die ihr am Herzen liegen. Wie ihre Verbundenheit zu ihren multikulturellen Wurzeln in Japan und Haiti. Sie ist auch jenseits des Tennisplatzes für ihren Stil bekannt und wurde deshalb zusammen mit Sängerin Billie Eilish oder Poetin Amanda Gorman als Moderatorin für die Met Gala 2021 ausgewählt.

Anlässlich der New York Fashion Week 2020 entwickelte sie mit dem japanischen Label ADEAM von Designer Hanako Maeda ihre erste Capsule Collection und trägt auch sonst immer wieder japanisch inspirierte Looks. Bei der Abholung ihrer US Open Trophäe gab sie einen Hinweis auf ihren haitianischen Urspruch väterlicherseits. Dazu trug sie ein Kopftuch aus Kenta-Stoff. In Haiti wird auf traditionell westafrikanische Kopfbedeckungen zurückgegriffen, um besondere und bedeutende Lebensereignisse zu begehen. Mit diesem Style setzte sie auch ein finales Ausrufezeichen unter ihre Statements während der US Open gegen Rassismus, Diskriminierung und Polizeigewalt.

Naomi Osaka als Investorin und Geschäftsfrau

Neben ihren sportlichen Erfolgen und ihrer Freude an Mode mit Sinn fürs Politische geht Naomi Osaka auch clever mit ihrem Geld um. Als Geschäftsfrau tragen ihre Aktionen ebenfalls eine deutliche Handschrift. Mit KINLÒ bringt Naomi ihre eigene Sonnenschutz-Marke mit Produkten speziell für dunklere, stärker pigmentierte Hauttypen auf den Markt. Dabei möchte sie darüber aufklären, dass auch dunklere Haut gegen schädliche Strahlen geschützt werden muss und bietet dafür die passende Sonnencreme an.

Ihre Investments haben ebenfalls Fokus auf das, was ihr wichtig ist. So investierte sie 2021 in die grüne und nachhaltige Schnellrestaurant-Kette sweetgreen und schloss sich der Eigentümergruppe des amerikanischen Frauenfußball-Teams North Carolina Courage an. Im Interview mit „The Athletic“ sagte Osaka, es sei ihr ein großes Anliegen, die Aufmerksamkeit für Frauensport zu steigern und die nächste Generation junger Mädchen zu inspirieren. Diese Interessen könne sie mit dem Investment beim zweimaligen NWSL-Champion perfekt zusammenbringen.

Neben ihren Kooperationen im Modebereich ist Naomi Osaka gemeinsam mit ihrer Schwester und Kunstplattform Basic.Space auch über NFTs in die Kunstbranche eingestiegen. Die Kunstwerke der ersten Kollektion der Schwestern wurden teils verlost und frei zum Download angeboten. Zwei der Werke waren zu ersteigern und erzielten 150.000 US-Dollar und 220.000 US-Dollar pro Stück.

Naomi Osakas Freund und größter Fan

Naomi Osaka ist seit mehreren Jahren mit dem grammy-nominierten Rapper Cordae zusammen. Egal, bei wem ein wichtiges Ereignis ansteht, der andere ist zur Unterstützung dabei. So war Naomi schon mehrere Wochen mit Cordae auf Tour, und Cordae ist bei wichtigen Matches regelmäßig zu Gast auf der Tribüne. Er unterstützt und feiert Naomi bei jedem Punktgewinn und Sieg, wie etwa bei ihrem letzten Titelgewinn der US-Open. 

Auch wenn Naomi auf dem Platz meistens extrem entspannt wirkt und die Ruhe selbst verkörpert, sind die beiden vor allem eins: Anfang 20 und verliebt, sodass man beim Zusehen fast auch rot anlaufen möchte. Zudem sind sie jung, stylisch, erfolgreich und sich dennoch ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst, was Naomi Osaka und Cordae für die Generation Z zum Vorzeigepärchen macht.

Naomi Osaka als Stimme der Gen Z

Stellvertretend für ihre Generation, die als politisch motiviert und aktiv gilt, bringt Naomi Osaka ihre Stimme mit auf den Tennisplatz und macht in einer traditionell weiß geprägten Sportart auf gesellschaftliche Belange wie Rassismus und Diskriminierung aufmerksam. Über Social Media hat sie dabei auch viel Gegenwind erfahren müssen. Auch aus ihrer Heimat Japan, in der immer noch die Meinung herrscht, dass sich Sportler auf ihr Spiel konzentrieren und nicht gesellschaftlich äußern sollen. Nichtsdestotrotz sieht Naomi Osaka es als wichtig an, ihre Plattform zu nutzen, um zu helfen und Menschen dazu zu inspirieren, sich für die Dinge einzusetzen, die ihnen am Herzen liegen.

Im Zuge der US-Open 2020 setzte Osaka ein Fashion-Statement, um auf Polizeigewalt gegen Minderheiten aufmerksam zu machen und sich mit Black Lives Matter Protesten zu solidarisieren. Bei jedem Match trug sie eine schwarze Gesichtsmaske mit dem Namen einer anderen betroffenen Person, sieben Masken stellvertretend für die vielen Opfer von Diskriminierung und Rassismus insgesamt.

 

Naomi Osaka erinnerte mit der Maske die sie beim Finale der US Open trug, an Todesopfer Tamir Rice

Naomi Osaka und Depression

Obwohl im Profi-Sport oftmals die Devise gilt Pokerface zu wahren, statt einen wirklichen Einblick in das eigene Gefühlsleben zu gewähren und mögliche Angriffspunkte offenzulegen, gesteht Naomi Osaka sich selbst Verletzlichkeit ein und bekennt sich offen zu vermeintlicher Schwäche und sozialen Ängsten. Sie bezeichnet sich selbst eher als introvertierte und schüchterne Person, selbst wenn die junge Spielerin für politische Statements und als Werbegesicht bekannt ist.

Im Rahmen der French Open 2021 ließ sich Naomi Osaka bei Pressekonferenzen vom Medienrummel entschuldigen und wurde dafür vom Veranstalter sogar mit Geldstrafe sanktioniert. Da der Umgang mit der Presse und die jeweiligen Konferenzen bei Grand Slam Turnieren für Teilnehmende verpflichtend sind, wurde ihr sogar ein Ausschluss von den anderen Turnieren der Serie angedroht, es folgte teils harsche Kritik. Daraufhin reagierte Naomi Osaka mit ihren Rückzug von den French Open und einer ausführlicheren Erklärung. Sie begründete ihre Entscheidung auf den sozialen Medien mit einen Einblick in ihre Psyche und machte öffentlich, dass sie seit ihrem Gewinn der US-Open 2018 unter regelmäßigen Phasen von Depression leide.

Gleichzeitig machte sie klar, welch ein schwieriges Feld der Profisport sein kann, dass die Presse nicht immer Rücksicht auf die mentale Gesundheit von Spielerinnen und Spieler nahm und zog damit die Konsequenz aus Kritik an ihrem Verhalten. Selbst wenn Verpflichtungen gegenüber der Presse und der Öffentlichkeit oftmals als obligatorischer Teil der Profi-Karriere eines Sportlers gesehen werden, setzte Naomi Osaka stattdessen mit ihrer Offenheit mutig ein Zeichen im Umgang mit Depression und den eigenen Schmerzgrenzen.

Instagram-Statement zum French Open Rücktritt von Naomi Osaka

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Martina Wengenmeir
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