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Diese 7 Sportstars setzen sich für Mental Health ein

LISTICLE | 29.07.2021
Autor:
Antonia Wille

Sie sollte die herausragende Medaillensammlerin der Olympischen Spiele in Tokio werden. Doch die US-Turnerin Simone Biles stieg wegen mentaler Probleme aus dem Team-Wettkampf aus und verzichtete auch auf das Mehrkampffinale. Die Entscheidung brachte ihr viel Respekt – die Sensibilität im Umgang mit psychischen Problem bei Spitzensportlern scheint gewachsen, wie unsere Beispiele zeigen. Denn Biles ist längst kein Einzelfall. Wir zeigen euch 7 Sportstars, die sich ihren Problemen gestellt haben und für das Thema Mental Health einsetzen.

1

Der Superstar Simone Biles

SIMONE BILES hat rein sportlich das Zeug zum Superstar von Tokio 2020 mit nach Japan gebracht. Für gleich sechs Wettbewerbe war die 24 Jahre alte Turnerin qualifiziert, entweder alleine oder im Team. In allen sechs Wettbewerben hätte sie Gold holen können. Mit ihren vier Goldmedaillen in Rio de Janeiro 2016 hätte sie die bisher erfolgreichste Olympiateilnehmerin aller Zeiten werden können. Doch an Stelle eines der größten Erfolgskapitel des Sports schrieb Biles ein neues Kapitel in der Reihe der Sportler, die sich mental an ihre Grenzen gebracht haben. „Körperlich fühle ich mich gut, ich bin in Form“, sagte sie dem Sender NBC, nachdem sie zuvor noch unter Tränen aus dem Teamwettkampf ausgestiegen war. Sie soll jetzt den Fokus auf ihre mentale Gesundheit legen. Denn auch ihren Start beim Einzelfinale sagte sie kurzfristig ab. „Ich sage, die mentale Gesundheit steht an erster Stelle. Daher ist es manchmal in Ordnung, die großen Wettbewerbe sogar auszusitzen, um sich auf sich selbst zu konzentrieren. Es zeigt, wie stark du als Wettkämpfer und Person wirklich bist anstatt sich einfach durchzukämpfen“, sagte die 24-Jährige bei einer Pressekonferenz. 

2

Schwimmkönig Michael Phelps

MICHAEL PHELPS reagierte jedenfalls tief betroffen auf Biles. Sie zu sehen habe ihm das Herz gebrochen, sagte der mit 23 Goldmedaillen mit Abstand erfolgreichste Olympia-Starter aller Zeiten. Der US-Schwimmer ist auch in Tokio, aber das erste Mal nicht als Schwimmer bei Olympischen Spielen, sondern als Fernsehexperte. Phelps hatte in seiner Karriere schon früh mit Depressionen zu kämpfen. Nach außen an die Öffentlichkeit traten diese immer nur indirekt – Phelps fuhr betrunken Auto, er wurde beim Kiffen erwischt. Dass er Suizidgedanken hegte, gab Phelps später zu. Mit 30 Jahren habe er endlich gelernt, zu reden. Der Schweizer Zeitung „Blick“ sagte er unmittelbar vor dem Aus von Biles, „ich möchte mehr Menschen dazu ermutigen, darüber zu sprechen, was sie durchmachen. Ich gebe es zu: Das hat mir das Leben gerettet.“

3

Japans Tennishoffnung Naomi Osaka

NAOMI OSAKA war der Beispielfall, weshalb sich Phelps in diesem Jahr noch einmal über seine eigene psychische Erkrankung äußerte. Es sei ein „Game-Changer“, dass der Tennis-Superstar Japans sich mit ihrer Reichweite in den sozialen Netzwerkens o offen zu ihren Depressionen geäußert habe, findet Phelps. Osaka hatte als Nummer 2 der Weltrangliste im Damen-Tennis Ende Mai die French Open abgebrochen und dabei ihre psychischen Probleme öffentlich gemacht. Seit den US Open im Jahr 2018 leidet sie demnach an Depressionen. Eskaliert war die Lage, weil Osaka in Paris nicht mit der Presse reden wollte – den Medien warf sie vor, keine Rücksicht auf die psychische Gesundheit von Sportlerinnen und Sportlern zu nehmen. Das Schöne an ihrem Fall – die Reaktionen auf den Schritt waren Äußerungen voller Ermutigung. „Ich möchte euch einfach für all die Liebe danken“, schrieb sie bei Instagram. Es schien verheißungsvoll, als Osaka sich dann zu den Olympischen Spielen zum Wettbewerb zurückmeldete. Ganz Japan hoffte auf seinen Tennis-Superstar – doch die 23-Jährige scheiterte früh und deutlich. „Ich war noch nie bei Olympia und ich habe gespürt, dass hier eine Menge Druck auf mir lastete“, erklärte Osaka ihre Pleite. Dabei klang sie mehr als hilflos. Sie habe nicht gewusst, „wie ich mit all den Erwartungen, natürlich auch meinen eigenen, umgehen soll“.

4

Hürdenläuferin Jackie Baumann

JACKIE BAUMANN wäre womöglich in Tokio für Deutschland am Start gewesen, über 400 Meter Hürden. 2015 und 2016 war Baumann Deutsche Meisterin in der Disziplin, im vergangenen Jahr galt sie als Favoritin bei den damaligen nationalen Titelkämpfen. Doch mit gerade mal 24 Jahren beendete die Tochter von 5000-Meter-Olympiasieger Dieter Baumann wenige Tage vor den Meisterschaften ihre Karriere. Zur Begründung nannte sie mentale Gründe, sie habe Wettkämpfe nicht genießen können, vielmehr hätten diese sie belastet und sich negativ auf ihre Gesundheit ausgewirkt. Am Ende sei sie nicht mehr bereit gewesen, dem Druck standzuhalten, sagte sie damals zu ihrem überraschenden Schritt im Deutschlandfunk. „Irgendwann kommt man aus der Spirale nicht mehr raus, man ist gefangen in seinem eigenen Kopf.“ Schlafstörungen, schnelle Gereiztheit, Würgereize bis zum Übergeben seien ihre Symptome vor Wettkämpfen gewesen. Massiv wurden die Probleme rund um ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio 2016 – einer Wiederholung dieses Drucks in Tokio entging Baumann durch den Rücktritt.

5

Radprofi Mark Cavendish

MARK CAVENDISH ist ein Beispiel für viele Radprofis, die unter dem Druck des Gewinnen müssen an die Grenzen ihrer psychischen Belastbarkeit gelangen oder darüber hinaus kommen. Der Brite ist einer der ganz großen Namen im Radsport. Er gewann bei der Tour de France oder beim Giro d’Italia etliche Etappen. Er ist einer der wenigen Namen, die auch einer breiteren Öffentlichkeit jenseits der Radfans etwas sagt. Im vergangenen Jahr offenbarte er, dass er neben körperlichen Problemen auch seelische Probleme hat. „Es war nicht nur meine körperliche Gesundheit, die in den letzten Jahren einen Schlag erlitten hat. Ich habe in dieser Zeit ziemlich hart mit Depressionen gekämpft“, sagte der mittlerweile 36-Jährige vergangenes Jahr der britischen Zeitung „The Times“. Cavendish stand aber wieder auf, in diesem Jahr bei der Tour holte er sogar seinen 34. Etappensieg und steht nun auf eine Stufe mit der Legende Eddy Merckx. Doch auf Cavendish warten weitere Bewährungsproben – nach dem Karriereende verfielen eine Reihe Radprofis in psychische Probleme, fielen durch Drogen- oder Alkoholmissbrauch auf. Der für einen der größten Dopingskandale stehende ehemalige Tour-Sieger Jan Ullrich etwa verfiel in einen Burnout.

6

Deutschlands Fußballer Per Mertesacker

PER MERTESACKER ist der wohl prominenteste deutsche Fußballspieler, der auf den Leistungsdruck folgende psychische Probleme öffentlich machte. Kurz nach seinem Karriereende berichtete der Weltmeister von 2014 im Jahr 2018 im „Spiegel“ davon, wie ihm der Leistungsdruck im wahrsten Sinne des Wortes auf den Magen schlug. Er habe vor jedem Spiel mit Brechreiz und Durchfall reagiert – „als sei das, was dann kommt, symbolisch gesprochen, einfach nur zum Kotzen“. Ihm seien seine Privilegien bewusst gewesen. Doch „irgendwann realisierst du, dass alles eine Belastung ist, körperlich und mental. Dass es null mehr um Spaß geht, sondern dass du abliefern musst, ohne Wenn und Aber.“ Verletzungen, die ihn zum Aussetzen zwangen, empfand er nicht als Drama, sondern als Erleichterung. „Denn es ist der einzige Weg, eine legitimierte Auszeit zu bekommen, mal raus zu sein aus der Mühle“, sagte der frühere Verteidiger von Werder Bremen und Arsenal London.

7

Burnout bei Ralf Rangnick

RALF RANGNICK gilt als einer der ganz bedeutenden Vordenker im deutschen Fußball. Als Trainer feierte er ebenso wie als Sportdirektor große Erfolge, zuletzt bei RB Leipzig. „Professor“ nannten ihn Fans und Kritiker mit einer Mischung aus Bewunderung und Spott. Vor zehn Jahren, im September 2011, sorgte Rangnick für einen bis dahin beispiellosen Rücktritt im Fußballgeschäft. „Nach langer und reiflicher Überlegung bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich eine Pause brauche. Mein derzeitiger Energielevel reicht nicht aus, um erfolgreich zu sein und insbesondere die Mannschaft und den Verein in ihrer sportlichen Entwicklung voranzubringen“, erklärte der damals 53 Jahre alte Trainer von Schalke 04. Ein Burnout, ein Erschöpfungssyndrom, habe ihn zu dieser Entscheidung gebracht. Im Juni 2012 kehrte Rangnick ins Geschäft zurück und arbeitet dort seitdem wieder erfolgreich, er galt zwischenzeitlich als ernst zu nehmender Kandidat für den Posten des Fußball-Nationaltrainers.

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