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Schwimmerin Yusra Mardini in 7 Fakten

LISTICLE | 29.06.2021
Geflüchtete Schwimmerin Yusra Mardini

Yusra Mardini gilt als Mutmacherin für Millionen Flüchtende auf der Welt: Die aus Syrien stammende Schwimmerin kam 2015 nach Deutschland. Mit Hilfe ihrer Schwimmkunst rettete sie auf ihrer Flucht fast 20 Menschen das Leben. Jetzt tritt die 23-Jährige aus Berlin nach Rio erneut bei den Olympischen Spielen in Tokio an - mit dem Team Flüchtlinge. 7 spannende Fakten über eine Schwimmerin, die weit mehr als Leistungssportlerin ist.

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Die jüngste UNHCR-Botschafterin aller Zeiten

Yusra Mardini ist seit April 2017 die jüngste Botschafterin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR. Die Organisation sieht in ihr nicht weniger als das Gesicht der globalen Flüchtlingskrise. Ihre Geschichte gilt als Inspiration. Mit ihrer Schwester Sarah floh Yusra 2015 vor dem Bürgerkrieg in Syrien. Aus der Türkei versuchte sie mit einem Schlauchboot nach Griechenland überzusetzen. Als der Motor des Boots aussetzte, sprangen Yusra und ihre Schwester – ebenfalls eine Wettkampfschwimmerin – und zwei andere Flüchtende ins Wasser. Sie stabilisierten das Boot und zogen es schwimmend über drei Stunden ans Ufer. So retteten die beiden Schwestern gemeinsam mit den anderen Schwimmern 20 Menschen das Leben.

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Spandau statt Damaskus

In ihrer Schwimmhalle in ihrer Heimatstadt Damaskus erlebte Yusra noch, wie im Bürgerkrieg eine Granate das Dach ihrer Trainingshalle durchschlug. Die Trainingsgruppe hatte Glück, die Granate sank ohne zu explodieren bis auf den Grund des Beckens. Wie entspannt muss sich Yusra da in Berlin beim Training gefühlt haben. Bei den Wasserfreunden Spandau nahm sie das Training nach ihrer Flucht nach Deutschland wieder auf. Der durch seine international erfolgreichen Wasserballer bekannt gewordene Verein wurde für Yusra zu einer vorübergehenden Heimat. Mittlerweile lebt die 23-Jährige in Hamburg und trainiert dort am Olympia-Stützpunkt.

  •   Syrische Rekordhalterin ist Mardini bis heute. 2012 schwamm sie die 400 Meter Freistil bei der Kurzbahn-Weltmeisterschaft in Istanbul in 4.56.66 Minuten und stellte damit einen syrischen Landesrekord auf. Der deutsche Rekord liegt knapp unter vier Minuten.
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Ein Warm up für Barack Obama

2016 durfte Yusra vor den Vereinten Nationen reden. Mit ihrer knapp dreiminütigen Rede leitete sie zum Auftritt des damaligen US-Präsidenten Barack Obama auf der UN-Vollversammlung über, den sie später auch zum Vier-Augen-Gespräch traf. Obama lobte sie „als großes Vorbild“ für Kinder auf der ganzen Welt. Er habe sie auch nach ihrer Familie gefragt und ein Autogramm auf ihr Redemanuskript gegeben. Die Zeit nach den Olympischen Spielen in Rio wurde damit zum Höhepunkt ihrer weltweiten Bekanntheit. Die junge Schwimmerin traf auch auf Papst Franziskus, das „Time Magazine“ führte sie auf der Liste der 30 einflussreichsten Teenager.

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Badekappen-Tausch mit einem Olympiasieger

In Rio sprach sie bei den Wettbewerben auch der französische Olympiasieger des Jahres 2012, Florent Manaudou an. „Ich bin stolz, sie zu kennen“, sagte Manaudou damals. Die beiden tauschten ihre Badekappen. Ob sie sich bei Olympia in Tokio wohl wiedersehen? Nachdem Manaudou zwischendurch mit dem Schwimmen aufgehört hatte und sich als Handballspieler und Schauspieler versuchte, ist er inzwischen wieder ins Schwimmbecken zurückgekehrt und hat sich ebenfalls für die Spiele qualifiziert.

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Kein Gesicht für eine Tee-Packung

Natürlich ist Mardini auch in den sozialen Netzwerken unterwegs. 140.000 Abonnenten folgen ihr auf Instagram. Für ihre Rolle als Influencerin erhielt sie im Mai einen „About you“-Award in der Kategorie Sport. „Ich bin sehr dankbar, dass ich lebe. Als ich angefangen habe, zu schwimmen, hätte ich mir niemals vorstellen können, dass Sport mir das Leben retten würde“, sagte sie in ihrer Dankesrede. Nicht vorgestellt haben dürfte sie sich auch, dass sie einmal ein bekanntes Gesicht wird. Aber das will sie auch nicht für jeden Zweck vermarkten lassen. Als ein Tee-Hersteller ihr Gesicht auf seine Packungen drucken wollte, lehnte sie ab. „Ich trinke zwar Tee, aber mein Gesicht auf einer Packung zu sehen, das ist doch komisch“, sagte sie der „Bild“-Zeitung.

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Zukunftsprojekt Schwimmschule

Falls Yusra in Tokio eine Medaille gewinnt, wäre das sicher eine der größten Sensationen der Olympia-Geschichte. Damit zu rechnen ist allerdings nicht. Wenn sie etwa bereits eingebürgert wäre und als Deutsche starten könnte, hätte sie es nicht zu Olympia geschafft. „Wir wissen doch alle, dass ich nie die deutschen Normzeiten schwimmen werde“, sagte Yusra schon vergangenen Jahr der Zeitung „Die Welt“. Sobald sie aber den von ihr angestrebten deutschen Pass hat, kann sie nicht mehr fürs Flüchtlingsteam starten und auch nicht für Syrien. Damit dürfte klar sein, dass ihre Laufbahn als Wettkampfschwimmerin nach Tokio zu Ende ist. Zukunftspläne hat Yusra aber dennoch viele. Sie möchte gerne studieren, vor allem aber eine eigene Schwimmschule eröffnen. Bei ihrem alten Verein in Spandau initiierte sie schon im vergangenen Jahr Schwimmkurse für geflüchtete Kinder. „Die Stadt und die Wasserfreunde-Familie haben mir und meiner Familie ein neues Leben ermöglicht und das werde ich nie vergessen.“

  • Ihr 40. Platz bei den Olympischen Spielen in Rio war der größte Erfolg für Yusra. Damit hatte sie die Vorläufe überstanden und das Halbfinale erreicht. Gelungen ist ihr das über 100 Meter Schmetterling. Über 100 Meter Freistil schied sie damals im Vorlauf aus, ihre Zeit bedeutete den 45. Platz. Sie ließ in ihrem Vorlauf Aminath Shajan von den Malediven hinter sich.
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Ein Film bei Netflix

Im April gab der Streamingdienst Netflix bekannt, mit „The Swimmers“ die wahre Geschichte von Yusra und Sarah verfilmen zu wollen. Dargestellt werden sollen die zwei syrischen Schwestern von zwei anderen Schwestern – die libanesischen Schauspielerinnen Manal und Nathali Issa verkörpern die Mardini-Schwestern. Auch der deutsche Superstar Matthias Schweighöfer soll in „The Swimmers“ mitwirken, 2022 will Netflix die Geschichte weltweit ausstrahlen. Und so dürfte der Rummel um Yusra Mardini auch nach ihrer Karriere als Wettkampfschwimmerin anhalten.

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