Autor:
Nadine Regel

Nachhaltigkeit: Wie setzt die Branche Produktionsstandards wie bluedesign um?

Wie nachhaltig ist der Klettersport – und welchen Beitrag leisten die Unternehmen?

Einige setzen auf Nachhaltigkeitsstandards wie bluedesign und Fair Wear Foundation, andere Hersteller schwören auf die Langlebigkeit ihrer Produkte sowie regionale Herstellung und kurze Transportwege. Wenn es um Nachhaltigkeit geht, ist die Bandbreite an Maßnahmen groß. Wie Kletter-Unternehmen Nachhaltigkeit intern verorten, erzählen uns fünf Experten.

Kletterer legen wert auf hochwertige Produkte – die nicht nur performen sondern auch nachhaltig sein sollen.
Kletterer legen wert auf hochwertige Produkte – die nicht nur performen sondern auch nachhaltig sein sollen.

Ursprünglich bedeutete Klettern vor allem eines: Der Natur so nah wie möglich kommen, indem man sich in ihr verausgabt. Heute findet eine Verlagerung der Aktivität in die Halle und den Klettergarten statt. Wo früher Langlebigkeit und Robustheit der Produkte im Vordergrund stand, freuen sich die Kletterer über immer neue innovative Produkte und Weiterentwicklung von Klassikern wie Sicherungsgeräten. Hinzukommt ein neues Modebewusstsein in der Szene. Alles in allem wird mehr konsumiert – und produziert. Wie geht die Branche damit um?

Branchen-Insights

Langlebige Produkte, Umsetzung von Nachhaltigkeits-Standards und neue Produktions-verfahren: Wie sorgen Unternehmen dafür, dass es bei Nachhaltigkeit nicht nur bei einer Worthülse bleibt? ISPO.com hat fünf Branchen-Experten gefragt, welche Standards sie in ihrer Produktion setzen:

  • Black Diamond: Stephan Hagenbusch, Vice-President of International Sales
  • Edelrid: Thomas Hodel, Brandmanager
  • Mammut: Andres Lietha, Head of Business Unit Hardware
  • Petzl Deutschland: Christoph Driever, Countrymanager
  • Red Chili: Stefan Glowacz, Mitgründer

Black Diamond Equipment ist ein Hersteller von Kletter-, Ski- und Bergsportausrüstung mit Sitz in Utah, USA. Das Unternehmen wurde 1954 gegründet und unterhält auch globale Niederlassungen in Innsbruck, Österreich, und Zhuhai, China.

„Unsere Produktion und die Auswahl von Rohstoffen folgt bei Black Diamond einem strikten Code of Conduct. Ausserdem ist die Langlebigkeit unserer Produkte bei der Entwicklung ein Schwerpunkt. Nicht zuletzt engagieren wir uns in der Ausbildung von Kletterern, organisieren CleanUp-Veranstaltungen und FundRaising in/für Klettergebiete auf der ganzen Welt."

Edelrid stellt das erste wasserabweisende PFC-freie Seil vor

Edelrid ist ein deutscher Hersteller von Kletter- und Bergsportausrüstung mit Sitz in Isny im Allgäu. Gegründet im Jahr 1863 ist Edelrid seit 2006 Teil der Vaude-Gruppe. Das Unternehmen beschäftigt 160 Mitarbeiter.

„Nachhaltigkeit ist eine tragende Säule unserer Unternehmensphilosophie. Wir gehen den Weg der Nachhaltigkeit schon seit Jahren und möchten diesen auch in Zukunft konsequent weiterverfolgen. So war Edelrid der erste Seilhersteller, dem es gelungen ist seine Seilproduktion dem strengen 'bluesign standard' anzupassen. Andere sind unserem Beispiel gefolgt.

Mit dem 'Swift Eco Dry' haben wir dieses Jahr das weltweit erste PFC-freie Seil vorgestellt was dem UIAA-Water-Repellent Standard entspricht. Aktuell arbeiten wir gerade an einem neuen Steigeisen für Baum- und Mastenkletterer, dessen Plastikteile aus recycelten Seilen hergestellt werden. Darüber hinaus sorgen wir mit unserer Produktion 'Made in Germany' (derzeit erwirtschaften wir 60% unseres Umsatzes mit Produkten 'Made in Germany') für kurze Transportwege und versuchen so den C02 Ausstoß so gering wie möglich zu halten."

Mammut setzt auf bluedesign, Fair Wear Foundation und Responsible Down Standard

Die Mammut Sports Group AG ist ein Schweizer Hersteller von Berg- und Trekkingausrüstung mit Sitz in Seon, Schweiz. Das Unternehmen mit 465 Mitarbeitern wurde 1862 gegründet.

„Eine ethische, umwelt- und tierfreundliche Produktion ist für uns als Schweizer Premium-Marke zentral. Um dies in unseren globalen Lieferketten sicherzustellen, arbeiten wir mit führenden Standards wie bluesign, der Fair Wear Foundation oder dem Responsible Down Standard zusammen. Wir sind zudem bestrebt, den ökologischen Fussabdruck unserer Produkte stetig zu reduzieren, z.B. durch die Wahl von ressourcenschonenden Produktionsverfahren, Materialien oder Komponenten. Nachhaltigkeit wird für uns zunehmend auch ein wichtiges Thema im Bereich Innovation – mit dem Ziel, skalierbare Lösungen zu entwickeln, welche Nachhaltigkeit unserer Produkte mit unserem Performance-Anspruch vereinen.“

Responsible Down Standard

Petzl: Ein langlebiges Produkt ist immer auch ein nachhaltiges

Petzl ist Hersteller von Kletterausrüstung, Höhlenausrüstung, Arbeitsgeräten und Scheinwerfern mit Sitz in Crolles (bei Grenoble), Frankreich. Das Unternehmen wurde Mitte der 70er Jahre vom Höhlenforscher Fernand Petzl gegründet und beschäftigt 700 Mitarbeiter.

„Das Thema Nachhaltigkeit hat für uns einen enormen Stellenwert. Wir produzieren einen überwiegenden Anteil unserer Produkte in eigenen Betrieben in Frankreich. Die gesamte Produktion und Beschaffung unterliegt bei uns strengen Qualitätskontrollen. Wir verkaufen persönliche Schutzausrüstung (PSA) gegen Absturz und haben hier manchmal natürlich leider keinen Spielraum für Kompromisse zugunsten ökologischerer Rohstoffe. Aber grundsätzlich ist ein langlebiges Produkt immer auch ein nachhaltiges. Und alle unsere metallenen Hardwareprodukte wie Karabiner, Pickel oder Steigeisen haben eine unbegrenzte Lebensdauer, sofern sie die regelmäßige PSA-Prüfung bestehen.“

Red Chili Climbing ist ein deutsches Unternehmen, das Kletterschuhe und Kletter-Bekleidung herstellt. Mitgründer ist Stefan Glowacz. 2017 fusioniert Red Chili mit Edelrid.

„Nachhaltigkeit ist ein Thema, welches bei Red Chili und Edelrid ganz oben angesiedelt wird. Wir begreifen Nachhaltigkeit als Selbstverständlichkeit und nutzen es nicht als Marketingtool.“

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Nadine Regel
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