Dr. Regina Henkel
Autor:
Regina Henkel

Digitalisierung & Nachhaltigkeit bestimmen die Mode

Die Zukunft der Mode: Diese 5 großen Trends treiben die Transformation voran

Mode ist ein Seismograph für gesellschaftliche und technologische Veränderungen und damit schon immer eine Spielwiese für Innovationen aller Art. Mit welchen großen Trendthemen wird sich die Mode in den nächsten Jahren beschäftigen? Wir stellen die fünf großen Trends vor! 

Das Unternehmen The Fabricant bezeichnet sich selbst als digitales Modehaus, das die Modeindustrie in Richtung eines neuen Sektors führt: rein digitale Kleidung. Hier in Kooperation mit Puma.
Das Unternehmen The Fabricant bezeichnet sich selbst als digitales Modehaus, das die Modeindustrie in Richtung eines neuen Sektors führt: rein digitale Kleidung. Hier in Kooperation mit Puma.

Will man die großen Leitkategorien der Mode für die nächsten Jahre bestimmen, dann stechen vor allem zwei große Treiber von Veränderung hervor: Nachhaltigkeit und Digitalisierung. An beiden Themen kommt in den kommenden Jahren keine Marke und kein Händler vorbei. Nachhaltigkeit und Digitalisierung definieren und ermöglichen gleichermaßen, wie sich Mode, Produktion und Konsumentenverhalten in Zukunft entwickeln werden. Das sind die fünf wichtigsten Trend-Entwicklungen der Mode der Zukunft:

Personalisierung: Spezialisten sind gefragt

Die Zeiten von „one fits all“ gehen dem Ende entgegen. Damit ist keineswegs nur gemeint, dass sich die Passform von Bekleidung künftig stärker an den realen Körpern orientieren wird – beispielsweise durch Bodyscanning-Technologien oder persönliche Avataren.

Auch die Kollektionen selbst werden zunehmend für und mit genau definierten Zielgruppen entwickelt und ebenso zielgerichtet vermarktet. Dabei reicht die Bandbreite von der Gender-Free-Kollektion bis hin zu Bekleidungsmarken, die Handystrahlung abhalten. Li Edelkoort, Ikone der Mode-Trendforschung, sieht deshalb auch kleine Marken in einer guten Position. Denn sie bieten oftmals zwar nur eine Produktkategorie an, sind in ihrem Bereich aber absolute Spezialisten und haben eine hohe Relevanz und Glaubwürdigkeit. Dass diese Kollektionen dann On Demand in der Wunschfarbe produziert werden, könnte die nächste Stufe der Mode-Evolution darstellen.

Kreisläufe: Modekonsum ohne Ressourcenverbrauch

Es gibt bereits eine Reihe von Marken, die sich mit dem Thema Kreislaufwirtschaft ernsthaft beschäftigen, beispielsweise der Abo-Sneaker Cyclon von On oder die Kooperation zwischen Bergans of Norway und Spinnova. Die Anzahl an kreislauffähigen Produkten ist allerdings immernoch verschwindend gering.

Das Thema ist enorm komplex: Es reicht nicht, für die Produktion recycelte Materialien zu verwenden, auch das fertige Produkt muss am Ende seiner Lebensphase recycelbar sein. Entweder, weil Mono-Material verwendet wurde oder weil die Einzelteile leicht voneinander zu trennen sind. Letzteres gelingt aber umso schlechter, je robuster und langlebiger die Produkte konstruiert wurden. Gerade im Outdoorbereich gibt es hier noch manche Herausforderung zu lösen.
Klar ist, dass sich die Industrie darauf einstellt, neue Prozesse für Recycling zu entwickeln. Auch, weil das bald gesetzlich gefordert wird.

Regenerativ: Senkung des CO2-Fußabdrucks

Organic ist heute, die Zukunft ist regenerativ. Damit ist insbesondere mit Blick auf die Klimaziele gemeint, dass Unternehmen sich nicht nur bemühen sollten, nachhaltig erzeugte Rohstoffe zu verwenden, sondern zunehmend auch solche, die klima-positiv produziert wurden. Sie verbessern die eigene Klimabilanz. Da für Bekleidungshersteller die eigenen Produkte in der Regel den größten Posten beim CO2-Fußabdruck darstellen, macht es nur Sinn, hier anzusetzen.
Am Beispiel Baumwolle heißt das, dass sie nur noch aus Quellen bezogen wird, die Methoden der regenerativen Ökolandwirtschaft anwenden, die dabei helfen, Kohlenstoff in den Boden zurückzuziehen.

Patagonia verwendet bereits regenerative Baumwolle und promotet in den USA Baumwoll-Farmer, die sich dem Projekt angeschlossen haben. Auch The North Face geht in diese Richtung.

Digitalisierung: bis hin zur digitalen Kleidung

Dass die Digitalisierung den Handel und damit die Art und Weise, wie Konsumenten mit Mode in Berührung kommen, verändert, zeichnet sich seit vielen Jahren ab. Noch umfassender wird sich die Digitalisierung der Supply Chain auswirken, sobald es gelungen ist, in allen Stufen der Lieferkette eine durchgängig digitalisierte Produktentwicklungs- und Produktmanagementstrategie einzuführen, die letztlich bis hin zum Konsumenten reicht.


Damit kann die Mode viel schneller auf Trends reagieren. Zudem können die täuschend echt wirkenden, 3D-entwickelten Produkte schon online vermarktet werden, bevor sie überhaupt produziert wurden. Die digitale Bildsprache revolutioniert die Art und Weise, wie Mode- und Bekleidungsprodukte entworfen, präsentiert und verkauft werden: Avatare verändern jedes Element der Modewelt, vom Design über das Sampling bis hin zu Laufsteg- und Social-Media-Kampagnen. Prominente virtuelle Models und Social-Media-Influencer werden das Mode-Erlebnis neu gestalten und eine ganz neue Kategorie erschaffen, die im E-Gaming bereits heute zunehmend Relevanz gewinnt: Digitale Kleidung.


Gleichzeitig wird mehr Automation in der Herstellung die Produktionsstätten näher an die Märkte rücken. Salomon wird in diesem Jahr seine automatisierte Schuhproduktion in Frankreich starten und modernste Strickautomaten oder 3D-Drucker können ganze Produkte herstellen.

Digital und doch so echt: The Fabricant aus Amsterdam macht Mode digital und digitale Mode.
Digital und doch so echt: The Fabricant aus Amsterdam macht Mode digital und digitale Mode.

Starker Fokus: Gesundheit

Die Corona-Pandemie hat unsere Aufmerksamkeit mit beispielloser Dringlichkeit auf das Thema Gesundheit gelenkt. Dieses Interesse wird nicht einfach wieder verschwinden. Stattdessen wächst der Wunsch vieler, sich etwas Gutes zu tun. Schon seit einiger Zeit forschen Textilhersteller, Pharmaunternehmen und Kosmetikhersteller nach Möglichkeiten, gesundheitsfördernde Funktionen in Kleidung zu integrieren. In Textilien verkapselte Wirkstoffe sollen beispielsweise gegen Neurodermitis helfen, den Schlaf fördern oder nach dem Sport die Regeneration verbessern.


Antivirale oder antibakterielle Ausrüstungen spielen im Sport ohnehin schon eine Rolle um unangenehme Gerüche zu verhindern. Nach der Corona-Erfahrung können sie dabei helfen, dass sich Menschen sicherer zu fühlen. Einige Textilausrüster haben auf die Pandemie reagiert und neue Produkte entwickelt, die Viren und Bakterien innerhalb von wenigen Minuten zuverlässig abtöten können. Kleidung schützt also nicht nur, sie wird zum Viren-Killer. Erste antivirale Fashion-Produkte gibt es bereits, beispielsweise eine antivirale Jeans für F/S 2021 von der italienischen Denimmarke Diesel, oder den ersten antiviralen Reißverschluss vom italienischen Zipper-Spezialisten 2A Spa.

Diesel und Polygiene haben die antivirale Jeans für Frühjahr/Sommer 2021 entwickelt.
Diesel und Polygiene haben die antivirale Jeans für Frühjahr/Sommer 2021 entwickelt.
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