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Interview mit Ex-Patagonia-CEO Kris Tompkins

Ein Leben für Nachhaltigkeit: „Gründer müssen das große Ganze sehen"

Kris Tompkins hat als einstige CEO von Patagonia erst eine Outdoor-Marke und später als Umweltschützerin die Region Patagonien geprägt. Mit ISPO.com spricht sie über Umwelt-Verantwortung als Unternehmen und gibt Gründern einen Ratschlag an die Hand.

Kris Tompkins war bis 1993 CEO von Patagonia.

Das Leben von Kris Tompkins ist tief mit Patagonien verwurzelt: Schon mit 28 wurde die Kalifornierin CEO der Outdoor-Marke Patagonia und machte sie zu einer der nachhaltigsten der Branche. 1993 verließ sie das Unternehmen und widmete sich ganz dem Umweltschutz. In der Region Patagonien in Chile und Argentinien gründete sie mit ihrem Ehemann Douglas Tompkins die Tompkins Conservation und mit ihr mehrere Nationalparks.

Auf den ISPO Re.Start Days sprach Tompkins zum Thema „From Brand Leader to Thought Leader“. Das Gespräch ist als Webinar hier erhältlich.

 

ISPO.com sprach mit ihr anschließend über ihre Idee von wirklicher Nachhaltigkeit und Verantwortung. Außerdem gibt sie Gründern einen Ratschlag an die Hand.

ISPO.de: Gab es einen klaren Wendepunkt, der Sie von einer Geschäftsführerin in eine Umweltschützerin verwandelt hat?
Kris Tompkins: Ich würde sagen, es war ein schrittweiser Prozess. Ich war schon immer ein Outdoor-Mensch gewesen, und die Bekleidungsfirma Patagonia hat sich immer für die Umwelt eingesetzt. Aber erst als ich in meinen Vierzigern in den Ruhestand ging, begann ich Anfang der 1990er Jahre zusammen mit meinem Ehemann Doug Tompkins in Vollzeit daran zu arbeiten, Land im Süden Chiles und Argentiniens zu schützen.

Was ist der wichtigste Rat, den Sie jungen Gründerinnen und Gründern an die Hand geben können, um eine wirklich nachhhaltige Sport- oder Outdoor-Marke zu schaffen?
Ethische Entscheidungen betreffen alles, von der Beschaffung von Produkten und der Herstellung bis hin zur Führung eines Unternehmens mit fairen Einstellungspraktiken, Flexibilität für Familien usw. Ich habe nicht den einen Ratschlag, aber es gilt: Wenn es sich lohnt, etwas zu tun, dann lohnt es sich auch, es gut zu tun. Ich denke, junge Gründer müssen das große Ganze sehen, die Auswirkungen, die sie auf die Welt haben werden, und nicht nur die Gewinne.

"Ich würde den Naturschutz nicht als eine Sache der ersten Welt bezeichnen"

Wir müssen uns Nachhaltigkeit leisten" war einer Ihrer Sätze auf den Re.Start Days der ISPO. Wie können wir Nachhaltigkeit auf die Tagesordnung aller setzen? Und dürfen wir sogar diejenigen in die Verantwortung nehmen, die sich nicht einmal am Tag eine warme Mahlzeit für ihre Kinder leisten können? Sie haben im Zusammenhang mit Covid-19 die hohe Arbeitslosenquote in den USA erwähnt. Kurz: Ist Nachhaltigkeit eine "Sache der ersten Welt"?
Es scheint, dass wir, wenn wir über die „Kosten" von Dingen sprechen, an die tatsächlichen Kosten denken müssen, die nämlich, etwas zu produzieren oder Veranstaltungen, Reisen oder was auch immer durchzuführen. Es gibt die offensichtlichen Kosten, aber was ist mit dem Kohlenstoff-Fußabdruck? Wenn wir immer das große Ganze betrachten, wären wir vielleicht weniger wachstumsorientiert und würden uns mehr um dauerhafte Qualität und realen Wert bemühen.

Die Wahrheit ist, dass diejenigen mit den meisten Ressourcen in der Regel den größten Fußabdruck hinterlassen. Doch die benachteiligten Menschen leiden unverhältnismäßig stark darunter, dass sie in einer verschmutzten, degradierten Umwelt leben müssen, also kümmern sie sich natürlich auch um diese Fragen. Sie sind unausweichlich. Also, nein, ich würde Naturschutz nicht als eine Sache der Ersten Welt bezeichnen.

Es geht darum, Respekt für den Planeten zu haben, den wir geerbt haben, und dafür zu sorgen, dass unsere Nachkommen saubere Luft, sauberes Wasser und eine gesunde Umwelt haben.

Ein Thema – viele Perspektiven: Persönliche Interviews, ehrliche Meinungen und kontroverse Diskussionen rund um ein Trendthema. Das ist der neue, monatlichen Newsletter „Perspectives of Sports and Outdoor“ von ISPO.

Junge Aktivisten? "Ich stehe den ganzen Weg mit ihnen."

„Ich mag Herausforderungen" war auch eine Ihrer Aussagen bei der Veranstaltung. Wie gehen Sie mit der Unsicherheit um, mit der wir angesichts der Corona-Pandemie im Moment konfrontiert sind?
Vielleicht habe ich das während der Veranstaltung gesagt, aber es lohnt sich, das zu wiederholen. Ich stehe einfach aus dem Bett auf und tue, was ich kann. Das ist alles, was jeder von uns tun kann. Etwas zu tun, das nichts mit uns selbst zu tun hat, um das Gesamtbild zu verbessern. Das ist der einzige Weg, den ich kenne, um mit der Unsicherheit umzugehen.

Im Moment ist es eine sehr populäre Position, die Stimme für eine nachhaltigere Lebensweise zu erheben. Vor allem in den Großstädten gehört dies zum Teil zum Lifestyle. Was ist Ihre Meinung zu dieser Bewegung?
Die jüngeren Generationen werden das Chaos erben, das meine Generation und andere auf unserem Planeten angerichtet haben, und darüber sind sie nicht glücklich. Ich verstehe sie vollkommen. Es ist großartig, dass sie ihre Stimme erheben, für das Klima streiken, darüber nachdenken, verantwortungsvollere Entscheidungen zu treffen und Unternehmen zur Verantwortung zu ziehen. Ich stehe voll und ganz auf ihrer Seite.

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