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Max Draeger
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Wintersport/20.03.2024

Zwischen Powder und Prinzipien: Wie Brands ihre Skitouren-Community stärken

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Der Gipfelsturm hält an: Skitouren stehen weiter hoch im Kurs. Um bei den Kund*innen anzukommen, haben Marken verschiedene Routen zur Auswahl. Eine davon führt innovatives Denken mit Themen wie Sicherheit und Nachhaltigkeit zusammen. Präsentiert wird das Ganze zum Beispiel auf Skitouren-Events – ein Win-Win-Win für Marken, Tourismus und die Sportler*innen.

Nächstes Kapitel des Skitouren-Booms

Der Skitouren-Boom aus Pandemie-Zeiten ist uns erhaltengeblieben, das Wintersport-Angebot hat sich diversifiziert und die viele planen ihren Winterurlaub nicht mehr nur auf der Piste. Neben hohen Preisen für Liftkarten und wahrscheinlich auch Nachhaltigkeitsbedenken stieg die Zahl der deutschsprachigen Personen, die im Winterurlaub Skitouren gehen, zwischen 2022 und 2023 laut einer Studie des Bayerischen Zentrums für Tourismus von 22 auf 28 Prozent an. 

Doch das neue Skitouren-Publikum will abgeholt und einbezogen werden. Deshalb stehen sowohl Erlebnisse mit Gleichgesinnten fernab der Massen, als auch Events mit starker Community hoch im Kurs. Daraus ergibt sich ein interessantes Feld, in dem Marken aktiv werden und punkten können: Einerseits gibt es die neuen Skitourengeher, die sich erstmals ins Gelände fernab der Pisten wagen, andererseits gibt es Nachhaltigkeitsthemen, die dieses Umfeld zwar unberechenbarer machen, aber auch zu „Imperfect Advocacy“ und Diskussionen anregen.

Einstieg ins Thema Sicherheit und Technik im Bergsport

Neulinge können sich schnell fehl am Platz oder dumm vorkommen, wenn es um Grundlagen oder Wissensauffrischung geht. Für sie sind Video- oder FAQ-Formate ideal, die mittlerweile nicht nur von Outdoor-Medien, sondern auch von Marken wie Dynafit oder Ortovox angeboten werden. So können die Novizen online selbstbestimmt und nach Bedarf informativen Content konsumieren und einen individuellen Einstieg in den Skitourensport finden.

Von der nötigen Ausrüstung über Basics von Lawinenkunde, Tourplanung und Prävention bis zu Risikomanagement und Verschüttetensuche – online gelingt es easy, das eigene Wissen aufzufrischen. Testimonials wie Bergführer*innen oder andere Fachleute vermitteln dabei das Wichtigste ganz zugänglich in kurzen Videos.

Nachhaltigkeit und Lenkung von Skitouren

Wer Skitouren geht, möchte oft für sein eigenes Verhalten Verantwortung übernehmen und umweltbewusst unterwegs sein. Deshalb bietet Ortovox mit dem Protact Lab auch zur Nachhaltigkeit im Outdoorsport gut strukturiertes Wissen und Informationen an. 

Natürlich werden für den Aufstieg häufig präparierte Pisten genutzt, und nach wie vor ist Mobilität der große Knackpunkt. Die An- und Abreise sind und bleiben die größten CO2-Treiber – auch beim Freeriden oder Skitourengehen. Damit das nachhaltigere Image des Skitourengehens nicht zum Trugschluss wird, geht es auch darum, die Aktiven aufzuklären und zu sensibilisieren. 

Das betrifft auch den Schutz der Wildtiere: Tourismus-Verbände wie das Kleinwalsertal stellen Schutztafeln auf, Ranger weisen an den Wochenenden Schongebiete aus und bündeln so die Aufstiegsrouten. Und im Rahmen von Skitouren-Tagen wie im Tiroler Lechtal oder auch beim Powderfest im Montafon finden Podiumsdiskussionen statt, bei denen unterschiedliche Akteure wie Marken, Tourismusregionen oder Athlet*innen ihre Sicht auf das Thema erläutern. 

Im Kleinwalsertal weisen Schilder und Naturpark-Ranger auf Skitouren-Routen jenseits von Schutzzonen hin.
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Frank Drechsel

„Imperfect Advocacy“ – jeder Schritt zählt

Gerade unter den Freeride-Athlet*innen gibt es einen Trend, sensibler mit dem Thema umzugehen und mehr Verantwortung in ihren Projekten und Videos zu übernehmen – etwa, indem mehr Höhenmeter „humanpowered“ überwunden oder der Fokus auf regionale, heimische Projekte gelegt wird. „Früher sah man in Filmen, wie sich die Profis überall mit dem Heli haben hinfliegen lassen. Das hat sich gewandelt“, erklärt Powderfest-Organisator, Skiführer und Athlet Simon Wohlgenannt. Bei seiner Freeride-Tour auf die eher unbekannte Fanggekarspitze ist er zum Beispiel von der Haustür aus mit dem Fahrrad aufgebrochen.

Als Mitglied Guide Alliance der Klima-NGO „Protect Our Winters“ engagiert sich Simon Wohlgenannt auch für den Klimaschutz. „Ich habe mittlerweile zwei Kinder und setze mich natürlich dafür ein, dass die beiden so lange wie möglich Skifahren können. Sie sollen den Sport machen, der für mich ja auch das Größte ist und bei dem ich die beste Zeit habe.“ Beim Powderfest in Simons Heimatregion Montafon gibt es deshalb auch einige Anknüpfungspunkte zum Ressourcen sparen: Markenpartner Ortovox bietet nicht nur gratis Reparaturen an, sondern auch Repair and Care Workshops in denen die Gäste lernen, ihr liebstes Merino-Shirt richtig zu flicken oder den Cut in der Daunenjacke zu beseitigen.

Auch Protect Our Winters (POW) ist als Aussteller am Start, um darüber aufzuklären, dass man als Wintersportler nicht perfekt sein muss, bevor man sich fürs Klima engagieren kann. „Unser Credo ist: Fortschritt statt Perfektion. Wir sprechen dabei auch von 'imperfect advocacy', um das zu schützen, was wir lieben und unseren Sport weiter ausüben zu können“, erklärt Chiara Pizzignacco von POW Austria.

Simon Wohlgenannt führt eine Gruppe während des Powderfests im Montafon.
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Max Draeger

Lawinen: Wissen, Prävention und Maßnahmen im Ernstfall

Für alle, die sich abseits gesicherter Pisten bewegen, gibt es ein Thema, für das sich jede Fortbildung lohnt: Lawinen. Denn hier geht es im Ernstfall um Sekunden, die über Leben oder Tod entscheiden. Mit einer Safety Academy bietet Ortovox als Marke eines der weltweit größten Ausbildungsinitiativen zur Lawinenprävention an. Es gibt ein umfassendes Kursangebot für die Bergsport-Community im gesamten Alpenraum auf unterschiedlichen Levels und in Kooperation mit lokalen Bergschulen und regionalen Kooperationspartnern. 

In Workshops über ein oder zweieinhalb Tage mit Freeride- oder Skitouren-Schwerpunkt kann das eigene Wissen praktisch und theoretisch vertieft werden. Die Kurse sorgen beim Publikum für eine äußerst positive Wahrnehmung der Marke und schaffen die Grundlage für eine loyale Kundenbindung. Die Skitourengeher*innen können vor Ort können Geräte und Ausrüstung kostenlos testen – im Fall von Ortovox die hauseigenen Innovationen und ISPO Award Winner der vergangenen Jahre, etwa das LVS-Gerät Diract Voice mit Sprachsteuerung oder das LiTRIC Airbag System.

Alpine Sicherheit, Tourenplanung zur Vermeidung von Unfällen und der Umgang mit LVS-Ausrüstung spielen eine wichtige Rolle für ein sorgenfreies Bergerlebnis. Bergführer Julian Resch weiß: "In kleinen Gruppen, die auf das eigene Können abgestimmt sind, kann man in zwei Tagen unglaublich viel lernen. Ich verstehe Menschen nicht, die die Zeit und Kosten dafür nicht aufwenden möchten. Denn genau auf das Wissen könnte es ankommen, wenn Freunde oder auch die Partnerin oder der Partner in eine Lawine geraten."

Safety first: Suchen und Schaufeln auf Probe, um im Ernstfall gerüstet zu sein.
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Max Draeger

Community-Building hilft allen

Nicht zuletzt entsteht bei Workshops ein Community-Gefühl, von dem Marken, Veranstalter und Sportler*innen gleichermaßen profitieren. Dort entwickeln sich bleibende Seil- und auch Freundschaften zwischen Gleichgesinnten. Das bringt auch die Marke weiter, denn es werden Markensegmente für die Zukunft gefördert, wenn die Leute dabei bleiben. Im Sinne von Seth Godins Marketing-Klassiker „Tribes“ formt eine Community aus Gleichgesinnten und das Gefühl dazuzugehören und das gleiche Mindset zu verfolgen, auch die Verbindung zu jener Marke oder jenem Angebot, welche eben diese Plattformen bieten.

In der Umsetzung bieten sich unterschiedliche Gruppen an, je nach Wissensstand und Zielgruppe. Egal ob Freeride, Skitouren oder Splitboarden – es ergibt Sinn, zwischen Anfänger*innen, Fortgeschrittenen und Experts zu differenzieren. So kann jede*r gezielt dort lernen, wo die Grenzen der eigenen Technik oder des eigenen Wissens verschoben werden. Beim aktuellen Powderfest im Montafon war der Hype in den Fortgeschrittenen- und Expert-Gruppen genauso groß wie bei den Einsteiger*innen. Die einen übten unter Anleitung das Droppen von Cliffs oder das Abseilen in eine Rinne, die anderen machten die ersten Schritte in Richtung Lawinensicherheit mit Suchübungen in unberührtem Schnee. Spätestens nach der gemeinsamen Powderabfahrt war klar: Diese Community hat nicht den letzten Gipfel per Skitour erstürmt.