Klettern bei den Olympischen Spielen

So will sich Klettern fit für Olympia 2024 machen

Bevor der Klettersport bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020 erstmals ausgetragen wird, galt es bereits jetzt das IOC von der weiteren Teilnahme bei den Spielen in Paris 2024 zu überzeugen. Mit einem überarbeiteten Konzept im Bereich Klettern, wie IFSC-Präsident Marco Scolaris auf der OutDoor by ISPO verkündet.

Marco Scolaris sprach im Indoor Climbing Hub der OutDoor by ISPO.
Marco Scolaris sprach im Indoor Climbing Hub der OutDoor by ISPO.

Marco Scolaris sieht man bei seinem Vortrag im Indoor Climbing Hub die Erleichterung an: wieder ist ein Etappenziel in der Causa Olympia erreicht. Am 25. Juni wurden bei der 134. Sitzung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Lausanne die Sportarten Surfen, Skateboarden Breaking (Breakdance) und Sportklettern für die Sommerspiele in Paris 2024 akzeptiert.

Alle genannten Disziplinen befinden sich ab sofort in der sogenannten Beobachtungsperiode – eine endgültige Entscheidung über den Verbleib der vier Sportarten trifft das IOC im Dezember 2020. In Bezug auf Sportklettern bedeutet das für den IFSC, das der Olympic Combine als Kletterdisziplin in Tokio 2020 einwandfrei ablaufen muss.

Eine Mammutaufgabe, wie Scolaris während seines 30-minütigen Vortrags nicht müde wird zu erwähnen: „Es kommt auf die Ergebnisse in Tokio an, stimmen diese, können wir kurz durchatmen.“

Erstmalige Präsentation der Kletterwand für Tokio 2020

Scolaris kommt nicht mit leeren Händen auf die OutDoor by ISPO sondern präsentiert stolz erstmalig der Öffentlichkeit die Kletterwand für den Olympic Combine in Tokio 2020. Weltpremiere, sozusagen, aber ohne Ansage vorab, wie Christian Popien, Initiator des Indoor Climbing.Hub im Anschluss an den Vortrag feststellt. Eine Tatsache, die das größte Problem des IFSC im Zusammenhang mit Olympia verdeutlicht: Die Kommunikation.

„Wir haben es verpasst, die Kletter-Community über die Entwicklungen hinsichtlich der Teilnahme an den Olympischen Spielen ausreichend zu informieren,“ erklärt Scolaris freimütig. Er weiß, dass es hier noch Luft nach oben gibt, aber auch deswegen ist er nach München gereist. Ein erster Schritt, dem seiner Aussage nach noch viele weitere folgen müssen.

Die Aufgaben für die kommenden Monate sind mannigfaltig, die Kommunikation ist eine davon. Eine andere, die letztlich über den Verbleib im Programm für Paris 2024 entscheidet: Erfolgreiche (Kletter-)Spiele in Asien! Dem IFSC muss es gelingen den viel kritisierten Olympic Combine in Japan sowohl aus Sicht der Athleten als auch aus IOC-Betrachtungsweise bestmöglich zu gestalten.

Tokio 2020: Eine Reise ins Unbekannte

Scolaris skizziert die vielen Schwierigkeiten auf dem Weg ins Land des Lächelns. Die Kletterdisziplin wird an einem von insgesamt 17 Tagen Olympische Sommerspiele ausgetragen. Es gibt eine Medaille für einen Kletterkompromiss namens „Olympic Combine“.

Die Kletterer teilen sich die Fläche mit den Basketballspielern. Worüber Scolaris allerdings froh ist, weil sich die Basketballer nach seiner Aussage, kooperativ zeigen und durchaus ein offenes Ohr für die Sorgen und Wünsche der Olympia-Novizen haben. Wie es dann vor Ort klappt und wie gut sich die Athleten auf den Kletter-Dreikampf vorbereiten konnten, ist hingegen eine Reise ins Unbekannte. Allerdings kommt Scheitern für Scolaris nicht infrage.

Der Weg, Klettern bei den Olympischen Spielen zu etablieren war lang – genau genommen dauerte er 28 Jahre, ausgehend vom ersten Demonstrationswettbewerb bei den olympischen Spielen in Albertville 1992 bis zu Tokio 2020. 

Vor allem die noch frische positive Programmentscheidung des IOC für Paris 2024 wirkt auf den Vollblutkletterer Scolaris wie ein Turbo-Boost. Und so reagiert Scolaris auch souverän auf Zuhörerfragen, wie die nach den Routenbauern für Tokio, verbunden mit der Frage wer den Posten des Chef-Routensetzers bekommt.

Dazu Scolaris: „Ende dieses Jahres werden wir diese wichtigen Personalfragen entscheiden. Letztlich kommt es hier auch darauf an, wer sich für Tokio 2020 qualifiziert.“ Mehr will er zu diesem Zeitpunkt dazu nicht sagen.

Paris 2024 im Fokus

Scolaris gibt während seines Vortrags immer wieder zu verstehen, dass „wir theoretisch immer noch rausfliegen können“. Raus aus dem Programm, raus aus Olympia. Für manche Kritiker klingt das nach Musik in den Ohren. Allerdings bietet Scolaris handfeste Argumente, die für eine dauerhafte Aufnahme ins Programm der Olympischen Spiele sprechen: „Zwar können in Tokio nur 8.300 Zuschauer vor Ort den Olympic Combine verfolgen, aber vergessen Sie nicht: die Olympischen Spiele werden von 2,3 Milliarden Menschen an den Fernsehapparaten verfolgt.“

Eine Chance für den Sport, eine Chance für die Athleten und letztlich auch eine Chance für Olympia mit neuen jungen Sportarten den alten Zopf aufzupeppen und moderner zu gestalten.

Außerdem wäre in Paris 2024 der Olympic Combine dann ohnehin wieder vom Tisch, denn das in Lausanne vorgeschlagene Sportkletterformat würde einen kombinierten Boulder- und Lead- sowie einen separaten Speedkletter-Event vorsehen. Sprich: Zwei Medaillen und eine deutlich größere Anzahl an Athleten, die ihren Traum von Olympia verwirklichen könnten.

Kommentare


Themen dieses Artikels