Autor:
Lars Becker

Kluge Fitness-Apps, Corona-Bekämpfung, Zuschauergruppierung

Mein Coach, die Künstliche Intelligenz

Der mobile Coach ist auf dem Vormarsch – beschleunigt durch die Corona-Pandemie. Bei den Trainings- und Gesundheits-Apps ist KI inzwischen omnipräsent. Und im Profisport und Marketing? Spielt die Künstliche Intelligenz auch hier zunehmend eine Hauptrolle?

Mann mit Kopfhörern sitzt auf einer Matte
Fitness-Apps wie Freeletics sind nur eine der Anwendungsmöglichkeiten von KI im Sport.

2013 gründeten drei junge Männer in München ein Fitness-App-Startup – mit einem Youtube-Video, einem Newsletter und drei PDFs. Heute hat Freeletics als führendes Unternehmen der sogenannten Fittech-Szene über 53 Millionen Nutzer in 175 Ländern weltweit und beschäftigt 150 Angestellte. Diese spektakuläre Entwicklung zeigt, wie rasant KI ihren Weg in den Sport gefunden hat.

Die Corona-Pandemie hat diese Entwicklung weiter beschleunigt. Laut einer Studie von „AppAnnie“ sind die Downloadzahlen von Gesundheits- und Fitness-Apps im zweiten Quartal 2020, als weltweit zahlreiche Lockdowns in Kraft traten, um 60 Prozent gestiegen. Aber auch seitdem wächst die Zahl der Fitness-App-User weiter: Waren es im Jahr 2019 noch 1,97 Milliarden Fitness-App-Downloads, verzeichnet der "State of Mobile Report 2022" von AppAnnie für das Jahr 2021 2,48 Milliarden Downloads.

Und die Nutzer verbringen auch mehr Zeit mit ihren mobilen Workouts. Ganz klar: Der mobile KI-Coach ist auf dem Vormarsch. Aber nicht nur bei den Trainings-Apps ist KI inzwischen nicht mehr wegzudenken: Auch im Profisport, im Marketing und an der Schnittstelle zum Gesundheitsbereich spielt sie eine Hauptrolle.

Komm in den ISPO Collaborators Club! Teste neue, innovative Produkte, nimm an exklusiven Events von Top-Marken und spannenden Startups teil und connecte dich mit anderen sportbegeisterten Mitgliedern. Die Unternehmen freuen sich auf die Zusammenarbeit mit euch!

1. Fitness und Trainingsapps: Kein Face to Face nötig

„KI hat bereits begonnen, den Fitnesssektor zu dominieren. Freeletics, Zwift, Peloton oder Mirror stellen Menschen die elektronischen Ressourcen zur Verfügung, um ihre Fitnessziele zu erreichen, ohne dass eine Kommunikation von Mensch zu Mensch erforderlich ist“, sagt John Persico im Exklusivinterview mit ISPO.com. Der Australier ist Gründer und Direktor der Sports Tech World Series (STWS), einer führenden internationalen Community für Sporttechnologie.

Freeletics ist bereits seit 2013 ein Pionier der KI-Fitness-Branche genau wie das bereits ein Jahr zuvor gegründete Peloton. Das inzwischen börsennotierte US-Unternehmen erkannte die Corona-Krise als Chance, um mittels verstärktem Marketing neue Spinning-Kundschaft zu gewinnen. Inzwischen hat sich Peloton mit seinem Plus-Programm zum Workout-Komplettanbieter gemausert und wirbt sogar im TV-Programm zur besten Sendezeit.

Die im Bereich Rad- und Laufsport erfolgreiche Online-Trainingsplattform Zwift gehört mit zwei Millionen zahlenden Nutzern weltweit ebenfalls zu den größten Virtual-Fitness-Anbietern. Und das Startup Mirror, das einen Spiegel mit Lautsprechern und Kamera als KI-Fitness-Helfer anbietet, wurde mitten in der Pandemie für stolze 500 Millionen Dollar an die Firma Lululemon Athletica verkauft.

Mann macht Liegestütze

2. Profisport und Strategie: So viele Daten wie nie zuvor

Diese Beispiele zeigen: Die Künstliche Intelligenz setzt sich im Sport auf allen Ebenen vom Trainer über den Sportler bis zum Fan immer mehr durch. Die Grundlage dafür ist, dass durch Wearables und andere smarte technologische Beobachter so viele Daten und Statistiken wie nie zuvor zur Verfügung stehen.

Der im Fußball weltweit führende Anbieter Opta Sports berechnet aus Tausenden Einzelinfos wertvolle Statistiken wie Laufkilometer einzelner Spieler, Passquoten oder Torschusseffizienz. In Top-Profiligen wie der NFL, NHL und NBA besonders im Mannschaftssportbereich nutzen Trainer längst KI-basierte Daten- und Video-Auswertungsprogramme, um die Schwächen der Gegner zu analysieren und Strategien zu entwickeln.

3. Marketing: KI mit Vermittlerrolle zwischen Sport und Publikum

„KI wird aber auch zunehmend in der Medientechnologie in Stadien eingesetzt. Dabei werden zum Beispiel Zuschauer gruppiert, um je nach Demografie passende Anzeigen bereitzustellen“, verrät Persico

KI sei nicht mehr aus dem Sport wegzudenken: „Digitales Marketing und digitale Kommunikation werden zum Standard für die Betrachtung und den Konsum von Sport, sowohl in den Stadien als auch zu Hause. Die Künstliche Intelligenz hilft dabei, dass das Publikum den Sport mit einem Maximum an relevanten Informationen konsumieren kann.“

4. Gesundheit: KI hilft bei der Covid-19-Bekämpfung im Sport

Das gilt auch und ganz besonders in schwierigen Zeiten wie in der Covid-19-Pandemie. Hier kann KI helfen, die Ausbreitung des Virus zu bekämpfen. Das Rockefeller Neuroscience Institute hat durch die Abgleichung von Wearable-Daten mit KI-Modellen einen spektakulären Erfolg erzielt: Eine Corona-Infektion soll so schon drei Tage, bevor Infizierte erste Symptome bemerken, mit 90-prozentiger Sicherheit festgestellt werden können. Viele Fitnessarmbänder und Smartwatches ermitteln neben dem Ruhepuls nämlich auch die Herzfrequenz und die Sauerstoffsättigung des Blutes. Dazu liefern sie permanent Schlaf- und Aktivitätsinfos. Diese Daten ändern sich bei akuten Atemwegserkrankungen wie Covid-19.

Überhaupt scheint die Kombination Gesundheit und Sport derzeit so wichtig wie nie zuvor, vor allem wenn es um Messdaten aus dem Gesundheitsbereich geht. Sogar in der Schwangerschaft kann man sich durch ein Tool von Garmin überwachen lassen. Auch hier hilft Künstliche Intelligenz.

„Wearables für Gesundheit und Fitness gewinnen an Bedeutung. Ein anderes gutes Beispiel ist die gemeinsame Arbeit der Griffith University in Queensland/Australien mit Vald Performance an einem KI-Programm. Mit ihm werden Trainingseinheiten entwickelt, die direkt auf individuelle körperliche Daten und Muskelfaserfähigkeiten zugeschnitten sind. So kann die Regeneration verbessert und das Risiko einer erneuten Erkrankung oder Verletzung während der Rehabilitation verhindert werden“, berichtet Persico.

5. KI liefert preiswertes Fitness-Training

Die vertrautesten KI-Tools für die meisten ganz normalen Nutzer bleiben freilich die in der Fitnessbranche. Zum einen jene wie Mirror, die Benutzer bei der korrekten oder besseren Ausführung von Bewegungen helfen. Oder Anwendungen wie Freeletics, die eine Vielzahl individueller Workouts empfehlen.

„Die Hauptvorteile für die Nutzer sind der Zugang zu Trainingsplanung, -überwachung und sogar Motivation zu einem Bruchteil der aktuellen Kosten, wodurch viel mehr Menschen als je zuvor erreicht werden können“, sagt Simon Alger, Lead Data Scientist von Freeletics, im Gespräch mit ISPO.com.

Mann schaut auf sein Smartphone
Schnelle Infos und Daten zum kleinen Preis dank KI und Fitness-Apps

6. KI-Technologie berechnet das individuell perfekte Workout

Zudem könne die KI-Technologie unglaubliche Datenmengen von Wearables und anderen angeschlossenen Geräten verarbeiten, was für einen menschlichen Trainer schlicht unmöglich wäre. Informationen, Erfahrungen und das Feedback von Usern aus der ganzen Welt fließen in den Apps zentral zusammen, werden gruppiert nach Kriterien wie Leistungsstand, Alter, Geschlecht und sportliche Vorlieben. Aus den Ergebnissen können endlos viele individuelle Programme zusammengestellt werden. Der Clou: Durch das ständig weitergehende maschinelle Lernen mit KI wird der persönliche Workout-Plan vom App-Coach mit der Zeit immer punktgenauer.  

Deshalb werden Menschen die Vorteile dieser neuen Technologie – genau wie beispielsweise in der robobasierten Vermögensanlage – nutzen wollen. Platz für die herkömmlichen Fitnessstudios und Personal Trainer bleibt laut Alger trotzdem: „Es wird vermutlich immer einen Platz für Personal Trainer geben. Einige Menschen wollen einfach eine menschliche Note, andere brauchen die Rechenschaftspflicht gegenüber eines echten Menschen. Und insgesamt erwarte ich, dass die Kommunikation von Mensch zu Mensch in der Fitness-Branche durch die Digitalisierung tatsächlich zunimmt. Gruppen von Menschen auf der ganzen Welt können bereits auf eine nie zuvor mögliche Weise unterstützt und ermutigt werden sowie gegeneinander antreten.“

So entstehen mittels KI und Virtual Reality (VR) sogar ganz neue Hybrid-Sportarten. Die Entwicklung von KI im Sport hat gerade erst begonnen…

Artikel teilen
Autor:
Lars Becker


Kommentare