Produktreviews // 08.10.2023

Guide für Kletterer: So wählst du das richtige Sicherungsgerät

Bildcredit: mountainreview.it
Autor:
Martina Wengenmeir

Wie man das richtige Sicherungsgerät auswählt? Antonio weiß es und hat seine Erfahrungen für das italienische Sportmagazin Mountainreview.it geteilt. Davon profitieren jetzt auch Leser*innen von ISPO.com, denn wir veröffentlichen Tests von Mountainreview, die bisher nur auf Italienisch verfügbar waren, auch auf Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. Und heute: einen Guide für das richtige Sicherungsgerät.

Das Sicherungsgerät ist neben dem Seil das wichtigste Werkzeug für die Sicherheit einer Klettergruppe. Um es gleich vorweg zu sagen: Das ideale Sicherungsgerät gibt es nicht, jedes Modell hat seine Stärken und Schwächen, und das beste Gerät ist das, dessen Gebrauch man beherrscht. Außerdem sind nicht alle Sicherungsgeräte in jedem Gelände oder für jedes Seil geeignet, und wir werden gleich erklären, warum.

Er liebt technische Schwierigkeiten am Fels und bergsteigerische Entdeckungen abseits der Massen. Einer seiner Träume ist es, alle 4.000 Meter ohne die Hilfe von Liften und Hütten zu besteigen. „Im Leben handle ich mit Craft-Bier, so weit weg von Büros und Routine wie möglich.“

Sicherungsgerät ist nicht gleich Sicherungsgerät

Ein „Sicherungsgerät“ (oder „Bremse“) ist ein Gegenstand, der dazu dient, das Abrutschen des Seils beim Sturz des Kletterpartners zu bremsen. Im Laufe der Zeit haben sich die Sicherungsgeräte stark verändert und sich zu Werkzeugen weiterentwickelt, die gleichzeitig ein Höchstmaß an Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit bieten.

Beginnen wir also mit einer allgemeinen Klassifizierung, die dazu dient, die verschiedenen Kategorien der derzeit auf dem Markt befindlichen Sicherungsgeräte besser zu definieren.

Derzeit gibt es drei Hauptklassen von Sicherungsgeräten:

  • dynamisch
  • mechanisch unterstützte Sicherung
  • manuell unterstützte Sicherung

Dynamische Sicherungsgeräte

Sie werden auch als dynamische Bremsen bezeichnet und sind in der Lage, das Gleiten des Seils im Gerät zu bremsen und so den Sturz des Partners aufzuhalten. Ihr Funktionsprinzip ist recht einfach: Sie leiten die Sturzenergie ab, indem sie das Seil im Inneren des Geräts reiben. Aus diesem Grund ist es richtiger, sie als Bremsen und nicht als Steigklemmen zu bezeichnen, da die Bremswirkung die Hand des Sichernden erfordert und sich nicht allein aus den mechanischen Eigenschaften des Geräts ergibt.

Ein wichtiges Merkmal aller dynamischen Sicherungsgeräte ist, dass sie auch zum Abseilen verwendet werden können.

Achter - einfache und intuitive Bedienung zum schnellen Auslösen

Dynamische Sicherungen lassen sich in mehrere Kategorien einteilen: Achter und Tube.

Achter: Sie sind recht einfach und intuitiv zu bedienen. Sie ermöglichen ein schnelles Auslösen des Seils, wenn sie zum Sichern des Vorsteigers verwendet werden.

Sie können auch zum Abseilen der zweiten Seilschaft verwendet werden, blockieren aber nicht wie andere Sicherungsgeräte (z. B. Platten) und ermöglichen nicht das gleichzeitige Abseilen von zwei zweiten Seilschaften. Sie können als Abseilgerät verwendet werden.

Einer ihrer bekanntesten Nachteile ist, dass sie die Seile sehr beanspruchen, indem sie deren Verdrehung erhöhen.

Tube - eines der beliebtesten Geräte zum dynamischen Sichern

Tube: Es gibt zwei große Familien, von denen sich die eine aus der anderen entwickelt hat. In ihren weiterentwickelten Versionen (z. B. Black Diamond Atc-Guide, Petzl Reverso, Beal Air Force 3) ist die Tube vielleicht das beliebteste Gerät zum dynamischen Sichern und ermöglicht die Bergung von sogar zwei Seilen.

Die klassischen Basismodelle (z. B. Petzl Verso, Black Diamond Atc, Beal Air Force, Camp Shell) bieten dagegen eine dynamischere Sicherung mit weniger Bremswirkung.

Bei beiden Versionen ist die Verwendung als Abseilgerät möglich.

Sicherungsgeräte können mechanisch oder manuell sein

Mechanische vs. manuell unterstützte Sicherungsgeräte

Mit der rasanten Entwicklung des Sportkletterns ist eine Reihe von Sicherungsgeräten auf den Markt gekommen, die in zwei Kategorien eingeteilt werden können: mechanisch oder manuell.

Der Stammvater der Kategorie der mechanischen Sicherungsgeräte (fälschlicherweise auch als „selbstsichernd“ bezeichnet) ist das bekannte Grigri von Petzl, und die neueste Ergänzung ist das Birdie von Beal. Zu den unterstützten manuellen Sicherungsgeräten gehören beispielsweise das Mega Jul von Edelrid oder das Click Up von Climbing Technology.

Eine Sicherung ist mein Klettern essentiell

Der Unterschied besteht darin, dass bei der ersten Kategorie (mechanisch) ein mechanisches Element zum Einsatz kommt, das das Seil blockiert, während bei der zweiten Kategorie (manuell) die Blockierung durch die Veränderung der Neigung des Karabiner-/Reißersystems erfolgt.

Es muss betont werden, dass alle Werkzeuge, die zu diesen beiden Kategorien von Sicherungsgeräten gehören, niemals als „automatisch“ betrachtet werden dürfen! Sie müssen immer bewusst eingesetzt werden, da diese Geräte nicht „alles von selbst“ machen. Wie in allen Handbüchern, die sie begleiten, steht, erfordern sie immer eine Einweisung und ein gewisses Maß an Geschick bei ihrer Verwendung.

Mechanische Sicherungen sind die wohl verbreitesten Geräte beim Sportklettern

1. Mechanische Sicherungsgeräte mit Blockierhilfe

Sie sind wahrscheinlich die am weitesten verbreiteten Geräte beim Sportklettern und verdanken ihren Erfolg der Zuverlässigkeit, mit der sie einen Sturz blockieren können. Sie sind daher am besten für weniger erfahrene Kletterer geeignet, da sie die Sicherungsmanöver erleichtern, wenn auch auf Kosten der Geschwindigkeit, mit der sie eingestellt werden können.

Die grundsätzliche Funktionsweise ist bei allen Modellen gleich: Die Blockierung erfolgt über einen Nocken oder einen Schnappmechanismus, der das Seil im Falle eines Sturzes einklemmt und blockiert.

Wichtig: Überprüfe, ob der Durchmesser deines Seils mit dem Gerät kompatibel ist!

Leichte Sicherung bei mechanischen Sicherungsgeräten

2. Manuelle Sicherungsgeräte mit Blockierhilfe

In diesem Fall erfolgt die Blockierung durch Veränderung der Neigung des Geräts am Sicherungskarabiner.

Theoretisch klemmt sich das Seil ohne die Hilfe der Bremshand des Sichernden ein. Alle Hersteller empfehlen jedoch, das Gerät wie einen normalen Tube zu verwenden und die Hand immer am zu sichernden Seil zu lassen.

Manuelle Sicherungsgeräte blockieren bei Neigungsveränderung

Der große Vorteil dieser manuellen Bremsen mit Blockierhilfe besteht darin, dass der Kletterer das Seil leicht nachgeben kann, da kein Nocken das Seil blockiert. Außerdem ist es möglich, einen dynamischeren Sturz abzubremsen, da das Seil innerhalb des Geräts nur minimal durchrutscht.

Allerdings ist beim Abseilen mehr Sorgfalt und Feingefühl erforderlich als bei einem selbstsichernden Nockengerät. Aus diesen Gründen würde ich es nur erfahrenen Sichernden empfehlen.

Manuelle Sicherungsgeräte werden eher erfahrenen Kletternden empfohlen

Welches Sicherungsgerät für welches Terrain?

Beim Bergsteigen sollte ein multifunktionales Gerät (z. B. Reverso), das sowohl zum Sichern als auch zum Bergen des zweiten Bergsteigers geeignet ist, bevorzugt werden.

  • JA: dynamische Sicherungsgeräte (Achter, Eimer, Reverso)
  • JA: manuelle Sicherungsgeräte mit Blockierhilfe (Modelle, die mit Halbseilen kompatibel sind)
  • NEIN: mechanisches Sicherungsgerät mit Verriegelungshilfe (kann zu Rissen in den Sicherungen führen)

Beim Sportklettern an Felsen wird die Verwendung von dynamischen Bremsen nicht empfohlen, um im Falle eines Sturzes ein rechtzeitiges Auffangen zu gewährleisten.

  • JA: mechanische Sicherungsgeräte mit unterstützter Sicherung
  • JA: manuelle Sicherungsgeräte mit unterstützter Blockierung
  • NEIN: dynamischen Bremsen

Bei sportliche Mehrseillängenrouten können alle verwendet werden, wobei multifunktionale Geräte zu bevorzugen sind.

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Martina Wengenmeir
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