Dr. Regina Henkel
Autor:
Regina Henkel

Ausblick auf die Wintersaison im Corona-Jahr

Winter 2020: So positiv schauen Sportmarken auf die Wintersaison

Die Wintersaison steht vor der Tür, und die Sportindustrie rüstet sich für die nächsten Herausforderungen. Mit welchen Erwartungen gehen die Sportmarken angesichts der bestehenden Unsicherheiten in den nächsten Winter? Das gestiegene Bedürfnis der Konsumenten nach Sport und Naturerlebnis stimmt viele zuversichtlich.

Die Sportindustrie schaut optimistisch in die kommende Wintersaison - trotz der bestehenden Unsicherheiten.

Der Sommer hat es bereits gezeigt: Die Menschen haben Lust auf Sport. Das Outdoorsegment und generell Individualsportarten, die im Freien stattfinden können, haben in den letzten Monaten zugelegt. Dr. Kai Hudetz, Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts IFH Köln, spricht gar von einer Sonderkonjunktur in gewissen Bereichen des Sportmarkts. Durch Corona ist die Aufmerksamkeit für die Themen Fitness, Ernährung und Gesundheit stark gestiegen. An dieser Einstellung wird sich auch im bevorstehenden Winter nichts ändern. Entsprechend hoffnungsvoll schaut die Sportindustrie auf die neue Saison. „Auch wenn wir noch nicht wissen können, welche Wendungen Covid-19 noch für uns bereithalten wird, blicken wir doch positiv nach vorne“, sagt Michael Sieber, Head of Sales von Ortovox, und spricht damit für die gesamte Branche.

Wintersport ist keine Risikosportart

Wintersport ist keine Risikosportart mit erhöhtem Ansteckungspotential, darin sind sich alle einig. Wintersport wird an der frischen Luft betrieben, und die nötigen Abstände lassen sich problemlos einhalten – zumindest während des Sports. Problematisch sind aber Transport, Gastronomie und nicht zuletzt der Party-Tourismus. Um hier verlässliche Lösungen zu finden, arbeiten alle Akteure der Wintersportindustrie gerade eng zusammen. „Wichtig ist die gemeinsame Botschaft: Wintersport ist Outdoor-Sport und gehört damit nicht zu den eigentlichen Risikosportarten für COVID-19. Mit dem Sport verbundene Ansammlungen bei Après-Ski, Skischulen, Unterkunft, Veranstaltungen und Transport sind die zu lösende Herausforderung“, sagt Marc Hasenstein, Geschäftsführer für Deutschland & Österreich beim Skihersteller Elan.
Um den Sport sicherer zu machen und dem Handel neue Umsätze zu bescheren, hat die Sportbekleidungsindustrie längst selbst begonnen, Mund-Nase-Masken zu entwickeln. Den spanischen Schlauchschal-Hersteller Buff brachte die Pandemie gar an die Kapazitätsgrenze. Auch er bietet inzwischen neue Produkte mit integriertem Filter.

Trends: Individualsport und Naturerlebnis

Dennoch rechnen die Hersteller angesichts der anhaltenden Infektionsgefahr mit einem veränderten Konsumentenverhalten. Wintersportarten wie Tourengehen, Freeride, Langlauf und Schneeschuhwandern werden in diesem Winter besonders gefragt sein. In einer aktuellen Studie hat Schöffel gezeigt, „dass viele Menschen während des Lockdowns und danach den Wert von Aktivitäten in der Natur zu schätzen gelernt haben – und wir sind sicher, dass sie diese auch künftig verstärkt fortführen werden“, erklärt CEO Peter Schöffel. Er ergänzt: „Dabei stehen sportliche und gesundheitliche Aspekte ganz klar im Vordergrund, Angebote wie Après-Ski werden zunehmend an Bedeutung verlieren.“ Bei guter Schneelage dürften in diesem Jahr kleinere Skigebiete gute Chancen haben und Regionen, die leicht zu erreichen sind.
Auch andere Sportarten abseits der Berge rechnen weiter mit Zuwachs, wie Running oder auch Bouldern – letzteres vor allem in südeuropäischen Regionen. „Während und nach dem Lockdown gab es einen Run auf Crash-Pads. Viele Marken waren ausverkauft, es war verrückt. Heute sind die Einzelhändler sehr zuversichtlich, was Kletterausrüstung angeht, und stocken sogar ihre Orders auf“, sagt Maria Fuentes, Brand Manager von der französischen Bouldermarke Snap.

Outdoor-Aktivitäten stehen in Pandemie-Zeiten hoch im Kurs. Daran wird sich auch im Winter nichts ändern.

Sortimente: Basics und Highlights

Schaut man auf die Sortimente, die in diesen Wochen an den Handel ausgeliefert werden, dominieren zwei Kategorien: Kernsortimente und Highlights. Viele Hersteller haben als Reaktion auf die geschlossenen Geschäfte und ausbleibenden Umsätze im Handel zu Beginn der Pandemie ihre Winterkollektionen verkleinert, umgestellt oder Teile verschoben. Hersteller und Händler gehen auf Nummer sicher, „hierzu gehört auch eine Straffung des Produktsortiments“, sagt Melody Harris-Jensbach, CEO von Jack Wolfskin. Nicht immer wäre das im Nachhinein nötig gewesen: Manche Marken haben frühzeitig Produkte gestrichen, die der Handel später doch gerne verkauft hätte. Auch Liefertermine wurden angepasst, beispielsweise von August auf September, bei Ortovox. „Das wollen wir auch in Zukunft beibehalten“, sagt Sieber und hofft, dass jetzt noch mehr Brands damit beginnen, Liefertermine und Saisons wieder näher zusammenzubringen.
Neue Kaufanreize durch Highlights und Innovationen dürfen in diesem Winter aber dennoch nicht fehlen. „Grundsätzlich vertraut der Handel besonders in die Kollektionsbereiche, in denen Elan durch seine Innovationen ein Alleinstellungsmerkmal hat“, sagt Hasenstein weiter.

Mehr Offenheit für Neues

Obwohl die Pandemie in der Branche viel Schaden angerichtet hat, erkennen darin viele auch eine Chance: „Wir haben alle gelernt, dass man an neuen Herausforderungen wächst. Ich bin stolz auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie reibungslos hier vieles bei uns funktioniert hat. Und auch mit vielen Partnern konnten mit Verständnis füreinander Lösungen gefunden werden“, sagt Melody Harris-Jensbach. Die Herausforderungen „fordern und fördern unsere Kreativität und unseren Mut“, stellt auch Marc Hasenstein fest. Für den gesamten Wintersport bedeutet die Pandemie „Notwendigkeit und Chance zugleich, sich zu wandeln“, ist Peter Schöffel überzeugt.
Kreativität und Mut müssen jetzt auch Messen durch die Entwicklung neuer, hybrider Konzepte und die Einbeziehung digitaler Elemente beweisen. Das Ende physischer Messen wünscht sich indes niemand. Harris-Jensbach: „Auch Messekonzepte müssen sich weiterentwickeln und werden in Zukunft digitaler werden. Unabhängig davon haben sie unverändert eine sehr hohe Relevanz für uns.“

 

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