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Persönlichkeiten des Sports, die 2023 geprägt haben

LISTICLE | 18.12.2023
Gordon Herber bei seiner Key Note auf der ISPO Munich 2023.
Autor:
Sebastian Bütow

Sie haben mit ihren Teams 2023 große Titel errungen, erfolgreiche Events organisiert oder uns durch ihren Einsatz für Menschenrechte und Umweltschutz begeistert. Deshalb feiern wir diese 10 starken, motivierenden und inspirierenden Persönlichkeiten aus dem Sport – von A wie Adrian bis Y wie Yusra.

1

Gordon Herbert, Basketball-Trainer

Kein Jahresrückblick ohne diese Bilder: Der Mann, der Deutschlands Basketballer sensationell zum WM-Titel coachte, sitzt direkt nach dem Finale in Manila gegen Serbien erschöpft auf dem Boden, körperlich und mental überwältigt vom Triumph. Der Kanadier reibt sich ungläubig die Stirn: Was ist hier los, was ist passiert? Schon dem Erfolg im Halbfinale gegen die eigentlich unbesiegbaren USA haftete etwas Surreales an. Neben dem überragenden Akteur Dennis Schröder und dem Comeback von Franz Wagner bleibt von dem Turnier der Gänsehaut-Moment des erschöpften Gordon Herbert in Erinnerung. Warum der studierte Sportpsychologe das Team so brillant führte, brachte Schröder auf den Punkt: „Rollenverteilung. Jeder weiß ganz genau, was er zu tun hat. Er pusht uns, hält uns auf dem Boden, aber gibt dir trotzdem Selbstvertrauen. Völlig verdient ist er jetzt Weltmeister-Coach.“ Bei der finalen Pressekonferenz glänzte der meist stoisch wirkende „Gordie“ Herbert auch als Entertainer: „Ich liebe die Philippinen, aber sie brauchen besseres Bier!“

2

Pep Guardiola, Fußball-Trainer

Endlich hat er seinen lange vermissten Ohrenpokal wieder: Als erster Fußballcoach überhaupt gelang Pep Guardiola mit zwei verschiedenen Mannschaften ein Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League. Mit dem 1:0-Sieg im Königsklassenfinale gegen Inter Mailand wiederholte der Katalane mit seinem Club Manchester City einen Coup, der ihm schon im Jahr 2009 mit dem FC Barcelona glückte. Bei seinem Heimatverein war der Gewinn des CL-Pokals beinahe selbstverständlich, beim FC Bayern und in Manchester blieb ihm dieser Triumph trotz dominanter Mannschaften zwölf Jahre lang verwehrt. Guardiola befand sich auf dem besten Weg, eine tragische Figur, der Fußballgeschichte zu werden, die auf den letzten Metern immer wieder knapp scheiterte – bis 2023, dem Jahr, das seine Erlösung markierte.

3

Adrian Newey, Formel 1 Ingenieur

Er ist zweifelsohne das Superhirn der Formel 1: Hinter den Erfolgen von Red Bull Racing und Max Verstappen steht der brillante Motor-Konstrukteur Adrian Newey. Keiner entwirft so schlanke und innovative Boliden wie der Brite. Zuvor wirkte er bereits als Technischer Direktor für Spitzenteams wie Williams und McLaren. Somit ist er mitverantwortlich für mehr als 200 Grand-Prix-Siege und den dritten WM-Titel in Folge für Red Bull und Verstappen. Dieser brach in der Saison 2023 nebenbei mehrere Rekorde, unter anderem für die meisten Siege (19 von 22 Saisonrennen) und die meisten Punkte (575). Auch hatte er den größten Vorsprung in der Geschichte der Formel 1.

4

Yusra Mardini, Schwimmerin

 Ein wahres Drama für Hollywood: Im Jahr 2015 flüchtete Yusra Mardini mit ihrer Schwester Sara aus ihrer kriegszerrütteten Heimat Syrien. Während der dramatischen Flucht Richtung Deutschland retteten die beiden das Leben vieler Menschen an Bord ihres Flüchtlingsbootes. Als Yusra 2016 als Mitglied des allerersten olympischen Flüchtlingsteams in Rio antrat, bewegte ihre Geschichte die Welt. Mit ihrer Yusra Mardini Foundation entwickelt sie nun innovative Sport- und Bildungsprojekte für Geflüchtete. Im Alter von 19 Jahren wurde die Speakerin der ISPO Munich 2023 zur jüngsten UNHCR-Sonderbotschafterin aller Zeiten ernannt. Für Aufsehen sorgte auch der Netflix-Film „The Swimmers“ über die Lebensgeschichte der Mardini-Schwestern. 



5

Marion Rousse, Radsport-Funktionärin

Dass sich die Tour de France der Frauen immer mehr als natürliche Fortsetzung der dreiwöchigen Männer-Tour etabliert, darf sich Organisationschefin Marion Rousse auf die Fahnen schreiben. Die ehemalige französische Meisterin im Straßenrennen sieht in der „Tour de France Femmes“ noch viel Potenzial: „Beim ersten Mal im Jahr 2022 ging es vor allem darum, das Rennen im Bewusstsein der Menschen zu verankern und zu zeigen: Ja, eine Tour de France der Frauen ist möglich. In diesem Jahr war das gar nicht mehr die Frage, sondern die Athletinnen selbst, ihr Kampf gegeneinander, ihre Persönlichkeiten standen im Mittelpunkt“, sagt die 32-Jährige. À la bonne heure, Madame Rousse! 



6

Colin Kaepernick, Football-Spieler

Als Quarterback der San Francisco 49ers sorgte Colin Kaepernick sportlich für Furore, noch mehr allerdings für sein Engagement gegen Rassismus und für die Black-Lives-Matter-Bewegung. So kniete er im September 2016 während der Hymne, um gegen systemische Unterdrückung und Polizeigewalt in den USA zu protestieren. Diese Aktion inspirierte viele andere Sportler*innen, hatte aber auch Konsequenzen: Colin wurde aus dem Team entlassen und konnte bis heute nicht in die NFL zurückkehren. Doch ein Colin Kaepernick lässt sich nicht unterkriegen: Abseits des Football-Feldes kämpft er weiter gegen die Unterdrückung von People of Color und setzt sich unermüdlich für Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Integrität ein – auch als Speaker auf der ISPO Munich 2023.



7

Nirmal Purja, Bergsteiger

Mount Everest, K2 und Co. sind seine Wohnzimmer: Innerhalb von etwas mehr als sechs Monaten bestieg der Nepalese Nirmal Purja 2019 alle 14 Achttausender auf diesem Planeten. Dieses Wagnis galt als unmöglich und wird in der Netflix-Doku „14 Peaks: Nothing is Impossible“ verewigt. Mit seinem Projekt „The Big Mountain Cleanup“ will der ehemalige Soldat in Diensten der British Army und ISPO Cup Preisträger 2023 seinen Teil dazu beitragen, der Umgebung der Berggiganten mehr Schutz zu bieten. Zudem setzt er sich für die Menschen in seiner Heimat ein, wie er im exklusiven Interview mit ISPO.com erzählt.

8

Mary Davis, Special Olympics Funktionärin

 Ein Leben für mehr Vielfalt im Sport: Die Special Olympics World Summer Games 2023 in Berlin waren, gemessen an der Teilnehmerzahl, das größte internationale Sportereignis in Deutschland seit den Sommerspielen in München 1972. Als CEO war Mary Davis für die Organisation verantwortlich. Die Irin war ihr Leben lang eine Anführerin der Sportbewegung für Menschen mit Behinderungen. Bereits bei den allerersten regionalen Special Olympics Spielen im Jahr 1985 wirkte Davis mit. Heute leitet sie ein internationales Team mit 250 Fachleuten aus der ganzen Welt und setzt sich für die Inklusion von Kindern und Erwachsenen ein. 

9

Rassie Erasmus, Rugby-Trainer

Bank-Comeback des Genies: Nachdem sich Südafrikas Rugby-Männer im Oktober 2023 zum dritten Mal den WM-Titel erkämpften, beglückte wenige Tage später eine Nachricht die Fans: Kult-Coach John „Rassie“ Erasmus kehrt auf den Trainerposten zurück. Er hält seinem Amt als Sportdirektor die Treue und arbeitet nun in einer Doppelfunktion. Der Südafrikaner gilt als Exzentriker, mitunter lautstarker Schiedsrichter-Kritiker, vor allem jedoch als Taktik-Revoluzzer. Beim südafrikanischen Erfolg bei der Rugby-WM in Japan 2019 war er bereits Trainer der „Springboks“ gewesen und verblüffte die Rugby-Welt mit taktischen Geniestreichen. Zudem setzt er sich leidenschaftlich für die Weiterentwicklung seines Sports ein und sorgt dafür, dass auch Rugby-Träume von unterprivilegierten Jugendlichen wahr werden. Mit Siya Kolisi ernannte er zum ersten Mal einen schwarzen Spieler zum Kapitän.

10

David Beeche, Fußball-Funktionär

Begeisterung wie noch nie: Sagenhafte 81.500 Zuschauer*innen besuchten alleine das Eröffnungsspiel der FIFA Frauenfußball-WM 2023 in Sydney. Das Turnier in Australien und Neuseeland war ein farbenfrohes Fest für den Fußball, feierte Besucherrekorde und sorgte für einen Boost für den Frauenfußball. Daran hat auch der Neuseeländer David Beeche als Turnier-Organisator einen großen Anteil. „Ich habe zwei Töchter, die Fußball spielen, und habe so aus erster Hand erfahren, welche wichtigen Lektionen und positiven Auswirkungen der Fußball auf die Entwicklung junger Menschen, insbesondere Mädchen im Teenageralter, haben kann“, sagte der ehemalige Triathlet. Schade nur, dass ein übergriffiger Kuss des spanischen Verbandschefs nach dem Finale diesem herrlichen Spektakel in Down Under eine unerfreuliche Schlusspointe bescherte.

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Sebastian Bütow
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