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Dinge, die du über die Kennzeichnung „BPA-frei“ wissen musst

LISTICLE | 28.10.2021

Das Label „BPA-frei“ kennzeichnet Produkte, die kein Bisphenol A enthalten. Das ist deshalb wichtig, weil der Weichmacher krank machen kann und trotzdem in so vielen Produkten steckt – auch in Sportartikeln. Warum das so ist und welche BPA-freien Alternativen es gibt, erfährst du hier.

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Was genau ist BPA?

Bisphenol A ist eine Chemikalie, die bei der Herstellung von Kunststoffen verwendet wird. Man bezeichnet sie als Weichmacher, weil sie dafür sorgt, dass das Material flexibel, geschmeidig und dehnbar wird. Seit den 60er-Jahren wird BPA branchenübergreifend, oft und gerne für die Herstellung von Plastik-Produkten verwendet, weil es sehr unkompliziert ist: Es ist leicht und formstabil, transparent und lässt sich ganz einfach einfärben.

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Wo kommt BPA vor?

Der Weichmacher kommt in den vielen Plastik-Produkten vor, die wir im Alltag benutzen: in Lebensmittelbehältern, Trinkflaschen, Plastikgeschirr oder -besteck, Kinderspielzeug und Schnullern. Auch Sports Wear aus Polyester kann Bisphenol A enthalten.

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BPA kann krank machen

Wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass Bisphenol A hormonähnliche Wirkungen auf den Körper hat. Man hat herausgefunden, dass der Weichmacher die körperliche Entwicklung von Kindern hemmt und den Hormonhaushalt Erwachsener aus dem Gleichgewicht bringt. Laut Umweltbundesamt kann BPA zu Herzkreislauferkrankungen, Leberproblemen und Diabetes führen. Und sogar zu einer Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit.

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So gelangt BPA in den Körper

Der Weichmacher wird dann gefährlich, wenn sein Träger, das Plastik, erwärmt wird. Eine Kunststoff-Flasche, die stundenlang in der Sonne lag, hat sehr wahrscheinlich BPA an seinen Inhalt abgegeben – danach noch daraus zu trinken ist gesundheitsschädlich. BPA kann sich auch lösen, wenn du heißen Tee in eine Plastikflasche füllst. Das gleiche gilt für Lebensmittel aus Plastikverpackungen oder Polyester-Fasern mit direktem Hautkontakt.

Vor allem, wenn sich in der Plastikflasche oder im Geschirr Kratzer gebildet haben, kann das BPA über die Nahrung oder Wasser ganz einfach in den menschlichen Körper gelangen.

 

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Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit warnt vor Bisphenol A

2015 wurde der tägliche Grenzwert für BPA von 50 Mikrogramm auf 4 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht heruntergesetzt. Diese kleine Menge gilt derzeit als unbedenklich. Trotzdem listet die Europäische Union Bisphenol A seit 2018 als für Mensch und Umwelt schädliche Chemikalie.

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Viele Produkte für Kleinkinder sind per Gesetz BPA-frei

Aufgrund der alarmierenden Studienergebnisse hat die EU im Jahr 2011 die Herstellung und den Verkauf von BPA-haltigen Produkten für Babys und Kleinkinder verboten. Schnuller und Babyflaschen bekommt man in Europa seither nur noch mit dem Siegel „BPA-frei“. In vielen anderen Produktsparten ist der Weichmacher Bisphenol A dennoch vertreten, besonders häufig in Trinkflaschen aus Kunststoff.

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Am besten entscheidest du dich für BPA-freie Alternativen

Am einheitlichen Label „BPA-frei“ oder „BPA free“ erkennst du auf den ersten Blick, dass ein Produkt ohne den Weichmacher auskommt, auch wenn es aus Kunststoff ist. Oder du greifst gleich auf plastikfreie Alternativen zurück, zum Beispiel Trinkflaschen oder Lebensmittelbehältern aus Edelstahl oder Active und Sports Wear aus Naturfasern.

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Warum wird BPA so häufig eingesetzt?

Der chemischen Stoff wird in der industriellen Produktion zur Herstellung von Kunststoffen und Harzen verwendet wird. Vor allem in der Herstellung von Polycarbonat (PC) ist BPA nicht wegzudenken. Eine Zeit lang war BPA sogar die weltweit am häufigsten eingesetzte Chemikalie. Das liegt daran, dass Kunststoffe, die BPA enthalten, äußerst leicht und formstabil sind. Außerdem können sie entweder transparent hergestellt werden oder eingefärbt werden. Durch den Einsatz von BPA ergab sich für die Industrie eine kostengünstige und unheimlich große Bandbreite an verschiedenen Möglichkeiten. Doch Bisphenol hat Schattenseiten, die immer mehr zutage treten.

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In welchen Produkten kann BPA enthalten sein?

Polycarbonat wird für viele Alltagsgegenstände und Produkte im Outdoorbereich eingesetzt. Dazu gehören Getränkeflaschen, Lebensmittelbehälter oder Geschirr. Ebenso wird BPA für Schutzbeschichtungen bei Dosen oder in der Herstellung von Epoxidharz verwendet. BPA wurde jahrzehntelang für eine große Anzahl von Produkten aus stabilem Hartplastik eingesetzt, zum Beispiel:

  • Babyflaschen, Schnuller, Wickelauflagen, Plastikspielzeug für Babys und Kleinkinder
  • Plastikverpackungen im Lebensmittelhandel
  • die Innenbeschichtung von Konserven- oder Getränkedosen 
  • Thermopapier bei Bondruckern, zum Beispiel im Supermarkt oder bei Fahrkarten, Tickets oder Parkscheinen
  • Plastikgeschirr
  • Papp- und Kunststoffbecher
  • CDs
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Ist BPA gesundheitsschädlich?

Inzwischen gibt es zahlreiche Studien, die sich mit der Wirkung von Bisphenol A auf den menschlichen Körper beschäftigt haben. Daher weiß man, dass BPA im menschlichen Körper eine hormonähnliche Wirkung entfaltet. Der Stoff wird daher als endokriner Disruptor eingestuft. Andere Bezeichnungen dafür sind Xenohormone, Umwelthormone oder hormonaktive Substanzen. Endokrine Disruptoren wirken schon in winzigen Mengen auf einen Organismus. Im Fall von BPA wird im menschlichen Körper die Wirkung des weiblichen Sexualhormons Östrogen imitiert. In Tierversuchen konnten Forscher zahlreiche schädliche Wirkungen von BPA auf den Organismus belegen. Inzwischen weiß man auch, dass BPA bei Männern, Frauen und Kindern unterschiedlich wirkt:

  • Kommen Männer zum Beispiel in Kontakt mit zu viel Östrogen, kann das die Qualität der Spermien negativ beeinflussen. In der Folge kann die Fruchtbarkeit gemindert sein. 
  • Bei Kindern kann BPA die natürliche Entwicklung hemmen und zum Beispiel zu Störungen im Gehirn und am Herzen führen.
  • Auch bei Frauen kann BPA das hormonelle Gleichgewicht durcheinanderbringen. Die Folge ist auch hier, dass Frauen unfruchtbar werden.
  • Geschlechter- und altersunabhängig kann BPA Schmelzdefekte an den Zähnen auslösen. Der Schmelzdefekt ist in der Medizin auch unter dem Namen Kreidezähne oder Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation bekannt. Dabei löst sich der Zahnschmelz, der die äußere Hülle der Zähne bildet auf. Die Zähne bröckeln nur so vor sich hin. Es gibt nichts, was man dagegen tun kann. Kreidezähne können bei den Milchzähnen, aber auch bei den bleibenden Zähnen auftreten.
  • Neben den Kreidezähnen kann Bisphenol A Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems begünstigen. Der Stoff steht außerdem in Verdacht, Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes oder Leberkrankheiten zu begünstigen. 

Zum Glück hat auch die Industrie Inzwischen erkannt, wie schädlich BPA sein kann. Dort hat bei vielen Unternehmen ein Umdenken stattgefunden. Daher sind viele Produkte heute frei von BPA und entsprechend gekennzeichnet.

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Wie kann man Kinder vor BPA schützen?

Eltern wird dringend empfohlen, ihre Kinder vor BPA zu schützen. Der Versuch, BPA komplett aus dem Leben von Kindern zu verbannen, ist wahrscheinlich unmöglich. Was jedoch möglich ist, ist den Kontakt mit dem chemischen Stoff deutlich zu reduzieren. Das klappt bereits mit einfachen Maßnahmen.
Hier sind einige Tipps:

  • Finde Produkte, die BPA-frei sind. Das ist mittlerweile nicht mehr so schwer, wie es früher einmal war. Viele Marken von Flaschen, Schnabeltassen und anderem Geschirr werben inzwischen damit, dass sie BPA-frei sind.
  • Achte auf Babynahrung, die BPA-frei ist. Viele Marken verzichten bei der Herstellung von Dosen und Behältnissen auf BPA.
  • Wähle kunststofffreie Behälter für Lebensmittel. Gefäße aus Glas, Porzellan oder Edelstahl enthalten kein BPA.
  • Erhitze niemals Kunststoff, der BPA enthalten könnte.
  • Wirf alle Kunststoffprodukte wie Flaschen oder Trinkbecher weg, die gesprungen oder rissig sind. Sie können nicht nur Krankheitserreger beinhalten, sondern auch BPA das durch die Beschädigung leichter freigesetzt werden kann und in die Nahrung übergeht.
  • Versuche auf Lebensmittel aus Konserven zu verzichte und greif stattdessen auf frische oder gefrorene Lebensmittel zurück.
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BPA-Verbote und Einschränkungen

Da es immer deutlicher wird, welche negativen Folgen BPA für die Gesundheit hat, gibt es inzwischen Verbote und Einschränkungen in Bezug auf Bisphenol A:

Für den Bereich der Babyflaschen wurde BPA in der Europäischen Union bereits im Jahr 2011 verboten. In diesem Bereich finden sich inzwischen ausschließlich BPA-freie Produkt aus Polypropylen oder Polyamid. Zudem kannst du einfach zu Babyflaschen aus Glas greifen. Schnuller sind in der Regel aus anderen Materialien hergestellt und enthalten von Haus aus kein BPA. Allerdings soll auch erwähnt werden, dass das Verbot von BPA nicht für Baby- und Kinderspielzeug, Trinkbecher oder Wickelauflagen gilt

Auch in neuem Thermopapier ist BPA inzwischen verboten. Denn beim Personal an Supermarktkassen konnte man durch den ständigen Kontakt mit dem Thermopapier erhöhte Grenzwerte im Körper feststellen. Bereits verkauftes Thermopapier mit BPA darf aber weiterverwendet werden. 

Im Jahr 2015 hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) den Grenzwert für BPA herabgesetzt. Während früher ein Wert von 50 Mikrogramm pro kg Körpergewicht und Tag galt, sind es heute nur noch 4 Mikrogramm. 

Seit Anfang des Jahres 2018 steht BPA auch auf der Liste der Kandidaten der Europäischen Chemikalienverordnung REACH. Auf diese Liste kommen Substanzen, die der menschlichen Gesundheit und der Umwelt schaden können.

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In welchen Outdoorprodukten kann BPA enthalten sein?

Was Outdoorprodukte betrifft, sind es vor allem Trinkflaschen aus Plastik, Lebensmittelbehälter oder Geschirr aus Kunststoff, das BPA enthalten kann. Es gibt aber zum Glück viele Produkte, die kein BPA mehr enthalten. Diese sind in der Regel mit dem Hinweis „BPA frei“ gekennzeichnet. Produkte der folgenden Hersteller werden ohne Zugabe von BPA hergestellt:

  • Plastiktrinkflaschen von Nalgene werden aus Tritan hergestellt
  • Produkte von GSI werden aus BPA-freiem Kunststoff und Aluminium hergestellt
  • Klean Kanteen stellt seine Flaschen aus Edelstahl her
  • Die praktischen modularen Boxen von Wildo sind ebenfalls frei von BPA

Auch viele andere Hersteller wie Salewa, Vaude, Dynafit oder Maloja haben BPA aus ihren Trinkflaschen, Trinkblasen und Trinkbehältern verbannt. Du kannst also inzwischen auf eine große Auswahl an BPA-freien Produkten zurückgreifen.

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Wie kann man BPA meiden?

Die genauen Auswirkungen von BPA auf den Körper sind noch nicht abschließend geklärt. Unter den Experten weltweit gibt es immer noch unterschiedliche Einschätzungen zur Risikobewertung von BPA. Daher ist es am besten, auf BPA zu verzichten. Achte beim Kauf von Trinkflaschen, Trinkblasen oder Plastikgeschirr auf die Kennzeichnung „BPA frei“. Oder verwende am besten Produkte, die nicht aus Plastik bestehen. Trinkflaschen und Essgeschirr gibt es auch aus Edelstahl.

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Ist BPA-frei nachhaltig?

Da BPA immer mit Plastik verbunden ist, ist ein Ersatz solcher Produkte immer nachhaltig. Denn Plastik basiert auf Erdöl und damit einem endlichen Rohstoff. Besser ist es, wenn du für deine Mehrwegverpackung auf andere Materialien wie Glas oder Edelstahl setzt. Diese Materialien sind zudem auch hygienischer und lassen sich einfach reinigen. Wenn du Glas verwendest, achte darauf, dass du eine Schutzhülle verwendest. So kann das Glas nicht unterwegs brechen.

BPA-frei Fazit

Es wird immer klarer und auch von offiziellen Stellen anerkannt, dass BPA ein gefährlicher Stoff ist. In deinem Alltag solltest du ihn – so gut es geht – vermeiden. Achte in Zukunft beim Kauf von Trinkflaschen, Plastikbehältern und Plastikgeschirr darauf, dass es als BPA-frei gekennzeichnet ist. Oder greife gleich zu plastikfreien Alternativen. Diese sind oft langlebiger, nachhaltiger und hygienischer.

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