Autor:
Martin Jahns

Geschlechter-Stereotypen und mangelnde Vorbildrolle der Eltern

US-Studie: Wie die Gesellschaft Mädchen im Sport benachteiligt

Mädchen treiben in den USA deutlich weniger Sport als Jungs. Schuld daran tragen auch die Eltern. Zu diesem Resultat kommt nun eine US-Studie, die Lösungsansätze gleich mitliefert.

Sportarten wie Hockey machen Kinder körperlich und mental fit.
Nur 36,4% der Mädchen in den USA betreiben laut einer Studien aktuell Sport.

In ihrer Studie „Keeping Girls in the Game: Factors that Influence Sport Participation“ untersucht die Women’s Sports Foundation in Zusammenarbeit mit der Dick’s Foundation soziale Einflüsse auf sportliche Aktivitäten von Kindern sowie Gründe für ein Aufgeben des Sports.

Basierend auf einer US-weiten Umfrage unter Jungs und Mädchen zwischen sieben und 17 Jahren sowie ihren Eltern kommt die Studie zum Ergebnis, dass es in den USA noch immer gesellschaftliche Hemmnisse für Mädchen im Sport gibt.

Während 34,5% der Jungs nie Sport ausgeübt haben, sind es bei den Mädchen 43,1%. Nur 36,4% der Mädchen betreiben aktuell Sport, bei den Jungs waren es 45,6% der Befragten.

Zu wenige weibliche Vorbilder im Sport

Geschlechter-Stereotypen befeuern diesen Trend: Knapp ein Drittel der befragten Eltern (32,2%) vertreten die Meinung, dass „Jungs besser im Sport sind als Mädchen“.

Zudem fehlen weibliche Vorbilder im Sport. 68% der Kinder, die Sport treiben, haben männliche Trainer. Eltern ermutigen ihre Töchter kaum, Sport-Größen nachzueifern: Lediglich 13% der aktuell Sport treibenden Mädchen werden von ihren Eltern dahingehend motiviert.

Kurios: Obwohl Sport laut mehreren Studien positiven Einfluss auf den akademischen Werdegang hat, antworteten 30% der Befragten – sowohl Kinder als auch Eltern – dass ein größerer Fokus auf gute Schulnoten der Hauptgrund dafür ist, mit dem Sport aufzuhören. Fast drei Viertel (73%) der Eltern von Kindern, die mit dem Sport aufgehört haben, taten dies, weil sie das Gefühl hatten, dass der Sport die akademische Laufbahn des Kindes beeinträchtigte.

Auch das Einkommen der Eltern spielt eine Rolle: In einkommensschwachen Haushalten (bis 49.999 US-Dollar pro Jahr) betreiben nur 24,6% der Mädchen derzeit Sport. 57,5% haben nie organisiert Sport betrieben.

Maßnahmen für mehr Mädchen im Sport

Für eine höhere sportliche Aktivität der Mädchen regt die Studie mehrere Maßnahmen an: So müsse die Sportbranche neue Möglichkeiten finden, die ganze Bandbreite des Sports zu bewerben. Spezielle Programme und Jugendklubs sollten speziell Mädchen zur Teilnahme anregen.

Eltern sollten sportliche Ambitionen ihrer Töchter emotional und materiell fördern. Sei es durch positive Einstellung zum Sport, das Zuschauen und Unterstützen beim Sport oder gemeinsames Trainieren. Zudem regt die Studie Mütter an, sich aktiver als Trainerinnen in Teams ihrer Töchter zu engagieren.

Zudem müsse die positive Rolle des Sports auf Heranwachsende und ihre akademische Laufbahn Kindern und Eltern klarer vermittelt werden sowie die Finanzierung von Programmen für Kinder aus einkommensschwächeren Haushalten aufgestockt werden.

„Mädchen oft nur an der Seitenlinie“

„Unsere Forschungspartnerschaft mit der Women’s Sports Foundation hat uns geholfen, die Hindernisse für die aktive Teilnahme von Mädchen am Sport herauszuarbeiten. Sie hat uns dazu motiviert, unsere Unterstützung von Sportprogrammen für Mädchen fortzusetzen“, sagte Aimee Watter, Executive Director der Dick’s Foundation.

„Ein klareres Verständnis von den Faktoren zu haben, die Mädchen oft nur an die Seitenlinie stellen, ist unglaublich wichtig. […] Am Ende hilft es allen Seiten, wenn mehr Mädchen mitspielen“, sagte Deborah Antoine, CEO der Women’s Sports Foundation.

Autor:
Martin Jahns
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