Autor:
Eva Doll

Gründer Nils Kowalczek im Interview

Wie Tinongo Eltern hilft, die richtige Sportart für ihr Kind zu finden

­­­­­­­­Wie finden Eltern den passenden Sport für ihr Kind? Mit Tinongo, sagt Nils Kowalczek. Er ist Gründer der Internetplattform, die Sportarten für Kinder vergleichbar vorstellen soll. Wie Tinongo funktioniert, welche Sportart zu welchem Kind passt und warum Sport wichtig für Kids ist, erklärt Kowalczek im Interview.

Eine Frage, die viele Eltern beschäftigt: Welche Sportart kann mein Kind in der Umgebung ausüben?
Eine Frage, die viele Eltern beschäftigt: Welche Sportart kann mein Kind in der Umgebung ausüben?

„Tinongo - finde den Sport für Dein Kind“ – das jedenfalls verspricht der Claim der Website. Standardisiert werden dort aktuell 79 Vereinssportarten aus Deutschland vorgestellt – zugeschnitten auf typisch Fragen von Eltern, die auf Sportartensuche für ihre Sprösslinge sind.

Gründer Nils Kowalczek findet Sport enorm wichtig: Für die Gesundheit. Und auch als soziale Komponente. Kowalczek ist selbst Jugendtrainer und aktiver Sportler, lang war er Torhüter in der Hockeynationalmannschaft. Sein Ziel ist es Kinder durch Tinongo zum Sport zu bringen. ISPO.com sprach mit Kowalczek über sein Projekt.

„Im Vorfeld über Sportarten informieren“

ISPO.com: Was bedeutet „Tinongo“ und wie ist die Plattform entstanden?
Nils Kowalczek: Tinongo ist eine Redewendung in Simbabwe, die "Es ist machbar" bedeutet. Das passt zu „Finde den Sport für dein Kind“. Denn Tinongo hilft, Sport für Kinder machbar zu gestalten.

Die Idee zur Plattform entstand durch zwei Schlüsselerlebnisse. In der Grundschule meines Ortes stellte mein Verein Hockey vor. Danach sprach mich im Supermarkt eine Mutter an. Ihre Tochter wolle nun unbedingt Hockey spielen. Aber der Sport sei doch gefährlich. Und sehr teuer. Außerdem wisse sie ja gar nicht, wo man das spielen könne und wie viel Zeit man da mitbringen muss. Ich konnte ihre Fragen beantworten – allerdings nur für diese eine Sportart. Mir wurde klar, dass es Sportarten-Aufklärungsarbeit für Eltern braucht. Denn wie sollen Eltern die von ihren Sprösslingen auserkorenen Sportarten real bewerten, ohne zu wissen, worauf sie sich einlassen?

Dann traf ich einen Jungen in unserem Verein, der erst ein paar Wochen Hockey spielte. Er muss den Sport aus elterlichem Zeitmangel beenden, erzählte er traurig. Das Kind war frustriert, es musste nicht nur den Sport, sondern auch eine zweite wichtige soziale Komponente, die Sportfreunde, aufgeben. Mir war klar, dass das Kind erst einmal keinen anderen Sport ausprobieren wird – es war viel zu enttäuscht. So kam mir die Idee, Eltern eine Möglichkeit zu schaffen, sich im Vorfeld sinnvoll über potenzielle Sportarten zu informieren.

Damals gab es im Internet keine Möglichkeit, sich übergreifend und auf einer Plattform über Sportarten vergleichbar zu informieren. Das musste ich mit Tinongo ändern.

Gründer Nils Kowalczek (l.) auf der ISPO Munich: Er will Sprinter Johannes Floors als Tinongo-Botschafter gewinnen.
Gründer Nils Kowalczek (l.) auf der ISPO Munich: Er will Sprinter Johannes Floors als Tinongo-Botschafter gewinnen.

„Tinongo soll filtern, welcher Sport zu Familie, Alltag und Kind passt“

Wie funktioniert die Plattform Tinongo?
Tinongo stellt unterschiedlichste Vereins-Sportarten standardisiert und objektiv vor. Auf unserer Website sind aktuell 79 Sportarten für Kinder und deren Parameter vereinheitlicht vorgestellt. Dies stellen wir durch unseren Tinongo-Fragebogen sicher, den der Bundesverband der jeweiligen Sportart uns beantwortet. Alle Verbände beantworten die selben für Eltern relevanten Fragen. Beispielsweise:

  • Ab welchem Alter ist die Sportart sinnvoll?
  • Wie hoch sind die Kosten für Ausrüstung und Beiträge?
  • Wie viele Wettkämpfe gibt?
  • Welche Verletzungen kommen vor?
  • Wie viele Vereine gibt es – und gibt es dazu eine Datenbank?

Sportarten können so übersichtlich und leichter verglichen werden. Ziel soll sein, klar herauszufiltern, welcher Sport zur jeweiligen Familie, dem Alltag und dem Kind passt.

Können sich auch Vereine beteiligen?
Für Vereine bauen wir eine neue Vereinsdatenbank auf. Vereine können sich dazu auf unserer Website registrieren. Es gibt allein in Deutschland knapp 90.000 Sportvereine. Und viele Sportverbände haben zwar Vereinslisten oder Vereinssuchen, doch diese sind natürlich immer auf ihre Sportart beschränkt. Zudem sind die Websites der unterschiedlichen Vereine und Verbände nicht immer gleich aufgebaut oder nicht sehr benutzerfreundlich. Außerdem ermögliche Landesverbänden nur Suchen innerhalb von Bundesländern. Das bedeutet für die Eltern mühsame Informationsbeschaffung und langwierige Suche. Bei mir rufen durch Tinongo fast wöchentlich Eltern an, die bei der Vereinssuche um Hilfe bitten.

Wir möchten eine Datenbank aufbauen, die Bundesländergrenzen und Sportartfokussierung aufbrechen soll. Ziel ist es, die größte Vereinsdatenbank zur Verfügung zu stellen. Sie soll Eltern ermöglichen, ganz simpel nach angebotenen Sportarten im Umkreis zu suchen. Egal welcher Sport, egal welches Bundesland. Langfristig ist auch eine Ausweitung für die DACH-Länder geplant.

Mittlerweile haben wir viele Top-Athleten unterschiedlichster Sportarten als Botschafter für Tinongo gewinnen können. Beispielsweise Caroline Hingst, Stabhochsprung-Athletin oder Anne Sauer, achtfache deutsche Meisterin im Fechten.

„Wir sollten uns nicht fragen, ob Kinder Sport treiben, sondern nur welchen“

Warum ist Sport für Kinder so wichtig?
Die gesundheitliche Entwicklung unserer Gesellschaft ist auch bei unseren Kindern dramatisch. Übergewicht, Bluthochdruck, Depressionen und Krebserkrankungen sind auf dem Vormarsch. Sport ist ein zentraler Baustein für eine Verbesserung - präventiv und kurativ. Ich sage: Wir als Gesellschaft können es uns gar nicht erlauben, unseren Kindern Sport nicht zu ermöglichen. Wir sollten uns also nicht fragen, ob unser Kind Sport treibt, sondern lediglich, welchen.

Ich könnte mit Zahlen um mich werfen, wie rasant der Bluthochdruck und das Übergewicht bei unseren Kindern in den letzten Jahren gestiegen sind. Oder ich könnte erwähnen, dass aktuell durchschnittlich in zwei von drei Grundschulklassen ein Kind mit Depressionen sitzt und dass das Risiko, an Depressionen zu erkranken, um 44 Prozent steigt, wenn man keinen Sport macht. Die Zahlen sind erschreckend. Oder dass regelmäßiger Sport das Krebsrisiko um 20 bis 30 Prozent senkt. Natürlich ist Sport keine Garantie dafür, nie eine der genannten Erkrankungen zu bekommen. Aber selbst im Falle einer Erkrankung ist der Heilungsprozess von Sportlern deutlich besser als ohne Sport. Auch langfristig ist Sport für die Gesundheit wichtig.

Sport ist auch für die persönliche, emotionale, geistige und soziale Entwicklung bedeutend - das wird von vielen leider unterschätzt. Kurzgefasst: Sport hält gesund und macht schlau!

Sportarten wie Hockey machen Kinder körperlich und mental fit.
Sportarten wie Hockey machen Kinder körperlich und mental fit.

„Sporterfolge stellen sich mit Spaß fast von allein ein“

Kann jedes Kind jeden Sport betreiben?
Natürlich kann jedes Kind jeden Sport machen. Wichtig ist der Spaß. Es ist eigentlich nebensächlich, ob das Kind für eine Sportart mehr oder weniger geeignet erscheint. Ich denke da zum Beispiel an Britta Steffen, die im Kindergarten von den Sportscouts für den Schwimmsport ausgemustert wurde, weil sie niemals die körperlichen Voraussetzungen dafür mitbringen würde. Sie ist trotzdem zum Schwimmen gegangen und hatte nicht nur Spaß dabei, sondern auch noch enormen Erfolg. Sie wurde später Doppel-Olympiasiegerin, Doppel-Weltmeisterin und Doppel-Europameisterin. Es gibt einige vergleichbare Beispiele, von denen mir auch andere erfolgreiche Sportler in meinem Podcast erzählen.

Der Gedankengang, „Wofür ist mein Kind talentiert?“ ist nach wie vor sehr in den Köpfen verankert. Das kommt aus der Sportwissenschaft. Die zielt allerdings darauf ab, wie man besonders erfolgreich in einem Sport wird und nicht darauf, ob man einfach Spaß an einem Sport haben kann. Erfolg kommt mit Spaß schon fast von allein.

Was möchten Sie Eltern zum Thema Sport für Kinder mit auf den Weg geben?

Zwei Dinge halte ich hier für wichtig:

  1. Ermöglicht euren Kindern den Sport! Auch wenn das einen gewissen Aufwand und Organisation bedeutet. Das Investment ist gering, wenn man bedenkt, was unsere Kinder langfristig vom Sport haben. Wenn Eltern ihren Kindern keinen regelmäßigen Sport ermöglichen, weil sie dafür zu bequem sind, weil es Arbeit macht oder weil sie selbst weniger Freizeit haben, dann halte ich das für fahrlässig.
  2. Steht hinter dem Sport und achtet darauf, dass euer Kind den Spaß nicht verliert! Das bedeutet auch, dass man dem Kind keinen Druck machen und nicht so viel reinreden darf. Unterstützt euer Kind! Feuert es an - und fangt es auf, wenn es mal frustriert ist! Freut euch mit ihm, wenn es Freude hat! Dann stellt sich Erfolg in jeder Hinsicht ein.
Autor:
Eva Doll
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