Dr. Regina Henkel
Autor:
Regina Henkel

Die neuen Zimtstern-Chefs im Interview: Hans Allmendinger & Sönke Voss

Alles auf Radbekleidung: So will Zimtstern wieder neu durchstarten

Funktion mit Style, das war die Idee der Gründer der Marke Zimtstern 1995. Daran hat sich auch bis heute nichts geändert. Die Sportmarke wurde jetzt von Hans Allmendinger und Sönke Voss übernommen. Sie bringen Erfahrung von Nike und Sport 2000 mit und wollen das Unternehmen nun im Bike-Segment groß machen. 

Die Marke Zimtstern setzt unter neuer Leitung alles auf das Bike Segment. 
Die Marke Zimtstern setzt unter neuer Leitung alles auf das Bike Segment. 

Im Sommer 2018 erfolgte die letzte Auslieferung von Zimtstern unter der vorigen Inhabergesellschaft, der schweizerischen Sports-Pool AG. Sie hatte Zimtstern 2013 von ihren Gründern Thomas Meyer und Reto Kuster übernommen, konnte die Talfahrt der Snowboardmarke aber nicht verhindern.

Jetzt wollen die neuen Eigentümer und Brancheninsider Hans Allmendinger und Sönke Voss an den einstigen Kultstatus der Brand anknüpfen, jedoch ohne das Segment Snowboard. Stattdessen sollen Bikewear und Streetwear im Fokus stehen. Hans Allmendinger und Sönke Voss – beide waren davor lange im Management von Sport 2000 tätig – sprechen über ihre neuen Pläne und sagen, wann das erste Mal Zimtstern wieder mit neuen Styles im Handel sein wird.

Sönke Voss (li) und Hans Allmendinger (re), beides langjährige Manager beim Sportverband Sport 2000, wollen Zimtstern zur Lieblingsmarke machen.
Sönke Voss (li) und Hans Allmendinger (re), beides langjährige Manager beim Sportverband Sport 2000, wollen Zimtstern zur Lieblingsmarke machen.

Große Sympathie für die Marke Zimtstern

ISPO.com: Wie kamen Sie auf die Idee Zimtstern zu übernehmen? Was gefiel Ihnen an der Marke?
Hans Allmendinger: Interessant waren für uns die Markenbekanntheit und die bis heute große Sympathie für die Marke. Das gab für uns den Ausschlag einzusteigen, es waren nicht die Umsätze. Zimtstern ist in den letzten Jahren in die Abwärtsspirale des Snowboardmarktes geraten. Vom Snowboard auf das Bikesegment zu wechseln war nicht nur ein smarter Move der früheren Inhaber, sondern hat die Marke auch so positioniert, dass sie ganz genau zu uns und unseren Ideen passte.

Woher wissen Sie, dass die Marke den Konsumenten noch interessiert, wenn sie seit einem Jahr aus dem Handel verschwunden ist?
Allmendinger:
Ich habe auf Instagram ein Bild gepostet, um ein Lebenszeichen zu geben und die Resonanz war toll: Über 10 Prozent der Follower haben prompt reagiert. Man hat gemerkt, dass die Leute wissen wollen, wie es weiter geht, und dass ein Aufatmen da ist, dass es weiter geht.

Funktionalität, Style und der nötige Spaßfaktor

Wie genau ist das Unternehmen Zimtstern jetzt strukturiert?
Sönke Voss: Wir haben ein agiles Gebilde geschaffen: Das Design wird nach wie vor in der Schweiz gemacht – übrigens von einem Designer, der auch schon früher für Zimtstern gearbeitet hat. Die Operations sind in Deutschland bei uns in Mainhausen. Wir haben die Verantwortung für Produkt, Marketing und Vertrieb in Europa. Mit Distributoren in Nordamerika und Asien sind wir im Gespräch. Klar ist, die Marke soll auf breitere, internationale Füße gestellt werden.

Was für eine Marke wird Zimtstern in Zukunft sein? Worauf fokussieren Sie sich?
Allmendinger:
Inhaltlich wird der Fokus ganz auf dem Thema Bike liegen, mit Ausrichtung auf das Gravity-Segment, also Enduro, Freeride und Downhill. Der Spaß- und Adrenalin-Part hat Zimtstern schon immer ausgezeichnet. All das, was die Marke stark gemacht hat, wollen wir wieder aufleben lassen. Neben der funktionellen Bike-Kollektion wird es auch eine modische Urban Trail Linie geben. Das Thema Commuter gibt es im Markt noch nicht richtig, wir wollen den Bereich mit aufbauen. Das wird wie klassische Streetwear aussehen, aber funktionelle Details haben, z.B. Bike-taugliche Parkas, Telefontaschen in der Hose etc.

Warum setzen Sie so stark auf Bike?
Allmendinger:
Laut einer repräsentativen Studie der AWA (Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse) zur Freizeitentwicklung war das Thema Mountainbike und E-Bike in Europa in den letzten Jahren das Wachstumssegment im Sport und wird es nach unserer Einschätzung auch noch in den nächsten Jahren sein. Es gibt heute 14,9 Millionen MTBler, viel viel mehr als Snowboarder, und viele ehemalige Snowboarder fahren heute Mountainbike, auch viele Zimtstern-Konsumenten.

Altes Logo, neue Gesellschaft: Die neue Zimtstern Kollektion soll noch diesen Sommer in die Läden kommen.
Altes Logo, neue Gesellschaft: Die neue Zimtstern Kollektion soll noch diesen Sommer in die Läden kommen.

„Wir sind selbst MTB-verrückt“

Zimtstern gehörte noch unter den Gründern zu den Sportmarken, die mit als erste das Thema Nachhaltigkeit auf der Agenda hatten. Welche Rolle wird das Thema bei Ihnen spielen?
Allmendinger: Das Engagement im Bereich Nachhaltigkeit wollen wir fortsetzen, d.h. unseren Fokus werden wir auf Naturfasern legen und nachhaltigen Anbau, auch beim Verpackungsmaterial setzen wir auf Recycling-Material. Nachhaltigkeit war eine Kernkompetenz bei Zimtstern, da wollen wir anschließen.

Welche Kompetenz fügen Sie mit Ihrer Expertise als ehemalige Sport-2000-Manager hinzu?
Voss: Wir haben das Sortiments-Know-how und greifen auf die innovativsten Produktionstechniken, die es aktuell im Markt gibt, zurück. Wir bringen eine sehr große Markterfahrung mit und haben gelernt, wie Marken aufgebaut und Stories erzählt werden. Das heißt: Wir haben einen sehr professionellen Hintergrund. Und wir sind selbst MTB-verrückt, bringen also auch die emotionale Komponente mit. So etwas muss natürlich auch gelebt werden.

"Ziel ist es, Zimtstern zur Lieblingsmarke zu machen"

Der Sportmarkt ist in einer Umbruchphase, warum braucht ein Händler eine neue Marke wie Zimtstern?
Voss: Aus unserer Erfahrung der letzten Jahre kennen wir natürlich die Probleme im Markt. Der Markt ist kein einfacher, das Jahr 2018 war extrem. Keiner wartet auf eine neue vergleichbare Marke, aber die Offenheit im Handel für neue Marken mit neuen, innovativen Themen ist so groß wie nie. Wir haben eine klare Fachhandelsexpertise. Wir haben mehrfach gesehen wie man eine Marke überhitzt und wissen deshalb gut, worauf es ankommt, um für den Handel profitabel und ein fairer Partner zu sein.

Welche Rolle wird das Sport-2000-Netzwerk im Vertrieb spielen?
Sönke Voss: Wir werden den Vertrieb selektiv aufbauen. Sport 2000 ist neben anderen ein wichtiger Partner. Wir gehen aber nicht dorthin, wo wir vermeintlich leicht reinverkaufen können, sondern dorthin, wo der Konsument ist. Wir haben keinen Druck schnell zu wachsen. Wir wollen die richtigen Händler bekommen. Wenn wir in den falschen Türen sind, hilft das niemandem, auch nicht den Händlern. Ziel ist es, Zimtstern zur Lieblingsmarke zu machen und diese positive Resonanz weiter anzufüttern und zu aktivieren.

An welchem Punkt des Relaunchs sind Sie jetzt? Wie geht es weiter?
Hans Allmendinger: Die ersten Muster gibt es im April, dann startet der Reinverkauf. Wir haben den Vorteil, dass wir die Kollektion vorproduzieren können. Das heißt auch: Wir können nachliefern. Wenn man sieht, was eine Marke erfolgreich macht, dann ist es oft auch diese Nachlieferfähigkeit. Sommer 2019 liefern wir zum ersten Mal aus, dann soll die Kollektion sukzessive wachsen.

Ab Sommer 2020 wird es eine Ganzjahreskollektion geben mit saisonalen Produkten und bestimmten Styles, die das Jahr durchlaufen. Wir haben keine Eile, es soll Schritt für Schritt vorangehen. Wir sind ein Start-up. Bei einem langfristigen Konzept ist es wichtig, flexibel und anpassungsfähig zu bleiben. Das macht alle erfolgreichen Marken aus.

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