Autor:
Eva Doll

POC- und Cake-Gründer über starke Marken, Cake und visionäres Messedenken

Stefan Ytterborn: „Produkte brauchen einen guten Grund“

Der Schwede Stefan Ytterborn ist Visionär und Macher gleichermaßen. 2005 gründete er die Marke POC, die er von der Idee zur internationalen Premium-Marke leitete – und verkaufte. 2016 gründete er Cake, eine E-Motorbike-Firma, die viel Aufmerksamkeit generiert und rasant wächst. Was es braucht, um Marken auf die Erfolgsspur zu bringen und was Messen zukünftig tun sollten, verrät er ISPO.com.

Mit Straßenlizenz: das Cake-E-Motorbike „Kalk“.
Mit Straßenlizenz: das Cake-E-Motorbike „Kalk“.

Stefan Ytterborn beschreibt sich selbst als einen „eigensinnigen Veränderer“. Was er anfasst, verspricht Erfolg. So weist seine junge Marke Cake bereits eine bemerkenswerte Liste an Erfolgen auf: Gewinner des IF Design Awards 2019, des German Design Award 2019 sowie des Red Dot Design Awards 2019 – um einige zu nennen. Auch ausverkauft waren die E-Motorbikes schon. Beim ISPO Award räumte er mit seiner ehemaligen Firma Poc einige Preise ab.

Ytterborn selbst ist ein großer Experte für Neueinführungen, er war beispielsweise auch schon Juror bei ISPO Brandnew. Wie werden Marken so erfolgreich? ISPO.com sprach mit Ytterborn darüber.

Stefan Ytterborns Rezept für rasanten Erfolg

ISPO.com: Herr Ytterborn, 2005 haben Sie POC Sports gegründet. Seitdem hat sich die Marke stetig entwickelt. Heute ist sie eine etablierte Premium-Marke im Besitz von Investcorp, einer internationalen Investment Firma. Was ist Ihr Erfolgsrezept für gesundes und stabiles Markenwachstum?
Stefan Ytterborn: Das Rezept: Kombiniere…

  • Zweck und Sinn,
  • Qualität,
  • Performance,
  • Style,
  • Innovation.

Innovativ sein bedeutet etwas neu und besser machen oder etwas besser machen – im Vergleich zu dem, was es vorher gab und unter Einbezug aller erdenklichen Aspekte, wie z.B. Nutzerfreundlichkeit, Sauberkeit, Schnelligkeit, Effizienz…usw. Diese Aspekte sollten klar, einfach zu verstehen und vor allem gut sichtbar herausgearbeitet sein.

Stefan Ytterborn widmet seine Karriere dem Thema Marken, Produktentwicklung und Kommunikation.
Stefan Ytterborn widmet seine Karriere dem Thema Marken, Produktentwicklung und Kommunikation.

Was bei Start-ups wichtig ist

Von Anfang an: Was ist noch wichtig beim Aufbau einer neuen Marke? Worüber müssen sich Neugründer bewusst sein?
Eine neue Marke oder ein neues Business launchen heißt auch eine möglichst genaue Vorstellung von dem zu haben, was dann kommt. Natürlich Relevanz haben und diese aufzeigen, sowie die Geduld und Ausdauer besitzen den Markt bei der Idee oder der Marke ankommen zu lassen. Ist eine Verbindung da, heißt es sich mit ebendiesem Markt weiterentwickeln – im gegenseitigen Respekt.

Mit Ausdauer meine ich Folgendes: Die Einführungszeiten am Markt für einen neuen Typus, eine neue Funktionalität oder ein neues Bedürfnis, das vorher noch keiner kannte, variiert. Es ist wichtig, von vornherein genug Reserven, Atem, Ausdauer und „Benzin im Tank“ zu haben, um diese Durststrecke überbrücken zu können: damit man nicht von der Bildfläche verschwindet, bevor man überhaupt vom Markt wahrgenommen wurde.

Messen als essenzielle Plattformen

Aller Anfang ist schwer und eine gute Idee allein reicht nicht aus. Wie schafft man überhaupt Sichtbarkeit für eine Start-Up-Marke? Und welche Rolle spielen Start-Up-Plattformen wie ISPO Brandnew, die POC gewann und in dessen Jury Sie schon saßen, in diesem Zusammenhang?
Bühnen, Shows, Messen und Marktplätze sind essenzielle Plattformen für den Austausch und die Sichtbarkeit. So lange aber keine Sinnhaftigkeit hinter dem Produkt bzw. der Idee existiert, stellt sich kein Erfolg ein. Für den Sportbereich ist ISPO Brandnew wahrscheinlich die wichtigste Start-up-Plattform.

Eine Marke kann noch so gut sein – wenn kein Team im Hintergrund steht, das im richtigen Moment die richtigen Dinge tut, passt Nichts zusammen. Wie sieht so ein Team im Idealfall aus, wie entwickelt es sich weiter?
Der wichtigste Aspekt für ein erfolgreiches Team ist ein gemeinsames langfristiges Ziel. Dann spielen Erfolg und Scheitern gleichermaßen wichtige (Entwicklungs)-Rollen auf dem ehrgeizigen Weg zur Zielerreichung.

Sport und Fashion als Konkurrenten für die Marke

Zum Produkt: Was muss ein Produkt haben, um erfolgsversprechend zu sein?
Einen guten Grund. Dann ist es auch immer ein gutes Zeichen, wenn 50% das Produkt lieben und 50% gar nicht mögen.

Sport und Fashion drängen gegenseitig auf Ihre Märkte. Sie sind auf beiden zu Hause. Was passiert ihrer Meinung nach nun weiter am Sportmarkt?
Die Sportindustrie ist grundsätzlich besser aufgestellt. Sie unterstützt Nutzen, Performance und Innovation. Deshalb glaube ich, dass die Sportindustrie, die zunehmend die Aspekte von Qualität und Style weiterentwickelt, die bessere Zukunft hat.

Die Ziele der Marke Cake

Ihre neue Marke Cake entwickelt sich rasant. Ein erklärter Gründungsgrund: Beschleunigung der Reise zur „Null-Emissions“-Gesellschaft. Was sind in diesem Kontext weitere Ziele von Cake?
Weiter klare Ziele sind in diesem Kontext: 70.000 Bikes im Premium Segment bis 2027, mit einem Umsatz um 500 Millionen Euro. Zudem haben wir viele „weiche Ziele“ für Cake: einfach zu fahren; geschlechts- und altersneutral; Respekt gegenüber Mutter Natur, der Tierwelt und anderen, die Lebensraum mit uns teilen, sowie der Auflage gemeinschaftlich an einer nachhaltigen Umwelt zu arbeiten…um einige zu nennen.

Vision und Herausforderungen für Messen

Mal ganz visionär: Wohin sollten sich Messen langfristig entwickeln? Welche Herausforderungen sind auf dem Weg dorthin zu nehmen?
Was mich beunruhigt ist die Menge an Materialien und Konstruktionen, die in Messen investiert und dann gleich wieder weggeworfen werden. Meiner Meinung nach sollten Messegesellschaften Limits dafür definieren.

Wenn jede Firma gezwungen ist, ihre Produkte ohne das ganze „Chichi“ drumherum zu zeigen, geht es am Ende um: Produkte und großartige Firmen. Wir brauchen dringend einen nachhaltigen Weg zur Müllvermeidung.

Autor:
Eva Doll
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