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Cross-Industry im Outdoor-Sektor: Buzzword oder Game-Changer.

Think outside the box. Wie durch X-Industry branchenübergreifend Innovationen entstehen.

Disruptive Start-Ups, Crowdsourcing-Projekte oder Innovations-Units in Konzernen: Die Innovationsdynamik nimmt allerorts zu. Ein Weg der bei der Suche nach neuen Wegen vielfach unterschätzt wird, ist die Kooperation mit anderen Branchen. Wie Cross-Industry kreative Kräfte bündelt.

Holst Wearable – Herzfrequenzmesser auf der LOPEC 2017
Holst Wearable – Herzfrequenzmesser auf der LOPEC 2017

Der Begriff Elektroluminiszenz geht einem Sportartikelhersteller erstmal nicht sehr leicht über die Lippen. Umso wichtiger war eine Annäherung zwischen Sportbranche und den Experten für gedruckte Elektronik. In einem Kooperationsprojekt verband die Messe München die beiden Branchen um Innovationen zu beanreizen und kreative Energien zu bündeln. Resonanzkörper dieser gemeinsamen Schwingungen sind die beiden Fachmessen ISPO und LOPEC. Eine enorm wichtige Zusammenkunft, da er für Printed Eletronics neue Märkte eröffnet und die Sportbranche an ein wichtiges Zukunftsfeld anschließt. Hieraus entstehen echte Innovationen.

Es geht darum, Wertschöpfungsketten gegenseitig zu ergänzen

Bei Innovationsprozessen dieser Art geht es nicht nur um schnelle Impulse. Um einen echten Mehrwert zu leisten, müssen Wertschöpfungsketten genau beobachtet und synchronisiert werden. Diese Integrationsprozesse hat ein Forschungsprojekt am Lehrstuhls für Innovationsmanagement an der Zeppelin Universität näher untersucht. Ergebnis: Die Prozesse wirken wesentlich in zwei Richtungen. Zum einen können Lösungen aus fremden Wertschöpfungsketten in den eigenen Prozess integriert werden, der Outside in Prozess. Zum anderen können eigene Ansätze in fremde Prozesse integriert werden, wobei die Studie von einem Inside Out Ansatz spricht. Eine Ist-Analyse hilft dabei, gegenseitige Strukturen zu analysieren und so passende Zielbranchen auszuwählen. Die Möglichkeiten der Kooperation reichen dabei von der losen Kooperation im Sinne eines Dienstleisterverhältnisses bis hin zur Entwicklung gemeinsamer Geschäftsmodelle. Letztere Form der Kooperation kann sehr aussichtsreich sein, da neben den Chancen auch die Risiken geteilt werden und so eine höhere gegenseitiges Verbindlichkeit besteht. Zudem können durch enge Kooperationsformen auch entwicklungsfernere Kompetenzen gebündelt werden, etwa im Einkauf oder in Marketing und Vertrieb.

Cross Industry braucht einen Kurator

Wie so häufig werden vielerorts fruchtbare Potenziale verschenkt, weil es in den betreffenden Unternehmen keine klaren Zuständigkeiten gibt. Wo sie doch etabliert sind, sehen die Verantwortlichen oft den Wald vor lauter Bäumen nicht. Denn ein Cross-Industry Ansatz kann beinahe alle Branchen sinnvoll kombinieren. Kaum ein Szenario ist dabei zu verrückt um nicht wenigsten angedacht zu werden. Was Unternehmen im übergreifenden Innovationsprozess als Initiation brauchen ist daher ein Kurator, dessen Einblicke und Kontakte in verschiedene Branchen hineinreichen. Dieser braucht vor allem Breite und Übersicht, denn tiefes Fachwissen bringen die Unternehmen selbst mit. Es geht eher darum den Stein ins Rollen zu bringen, den Kopf zu öffnen und eine konkrete Vision der Zusammenarbeit zu etablieren. Wie im Beispiel von LOPEC und ISPO kann dieser Kurator eine Messe sein. Traditionell haben Messegesellschaften ein sehr heterogenes Branchenportfolio und gute Kontakte in die einzelnen Industriesparten. Je stärker und vielseitiger die Unternehmenslandschaft in der entsprechenden Region ist, desto höher das innovative Potential.

„Technologie ist der wichtigste Treiber der Sportindustrie“

Speziell in der Sportindustrie kann die Kooperation mit fachfremden Branchen echte Dimensionssprünge bedeuten. Zum einen im Bereich der Innovationstiefe spielen neue Technologien eine wichtige Rolle, wie Prof. Dr. Andreas Hohmann weiß. Er betreut den Lehrstuhl für Sporttechnologie an der Universität Bayreuth. „Direkt nachdem sich eine neue Sportart oder eine Produktgruppe am Markt etabliert hat, stehen die Hersteller im Wettkampf um das beste Material, die ausgefeilteste Technik oder das aerodynamischste Design. Fachfremde Technologien und Materialien können hier ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein.“ Darüber hinaus gibt es selbstredend auch einen Wettbewerb um den Kunden. Dieser ist heute aber nicht in erster Linie branchenintern, sondern sektorenübergreifend. „Ob eine Fitnessapp nun von einem Technologieanbieter wie google kommt oder von einer Sportmarke wie Nike lanciert wird, ist dem Kunden letztlich egal. Entscheidend ist, wer zuerst am Markt präsent ist. Wenn die Sportindustrie sich hier nicht öffnet und bereit ist, branchenfremde Technologien zu integrieren, verpasst die gesamte Branche den Anschluss an die Konsumenten von morgen.“

Die Outdoor-Industrie hat die Zeichen erkannt

Der Outdoor-Sektor wird häufig als verschlossene Branche angesehen. Dass dieser Eindruck nicht zutreffend ist, zeigte sich beim LOPEC Cross-Industry-Walk. Mit Branchenvertretern internationaler Outdoor-Marken wie Amer Sports, Deuter, Jack Wolfskin, Mammut, Marmot, Ortovox, Schwan Stabilo Outdoor oder Vaude war das branchenübergreifende Format außerordentlich hochkarätig besetzt. Zudem nahmen übergeordnete Branchenvertreter der European Outdoor Group an der Veranstaltung teil und suchten aktiv nach Anknüpfungspunkten. Gemeinsam nutzten sie die Chance, als Branche geeint auf eine fachfremde Industrie zuzugehen und neue Ideen zuzulassen.

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