Nachhaltigkeit // 19.12.2022

Die Zukunft ist jetzt: Kreislaufwirtschaft auf dem Vormarsch

Autor:
Aude Penouty

Herstellen, Verbrauchen, Wegwerfen – das zerstörerische Wirtschaften hat bekanntlich ausgedient. Wegweisende Initiativen der Sportbekleidungs- und Outdoorindustrie unterstreichen, dass die Branche immer mehr umdenkt – und in nachhaltige zirkuläre Modelle investiert.

Als eine der ersten Branchen hat die Sportbekleidungsindustrie in Kreislaufthemen investiert. Mit dem Ziel, Antworten zu finden auf den Mythos unendlicher Ressourcen bei unveränderten Preisen und Lieferzeiten. Als Vorbild dient die Natur, in der Rohstoffe wachsen, sich wandeln und wieder zu Nährstoffen werden. Ein geschlossener Kreislauf, in dem nichts verloren geht. Es muss sichergestellt werden, dass möglichst viel vom Produkt auch nach dem Gebrauch weiterverwendet wird.

Dass sich dieses Prinzip industriell umsetzen lässt, wird der Branche zunehmend bewusster: „60 Prozent der führenden Modeunternehmen haben bereits in die Kreislaufwirtschaft investiert oder planen, bis 2024 in diese zu investieren“, konstatiert die State of Fashion 2022-Studie von Business of Fashion und McKinsey & Company.

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In Europa tut sich was

Wie die jüngste Fashion-Studie von McKinsey & Company („Skalierung des Textilrecyclings in Europa – Umwandlung von Abfällen in Werte“) zeigt, werden neue Gesetze und globale Initiativen intensiv diskutiert, zudem europaweite Rahmenbedingungen ins Leben gerufen. Die wichtigsten Akteure – unter anderem der französische RTW-Verband, die Copenhagen Fashion Week, Taskforce Fashion, die Camera Nazionale della Moda – vereinen sich in der European Fashion Alliance, um Cradle-to-Cradle-Meilensteine zu erreichen.

Textiles Recycling – wichtiger denn je

Darüber hinaus bieten Institute und Organisationen wie die Ellen MacArthur Foundation oder dem CETI (European Center for Innovative Textiles) Lösungen, Schulungen und Visionen für die zirkuläre Transformation an. Dank dieser Maßnahmen und dem wegweisenden französischen AGEC-Gesetz geht Europa auf dem Weg in die Kreislaufwirtschaft einen mächtigen Schritt weiter.

Recycling und Upcycling sind als Instrumente der Kreislaufwirtschaft wesentlich effizienter, wenn diese ganzheitlich in einem geschlossenen Kreislauf verwendet werden. Deshalb beteiligen sich Stoffhersteller an systemischen Ansätzen mit kurzen Kreisläufen, welche die größte Errungenschaft der Kreislaufwirtschaft darstellen.

Lösungen für das Abfallmanagement

Die betrugsanfällige Abfallwirtschaft ist ein enorm großes Puzzleteil in der Kreislaufwirtschaft. Innovative Lösungen gibt es bereits: So überwacht Reverse Resources, die von Nin Castle mitbegründete SaaS-Plattform (SaaS steht für Software as a Service), die Rückverfolgung von Müll, ebenso die Probleme rund um die Anerkennung von Stoffen und Materialien. Reverse Resources arbeitet bereits mit den wichtigsten internationalen Textil-Lieferanten zusammen, um dem Datenmangel zu bekämpfen und diverse andere Herausforderungen zu bewältigen, wie etwa die Sicherstellung sozialer Standards. 

Andererseits ist der Wiederverkauf von Lagerbeständen der am flexibelsten zu handhabende Punkt. Der multinationale, spanische Modekonzern Mango hat gerade in das Start-up Recovo investiert, LVMH hat die Gründung von Nona Source von Anfang an unterstützt – beides sind Verkaufsplattformen für Stoffreste in unterschiedlichsten Mengen. Andere Lösungen wie Moreloop oder Upcybom wurden mit dem Ziel der Abfallbewirtschaftung in der Produktionsphase geschaffen, einschließlich eines Gemeinschaftsgeistes und einiger guter KI-Tools. Farbstoffe, Komponenten und die zahlreichen Schritte des Beschaffungsprozesses sind der Kern der Kreislaufwirtschaft; digitale Lösungen zur Verbesserung unserer Beschaffungspraktiken sind daher unumgänglich.

Am Anfang: Die Rückverfolgbarkeit von Garnen

Von „Made in“ zu „Remade in“

Bei „Made in“ zu „Remade in“ geht es um die Kreislauffähigkeit der Produktion. Stoffhersteller oder Wiederaufbereiter haben die Möglichkeit, ein vollständiges Kreislaufnetzwerk für Stoffe aufzubauen. Genau aus diesem Grund wurden Spinnova, das New Cotton Project oder andere industrielle Engagements wie Renaissance Textile oder die Investitionen von Eastman und Loop Industries in Frankreich initiiert.

Auch T-REX (Textile Recycling Excellence) ist ein von der Europäischen Union unterstütztes Erfahrungsprojekt, das von zwölf wichtigen Akteuren aus der gesamten Wertschöpfungskette (unter anderem Adidas, Infinited Fiber Company, Fashion for Good, Veolia) geleitet wird. Es werden Haushaltsabfälle gesammelt und klassifiziert, um den gesamten Recyclingprozess von Polyester, Polyamid und Zellulosematerialien zu neuen Kleidungsstücken zu beschreiben. Auf diese Weise sollen sowohl nachhaltige als auch wirtschaftliche Geschäftsmodelle für die gesamte Beschaffungskette aufgezeigt werden.

Ziel: Kreislauf auf Markenebene verbessern

Die Modebranche stellt sich auch die Frage, wie man den Kreislauf auf Markenebene verbessern kann. Einige Marken haben beschlossen, intern die Ärmel hochzukrempeln und mit SaaS-Plattformen für Mietlogistik zusammenzuarbeiten. Picture, Decathlon, Go Sport und Oakley nutzen diese bereits, um ihre D-to-C-short-loop-Systeme zu verbessern. Sporteed, Barroders oder Everide, die den Markt in Europa anführen, sorgen für eine wachsende Zahl von C-to-C-Käufen (Cradle to Cradle) aus zweiter Hand. Everide geht noch weiter, indem es das erste Second-Hand-Ausrüstung-Abenteuer für das Low-Carbon-Footprint-Projekt der Gebrüder Ladevant sponsert. Sealocker beispielsweise – das Internetportal vermietet Surfboards – gewann kürzlich beim EuroSIMA-Surf-Summit 2022 einen Innovationspreis. Und Akewatu mit seinem gemischten Marktplatzmodell für neue und gebrauchte Surf-Produkte ist ein Juwel, dem man folgen sollte.

Die Grenzen des Recyclings

Um Kreislaufwirtschaft und Recycling nicht überzubewerten, müssen wir uns auch der Grenzen bewusst sein und bereit sein, sie zu verschieben. Zum Beispiel in Bezug auf das Problem des Recyclings von Fasern zu Fasern, das Problem der Streckung von Mischfasern und das Problem der Abhängigkeit von Kohlenwasserstoff-Quellen, ob recycelt oder nicht. Die Entsorgung von Kunststoffabfällen ist definitiv eine Frage, die nach der französischen AGEC-Gesetzgebung in den nächsten zehn Jahren gelöst werden soll. Schließlich sollte das Recycling kein Alibi sein. Wie Claudia Richarson, Verantwortliche für Materialinnovation bei All Birds, sagt: „Wir brauchen eine Fortschritts- und keine Perfektionsmentalität.“

Die Frage der Entsorgung von Kunststoffabfällen muss gelöst werden

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Beschaffung die größten Auswirkungen auf die Wertschöpfungskette hat, weshalb das Ressourcenmanagement Teil eines größeren Ziels sein muss. Es kann keinen leistungsstarken freien Markt geben, wenn nicht eine starke Führung und Nüchternheit involviert sind. Jede Leistung erfordert Teamarbeit innerhalb eines Teams, mit einer Marke oder einem Lieferanten, sie alle sind für eine nachhaltige Beschaffung erforderlich. Machen wir sie also wertvoll!

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Aude Penouty
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