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erfolgreiche ISPO-Brandnew-Gewinner: Das machen sie heute

LISTICLE | 17.02.2022
ISPO Award Trophy
Autor:
Uschi Horner

Eine Innovation nützt nichts, wenn sie niemand kennt! Damit sich das ändert, gibt es ISPO Brandnew. Dieser Award macht junge Marken bekannt und zeigt ihr spannendes Potential. Doch was genau bringt so ein Award-Gewinn, und wie ging es für die Gewinner danach weiter? Wir wollten genau das von nationalen und internationalen Start-ups wissen.

ISPO Brandnew ist die weltweit größte Plattform für Start-ups der Sportbranche. Seit dem Jahr 2000 sucht und benennt ISPO die vielversprechendsten Newcomer. Ehemalige Preisträger, darunter GoPro, Naish Kites, Maloja, Nixon oder On prägen heute den Markt. Das Hauptproblem vieler junger Marken ist allerdings der Bekanntheitsgrad. Eine Innovation nützt nichts, wenn sie niemand kennt. Das zu ändern ist eine der Hauptaufgaben von ISPO Brandnew, mit anderen Worten: Junge Marken rücken dank ISPO Brandnew in den Mittelpunkt. Aber ist das wirklich so? Wir wollten von ehemaligen Gewinnern wissen: Was hat ISPO Brandnew gebracht bezüglich PR und Aufmerksamkeit? Außerdem haben wir nachgefragt, wie sich die Firma in der Zwischenzeit entwickelt hat, und was die Herausforderungen für die Zukunft sind.

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„Ein guter Push“

Für Stefan Decker von Fiftyten war ISPO Brandnew 2018 ein „guter Push“ und brachte nach seinen Worten viel Aufmerksamkeit. Vor allem habe es dazu geführt, dass das junge Unternehmen auch Anfragen aus den USA bekam. In der Folge besuchte das Start-up im Frühjahr 2019 eine Messe in Übersee. Seit vergangenem Jahr schreibe Fiftyten schwarze Zahlen, auch wenn derzeitige Kostensteigerungen beispielsweise bei Aluminium ständig neue Kalkulationen notwendig machen würden. „Wir müssen viel jonglieren, und manchmal ist es ein Kampf im Nebel.“ Aber es gebe auch gute Entwicklungen: „Derzeit sind wir in einem Projekt mit dem Fraunhofer Institut, um bei unseren Kabinen das Gewicht zu reduzieren. Auch beschäftigen wir uns mit Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen.“ Mit dem Prototyp gebe es bereits Materialtests. Fiftyten stellt seit 2017 eines der fortschrittlichsten Wohnkabinen-Systeme auf dem Markt her.

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„Gute Berichterstattung und wertvolle Kontakte“

Alex Shirley-Smith war begeistert, als er als kleiner Junge eine TV-Doku über den Regenwald sah. Er beschloss, irgendwann Architekt zu werden und selbst Baumhäuser zu bauen. Knapp 20 Jahre später, im Jahr 2012, stellte er in London den Prototypen seines Tentsiles vor: ein Zelt, das zwischen Bäumen schweben kann. 2015 gewann Tentsile dann bei ISPO Brandnew. Gründer Shirley-Smith bestätigt, dass der Gewinn vor allem „gute Berichterstattung und Anerkennung“ gebracht habe. Außerdem „sorgte der Preis für einen größeren Bekanntheitsgrad auf dem europäischen Outdoor-Markt. Durch die Messe konnten wir in die Regale von einigen der größten Einzelhändler gelangen und Kontakte innerhalb der Outdoor-Branche knüpfen, die sich als äußerst wertvoll erwiesen haben.“ 

Seitdem hat Tentsile nach eigenen Worten seinen Weg fortgesetzt, die besten und größten Baumzelte und Riesenhängematten der Welt herzustellen. Das Unternehmen will auch zukünftig dafür sorgen, dass die Menschen über die Gefahren der Abholzung aufgeklärt werden, und Methoden praktizieren, um die Erde schonender zu begehen. „Die Herausforderungen, vor denen wir heute und in Zukunft stehen, drehen sich um die Umsetzung des Brexits und den weltweiten Versand sowie die Logistik“, sagt Shirley-Smith. Er hoffe aber, dass „wir diese Hindernisse überwinden können und weiterhin großartige Produkte für den Einsatz in der freien Natur anbieten können“.

Baumzelt der Marke Tentsile
Tentsile: große Baumzelte und nachhaltige Ziele
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„Rückenwind aus der klassischen Sportbranche“

Maximal motivierende und gesundheitsfördernde Trainingserlebnisse gegen die Bewegungsmüdigkeit in unserer Gesellschaft zu kreieren – das ist die Vision von ICAROS, gegründet 2015 in München. Der Gewinn bei ISPO Brandnew 2016 war die erste von mittlerweile einigen Auszeichnungen, und war daher für CEO Johannes Scholl „etwas sehr Besonderes“. Vor allem habe die Anerkennung aus der „klassischen“ Sportbranche für das radikal neue Konzept für „viel Rückenwind und Selbstvertrauen“ gesorgt. „Nicht zuletzt waren die Möglichkeit, uns auf der ISPO zu präsentieren, und die mit der Auszeichnung einhergehende, mediale Aufmerksamkeit, äußerst hilfreich für unser noch sehr junges Unternehmen.“

Das 2016 vorgestellte Produkt ICAROS Pro sei heute in top Fitness- und Wellnesseinrichtungen auf der ganzen Welt zu finden. Im Jahr 2018 gewann ICAROS zum zweiten Mal – den ISPO Award für das Produkt ICAROS Home. „Unsere ersten Schritte in den Endverbrauchermarkt sind mit Beginn der Corona-Pandemie dann extrem beschleunigt worden; heute stehen diese Produkte für mehr als die Hälfte unseres Umsatzes.“ 

Derzeit stünden für das Unternehmen vor allem die Content-Produktion und die Implementierung weiterer Features im Vordergrund. „Auch im Medical Bereich sind wir weiter aktiv: Derzeit schließen wir das vom BMWi geförderte Projekt N.E.X.T. ab – ein selbstlernendes VR-Therapiesystem für Schlaganfallpatienten, dessen erste Ergebnisse äußerst vielversprechend sind.“

Frau macht Sport auf der Icaros Cloud
ICAROS: boomender Endverbrauchermarkt
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„Das ging bis nach Japan“

„Deutsche und österreichische, aber auch internationale Medien haben direkt von der Messe über uns berichtet. Das ging bis nach Japan“, erinnert sich Christoph Fraundorfer, Gründer von My Esel. Projektstart war bereits 2014, drei Jahre später wurde die GmbH gegründet, und 2018 kam dann ISPO Brandnew. Seitdem habe sich extrem viel getan. „Waren es 2018 noch 100 Räder, die wir verkauft haben, so waren es 2021 bereits 1150 Räder. Wir haben unseren Umsatz also mehr als verzehnfacht“, erzählt Fraundorfer stolz. Nichtsdestotrotz habe die Corona-Pandemie ihrem Geschäft mit Holzrädern „nicht geholfen“. Denn: Potenzielle Käufer*innen „greifen in unsicheren Zeiten eher zu bekannten Marken mit viel Reputation“, sagt der My-Esel-Gründer. Als Challenges nennt er derzeit Lieferschwierigkeiten von Zulieferern. Allerdings hätte das Unternehmen die Zeit genutzt, um mit einem größerem Lager die Lieferfähigkeit auch 2022 garantieren zu können. Am Thema After-Sales sind die Österreicher ebenfalls dran. „Wir wollen mit Schnelligkeit und Verlässlichkeit einen bestmöglichen Service für unsere Kund*innen bieten.“ 

Holzrad der Marke "My Esel"
My Esel: regionale und nachhaltige Produktion von Holzrädern
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„Gewinn eine gute Bestätigung für unseren Weg“

Auch wenn die Boards 2016 beim Gewinn von ISPO Brandnew für das 10'0" Allround SUP noch nicht serienreif waren: „Wir haben internationale Kontakte generieren können, und sogar einen amerikanischen Lizenznehmer kennengelernt. Dieser hat uns dann zwei Jahre finanziert“, sagt Stefan Klare, Geschäftsführer von Tripstix. Auch wenn der Award „fast etwas zu früh kam im Rückblick – waren wir in aller Munde“. Sie hätten die Aufmerksamkeit zu der Zeit „leider“ nicht so gut nutzen können. Aber: Wenn in den letzten Jahren etwas mal nicht so gut gelaufen sei, dann habe ISPO Brandnew motiviert dranzubleiben. „Der Gewinn war einfach eine gute Bestätigung für unseren Weg.“ Die junge Firma hat schon einiges hinter sich: unter anderem die Verlagerung der Produktion von Korea nach Europa und die Entwicklung einer neuen Technologie. Jetzt stehe das neue Produkt, und die erste Lieferung sei im vergangenen Jahr komplett verkauft worden. Nun müsse er die Reduzierung der Produktionskosten angehen, nennt Klare als nächste Herausforderung für das junge Unternehmen, das aufblasbare Boards herstellt.

Aufblasbares Surfboard von Tripstix
Tripstix: neue Technologie und Produktion in Europa
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„Kontakte zu neuen Märkten verschafft“

 „The T-bar has been a pain in the ass since 1934 – until now“ lautet Motto des schwedischen Unternehmens Boardie, gegründet von Niclas Stjernberg und Erik Englund im Jahr 2015. Ihr Ziel: Schleppliften neues Leben einzuhauchen mit einem optischen und ergonomischen Lifting. „ISPO Brandnew 2018 hat uns Kontakte zu neuen Märkten verschafft und es uns ermöglicht, sowohl Investoren als auch neue Kunden zu gewinnen“, sagt Boardie-Gründer Niclas Stjernberg. Der Gewinn habe sie „wirklich bestätigt und ermutigt, unser Unternehmen weiterzuentwickeln“. Seit dieser Zeit habe das Unternehmen vor allem in Skandinavien die Präsenz ausgebaut – etwa 30 Skigebiete setzen bereits die innovativen Bügel ein. Und die nächsten Ziele stehen auch schon fest: „Heute unternehmen wir die ersten Schritte, um Skigebiete im europäischen Alpenraum mit Boardie auszustatten. Nach der Pandemie sind wir der Meinung, dass alle Skigebietsgäste eine komfortablere Fahrt mit dem Skilift verdienen.“ Deshalb suche das Unternehmen „aktiv nach Kooperationspartnern in Ländern wie Österreich, Deutschland und der Schweiz, um dies eher früher als später zu erreichen“.

Ski-Lift Sitz von Boardie
Boardie: Präsent in Skandinavien, jetzt auf der Suche nach Partner*innen für DACH-Region
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„Wir haben jeden Award sofort gemerkt“

„Es läuft sehr gut“ – mit diesen Worten beschreibt Geschäftsführer René Wegner die aktuelle Lage der Headis GmbH. Kein Wunder, 2019 strahlte ProSieben die 1. Headis Team-WM als Samstagabend-Show mit Stefan Raab aus, und für das zweite Funspiel HesherBall ist Super RTL am Start. „Der Gewinn bei ISPO Brandnew hat uns immer wieder viel Brand Awareness gebracht. Beim ersten Mal 2010 gingen wir mit einem Prototyp ins Rennen, und waren auf der Suche nach Produzenten und Vertriebspartnern. Die haben wir auf der Messe gefunden“, sagt Wegner. 2015 gab es einen Award für das das Charity-Projekt „Headicao“, das sich zum Ziel gesetzt hat, Headis benachteiligten Kindern in der ganzen Welt zu ermöglichen. Und wieder machte die mediale Aufmerksamkeit nach Worten des Geschäftsführers den weiteren Firmenausbau möglich.

Während der Corona-Pandemie musste die strategische Ausrichtung aufgrund mangelnder Headis-Events zwar komplett umgestellt werden, aber „wir haben die Zeit für die Entwicklung neuer Trendsportarten genutzt, und mittlerweile haben wir sechs Patente angemeldet“. Davon seien bereits drei an Lizenznehmer vergeben. „Unsere Herausforderung ist immer, alle Projekte gut im Markt zu positionieren, und auch feste Partner zu haben.“ Als neuer Lizenzpartner ist Carstensen Import Export mit an Bord – für die Produktion und den Vertrieb von HesherBall.

Headis: Eine Mischung aus Tischtennis und Kopfbällen
Headis-Erfinder René Wegner (links) beim Spiel gegen Thomas Mika
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