Florian Pertsch
Autor:
Florian Pertsch

ISPO Ski Resort Tour während der ISPO Beijing 2019

Olympia 2022: Hier jagen die deutschen Snowboarder Medaillen

Die Olympischen Winterspiele in Peking 2022 sind noch ein gutes Stück entfernt, doch die Verantwortlichen in China legen ein beachtliches Tempo vor. Die Teilnehmer der ISPO Ski Resort Tour 2019 konnten sich im Genting Resort Secret Garden vom Fortschritt der Bauarbeiten überzeugen.

Im Skigebiet Genting steigen Snowboard-Wettbewerbe der Olympischen Spiele 2022.
Im Skigebiet Genting steigen Snowboard-Wettbewerbe der Olympischen Spiele 2022.

Eines fällt sofort auf. Keine große Detektivarbeit nötig. Denn die schneidende Kälte geht sofort durch Mark und Bein. Minus 23 Grad Celsius. Definitiv eine Ansage, wenn man bedenkt, dass dies Ende Januar in diesen Breitengraden laut Einheimischen halbwegs normal ist. Und noch etwas interessanter wird diese Temperatur, wenn man bedenkt, dass hier 2022 ein Teil der Olympischen Winterspiele ausgetragen wird.

So oder so ähnlich war bei vielen Teilnehmern der ISPO Ski Resort Tour 2019 der Gedankengang, als die internationale Reisegruppe zum ersten Mal vor dem Genting Resort Secret Garden auf rund 1800 Metern Höhe stand. Statt dem letzten Tag der ISPO Beijing 2019 stand für die Teilnehmer aus Italien, Schweden, Österreich, Frankreich, Deutschland und der Schweiz ein informatives Programm in drei Skigebieten in der Provinz Hebei im Distrikt Chongli an.

Snowboard und Freestyle in Genting

„Das Klima ist sehr ähnlich wie zum Beispiel in Park City, Utah“, erklärt Benno Nager, Chief Operating Officer in Secret Garden, während seiner Vorstellung des Ski-Gebiets: „Der einzige Unterschied: wir arbeiten mit mehr Kunstschnee.“

Nagers Resort war bei der zweitägigen Tour von besonderem Interesse, da hier die Snowboard Events Slopestyle und Halfpipe sowie die Freestyle Ski Events 2022 abgehalten werden. Im angrenzenden Taiwu und Wanlong Ski Resort werden ebenfalls Snowboard und Freestyle Ski Events stattfinden und nur ein paar Kilometer das Tal hinunter richtet die Stadt Zhangjiakou die Biathlon- und Langlauf-Events aus.

Zudem beherbergt Zhangjiakou das olympische Dorf und ist der Ankunftsort für alle Zuschauer aus Peking, die mit dem Hochgeschwindigkeitszug aus der 200 Kilometer entfernten Hauptstadt in nur 50 Minuten anreisen.

Um Nagers Punkt mit dem Schnee noch einmal aufzugreifen. Es wird wahrscheinlich häufiger mit Kunstschnee gearbeitet werden müssen, denn auf den Bergen rings um das Skigebiet herum gab es keinen einzigen weißen Flecken zu entdecken – und zwar so weit das Auge reichte.

„Der Wind aus der inneren Mongolei“ sei der Grund, so Nager: „Gleichzeitig bedeutet die steife Brise aber auch, dass wir hier nie Smog haben und der blaue Himmel fast immer zu sehen ist.“

Olympia 2022: Stadion für 5.000 Zuschauer

Die frostigen Temperaturen und der Schneemangel sind also tatsächlich die einzig offensichtlichen Probleme, wobei die Verantwortlichen selbst hier bereits drei Jahre vor den Olympischen Spielen internationalen Standards genügen. Denn die Teilnehmer der ISPO Ski Resort Tour überzeugten sich selbst einen ganzen Vormittag von der Tauglichkeit der Pisten und kehrten äußerst zufrieden zurück.

Der Rest der Vorbereitungen läuft ebenfalls gewohnt chinesisch effektiv. Die Halfpipe ist komplett fertig, der Slopestyle-Kurs ebenfalls. Die Buckelpiste und die Schanzen für die Aerial Wettbewerbe sollen bis Herbst 2019 fertig sein.

„Wir haben unsere olympische Arena so geplant, dass alle Event-Stationen sehr nah beieinanderliegen“, erklärt Hamish John McCrostie, General Manager of Ski Operations, bei einer Besichtigung der Halfpipe: „Die umliegenden Stadien sind für 5.000 Zuschauer ausgelegt und werden nach Olympia wieder abgebaut. Wir erwarten, dass die Events ausverkauft sein werden. Vor allem der Aerials- und Slopestyle-Wettbewerb, sowie die Halfpipe werden ein Zuschauermagnet sein. Das waren sogar in PyeongChang 2018 gut besuchte Events.“

„Wintersport ist ein Lifestyle“

Ein kleiner Seitenhieb McCrosties, der auf die mangelhafte Auslastung der Olympischen Winterspiele 2018 in Südkorea anspielt. Zu hohe Ticketpreise und ein schwaches Marketing waren vor allem die Probleme in PyeongChang. Ein Fehler, der in China nicht wiederholt werden soll.

„Für Chinesen ist Wintersport ein Lifestyle“, so Nager: „Es ist eine Freizeitbeschäftigung für die ganze Familie. Ich bin fest davon überzeugt, dass China in zehn Jahren die größte Ski-Nation der Welt sein kann.“ Aktuell backen sie aber auch in Genting noch etwas kleinere Brötchen, denn mit circa 4500 Wintersportlern pro Tag und rund 800 Betten Kapazität ist das Ski-Gebiet Secret Garden in europäischen Maßstäben noch recht überschaubar.

Großes Outdoor-Angebot im Sommer

Bis Olympia 2022 wird sich das allerdings noch deutlich verändern, denn geplant sind rund 10.000 Betten und bis zu 19.000 Wintersportler, die auf bis zu 90 Pisten (aktuell 35) ihrer Passion nachgehen können. Um Genting noch mehr in den Fokus zu rücken, sollen vor allem auch über Sommeraktivitäten neue Kunden gewonnen werden. Hiking, Trailrunning und Mountainbiken werden in den grünen Bergen rund um Genting während der Sommermonate eine immer beliebtere Freizeitbeschäftigung für gestresste Städter aus Peking.

Klingt eigentlich zu perfekt, um wahr zu sein, und letztlich kämpfen natürlich auch Nager und sein internationales Team mit ein paar Problemen. „Wir haben nicht genug Personal“, so Nager: „Und wir können auch nicht einfach eine Anzeige in die Zeitung setzen. Das Skill-Set, das wir suchen, gibt es so in China einfach noch nicht. Wir müssen alle Angestellten selbst ausbilden. Zudem ist die Service-Mentalität bei unseren chinesischen Angestellten noch keine Selbstverständlichkeit.“

Und so basteln Nager und McCrostie nicht nur an einem kompletten Olympiaaustragungsort, sondern auch an einem komplett neuen Berufszweig im Reich der Mitte.

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