Claudia Klingelhöfer
Autor:
Claudia Klingelhöfer (Chefredakteurin)

Ex-EOG-Präsident Jansen und Nachfolger Held sprechen über OutDoor by ISPO

„Am wichtigsten ist, dass die Marken ihre Konsumenten verstehen“

Auf der ISPO Munich 2019 übergab John Jansen den Staffelstab als Präsident der European Outdoor Group (EOG) an Mark Held. Er führt die Vereinigung bei der ersten OutDoor by ISPO in München (30. Juni bis 3. Juli 2019). Im Interview mit ISPO.com sprechen sie darüber, was sie von der neuen Messe erwarten und warum einige Marken ihre Meinung und Strategien ändern müssen.

The customer determines what "outdoor" is.
Der Kunde bestimmt, was „Outdoor“ ist.

Am ersten Tag der ISPO Munich 2019 war es dann soweit: John Jansen trat von seinem Posten als Präsident der European Outdoor Group zurück. Sein Nachfolger ist ein alter Bekannter: Mark Held. Im Jahr 2003 war Held einer der Gründer der EOG, von 2005 bis 2018 war er als Geschäftsführer tätig.

Nach zwei Amtsperioden musste Jansen das Amt satzungsgemäß übergeben. Held ist nun der erste Präsident, der das Amt nicht nebenher innehat. Er wird dafür drei Tage die Woche bezahlt. In einem Doppel-Interview mit ISPO.com erklären die beiden EOG-Vorgesetzten, was sie vorhaben.

Jansens Ratschläge an den neuen Präsidenten

ISPO.com: Herzlichen Glückwunsch, Mark Held, als neuer Präsident der EOG. John Jansen, welchen Ratschlag haben Sie für Ihren Nachfolger?
John Jansen: Ich glaube nicht, dass ich ihm viele Ratschläge geben muss. Aber was wir beibehalten müssen, ist Kontinuität. Und ich denke, wir sollten weiterhin als eine sehr offene Organisation arbeiten und als Team die Mitglieder einbeziehen. Darum geht es doch.

Welche Wünsche haben Sie für die nächsten Jahre?
Jansen: Mein zentraler Wunsch für die EOG ist, dass wir in der gesamten Outdoor-Branche gemeinsam als Team arbeiten. Es gibt immer noch zu viele Marken, die sich nicht voll an unsere Kerninitiativen wie der Reduzierung von Kunststoffen und den Erhalt der Natur beteiligen. Einige Marken müssen aufwachen, damit sie Teil der Bewegung in der Outdoor-Industrie werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass dies der einzige Weg ist, um sich richtig auf die Zukunft vorzubereiten. Entscheidend sind dafür natürlich die großen Marken. Manche müssen aktiver sein, das ist es, was ich mir erhoffe. So wird es am Ende für alle besser sein.

Mark Held (2.v.r) wird neue Präsident der EOG
Vier Männer, ein Ziel: Der ISPO Group Director Tobias Gröber, der scheidende EOG-Präsident John Jansen, sein Nachfolger Mark Held und der neue Generalsekretär der European Outdoor Group Arne Strate (von links) wollen die Outdoor-Branche voranbringen.

Helds Ziele als neuer Präsident der EOG

John Jansen hat also zwei Wünsche: die EOG zu vereinen, aber auch aktiver zu sein. Herr Held, was sind Ihre Ziele als neuer Präsident? Sie sind ja schon jetzt ein sehr bekanntes Mitglied der EOG.
Mark Held: Ich stimme John zu. Wir müssen als Branche definieren, wofür wir stehen, und dann diesen Erwartungen gerecht werden. Das Besondere an der Outdoor-Branche ist, dass unsere Prinzipien und Ansichten zu den Themen Umwelt, Nachhaltigkeit und Zusammenarbeit grundsätzlich die gleichen sind.

Denn wenn wir nicht alle verstehen, dass wir zusammenarbeiten müssen, dann verlieren wir auf dem Markt, was natürlich schlecht ist. Darüber hinaus denke ich, dass wir eine große Aufgabe haben, die OutDoor by ISPO als die maßgebliche Outdoor-Messe nicht nur für Europa, sondern auch für die Welt zu etablieren. Derzeit haben wir eine Vielzahl von Initiativen, und die Chancen, dass unsere Branche eine große Zukunft hat, sind greifbar.

Naturschutz ist ein tief verankertes Prinzip

Ihre Initiativen sind in der Tat sehr unterschiedlich und reichen von Nachhaltigkeits- bis hin zu Industriemaßnahmen. Wann ist die OutDoor by ISPO als Messe erfolgreich?
Held: Ich denke, der Erfolg beginnt mit der Tatsache, dass die gesamte Branche erkennt, dass es bei der Messe nicht nur um den Verkauf von Marken an den Einzelhandel geht. Sie ist wie ein Kraftwerk für neue Ideen, für Kontakte, für neue Beziehungen. All diese Dinge machen sie zu einem guten Event. Messen sind äußerst komplex. Sie erzeugen erstaunlich viel Energie und erstaunliche Mengen an Geschäften - und genau das brauchen wir.

Unsere Initiativen sind in der Tat vielfältig, aber sie führen alle zum gleichen Ergebnis. So ist beispielsweise der Naturschutz ein tief verwurzeltes Prinzip. Aber wir müssen auch Themen in den Blick nehmen, die gewährleisten, dass es überhaupt eine Natur gibt, in der sich Outdoor-Menschen einbringen können. Das ist von entscheidender Bedeutung, genauso wie die Einbeziehung neuer Menschen, um als Markt zu wachsen. Mit all den verschiedenen Dingen, an denen wir beteiligt sind, verfolgen wir einen Fokus.

„Unsere Aufgabe ist es, die Anforderungen der Verbraucher zu erfüllen“

Herr Jansen, wie würden Sie beschreiben, worum es beim Thema Outdoor geht?
Jansen: Es liegt nicht an mir, das zu beschreiben. Die Verbraucher definieren, was sie unter Outdoor verstehen. Und ich denke, der größte Fehler der Outdoor-Branche - vielleicht historisch gesehen - ist, dass wir zu traditionell gedacht haben. Wir müssen die Tradition zwar schätzen, aber gleichzeitig ist es unsere Aufgabe, die Anforderungen der Verbraucher zu erfüllen und das zu liefern, was sie von uns erwarten.

Und der Verbraucher erwartet immer mehr und mehr, und das auf unterschiedliche Weise, dass das gute alten Verkaufen-Kaufen vorbei ist. Stattdessen geht es zunehmend um die Werte, für die Marken und die Branche stehen. Die OutDoor by ISPO muss also widerspiegeln, was auf der Verbraucherseite passiert. Dieser Ansatz endet auch nicht nach der Messe. Er endet mit einem kompletten 360-Grad-Programm um die Messe.

Held: Das ist auch meine Meinung. Ich habe nie verstanden, warum Paddelsport nicht unter dem Begriff Outdoor stattfindet. Ich habe nie verstanden, warum Mountainbiken nicht Outdoor ist. Wenn der Verbraucher denkt, dass es sich um Outdoor handelt, dann ist es Outdoor. Das ist das Wichtigste. Es erinnert mich ein wenig an den Film Monty Python's Life of Brian, in dem die People's Front of Judea und die Judean People's Front gegeneinander kämpfen, obwohl es wirklich keinen Unterschied zwischen ihnen gibt. Sicherlich verlangt das ein erhebliches Umdenken, das aber keineswegs unmöglich ist und letztendlich zu einem vielfältigeren und profitableren Outdoor-Bereich führen wird.

Ehemaliger Präsident: „Ich werde weiterhin Schuhe verkaufen.“

Was sollten Marken tun, um näher am Verbraucher zu sein?
Held: Das Wichtigste ist, zu erreichen, dass man als Marke die Konsumenten versteht. Dann folgt der zweite Teil: das Verständnis, was Sie als Unternehmen glauben und vertreten. Wofür stehen Sie? Woran glauben Sie, und wie stehen Sie dem Verbraucher gegenüber? Was sieht der Verbraucher, wenn er Sie als Unternehmen betrachtet? Es ist super, super wichtig, zu verstehen, wie diese Dinge für den Markenwert und die Wahl der Verbraucher immer wichtiger werden.

Und Herr Jansen, was machen Sie jetzt mit Ihrer Zeit?
Jansen: Ich werde weiterhin Schuhe verkaufen. Die Präsidentschaft habe ich neben meiner Arbeit als Head of Keen EMEA ausgeübt. Ich habe es getan, weil ich glaube, dass wir alle die Verantwortung haben, der Outdoor-Industrie etwas zurückzugeben. Also werde ich die EOG weiterhin unterstützen und wer weiß, vielleicht kann ich mir einen Teil meiner Zeit nehmen, um selbst ein wenig mehr im Freien zu sein! Das wäre eine gute Sache.

Claudia Klingelhöfer
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Claudia Klingelhöfer (Chefredakteurin)
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