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Ski alpin, Skispringen, Biathlon: Neue Favoriten und alte Helden im Winter

Das sind die Wintersport-Stars der Weltcup-Saison 2019/20

Der Wintersport erlebte einen Sommer der Rücktritte: Mit Laura Dahlmeier, Felix Neureuther oder Marcel Hirscher verlor der Wintersport seine bekanntesten Athleten. Doch das schafft Raum für neue Ski-Stars. ISPO.com zeigt, wer die neuen Helden des Wintersports werden können.

Mikaela Shiffrin bleibt die große Favoriten bei den Skifahrerinnen.
Mikaela Shiffrin bleibt die große Favoriten bei den Skifahrerinnen.

Im VIP-Zelt in Kitzbühel kündigte der norwegische Ski-Star Aksel Lund Svindal im Januar 2019 an: „Die Rennen bei der WM (im Februar 2019) werden meine letzten sein.“ Er konnte es da noch nicht wissen, aber damit gab er den Startschuss für eine Vielzahl von Karriereenden im Wintersport. Die Sportarten erlebten einen Sommer der Rücktritte.

Denn mit Svindal beendeten weitere wichtige Gesichter der Schnee-Disziplinen ihre Karrieren: Aus dem Biathlon verabschiedeten sich etwa Deutschlands Stärkste Laura Dahlmeier (zweimalige Olympiasiegerin 2018, Gesamtweltcupsiegerin 2016/17), Tschechiens Beste Gabriela Koukalova (Gesamtweltcup 2015/16) oder Anastasia Kuzmina (dreimal Olympiasiegerin).

Ski alpin ohne Hirscher, Neureuther und Vonn

Die alpinen Skifahrer treten nun auch ohne Deutschlands Star Felix Neureuther und den überragenden Österreicher Marcel Hirscher (u.a. acht Gesamtweltcups) sowie der US-Amerikanerin Lindsey Vonn (u.a. vier Gesamtweltcups) an. Bei den Skispringern fehlen die Olympiasiegerin Carina Vogt und der zweimalige Olympiasieger Andreas Wellinger jeweils mit einem Kreuzbandriss. ISPO.com zeigt, wer nun die neuen Helden des Wintersports sind.

Mikaela Shiffrin – die Stärkste im Ski-Weltcup

Mikaela Shiffrin ist gerade einmal 24 Jahre alt. Das vergisst man leicht, wenn man sich ihre Erfolge so ansieht: drei Gesamtweltcup-Siege, zwei olympische Goldmedaillen, fünf WM-Titel. So eine Sammlung erreichen fast alle Fahrerinnen bis zum Karriereende nicht. Shiffrin ist allerdings auch keine „normale“ Fahrerin im Feld.

Eine Ausnahmeerscheinung ist sie seit jeher, schon als Kind gewann sie die bedeutendsten Rennen der Welt. Und daran knüpfte sie bei den Erwachsenen an: Zum zweiten Mal nacheinander hat sie in der Saison 2018/19 das meiste Preisgeld aller Skirennfahrer verdient im Weltcup – und damit sogar Österreichs Top-Star Marcel Hirscher geschlagen.

Laut Forbes hat Shiffrin das Potenzial, noch ein komplettes Jahrzehnt im Fokus der Sportszene und Industrie zu stehen und dabei 30 bis 50 Millionen US-Dollar zu verdienen. Tiger Shaw, CEO der US Ski and Snowboard Association sagte über Shiffrin 2017: „Sie ist mit Abstand die interessanteste Persönlichkeit, die so früh angefangen hat, Rennen zu gewinnen.“

Nur in ihrer Heimat, den USA, hat sie ihr Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft. Nach dem Rücktritt von Lindsey Vonn gehört ihr dieser Markt wohl bald exklusiv. Und mit 60 Einzel-Weltcupsiegen ist sie auch nur noch 22 von der bislang stärksten Frau, Vonn, entfernt. Verletzt sie sich nicht, ist das Ziel für Shiffrin schon in den kommenden zwei Jahren erreichbar.

  • Weltcup-Einnahmen 2018/19: 807.000 Euro
  • 850.000 Instagram-Follower
  • Sponsoren: Adidas, Barilla, Visa, Longines, Bose, IKON Pass, Oakley
  • Ausrüster: Atomic, Reusch, Leki

Petra Vlhova: Die Herausforderin ist ein Star in der Slowakei

Die Slowakin Petra Vlhova dürfte die größte Konkurrentin von Shiffrin werden. Bereits im vergangenen Jahr hat sie Shiffrin immer wieder geärgert, unter anderem als sie ihr den WM-Titel im Riesenslalom in Are im Februar 2019 wegschnappte. Seitdem ist die Slowakei eines von 20 Ländern, das Ski-Weltmeister stellt.

Die 24-Jährige fährt in den technischen Disziplinen mittlerweile ähnlich sicher und schnell wie die US-Amerikanerin. In dieser Saison will sie sich nun auch aufs Speed-Terrain Abfahrt und Super-G wagen.

    „Es ist motivierend, Gegnerinnen wie sie zu haben, die das Level heben“, sagte Shiffrin bereits in der Vorsaison. Vlhova entgegnete zum Zweikampf: „Sie hat mich zu meinem Limit gepusht. Das ist gut für mich, und auch gut für sie, glaube ich.“

    Noch ist der Radprofi Peter Sagan der populärste Sportler der Slowakei. Doch Petra Vlhova holt mächtig auf. Im Skiverband hat sie eine Ausnahmestellung, tourt mit einem eigenen Team erfolgreich durch die Welt. Nur bei den Social-Media-Followern muss sie noch ordentlich aufholen auf Shiffrin.

    • Weltcup-Einnahmen 2018/19: 390.000 Euro
    • 116.000 Instagram-Follower
    • Sponsoren: Uniqa, Minerfin, Rauch, Audi, SKPay, Transpetrol, Kronreal, Tipos, Jasna, Kovolvha
    • Ausrüster: Rossignol, Reusch, Adidas, Komperdell

    Henrik Kristoffersen: Ski-Hero zwischen Norwegen und Österreich

    In den sozialen Netzwerken ist Henrik Kristoffersen immer für einen Spaß zu haben. Der Norweger zeigt dort nicht nur seine Skills, sondern auch ganz lustige Schnappschüsse. Und er hat ja ohnehin gut lachen derzeit. Jetzt, wo in Marcel Hirscher und Felix Neureuther zwei große Slalom- und Riesenslalom-Konkurrenten zurückgetreten sind.

    Doch die Rücktritte sieht er anders, als man annehmen mag. Der österreichischen „Kronen-Zeitung“ sagte er: „Schade um Marcel, er wird unserem Sport extrem fehlen.“ Auch aus Wettbewerbsgründen bedauert Kristoffersen den Rückzug: „Einmal hätte ich noch gerne die Chance bekommen, Marcel als Gesamtweltcup-Sieger zu entthronen. Aber ich hatte genügend Chancen, bin selbst schuld.“

      Womit wir auch schon beim Saisonziel des Norwegers wären. Jetzt, wo Hirscher weg ist, ist er der große Favorit auf den Gesamtsieg. Nur wenige beherrschen solch flinke Schwünge wie der 25-Jährige, der seit Jahren ganz vorne mitfährt. Im Februar 2019 gewann er WM-Gold im Riesenslalom.

      Und so ein bisschen würde die große Kristallkugel nach acht Hirscher-Gesamtweltcupsiegen dann auch in Österreich bleiben, wo Kristoffersen trainiert und lebt. In Norwegen hat er aktuell nicht mal eine eigene Wohnung.

      • Weltcup-Einnahmen 2018/19: 213.000 Euro
      • 174.000 Instagram-Follower
      • Sponsoren: DHL, Energiapura, Dunderverk, Husqvarna, Spm, Red Bull
      • Ausrüster: Rossignol, Komperdell, Reusch, Sweet Protection

      Alexis Pinturault: Der Ski-Allrounder greift an

      Fünfmal gewann der Franzose Alexis Pinturault bislang die Disziplinwertung in der Kombination. Diese Flexibilität macht ihn jedes Jahr wieder zu einem Großverdiener im alpinen Skirennsport. Und nach dem Rücktritt von Hirscher könnte auch er in diese Lücke stoßen.

      Es wäre an der Zeit, denn Pinturault, einer der letzten Allrounder des Ski-Weltcups, hat sich dafür seit Jahren in Stellung gebracht dafür. Der 28-Jährige hat mittlerweile 23 Weltcup-Rennen gewonnen.

      Der zweimalige Weltmeister mag wie Kristoffersen besonders schnelle Schwünge – und so dürften sie in der neuen Saison gleich am ersten Weltcup-Wochenende in Sölden Ende Oktober um den Sieg kämpfen.

      Und noch eine kleine Parallele der beiden: Auch Pinturault besitzt die norwegische Staatsbürgerschaft – wegen seiner Mutter Hege. Seinem Vater gehört das Hotel Annapurna in Frankreichs Skigebiet Courchevel.

      • Weltcup-Einnahmen 2018/19: 221.000 Euro
      • 160.000 Instagram-Follower
      • Sponsoren: Annapurna, Courchevel, Douanes, Richard Mille, Medilast, Vaudou Sport, Agence Zoom
      • Ausrüster: Head, Leki, Colmar, Bollé, Reusch

      Johannes Thingnes Bö: Neue Nummer eins im Biathlon

      Die Wintersport-Saison beginnt für Johannes Thingnes Bö schon einmal mit einer sehr guten Nachricht: Er wird im Laufe des Winters, wahrscheinlich im Januar, Vater werden. Das verkündete er auf seinen Seiten in den sozialen Netzwerken.

      Johannes Thingnes galt schon immer als der begabtere der beiden Bö-Brüder – in der Vorsaison gewann er dann erstmals den Gesamtweltcup, und war so fünf Plätze besser als Tarjej. Nach dem Rücktritt von Ole Einar Björndalen 2018 war Bö ohnehin die große Hoffnung der Norweger. Die größte Bank des Landes, DNB, sponsert ihn – ebenso die Münchner Automarke BMW, die im Wintersport sehr aktiv ist.

      • 203.000 Instagram-Follower
      • Sponsoren: BMW, AF Gruppen, Carglass, Jensen, XL Bygg, YX Norge, DNB, Hedda Hytter, Meny
      • Ausrüster: Fischer, Anschütz, Swix, Odlo, Joka

      Martin Fourcade: Der gefallene Held steht auf

      Sieben Jahre lang hat der Franzose die große Kristallkugel, den Gesamtweltcup gewonnen. Fünfmal wurde der Franzose Olympiasieger, elfmal Weltmeister. Doch dann war im Winter 2018/19 plötzlich der Wurm drin. Nur Rang zwölf stand nach der Saison zu Buche – viel zu wenig für den Ausnahmeathleten.

      Doch der gefallene Held will 2019/20 wieder angreifen. Im Sommer organisierte er ein Biathlon- und Langlauf-Event auf Skirollern in seiner Heimat Annecy – und 15.000 Menschen schauten dabei zu. Fourcade gewann standesgemäß. Das zeigt, welche Strahlkraft der Großverdiener unter den Biathleten hat. Für Sponsoren ist er der attraktivste Athlet aus seiner Sportart. Mehr als eine Million Euro soll er jährlich kassieren.

        Auf eine einzigartige Karriere blickt er ja bereits jetzt zurück. Mit insgesamt 72 Weltcupsiegen liegt er auf Platz 2 in der ewigen Bestenliste hinter dem Norweger Ole Einar Björndalen (94).

        Und Fourcade winken im Anschluss bereits neue Aufgaben: Der Chef des Organisationskomitees der Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris, Ex-Kanute Tony Estanguet, hat Fourcade zum Präsidenten der Athletenkommission im OK ernannt.

        • 403.000 Instagram-Follower
        • Sponsoren: Somfy, BMW, Entremont, MGEN, Kinetixx, Les Petites Pierres, Conseil General, Entremont
        • Ausrüster: Rossignol, Adidas, Julbo

        Dorothea Wierer: Instagram-Star – in der Loipe schwer schlagbar

        Bei Instagram war sie schon lange die erfolgreichste Biathletin, in der vergangenen Saison folgte dieser Schritt dann auch im Weltcup: Dorothea Wierer ist Gesamtweltcupsiegerin 2018/19. Besonders, weil sie nun auch in der Loipe stark ist. Das Schießen fiel Wierer in der Zwei-Disziplinen-Sportart schon immer leicht.

        Im Massenstart holte sie im März 2019 zudem ihren ersten Weltmeistertitel, zuvor errang sie bereits zwei Silber- und drei Bronzemedaillen. Hinzu kommen zwei Bronzemedaillen in der Mixed-Staffel bei Olympia 2014 und 2018.

          Als Werbefigur ist die Südtirolerin besonders beliebt. So hat sie im Sommer nach dem Gesamtweltcupsieg nun weitere namhafte Sponsoren wie Red Bull oder Joka. Und es könnten noch welche zum Portfolio dazukommen, die Südtiroler Medien spekulieren zumindest über potenzielles Interesse.

          Nach ihrer Hochzeit 2016 versteigerte Wierer ihr Kleid zugunsten der Erdbebenopfer in Nepal. Sie hatte auch schon ein Angebot des russischen Playboy, lehnte es jedoch ab und begründete das auch mit den Foto-Modellierungen am Computer: „Ich möchte nicht bearbeitet werden.“

          • 385.000 Instagram-Follower
          • Sponsoren: Red Bull, Audi, APT Livigno, Rizzoli Cucine, Falconeri, Vichy, Marlene, Head & Shoulders, Tissot, Rawbike, Pirelli
          • Ausrüster: Oneway Nordic, Anschütz, Rossignol, Oakley, Sportful, Adidas, Joka

          Denise Herrmann: Mit WM-Titel in die Saison

          Neben Wierers Landsfrau Lisa Vittozzi könnte nach dem Karriereende von Laura Dahlmeier auch Denise Herrmann aus deutscher Sicht vorne mitlaufen. Wobei: Vorne mitlaufen wird sie als ehemalige Langläuferin ohnehin. Wenn sie das Schießen einigermaßen in den Griff bekommt, dann dürfte es mit den Weltcup-Siegen klappen in dieser Saison.

          Sie startet ja auch schon mit Rückenwind in die Saison: Von den Biathlon-Weltmeisterschaften 2019 in Östersund kam sie mit einem kompletten Medaillensatz zurück, Gold gab es in der Verfolgung für die gebürtige Sächsin, die mittlerweile in Oberbayern lebt.

          Dass in Östersund alles gepasst hat, gibt der 30-Jährigen auch Hoffnung für die Saison 2019,/20, als dessen Highlight die Weltmeisterschaften in Antholz feststehen. Im September 2019 sicherte sie sich schon einmal die deutsche Meisterschaft im Sprint und Rang zwei in der Verfolgung auf Skirollern. In Form ist sie also schon einmal.

          • 57.000 Instagram-Follower
          • Sponsoren: Viessmann, E-Infra, Nudossi, Bioteaque, Zirbenherz, SRB, Kuse
          • Ausrüster: Fischer, Adidas, Swix, Roeckl, Anschütz, Joka

          Ryoyu Kobayashi: Shooting-Star aus Japan

          Mit einem Satz war Ryoyu Kobayashi da. Und er ging auch nicht mehr weg. Der Japaner sicherte sich die Vierschanzentournee, die Raw-Air-Competition und den Gesamtweltcupsieg 2019. Er war der überragende Springer der Saison 2018/19 – und das obwohl zuvor ein 24. Platz sein bestes Gesamtweltcup-Ergebnis war.

          Der 22-Jährige greift dabei auf einen großen Vorteil zurück: einen kraftvollen Absprung, der auch noch auf den meisten Schanzen haargenau sitzt. So kann er sein System schnell entfalten und den anderen davonfliegen. Schon jetzt ist er daher ein gefragter Werbepartner – in Europa und Asien. Red Bull sicherte sich seine Dienste.

            Lediglich bei der WM in Seefeld reichte es für ihn dann „nur“ zu Bronze mit der Mannschaft 2019 – da muss er also aufholen. Spätestens 2021 bei der nordischen Ski-WM in Oberstdorf dann. Zuerst muss er jedoch die Überflieger-Saison erst einmal bestätigen. Das wird im Skispringen erwartungsgemäß schwer.

            • Weltcup-Einnahmen 2018/19: 229.000 Euro
            • 44.000 Instagram-Follower
            • Sponsoren: Red Bull, Finnair, Liznas, Autoshop Vallpan, Ceramic Power Gear, Visa, Ana, Subaru
            • Ausrüster: BWT, Mizuno, Uvex, Rass

            Kamil Stoch: Der ewige Pole fliegt weiter voran

            Der Pole Kamil Stoch ist eines der bekanntesten Gesichter im Skispringen. Seit Jahren ist er für Podestplatzierungen gut, zweimal gewann er die Vierschanzentournee, zweimal wurde er Weltmeister – und dreimal Olympiasieger. In Polen hat er daher sogar seine eigene Bekleidungslinie: Kamiland.

            Auch wenn nicht bekannt ist, wie viel Geld er mit seiner Marke verdient: Stoch ist ein Großverdiener der Szene. Allein im Weltcup kassierte er im Winter 2018/19 etwa 142.000 Euro. Mit Sponsoren und Ausrüstern wie Atlas oder Fischer dürften sich Stochs Einnahmen auf etwa eine Million Euro im Jahr summieren.

              Neben dem Österreicher Stefan Kraft wird Stoch aufgrund seiner Beständigkeit den Japaner Kobayashi am ehesten angreifen können, wenngleich Leistungsschwankungen im Skispringen noch eher vorkommen als in anderen Wintersportarten. Es muss schließlich jede Bewegung in Sekundenbruchteilen stimmen, um weit zu fliegen.

              • Weltcup-Einnahmen 2018/19: 142.000 Euro
              • 294.000 Instagram-Follower
              • Sponsoren: Lotos, Atlas, Renault, Sixt, Eurosport, Grupa Azoty
              • Ausrüster: Fischer, 4F, Uvex, Rass
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