Dr. Regina Henkel
Autor:
Regina Henkel

Sportorthopädie-Spezialist Bauerfeind über Kommunikation in der Krise

Bauerfeind: „Wir haben die Kommunikation in der Corona-Krise verstärkt“

Viele haben die Kommunikation in der Corona-Krise eingestellt, Bauerfeind nicht. Der thüringische Spezialist für orthopädische Produkte nutzt die schwierige Situation dafür, aktiv mit Händlern, Partnern und Konsumenten in Kontakt zu bleiben. Jörg Ritzerfeld, Marketingleiter Bauerfeind Sports und ehemaliger Weltcup-Skispringer, erklärt im Interview mit ISPO.com, wie in Zeiten wie diesen die richtige Kommunikation aussieht.

Gesundheit ist das Wichtigste ist die Firmenphilosophie von Bauerfeind.
Gesundheit ist das Wichtigste ist die Firmenphilosophie von Bauerfeind.

Gesundheit ist schon immer das Kerngeschäft von Bauerfeind. Aus dem klassischen Medizinbereich kommend, versorgt das Unternehmen mit so hochkarätigen Markenbotschaftern wie Dirk Nowitzki auch den Sportfachhandel mit innovativen sportorthopädischen Produkten.

Bauerfeind gehörte mit zu den ersten Unternehmen, die dem Aufruf des VDS #sportbleibt gefolgt sind und die Aktion unterstützt haben. Überhaupt macht Bauerfeind in Sachen Kommunikation gerade vieles richtig. ISPO.com hat mit Jörg Ritzerfeld, Marketingleiter Bauerfeind Sports, über die aktuelle Lage gesprochen und wie in Zeiten wie diesen die richtige Kommunikation aussieht.

Drang nach Bewegung ist jetzt bei allen groß

ISPO.com: Herr Ritzerfeld, wie sind Sie auf die Aktion #sportbleibt aufmerksam geworden?
Jörg Ritzerfeld: Über einen Newsletter haben wir relativ früh von der Aktion erfahren und proaktiv mitgemacht. Wir fanden den Aufruf sehr passend für uns, weil wir gerade alle von der Situation betroffen sind und nur eingeschränkt Sport machen können. Auch die großen Sportveranstaltungen und sportlichen Highlights wie Olympia finden nicht statt. Ich denke, der Drang nach Bewegung ist bei uns allen groß.

Sport bleibt – was macht Sie da so sicher?
Man muss nur mal vor die Tür gehen und schauen, wie viele Menschen zu christlichen und unchristlichen Zeiten jetzt draußen Laufengehen oder Radfahren. Man hat den Eindruck, dass es sogar noch mehr sind als sonst, was natürlich daran liegen kann, dass viele andere Sportarten im Moment nicht möglich sind. Man sieht, Sport ist jetzt ein Bedürfnis, und deshalb bin ich sicher, so wird es nach der Lockerung der Einschränkungen auch weiter gehen.

Marketing Manager Jörg Ritzerfeld: Wir waren in der glücklichen Lage, dass wir schon viel Content vorbereitet hatten.
Marketing Manager Jörg Ritzerfeld: Wir waren in der glücklichen Lage, dass wir schon viel Content vorbereitet hatten.

Wichtig: Aktive Kommunikation mit relevanten Inhalten

Wie haben Sie die Kommunikation mit den Kunden und Partnern in der Coronakrise aufrechterhalten?
Wir haben intern und extern die Kommunikation verstärkt und inhaltlich auf die Situation angepasst. Man musste natürlich erst einmal ein Gefühl dafür entwickeln, wie sich Kunden und Händler jetzt fühlen, deshalb haben wir früh begonnen, aktiv nachzufragen und nach gemeinsamen Lösungen zu suchen. Das gilt auch für unsere Sport-Partner wie Alba Berlin, Andreas Toba oder die Hahnertwins und für Veranstaltungen. Wir sponsern beispielsweise den Rennsteiglauf, der in diesem Jahr aber nicht stattfinden wird. Jetzt könnte man versuchen, von den Verträgen zurückzutreten, aber das haben wir nicht gemacht, sondern schnell signalisiert, dass wir gerne weiter zusammenarbeiten würden. All unser Tun ist so angelegt, dass die langfristige Beziehung zu unseren Kunden gestärkt wird. Ich will es mal so sagen: Viele haben die Kommunikation eingestellt, wir haben die Situation eher genutzt, um in Kontakt zu bleiben. Das kam beim Kunden und unseren Partnern sehr gut an.

Sie ranken beim Thema Homeoffice und Bewegung auf zweiter Stelle im Google Ranking – wie ist Ihnen das gelungen?
Gute Frage. Wir haben jedenfalls keine Budgets verschoben, um dieses Ranking zu bekommen. Zum einen haben wir uns frühzeitig mit unseren internationalen Distributoren in China, Italien und Österreich ausgetauscht, die schon länger mit der Krise zu kämpfen hatten. So konnten wir recht schnell erkennen, welche Auswirkungen die Krise insgesamt mit sich bringen und welche Art von Content relevant sein wird.
Wir waren zum anderen in der glücklichen Lage, dass wir schon viel Content vorbereitet hatten, weil wir uns mit Themen wie Bewegung am Arbeitsplatz ohnehin schon lange beschäftigen. Wir haben Tutorials und Blogs gestartet, und zu keinem Zeitpunkt versucht, über diesen Content Produkte aktiv zu verkaufen.

Krise auch im Gesundheitssektor spürbar

Wie trifft die Krise Ihren Markt?
Wir sind ein Vollsortimenter mit den Schwerpunkten Fußorthopädie, Phlebologie (Kompression) und Orthopädie und vertreiben unsere Produkte in Deutschland hauptsächlich über den stationären Sanitätsfachhandel. Im Moment gehen weniger Menschen zum Arzt und Operationen werden nicht durchgeführt, was sich auf die Nachfrage nach unseren medizinischen Produkten auswirkt.
Neben dem klassischen medizinischen Bereich haben wir die Linie Bauerfeind Sports etabliert, die wir über den Sportfachhandel und den eigenen Onlineshop vertreiben. Auch hier merken wir die Schließungen natürlich, da der Onlinehandel zumindest in Deutschland nur einen geringen Anteil ausmacht. Dieses Verhältnis pro Fachhandel soll auch so bleiben, und wir weisen über unsere Kanäle aktiv daraufhin: Unterstützt die Fachhändler in eurer Region!

Ihre Produkte sind saisonunabhängig – gibt es jetzt zu viel Bauerfeind Ware im Handel?
Glücklicherweise haben wir keine Saisonware. Wir arbeiten in erster Linie mit NOS-Produkten und sind sehr schnell in der Lieferung. Das heißt, die Händler haben jetzt keinen extrem hohen Lagerbestand und wir - da wir hier am Standort produzieren - konnten unsere Produktion anpassen und haben kein Problem zu liefern.

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