Autor:
Lars Becker

Einkommen und Sponsoren des Weltmeisters: Markus Eisenbichler, Skispringen

Markus Eisenbichler: Der neue deutsche Überflieger landete einst fast im Rollstuhl

Er galt schon als der „ewige Zweite“, hat noch nie ein Weltcup-Springen gewonnen, doch seit der Nordischen Ski-WM 2019 ist Markus Eisenbichler der neue deutsche Überflieger. Binnen 24 Stunden gewann der Ur-Bayer auf der legendären Bergiselschanze von Innsbruck den Einzel- und Teamwettbewerb sowie eine Woche darauf in Seefeld den Mixed-Team-Wettbewerb der Skispringer und darf sich damit Dreifach-Weltmeister nennen. Das ist nicht einmal Martin Schmitt gelungen.

Der glückliche Doppel-Weltmeister im Einzel- und Team-Skispringen, Markus Eisenbichler.

„Wie soll man das verdauen, wenn man noch nie gewonnen hat und plötzlich Weltmeister ist“, schildert Eisenbichler selbst die Achterbahnfahrt seiner Karriere: „Ich habe so viele Tiefschläge einstecken müssen. Aber wenn man der richtige Typ ist, kommt man da stärker raus.“ Der Mann mit dem Spitznamen „Eisei“ ist ein einzigartiger Typ und seine Vita ein Lehrstück für Kampfgeist. Im September 2012 verlor der aus dem bayerischen Siegsdorf stammende Mann bei einem Trainingsflug in Oberstdorf nach dem Absprung die Kontrolle und stürzte kopfüber auf den Hang. Der dritte Brustwirbel war gebrochen, vier weitere angebrochen. Es drohte der Rollstuhl.

Motto „Alles oder Nichts“

„Als ich da unten lag und erstmal nichts mehr gemerkt habe, habe ich schon mal gedacht, dass es das jetzt mit dem Skispringen war“, erinnert sich Eisenbichler an die dramatischen Momente und die Zeit danach: „Als ich dann im Krankenhaus lag, hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Ich habe mir gesagt: Falls ich wieder fit werde, dann probiere ich es nochmal. Dann nicht mehr mit 80 Prozent. Sondern unter dem Motto ‚Alles oder Nichts‘.“ Es sagt viel über den ehemaligen Eishockeyspieler aus, dass ihm ausgerechnet auf dieser Schicksals-Anlage in Oberstdorf in diesem Winter fast der erste Weltcup-Sieg geglückt wäre. 0,4 Punkte oder 22 Zentimeter fehlten ihm hinter Ryoyu Kobayashi zum Triumph.

„Stehaufmännchen“ Eisenbichler

Insgesamt viermal landete Eisenbichler in dieser besten Saison seiner Laufbahn als „ewiger Zweiter“ hinter dem Japaner. Auch in der Gesamtwertung der Vierschanzentournee. Ein 13. Platz in Innsbruck hatte Eisenbichler alle Chancen geraubt. Es passt perfekt zur Geschichte dieses Mannes, dass er sich gut sieben Wochen später genau hier zum Doppel-Weltmeister krönte. „Da ist ein kleines Märchen passiert. Ich kenne kein Stehaufmännchen wie ihn, der so viele Rückschläge weggesteckt hat“, sagte Bundestrainer Werner Schuster. Eine Woche darauf gewann Eisenbichler auch im Mixed-Team Gold.

„Hirnfürze“ des Überfliegers

Eisenbichler ist ein ganz spezieller Charakter. Der sich in der Vergangenheit mit zu hohen Erwartungen an sich oft selbst den Weg zum Sieg verbaut hatte. „Er hat seine eigenen Ideen, man könnte sie auch Hirnfürze bezeichnen“, sagt Bundestrainer Schuster, „Manchmal verläuft er sich dabei. Aber er ist nicht kleinzukriegen. Und irgendwann wächst der Glaube daran, dass du einfach dran bist.“ So wurde aus dem Trainings-Weltmeister, der in der Vergangenheit oft nur bei Übungseinheiten oder in der Qualifikation die Bestweite setzte, ein echter Dreifach-Weltmeister. Dem einfach jeder die Erfolge gönnt, selbst der im WM-Einzelspringen von ihm geschlagene Silbergewinner Karl Geiger: „Markus hat es sich so sehr verdient.“

Das ist Markus Eisenbichler: Erfolge, Fans und Sponsoren

Erfolge:

Die Einzel-, Team- und Mixed-Team-Goldmedaillen bei der Nordischen Ski-WM in Österreich sind mit Abstand die größten Erfolge von Markus Eisenbichler. Das toppt auch seine starke Bilanz bei der WM 2017 von Lahti, wo er neben dem Titel im Mixed-Team-Wettbewerb auch überraschend Einzel-Bronze gewonnen hatte. Im Weltcup hat der Ur-Bayer noch keinen einzigen Einzel-Sieg gefeiert: Im Winter 2018/2019 landete er viermal auf Platz zwei. Auch in der Gesamtwertung der Vierschanzentournee wurde er „nur“ Zweiter. Immer geschlagen vom Japaner Ryoyu Kobayashi. Bei der WM gelang nun eindrucksvoll die Revanche.

Social:

Instagram: Fast 60.000 Abonennten

Facebook: über 25.000 Likes

Markus Eisenbichler konzentriert sich auf seinen Social-Media-Kanälen vor allem auf seine sportliche Karriere. Nach den Erfolgen ist er in der Beliebtheitsskala steil angestiegen, kann aber in Sachen Follower noch nicht an Stars wie die Olympiasieger Andreas Wellinger oder Kamil Stoch heranreichen.

Markus Eisenbichler: Ausrüster und Sponsoren

Markus Eisenbichler gehört genau wie Eric Frenzel zur Viessmann-Wintersportfamilie. Die Heizungsfirma ist sein Kopfsponsor, auf dem Ski findet sich Kampa, ein Fertighaushersteller, als Geldgeber. Wichtigster Ausrüster ist die Skifirma Fischer.

Einnahmen:

Obwohl er keinen Weltcup-Sieg gefeiert hat, zahlen sich die Erfolge für Markus Eisenbichler aus. Im laufenden Winter hat er als bestverdienender deutscher Skispringer bislang 98.200 Schweizer Franken Preisgeld vom Internationalen Skiverband FIS kassiert. Für das erste WM-Einzelgold gab es 28.750 Schweizer Franken, für die Titel in den Teamwettbewerben kommt je ein Viertel der 35.000 Franken Gesamtprämie hinzu. Vom Deutschen Skiverband (DSV) gibt es zudem für große Erfolge wie WM-Goldmedaillen je nach Finanzlage einen Bonus am Saisonende. In der Regel ist das eine Summe im Bereich zwischen 5000 und 10.000 Euro. Inklusive Sponsoreneinnahmen kann Eisenbichler in einem so erfolgreichen Winter so auf Brutto-Gesamteinnahmen von geschätzten 300.000 Euro kommen. Abgesichert ist Eisenbichler durch seinen Job bei der Bundespolizei. Geld ist ihm aber nicht das Wichtigste, auch wenn er irgendwann mal von einer Sauna im eigenen Haus träumt.

Schuhplattler für Medaillengewinner

Bei den Olympischen Spielen 2018 flog Eisenbichler im letzten Moment aus dem deutschen Quartett für den Mannschaftswettbewerb. Seine Teamkollegen gewannen ohne ihn Silber und trotz aller Enttäuschung zeigte er bei der anschließenden Party einen Schuhplattler zu Ehren der Medaillengewinner.

Privat entspannt der 27-Jährige am liebsten mit seiner Freundin. Mehr will Eisenbichler aber nicht verraten, auch seine Social-Accounts bleiben dem Profisport vorbehalten.

Autor:
Lars Becker
Kommentare


Themen dieses Artikels


Wintersport
Storys, News, Ratgeber und Hintergründe aus der Welt des Wintersports lesen Sie hier.