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Sport-Fails durch zu viel Risiko

LISTICLE | 12.05.2021
Loris Karius at the 2018 Champions League final
Autor:
Martin Jahns

Wer es im Sport bis ganz an die Weltspitze schaffen will, darf vor riskanten Entscheidungen nicht zurückweichen. Doch nicht immer geht das gut. Wir stellen berühmte Szenen des Sports vor, in denen sich der Mut zum Risiko nicht ausgezahlt hat.

1

Stunt kostet Olympia-Gold

Die US-Snowboarderin Lindsay Jacobellis hat so ziemlich alles gewonnen, was es in ihrem Sport zu gewinnen gab – außer Olympia-Gold. Und das nur, weil sie im Snowboardcross-Finale der Winterspiele in Turin 2006 ein unnötiges Risiko einging: Jacobellis hatte zwei Sprünge vor dem Ziel einen gigantischen Vorsprung auf die Schweizerin Tanja Frieden und fühlte sich schon wie die sichere Siegerin.

So sehr, dass sie bei einem Sprung übermütig wurde, einen „Grab“ ausprobierte, bei dem sie ihr Board mit der Hand berührte, dabei allerdings stürzte. Frieden zog vorbei, Jacobellis wurde Zweite.

2

Keeper wird zum Buhmann

Im Champions-League-Finale 2018 erlangte Loris Karius traurige Berühmtheit: Mit zwei fatalen Fehlern leitete der Torwart die 1:3-Niederlage des FC Liverpool gegen Real Madrid ein. Erst warf er Gegenspieler Karim Benzema an, der locker einnetzte. Dann flutschte Karius ein eigentlich unplatzierter Fernschuss von Gareth Bale durch die Hände. Der Keeper erntete Spott und Häme. Erst lange nach dem Spiel berichtete er, dass es überhaupt ein Risiko für ihn war, noch auf dem Platz zu stehen – denn er spielte trotz einer Gehirnerschütterung.

„Im Nachhinein hätte ich sicher öffentlich viel offensiver damit umgehen müssen“, sagte Karius fast zwei Jahre nach der Partie der „Sport-Bild“: „Ich hatte nach einem Schlag von Sergio Ramos eine Gehirnerschütterung, durch die mein räumliches Sehen eingeschränkt war.“ Ob die medizinische Abteilung der „Reds“ oder Karius selbst die Entscheidung trafen, weiterzuspielen, ist unklar. Gelohnt hat sich das Risiko aber weder für Liverpool noch den heutigen Ersatztorwart von Union Berlin.

3

Super-Bowl-Sieg einfach weggeworfen

Der Super Bowl 49 zwischen den Seattle Seahawks und den New England Patriots im Februar 2015 fand ein denkwürdiges Ende. Die Seattle Seahawks brauchten einen Touchdown in den Schlusssekunden, um die größte Trophäe im American Football zu gewinnen. Und eigentlich sah es sehr gut aus: Drei Versuche hatten sie noch, um den Ball in der letzten Spielminute die zwei Yards in die Endzone zu tragen. Mit der blendenden Lauf-Offensive fast schon ein Ding der Unmöglichkeit, daran zu scheitern.

Doch Coach Pete Carroll entschied sich für einen überraschenden, aber eben auch viel riskanteren Passspielzug. Es kam, wie es kommen musste: Die Patriots fingen den Pass von Quarterback Russell Wilson ab, kamen so selbst in Ballbesitz und brachten ihren Vorsprung ins Ziel. Der Mut zum unnötigen Risiko wurde den Seahawks hingegen in einem der denkwürdigsten Finishes der Super-Bowl-Geschichte zum Verhängnis.

4

Sprinter ist zu schnell

Linford Christies Karriere endete mit einem Knall. Allerdings nicht mit der Titelverteidigung des 100-Meter-Sprinters bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta, sondern mit dem Startschuss zum Sprintfinale der Spiele: Bei seinem letzten Lauf auf der ganz großen Bühne riskierte der Brite jamaikanischer Herkunft zu viel, ging bei zwei Starts zu früh aus den Blöcken und wurde dafür disqualifiziert.

Nach knapp dreiminütigem Protest verließ Christie die Tartanbahn doch noch. Ein unwürdiges Ende der Olympia-Karriere einer der prägenden Sprinter der 1990er.

5

Trick-Spielzug geht nach hinten los

Noch einmal Football, diesmal aber besonders kurios: Mit überraschenden Trickspielzügen, sogenannten Trick Plays, versuchen Teams immer wieder, den Gegner mit unkonventionellen Aufstellungen oder Spielzügen zu überrumpeln. Doch das Risiko, das Trainer Chuck Pagano und seine Indianapolis Colts bei seinem Versuch 2015 gegen die New England Patriots eingegangen sind, endete im Fiasko: Die Spieler, die sonst eigentlich den Quarterback beim Ballbesitz beschützen sollten, stellten sich meterweit entfernt auf. Der Plan war es wohl, die Patriots zu einem Frühstart zu verleiten.

Am Ende passierte aber, was passieren musste: Der Gegner sagte danke und kassierte den alleingelassenen Quarterback mit einer Übermacht an Kleiderschränken ein. Nicht nur die US-Kommentatoren fragten sich, was das werden sollte:

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Der König der Marathon-Betrüger

Der US-amerikanische Marathonläufer Fred Lorz wäre mit einem ebenso riskanten wie dreisten Betrugsversuch 1904 fast Olympiasieger geworden: Lorz lief bei den Olympischen Spielen in St. Louis die ersten 14 Kilometer, ehe er für die nächsten knapp 18 Kilometer kurzerhand aufs Auto seines Trainers umstieg.

Kurios: Die Ausfahrt bemerkte zunächst niemand. Lorz lief unbehelligt als Erster über die Ziellinie und wurde schon als Sieger verkündet, ehe Zuschauer ihn entlarvten.

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Martin Jahns
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