Andi Spies
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Andi Spies

Profi-Snowboarder über Nachhaltigkeit und Nelson Mandela

Elias Elhardt: „Die Klimakrise betrifft uns alle“

Für den Profi-Snowboarder Elias Elhardt hatte der vergangene Corona-Winter kaum negative Auswirkungen auf seinen Alltag. So blieb ihm unter anderem Zeit, ein außergewöhnliches Filmprojekt umzusetzen. Wir sprechen mit dem 33-Jährigen sowohl über seine Leidenschaft fürs Storytelling, als auch seine Gedanken zu Nachhaltigkeit, Klimakrise und die Rolle des Sports in unserer Gesellschaft.

Elias Elhardt, Powderturn.

Für Elias Elhardt spielt Loyalität privat wie beruflich eine wichtige Rolle: Seit elf Jahren arbeitet er mit seinem Boardsponsor Nitro Snowboards zusammen. Auch die langjährigen Partnerschaften mit seinen vier weiteren Sponsoren aus der Snowboard-Branche bedeuten ihm viel. Ihm ist bewusst, dass er als Filmemacher und Snowboarder ein privilegiertes Leben führt, das ohne die finanzielle Unterstützung der Brand-Partner so nicht möglich wäre.

Ungewöhnlicher Blick auf den Snowboard-Kosmos

Elhardts Snowboard-Karriere verlief zunächst nahezu stereotypisch. Zuerst machte er sich als Profi-Snowboarder durch Erfolge bei den großen Slopestyle-Wettkämpfen einen Namen. Danach folgten Video Parts in erfolgreichen Snowboard-Filmen wie „Distorted Reality“ (Pirate Movie Production 2013) oder „Insight“ (Transworld Snowboarding 2006). Dafür wurde er sogar für den „Video Part of the Year“ nominiert.

In der jüngeren Vergangenheit hat sich der sympathische Allgäuer mehr und mehr dem Filmen verschrieben. Dabei ist er als Produzent und Regisseur häufig hinter der Kamera seiner eigenen Filmprojekte zu finden. Mit seiner Art des Storytellings versucht er, einen neuen und ungewöhnlichen Blick auf den Snowboard-Kosmos zu werfen. „Meine eigenen Filme sind für mich ein tolles Vehikel, um Geschichten zu erzählen, die über das reine Snowboarden hinausgehen. Mit ihnen kann ich Themen in den Fokus rücken, die mir wichtig sind“, erklärt er.

Neuestes Filmprojekt: Playing Gravity

Für seinen aktuellen Snowboard-Film „Playing Gravity“ arbeitete der 33-Jährige mit dem Filmer und Drohnenpiloten Sebastian Schieren zusammen. „Der Film ist nochmals eine reine Hommage an die Schönheit des Snowboardens, ohne dabei tiefgründige Themen zu kommunizieren“, erläutert Elhardt. Das Ergebnis ist ein visuelles Highlight. 

Im Film folgt die Highspeed-Drohne dem stylischen Snowboarder den Hang hinab, fliegt neben ihm über Sprünge und rauscht hinter ihm durch den Powder. So entstand ein Kurzfilm mit spektakulären Aufnahmen, der eine neue visuelle Dimension eröffnet. Auch die Macher der European Outdoor Film Tour (E.O.F.T.) waren von dem Werk begeistert. Auf der aktuellen Tour läuft „Playing Gravity“ exklusiv und ist der einzige Snowboard-Film im Festivalprogramm. 

Wir trafen Elias am Premierenabend der E.O.F.T. in München und wollten erfahren, was den 33-Jährigen neben der Produktion außergewöhnlicher Filme sonst noch umtreibt.

ISPO.com: Spätestens seit Greta Thunberg mit ihren Aktionen weltweit für Aufsehen sorgt, ist die Klimakrise in aller Munde. Wie siehst du in diesem Zusammenhang die Rolle des Wintersports?

Elias Elhardt: Um die Relevanz des Klimawandels anzusprechen, braucht es in meinen Augen nicht das Framing des Snowboardens. Die Auswirkungen, welche die Erderwärmung zweifellos auf den Wintersport haben wird, sind nach meiner Einschätzung eher nebensächlich. Vielmehr ist ja die Klimakrise das große gesellschaftliche Thema unseres Jahrhunderts.

Es ist also nur folgerichtig, dass das Thema in unseren Erzählungen ebenfalls Einzug findet. Aber auch in die Art und Weise wie wir Produkte herstellen. Ebenso müssen wir hinterfragen, wie wir den Leuten den Zugang zu unserem Sport ermöglichen. Es ist also sehr vielschichtig. Und als übergeordnetes Thema muss die Bekämpfung des Klimawandels in allen Bereichen ein Teil unseres Lebens werden. Da das Snowboarden meine Plattform zur Kommunikation ist, möchte ich diese auch dafür nutzen.

Wintersport und Naturschutz sind oft schwer unter einen Hut zu bringen, wie die jüngsten Entwicklungen im Pitztal mit der Erschließung neuer Verbund-Skigebiete zeigen. Wie ist deine Haltung zu solchen Projekten?

Das Thema ist komplex. Bevor man ein solches Projekt pauschal kritisiert, muss man sich zunächst klarmachen, worum es eigentlich geht. Ist es unser romantisiertes Naturverständnis von den schönen Bergen, die wir vor der Verwandlung in eine Kulturlandschaft schützen wollen? Oder unsere Sorge um die Auswirkungen solcher Bauvorhaben auf unser Klima? Die Alpen sind schon sehr lange für uns Menschen eine Kulturlandschaft, nur werden die Berge in der heutigen Zeit anders genutzt. Sie haben sich zum Erholungsraum für Menschen, auch aus weit entfernten Regionen, entwickelt. Unter dem Aspekt der Reduktion unseres CO2-Footprints entsteht so ein massives Problem. Denn die Anreise in die Wintersportgebiete hat einen wesentlich größeren Impact auf den CO2-Ausstoß als die Erweiterung eines Skigebiets durch einen neuen Lift. Aber in der Naturlandschaft sieht der Lift eben hässlich aus.

Ich bin auch ein großer Fan von möglichst ursprünglicher Natur und unterstütze deren Erhalt. Ich sage aber bewusst nicht unberührte Natur, denn die lässt sich heutzutage kaum noch finden. Auch die Herstellungen unserer Wintersportprodukte, und die Art und Weise wie wir diese konsumieren, setzt wesentlich mehr CO2 frei, als die Bauarbeiten an neuen Liftanlagen und deren Betrieb, der zudem elektrisch erfolgt.

Die Produktentwicklung ist ein gutes Stichwort. Du bist bei deinen Sponsoren in diesen Prozess involviert. Wie sieht das konkret aus und inwiefern kannst du das Thema Nachhaltigkeit dabei mit einbringen?

Meine längste Partnerschaft besteht mit Nitro Snowboards, die ihren Sitz ja in Oberammergau haben. Durch die räumliche Nähe ist die Zusammenarbeit unkompliziert. Schon lange helfe ich bei Entwicklung und Design meines eigenen Boards mit. Daher bekomme ich neben den technischen Aspekten auch Einblick in die gesamte Firmenstruktur und die Prozesse. Dabei sehe ich, wie sich das Unternehmen dem Thema Nachhaltigkeit widmet. In diesem Jahr hat man erstmals den gesamten CO2-Ausstoß der Snowboardproduktion ermittelt. Hier flossen alle Aspekte des kompletten Lebenszyklus mit ein: die Beschaffung der Rohstoffe, die Herstellung, der Transport und die Entsorgung. Im ersten Schritt werden diese Emissionen nun durch die Unterstützung anderer Projekte wieder entsprechend kompensiert. Dass Unternehmen, mit denen ich zusammenarbeite, diese Verantwortung annehmen, finde ich wichtig.

Was waren für dich die Learnings aus diesem Prozess?

Am meisten überrascht hat mich, dass die Logistik, also der Transport der Snowboards, den kleinsten Anteil am CO2-Ausstoß hat. Dieser lag nur bei etwa drei Prozent der gesamten Emission. Vielmehr sind es die Materialien wie der Holzkern, die Stahlkanten oder das Harz, deren Beschaffung, Herstellung und Verarbeitung, welche die CO2-Bilanz maßgeblich beeinflussen.

Was bedeutet das für die Produktentwicklung?

Wenn wir wirkungsvoll CO2 einsparen wollen, müssen wir nach alternativen Materialien und nachhaltigen Herstellungsprozessen suchen. Denn es reicht nicht aus, unseren CO2-Ausstoß, der in der Produktion entsteht, nur zu kompensieren. Ein erster kleiner Schritt zu mehr Nachhaltigkeit kann die Verwendung von Bio-Harzen sein. Die Idee habe ich mit unserem Produktmanager diskutiert, der jetzt mit diesen Harzen experimentiert.

Wie nimmst du die die Aktivitäten in Sachen Nachhaltigkeit in der gesamten Branche wahr?

Als ich über die letzte OutDoor by ISPO gelaufen bin, ist mir aufgefallen, dass in der Kommunikation jede Brand nachhaltiger, als die andere war. Grundsätzlich finde ich es toll. Denn es ist ein guter Startschuss, aber zugleich ein Versprechen an die Zukunft. Wir geben uns alle dieses große Versprechen, aber jetzt muss auch jeder liefern. Mir gefällt es, dass ich durch die Zusammenarbeit mit meinen Sponsoren ein Teil dieses Prozesses bin und wir gemeinsam überlegen, wie wir unser Nachhaltigkeitsversprechen wirklich einlösen.

Wie blickst du als 33-Jähriger auf die Generation Z?

Sehr positiv, denn diese Generation ist viel politischer als meine. Das finde ich super. Es ist toll zu sehen, dass verschiedene Bewegungen wie „Fridays for Future“ oder „Black Lives Matter“ aus dieser Generation hervorgegangen sind; beziehungsweise, im Fall von „Black Lives Matter“, von ihr mitgetragen werden. Es ist bemerkenswert, dass diese Initiativen so groß geworden sind, und dass auch Brands ihre Haltung zu diesen Themen zeigen müssen, um von den Konsumenten ernst genommen zu werden.

Elias Elhardt, Cliffdrop

Der Sport hat die Kraft, die Welt zum Guten zu verändern

Du bist seit diesem Jahr als Ambassadeur für „Laureus Sport for Good“ aktiv. Was ist hier deine Rolle?

Viele kennen die Laureus Foundation als Organisator einer Gala, bei der jährlich die besten Sportler geehrt werden. Aber in den vergangenen Jahren hat die Stiftung ihr soziales Engagement deutlich ausgebaut. Sie unterstützt mit finanziellen Mitteln mittlerweile mehr als 100 soziale Sportprojekte auf der ganzen Welt. Ich glaube, Nelson Mandela war an der Gründung beteiligt und hielt dort eine sehr prägende Rede. Darin betonte er, dass der Sport nicht nur dem Selbstzweck dient, sondern die Kraft hat, die Welt zum Guten zu verändern. Und das gilt besonders für junge Menschen.

Hast du ein konkretes Projekt, das du als Ambassadeur dort schon unterstützt?

Noch nicht. Ich schaue mir gerade viele unterschiedliche Projekte an. Aber durch meine Arbeit an meinen Filmen half ich der Stiftung schon bei der Regie von Video-Clips, die sie für die Kommunikation einsetzen. Das ist auch eine Art, wie ich mich dort momentan einbringen kann. Ich promote ihre Aktivitäten über meine Social Media Kanäle und kann meine Erfahrungen in Bezug auf das Storytelling von Filmprojekten beisteuern.

Wie wichtig sind dir persönlich solche Partnerschaften?

Sehr wichtig. Ich bin vor einem Jahr zum Team von Picture Organic gestoßen, arbeite schon eine Weile mit der E.O.F.T. zusammen und jetzt kam vor Kurzem noch die Laureus Foundation hinzu. Das sind, neben meinem Boardsponsor Nitro Snowboards, weitere Partner, die mir wichtig sind und mit denen ich viele Schnittmengen sehe, um in Zukunft noch mehr zu bewegen. Dabei geht es immer ums Filmemachen, Storytelling und Engagement für Themen, die größer sind als der Sport.

Tipp: Wer den sehenswerten Kurzfilm „Playing Gravity” von Elias Elhardt auf großer Leinwand erleben will, hat dazu bei einem der vielen Screenings der European Outdoor Film Tour 2021 die Möglichkeit. Derzeit finden alle Veranstaltungen wie geplant statt - beim Ticketkauf gibt es aktuelle Infos zu den jeweils geltenden Corona-Regeln. Alle Termine der E.O.F.T. findest du hier.

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