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Markenbotschafter von The North Face sprechen über ihr extremes Leben

Hilaree Nelson und Jim Morrison: So tickt das Skibergsteiger-Paar

Menschen wie Superhelden: Kein Gramm Fett, sehnige Unterarme, strahlende Gesichter. Hilaree Nelson und Jim Morrison sind Extrem-Skifahrer und Bergsteiger. Und noch dazu ein Paar. Auf der ISPO Munich 2019 sprechen die beiden Markenbotschafter von The North Face über späte Starts, böse Berge und zu tiefen Schnee.

Hilaree Nelson und Jim Morrison auf der ISPO Munich 2019 bei The North Face. 
Hilaree Nelson und Jim Morrison auf der ISPO Munich 2019 bei The North Face. 

Hilaree Nelson und Jim Morrison wurden zu Helden ihrer Sportart, als sie den Lhotse bezwangen und mit Skiern abfuhren. Doch der Weg bis zum Nebengipfel des Everest war lang und führte ein Jahr zuvor über einen ganz besondern Berg: den Papsura im Westhimalaya.

ISPO.com sprach auf der ISPO Munich 2019 mit den beiden Skibergsteigern.

Hilaree und Jim, alle Superhelden haben ihre Story. Batmans Eltern wurden ermordet, also wurde er zum Verbrecherjäger, Spider-Man wurde von einer radioaktiven Spinne gebissen. Wie wurden Sie zu Superhelden des Skibergsteigens?
Hilaree Nelson: Ich bin totale Spätstarterin. Ich habe lange auf einer Insel in der Karibik gelebt und wollte Marinebiologin werden – also das exakte Gegenteil einer Skibergsteigerin. Eines Tages kletterte ich dort auf einen Hügel, keine 15 Meter hoch. Da oben aber stellte ich mir die Wolken als Gebirge vor. Da wusste ich: Ich muss in die Berge. Das war mit Anfang 20.

Jim Morrison: Ich hingegen wuchs in der Nähe der Sierra Nevada in Kalifornien auf. Schon als kleiner Junge machte mir kaum etwas mehr Spaß als irgendwo hinaufzuklettern. Nur Herunterspringen fand ich noch toller. Ich sprang von Felsen, ich sprang von Dächern, ich sprang von Bäumen. 

Extrem-Skibergsteiger sind auch privat ein gutes Team

Was ist Ihre spezielle Superkraft?
Jim: Logistik. Ich bin ein guter Planer und kann genau antizipieren, was nötig sein wird, um einen Gipfel zu erreichen. Vielleicht sogar wichtiger: was man weglassen kann. Stichwort Gewicht.

Hilaree: Durchhaltevermögen. Mein Trick ist, dass ich gut essen kann, auch auf 6000, 7000, 8000 Meter. Das schaffen nicht alle und dann knicken sie ein. Für Superkraft braucht man logischerweise viel Energie.

Jeder Superheld braucht einen Bösewicht. Hilaree, ist Ihr Gegenspieler der Papsura? Mehrfach scheiterten Sie an dessen Gipfel.
Hilaree: Ja, das ist er. Eine Persönlichkeit von Berg. Und er kann gemein sein. Ich sah ihn das erste Mal mit 25 auf einem Foto und war seitdem besessen, ihn zu bezwingen und mit Skiern abzufahren. Aber mehrfach musste ich aufgeben. Der Papsura ließ mich jedoch nie los.

Der Berg heißt passenderweise „Peak of Evil“ – Gipfel des Bösen.
Jim: Besonders interessant finde ich, dass der Papsura Teil einer Zwillingsformation ist. Der andere Gipfel heißt Dharamsura, übersetzt „Peak of Good“.

„Der Papsura ließ uns nie los“

Gut gegen Böse - der ewige Kampf.
Jim: Ja, die Berge sind im Laufe der Jahrmillionen offenbar auch unterschiedlich hoch gewesen, je nach Bewegung der Erdkruste. Mal war der gute Gipfel höher mal der böse.

Hilaree: Zur Zeit ist es der böse Teil. Nachdem ich auf dem Everest war und Jim kennengelernt hatte, war es Zeit, den Papsura endlich zu niederzuringen.

Sie sprechen es an: Sie sind nicht immer gemeinsam unterwegs gewesen, wann haben Sie sich zusammengetan, sozusagen als die Avengers des Skibergsteigens?
Jim: Das war 2015. Wir merkten schnell, dass wir gut zusammen passen.

Hilaree: In jeglicher Hinsicht.

Waren Ihre vereinten Superkräfte Logistik und Durchhaltevermögen entscheidend dafür, den Papsura endlich zu bezwingen?
Hilaree: Ganz sicher. Wir sind das perfekte Team. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, endlich oben zu stehen. Surreal. Nun muss man aber dazu sagen, dass ich extreme Höhenluft liebe. Ich bin dann in einer anderen Welt, die ich Neverworld nenne.

Jim: Für Hilaree ist Luft auf einem Achttausender wie ein Lebenselixier. Auch ich liebe das. Auf dem Weg zum Gipfel des Everest beispielsweise war ich eine ganze Weile alleine unterwegs, ohne Sauerstoff. Ich schwöre aber, dass ich nicht allein war. Es waren viele Menschen bei mir. Menschen, die ich verloren habe.

„Gemeinsam können wir alles schaffen!“

Vergangenes Jahr bezwangen Sie ebenfalls gemeinsam den Lhotse, einen Nebengipfel des Everest, und fuhren als erste mit Skiern ab.
Jim: Auch der Lhotse wehrte sich standhaft. Wir waren nur 300 Meter entfernt vom Gipfel, als wir bis zu den Hüften im Schnee versanken. Da helfen auch keine Superkräfte.

Hilaree: Wir standen vor der Entscheidung, ob wir den Gipfel ohne Sauerstoff erreichen wollten oder mit Skiern abfahren wollen. Beides ging nicht. Wir entschieden uns für den Sauerstoff und die Abfahrt.

Welcher böse Berg wartet als nächstes?
Hilaree: Das Drehbuch ist noch nicht fertig.

Jim: Wir Skibergsteiger haben ja einen Riesenvorteil gegenüber reinen Alpinisten: Es mögen nicht mehr viele Gipfel übrig sein, aber Abfahrten – da gibt es noch genug.

 

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