Autor:
Uschi Horner

Patagonia-Gründer Yvon Chouinard

„Die Erde ist ab sofort unsere einzige Anteilseignerin“

Was für ein Statement! Der Outdoor-Spezialist Patagonia gibt sich ganz der Natur hin, um die Umweltkrise zu bekämpfen. Ganz konkret: Der Gründer Yvon Chouinard wandelt sein Unternehmen in eine Stiftung um. Und das aus grünen Gründen. 

Outdoor-Spezialist will Planeten retten: Gründer Yvon Chouinard wandelt sein Unternehmen in eine Stiftung um

„Wir tun zwar unser Bestes, um die Umweltkrise zu bekämpfen, aber das reicht nicht aus“, betont Yvon Chouinard. „Wir müssen einen Weg finden, mehr Geld in die Bekämpfung der Umweltzerstörung zu stecken und gleichzeitig die Werte des Unternehmens zu bewahren.“ Und weil weder der Verkauf von Patagonia verbunden mit einer Spende des Erlöses noch der Gang an die Börse eine Option waren, hat Patagonia eine eigene Lösung entwickelt.

Ein radikaler Schritt zur Rettung der Erde

Der 83-jährige Gründer von Patagonia und Milliardär Yvon Chouinard überführt 100 Prozent der stimmberechtigten Anteile des Unternehmens in den Patagonia Purpose Trust. Dessen Board-Mitglieder setzen sich für den Schutz der Unternehmenswerte ein. Alle nicht stimmberechtigten Anteile gehen gemäß seinem Wunsch an das Holdfast Collective, eine gemeinnützige Organisation, die sich dafür einsetzt, die Umwelt- und Klimakrise zu bekämpfen und die Natur zu schützen. Die Mittel dafür kommen von Patagonia: „Jedes Jahr wird der gesamte Gewinn – das Geld, das wir über die Reinvestition in das Unternehmen hinaus erwirtschaften – als Dividende an das Holdfast Collective ausgeschüttet, um zur Bekämpfung der Umweltkrise beizutragen.

Der Patagonia-Campus im kalifornischen Ventura

Umfassendes Engagement für den Umweltschutz

Patagonia bleibt nach eigenen Worten dennoch ein B-Corp-Unternehmen und wird weiterhin jedes Jahr ein Prozent des Umsatzes an Umweltschutzorganisationen spenden. Außerdem bleibe die jetzige Führungsstruktur erhalten. Ryan Gellert fungiere weiter als CEO und die Familie Chouinard gehöre weiterhin dem Vorstand von Patagonia an, zusammen mit Kris Tompkins, Dan Emmett, Dr. Ayana Elizabeth Johnson, Charles Conn (Vorsitzender des Vorstands) und Ryan Gellert.

Plan für die Zukunft des Planeten

Vorstandsmitglied McDivitt Tompkins traf Patagonia-Gründer Chouinard, als er etwa 24 Jahre alt war. In all den Jahren habe sie nie erlebt, dass seine Vision ins Wanken geraten sei: „Er wollte die Dinge auf seine eigene Art und Weise und zu seinen eigenen Bedingungen machen. Und obwohl er jetzt bei guter Gesundheit ist, wollte er einen Plan für die Zukunft des Unternehmens und die Zukunft des Planeten haben.“ Sie glaube, dass „dieser Plan, den er und seine Familie mitgestaltet haben, weltverändernd ist“. Und sie ist sich sicher: „Dies wird das Unternehmen wettbewerbsfähiger machen, und seine Mitarbeitenden auf der ganzen Welt werden durch die Zielsetzung für immer gestärkt.“

Vorstandsmitglied Dr. Ayana Elizabeth Johnson

„Welches Unternehmen wagt auch den Schritt nach vorne?“

Auch wenn der 83-jährige Patagonia-Gründer mahnt, dass „die Ressourcen der Erde nicht unendlich sind, und es eindeutig ist, dass wir ihre Grenzen bereits überschritten haben“. So glaube er trotzdem fest an ihre Widerstandsfähigkeit. „Wir sind überzeugt: Wir können unseren Planeten retten, wenn wir uns dazu verpflichten.“ Und Vorstandsmitglied Dr. Ayana Elizabeth Johnson fügt hinzu: „Wenn wir die Natur schützen und die Communities unterstützen wollen, können Unternehmen nicht weiterhin an dem vorherrschenden Wirtschaftsmodell festhalten.“ Ihren Worten nach hat Patagonia jahrzehntelang neue Maßstäbe gesetzt, und nun durchbrechen sie diese ganz: „Jetzt möchte ich wissen, welche Unternehmen als nächstes den Schritt nach vorne wagen werden."

Lust auf einen Austausch mit Patagonia? Das Unternehmen findet ihr auf der ISPO Munich 2022 in der Outdoor-Halle und im Repair Truck.

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Uschi Horner