Joscha Thieringer
Autor:
Joscha Thieringer

BMW-Vorstand über die Vision von der Mobilität der Zukunft

Peter Schwarzenbauer: Weshalb BMW den „digitalen Ironman” gewinnt

Ein Vertreter der Autoindustrie beim ISPO Digitize Summit? Mit einem spannenden Vortrag hat BMW-Vorstand Peter Schwarzenbauer die Vertreter der Sportindustrie schnell überzeugt, weshalb dies kein Widerspruch ist. Der Manager teilte seine Vision von der Mobilität der Zukunft – und weshalb sie einem „digitalen Ironman” gleicht.

BMW-Vorstand Peter Schwarzenbauer hält eine Keynote zum Thema „Digital Ironman for Future Mobility“.

„Digital Ironman for Future Mobility“ – so lautete die etwas geheimnisvolle Überschrift der Keynote von Peter Schwarzenbauer. Was ein digitaler Ironman und weshalb dieses Bild durchaus treffend ist, das konnte der 58 Jahre alte BMW-Manager schnell vermitteln.

„In einem Triathlon ist es nicht hilfreich, in nur einer der drei Disziplinen weltklasse zu sein. Man muss in allen Disziplinen weltklasse sein, wenn man ganz vorne dabei sein will”, erklärte Schwarzenbauer.

BMW zeigt ACES-Modell

Das Rennen namens Mobilität der Zukunft heiße ACES und habe vier Disziplinen, führte der „Spezialist Kundenerlebnis und Digital Business Innovation” der BMW Group aus und erklärte, was diese beinhalten:

A – wie Autonomous (autonomes Fahren).

C – wie Connected (personalisierter Mobilitätsassistent).

E – wie Electrified (elektrische Antriebe).

S – wie Shared / Services (Carsharing).

Das ACES-Schaubild der BMW-Keynote

BMW setzt auf seine Stärken Erfahrung und Sicherheit

Dass das Wort „Auto“ in dieser Liste nicht vorkommt, ist kein Zufall. „Das Produkt alleine hat eine harte Zeit vor sich“, sagt Schwarzenbauer, „es geht heute ums Erlebnis, das durch ein Produkt oder eine Dienstleistung erzeugt wird. Autos werden mehr und mehr zu Services.“ In einigen Jahren gehe es nicht mehr um Autos, „sondern um Mobilität als Service“. Hier lässt sich eine Parallele zur Sportartikelindustrie ziehen, auch hier geht es immer öfter um Services, wie beispielsweise eine Running-App, und nicht nur um das Produkt allein. 

In der Automobilbranche stehen Peter Schwarzenbauer und BMW mit dieser Einschätzung keinesfalls alleine da. Sie wird von den anderen Automobilherstellern geteilt, es herrscht ein intensiver Kampf um Marktanteile. Weshalb BMW siegessicher in diesen Ironman geht? „Weil BMW auf seine Stärken setzt“, sagt der Diplom-Betriebswirt.

Neben der eindrucksvollen Erfahrung in der Herstellung von Premium-Fahrzeugen heiße die wichtigste Stärke von BMW: Sicherheit. Seit Jahrzehnten vertrauen die Kunden auf die sicheren Fahrzeuge aus Bayern – dieses Vertrauen in die Sicherheit werde in Zukunft eine gewichtige Rolle spielen, erklärt Schwarzenbauer.

Stichwort Autonomes Fahren. Der BMW-Manager: „Sie legen Ihr Leben in die Hände eines Computers. Wem würden Sie da mehr vertrauen: einem Unternehmen, das seit vielen Jahren sichere Autos baut oder einem sehr jungen Unternehmen ohne diese Expertise?“

Weshalb DriveNow auf BMW i3 setzt

Um wertvolle Erfahrungen geht es auch beim Thema Carsharing. Dass mit den Gebühren von DriveNow nicht das große Geld zu verdienen ist, ist kein Geheimnis. Es sind die Daten, die mittels DriveNow gewonnen werden, die dieses Projekt so spannend machen: Durch nichts lässt sich mehr über Kundenverhalten und Kundenbedürfnisse erfahren.

Dass so viele BMW i3 in den Städten zum Einsatz kommen, hilft nicht nur bei der Akzeptanz von DriveNow innerhalb der Bevölkerung, sondern darf auch als taktischer Schachzug verstanden werden.

„Über 200.000 Menschen haben in den letzten Monaten einen i3 gefahren – viele von ihnen sind dadurch zum ersten Mal in Kontakt mit einem Elektroauto gekommen“, sagt Schwarzenbauer. 

Schwarzenbauer: Städte werden sich komplett verändern

Für viele Menschen in den Städten ist Elektromobilität gleichbedeutend mit BMW. Und auch bei der digitalisierten Parkplatzsuche soll kein Weg am bayerischen Autohersteller vorbeigehen. „Wir sprechen normalerweise nicht groß darüber, aber mittlerweile sind wir mit 22 Millionen Kunden der weltweit größte Anbieter eines digitalen Parkplatz-Services“, sagt Schwarzenbauer.

30 Prozent des Verkehrs in Städten entstehe durch die Parkplatz-Suche, erklärt der BMW-Manager: „Daran sehen Sie, wie gewaltig das Potenzial ist. Welche Stadt würde nicht gerne diesen Verkehr eliminieren?“

BMW baut am 360-Grad-Ansatz für Mobilität

Die Städte werden in wenigen Jahrzehnten völlig anders aussehen, davon ist Peter Schwarzenbauer überzeugt: „Das Parken am Straßenrand wird komplett verschwinden. Städte werden unfallfrei, lautlos und emissionsfrei. Das werden die Menschen als eine Revolution erleben.“

BMW versteht sich deshalb selbst nicht mehr als Autohersteller, sondern als Mobilitätsanbieter – so wie sich ein Triathlet auch nicht als Schwimmer, Radfahrer oder Läufer fühlt. „Wir bauen am 360-Grad-Ansatz für Mobilität“, sagt Schwarzenbauer. Ziel des Unternehmens aus München sei es, dass es „2025 nur noch einen Ort gibt, den man aufsuchen muss: einen BMW“.

Ob das Rennen um die Mobilität der Zukunft bereits in sieben Jahren entschieden sein wird? Schwer zu sagen. Auf zwei Tugenden eines Ironman wird es wohl ankommen: Leidensfähigkeit und Ausdauer.

Joscha Thieringer
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