Autor:
Jens Vögele

Tipps für den Fahrradkauf

Fahrradboom: 8 Tipps, wie du jetzt noch dein Traumrad findest

Schon vor Corona wollten immer mehr Menschen Fahrrad fahren. Mittlerweile hat die Nachfrage nach Fahrrädern und Ersatzteilen Händler und Lieferanten überrannt. ISPO.com zeigt, wie du trotz langer Lieferzeiten mit etwas Glück und Geduld an aktuelle Räder und Ersatzteile kommst.

Mit diesen acht Tipps finden Sie ihr perfektes Fahrrad.

Einem waschechten Verkäufer wie Peter Litterst, der in Gengenbach Schwarzwald einen großen Fahrradladen führt, blutet das Herz, wenn er sagt: „Wir können manche Kundenwünsche einfach nicht mehr erfüllen.“ Enttäuschungen gehören aber auch für Radfahrer derzeit zur Tagesordnung – sei es beim Kauf eines neuen Fahrrades oder wenn mal ein Satz Reifen oder eine neue Kette fällig ist. Der Markt ist leergefegt, weil die Nachfrage weltweit schneller wächst als die Hersteller liefern können.

Betroffen sind alle Segmente. E-Bikes und E-Mountainbikes vor allem, aber auch die derzeit besonders angesagten Gravelbikes. Und auch die Lage auf dem Zubehörmarkt ist äußerst angespannt – wer glaubt, mal schnell ein Paar Bremsbeläge beim Händler um die Ecke zu bekommen, muss oft wieder mit langem Gesicht von dannen ziehen.

ISPO.com hat mit Händlern, Herstellern und Experten gesprochen, die ihre Tipps verraten, mit denen du vielleicht doch noch dein Traumrad für diesen Fahrradsommer findest.

1. Schnell zugreifen

Du siehst ein Rad, das dir passt, dir gefällt und zu deinem Budget passt? „Sofort zugreifen!“, lautet der unmissverständliche Rat von Josh Welz, Herausgeber von Europas größtem Mountainbike-Magazin BIKE. Generell lässt sich sagen: Das, was gerade bei den Händlern im Laden steht bzw. im Online-Handel schnell verfügbar ist, ist das, was in dieser Saison noch erhältlich ist. Die Lager der meisten Hersteller sind leer, die Liefersituation wird sich im Laufe dieser Saison nicht erholen. Alle Experten rechnen damit, dass sich die Marktsituation frühestens ab der Saison 2023 signifikant entspannen wird.

2. In vielen Punkten flexibel sein

Auch wenn’s schwer fällt: Ein Rad zu kaufen im Jahr 2021 bedeutet, Kompromisse einzugehen. „Das Fahrrad in genau der Ausstattung und Farbe zu finden, die man sucht, ist schwierig“, sagt Haider Knall vom Fahrradladen Haico in der Nähe von Tübingen. Sich zu fixieren ist deshalb derzeit eher kontraproduktiv. Was dagegen hilft: Augen offenhalten, flexibel bleiben bei der Markenwahl, bereit sein, bei der Ausstattung up- oder downzugraden. „Alles ist besser“, sagt Knall, „als am Ende ganz ohne Rad dazustehen.“

3. In einem Punkt unflexibel sein

Bei aller Flexibilität und Kompromissbereitschaft: Der größte Fehler wäre, sich verleiten zu lassen, wenn das Traumrad nur etwas zu groß oder zu klein erhältlich ist. Peter Litterst von LinkRadQuadrat weiß aus Erfahrung: „Nur ein Rad, das perfekt passt, bringt am Ende auch maximalen Spaß.“

4. Ausdauernd suchen

Auch wenn die Lager der Hersteller und Importeure leer sind, heißt das nicht, dass es überhaupt keine Ware gibt. „Alles, was bei uns eintrifft, geht sofort wieder raus“, sagt Bernhard Lange, Chef der deutschen Shimano-Generalvertretung, wo derzeit sogar im Zweischichtbetrieb für Nachschub für Handel und Hersteller gesorgt wird. Genaue Termine zu prognostizieren, traut sich derzeit aber kaum jemand – zumal der vom Frachter Ever Given zwischenzeitlich versperrte Seeweg durch den Suez-Kanal die Lage weiter verschärft hat. Trotzdem lohnt es, sich immer mal wieder online oder bei verschiedenen Händlern umzuschauen – positive Überraschungen sind nicht ausgeschlossen. Thorsten Heckrath-Rose verweist zum Beispiel darauf, dass bei Rose Bikes auf der Homepage kurzfristig lieferbare Räder prominent zu finden sind – allerdings ist die Auswahl derzeit sehr begrenzt.



5. Vergiss Schnäppchen!

Irgendwie haben Rabattschlachten beim Fahrradkauf immer mit dazu gehört. Die Spezies der Schnäppchenjäger wird aber im Fahrradladen immer weniger fündig sein. Räder gehen derzeit – und das wird sich in absehbarer Zeit nicht ändern – zum offiziellen Verkaufspreis über den Verkaufstresen. „Unseren Händlern wird alles quasi aus den Händen gerissen“, beschreibt Bernhard Lange die Situation. Zudem ist zu erwarten, dass die stetig wachsende weltweite Nachfrage die Preise eher noch weiter steigen lässt.

Schnäppchen sucht man in einem Fahrradladen vergebens.

6. Den Gebrauchtmarkt checken

Josh Welz vom BIKE-Magazin beschreibt zwar einen „überhitzten“ Gebrauchtmarkt – allerdings immer mit der Möglichkeit, mal einen Glückstreffer zu landen. Deswegen lohnt es sich, den Gebrauchtmarkt zu scannen, immer aber mit der Devise, sich auch hier nicht verleiten zu lassen. „Wer ein scheinbar gut erhaltenes gebrauchtes Rad kauft, bei dem er dann in Ersatzteile investieren muss, die gerade auch nicht erhältlich sind“, sagt Radhändler Haider Knall, „schießt sich schnell ein Eigentor.“



7. Vorausschauend planen

Wer sein Traumrad dieses Jahr doch nicht findet und deshalb nochmal eine Saison mit der alten Möhre dranhängt, sollte unbedingt vorausschauend Reparaturen und Verschleiß einkalkulieren. Ketten, Bremsbeläge, Reifen oder Schläuche sind jetzt schon teilweise ausverkauft – alle Arten von Ersatzteilen sind Mangelware. Wolfgang Renner von Merida und Centurion Deutschland empfiehlt deshalb, sich in Ruhe mit den Parts einzudecken, die man voraussichtlich braucht, dabei aber nicht zu hamstern: „Nichts wäre jetzt schlimmer, als wenn Fahrradketten das neue Klopapier würden“, sagt er augenzwinkernd.

8. Einen Händler als Freund

„Wenn es nichts gibt, können wir auch nichts besorgen“, sagt Radhändler Haider Knall zwar – einerseits. Andererseits wird sich aber natürlich jeder Händler für einen Stammkunden besonders ins Zeug legen. „Alle Ersatzteile, die wir derzeit zur Verfügung haben“, erklärt zum Beispiel Peter Litterst, „halten wir in der Werkstatt vor – für die Kunden, die bei mir ein Rad gekauft haben und es zu mir zum Service bringen".

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Jens Vögele
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