Autor:
Lars Becker

Content statt Anzeigen, Super-Apps, Key Opinion Leader und Mobile Only

China zeigt: Das sind die Marketing-Tools der Zukunft

Content statt Anzeigen, Super-Apps, Key Opinion Leader und Mobile Only – in Zeiten der Corona-Krise und wackelnder Marketing-Budgets sind innovative Lösungen umso wichtiger. Ein Blick auf chinesische Marken zeigt schon jetzt Marketing-Lösungen für die Zukunft.

Die chinesische App Tik Tok ist ein mächtiges Marketing-Instrument.
Die chinesische App Tik Tok ist ein mächtiges Marketing-Instrument.

Der Coronavirus trifft auch für Unternehmen des Sportbusiness. In Zeiten von Ausgangssperren und  Ladenschließungen sind innovative Wege, mit Kunden in Kontakt zu kommen und zu bleiben, umso wichtiger. Gerade in diesem Bereich ist China längst Trendsetter.

„In der alten Welt gibt es vielerorts immer noch das Bild, dass in China nur Copy Cats sitzen. Dabei kommen die meisten Innovationen längst nicht mehr aus dem Silicon Valley, sondern aus China. Die sind dort in vielen Bereichen des Marketings und der Digitalisierung fünf Jahre weiter als der Rest der Welt. Dort heißt das Motto längst Mobile only“, sagt der in München ansässige Marketing-Experte Dr. Teo Pham. Es lohnt sich also hinzuschauen und zu lernen – weil viele Entwicklungen in den nächsten Monaten und Jahren auch in Europa ankommen werden.

Wie geht die Sport-Branche mit der Corona-Krise um? Alle News gibt es im Corona-Ticker von ISPO.com.

Super-Apps können alles

Da wären zum Beispiel die sogenannten Super-Apps wie WeChat. Während es in der westlichen Welt für jeden Zweck einen eigenen Kanal gibt – bei Amazon wird gekauft, bei Whatsapp gechattet und bei Instagram und Facebook gepostet – ist das in China längst alles an einem Platz möglich.

Pham: „Man kann mit den Super-Apps wirklich alles tun. Chatten, Ausflugstipps bekommen, Tickets kaufen, Taxis bestellen, dazu bekommt man Promo-Angebote, kann gleich bezahlen und QR-Codes einlesen.“

QR-Codes: Für Bettler und die Automiete ohne Kontakt

Diese gibt es in China in Zeiten des verschwindenden Bargelds überall, selbst Bettler zeigen dort heutzutage Zettel mit einem QR-Code. Man kann aber auch in Restaurants oder beim Bäcker darüber kontaktlos bestellen und bezahlen.

Oder sich per QR-Code und Gesichtserkennung ein Auto mieten, ohne einmal mit einem Menschen Kontakt gehabt zu haben. Das ist ein weiteres Beispiel dafür, wie die Digitalisierung in China das tägliche Leben geändert hat.

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Soziale Medien ganz anders

Aber auch die sozialen Medien funktionieren hier anders – weil aus politischen Gründen Facebook, Instagram, Whatsapp oder Tinder im Reich der Mitte keine Rolle spielen. Die angesagteste App – übrigens auch weltweit nach der Zahl der Downloads – ist TikTok. Umstritten wegen angeblicher Zensur- und Überwachungsprogramme, bringt sie nichtsdestotrotz Features mit, die die Zukunft der sozialen Medien auch hierzulande verändern.

„Besonders interessant auch für Firmen ist, dass man hier mit tollen 10- bis 15-Sekunden-Filmen Millionen Menschen erreichen kann, auch wenn man gar keine Follower hat. Bei Instagram kannst du dagegen den besten Film der Welt machen, aber du erreichst niemanden, wenn du keine Follower hast“, sagt Pham.

Künstliche Intelligenz bei TikTok sorgt nämlich dafür, dass Nutzern interessante Inhalte gemäß ihren Präferenzen angeboten werden. Dazu gibt es Challenges (#soulmates #Badboy #egal), an denen sich natürlich auch Firmen mit coolen Videos beteiligen können.

Shoppable Videos: Cooler Content statt Anzeigen

Das führt direkt zur nächsten Erkenntnis für das Marketing der Zukunft für die sogenannte Generation Z, das in China bereits Realität ist. „Jede E-Commerce-Plattform braucht künftig guten Content. Dann kannst du alles verkaufen. Kein Mensch will mehr klassische Anzeigen sehen“, so Phan. Im Reich der Mitte wird das zum Beispiel über „Shoppable Videos“ umgesetzt.

Dort ist zum Beispiel der Hauptdarsteller in coolen Klamotten zu sehen. Ein Touch auf die Schuhe oder die Hosen – und es öffnet sich direkt ein Fenster, in dem die Waren aus dem Video gekauft werden können. Praktischer geht’s kaum.

Key Opinion Leader verkaufen 100 Mini Cooper in fünf Minuten

Apropos Hauptdarsteller – auch die sogenannten Influencer werden in dieser Marketing-Welt der Zukunft noch einmal wichtiger. In China werden sie inzwischen Key Opinion Leader (KOL) genannt. Und sie haben laut Phan unglaublichen Einfluss: „Eine Frau mit dem Namen Becky hat zum Beispiel in den ersten fünf Minuten einer Promotion 100 Mini Cooper verkauft.“

Die richtigen KOL’s können also für den Markteintritt einer Marke in China entscheidend sein – genau wie künftig vielleicht für den Erfolg in den „alten“ Märkten Europa und Amerika.

„Das nächste Nike wird von Influencer gemacht“

Allerdings werden die Top-Influencer zumindest in China inzwischen auch zur Konkurrenz für Marken, weil sie eigene Kollektionen auflegen. Die sich teilweise besser verkaufen, als die der großen Marken.

„Wir glauben, dass das nächste Nike von einem Influencer oder einer Influencerin gemacht wird“, sagt Phan. Der Experte glaubt auch, dass neue Marketing-Tools künftig aus China zu uns kommen werden und man sich deshalb die dortigen Entwicklungen ganz genau anschauen sollte: „Das ist wie das Silicon Valley auf Steroiden.“

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Lars Becker
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