Gunther Schnatmann
Autor:
Gunther Schnatmann

Die Unternehmen in der Sportbranche boomen, Fachkräfte im Sportbusiness sind rar

Mit diesen 5 Tipps kommen Quereinsteiger leichter an einen Job im Sport

Für eine große Karriere im Sportbusiness ist es nie zu spät. Viele Unternehmen im Sport suchen sogar mit eigenen Branchen-Recruitern und Headhuntern nach Quereinsteigern für Sportberufe. Wie Sie Ihre Chancen vergrößern können, den Job-Umstieg zum Fußball, in die Fitness oder zum Esports zu schaffen.

Auch als Quereinsteiger kann man im Sportbusiness durchstarten.
Auch als Quereinsteiger kann man im Sportbusiness durchstarten.

Die Hypo-Vereinsbank und die Bayerische Landesbank sind keine ausgewiesenen Sportadressen – doch für Jan-Christian Dreesen waren sie das Sprungbrett zum Job des Finanzvorstands in der Fußball-Aktiengesellschaft des FC Bayern München. Auch Kasper Rorsted war vor seinem Antritt als Adidas-Chef branchenfremd in der Computer- und Konsumgüterindustrie aktiv.

Zwei plakative Beispiele aus der obersten Etage, aber auch weiter „unten“ gelingt der Seiten-Einstieg in das Sportbusiness – wenn die Bewerber über gefragte Qualifikationen verfügen. Denn die Sportbranche boomt und kann ihren Personalbedarf nicht allein mit Fachleuten decken, die den Sport schon mit der Muttermilch aufgesogen haben. Die Chancen für Quereinsteiger stehen deshalb so gut wie nie. Wenn die Aspiranten grundlegende Tipps beherzigen.

1. Das eigene Profil in Sachen Sport schärfen

Völlig legitim und in der Praxis bewährt: Wer seine Erfahrungen in Bereichen herausstellt, die für das Sportbusiness interessant sind, hat bessere Chancen bei der Bewerbung. Dabei darf im Lebenslauf zum Beispiel die Station bei einem Modehersteller ausführlicher beschrieben werden, wenn man sich bei einem Sportbekleidungs-Unternehmen bewirbt.

Auch bei Plattformen, die von Recruitern und Headhuntern besucht werden (Xing und LinkedIn) darf ich ein Praktikum bei einem Konzertveranstalter mit vielen Details beschreiben, wenn ich einen Job im Ticketing eines Vereins anstrebe. Und bei diesen Business-Netzwerken muss ich dann natürlich unter „Ich suche“ angeben: Einstieg in die Sportbranche. Und unter „Ich biete“: Hohe Affinität zum Sportbusiness! Also Schlüsselbegriffe, die Recruiter bei Suchen verwenden.

2. Kontakt zu Branchen-Recruitern aufnehmen

Weil sich immer weniger Fachkräfte über Stellenanzeigen finden lassen, geht auch die Sportbranche verstärkt den Weg über Personalberater – landläufig „Headhunter“ genannt. Diese sprechen Kandidaten bei anderen Firmen direkt an und durchforsten Plattformen wie Xing und LinkedIn. Diese Berater nehmen in der Regel aber auch proaktive Bewerber („Jobhunter“) in ihrer Datenbank auf, die vielleicht beim nächsten Kundenauftrag gesucht sein könnten.

Unter „Personalberater Sportbusiness“ findet man bei Google einige spezialisierte Headhunter. Hier lohnt es sich, zu diesen Branchenexperten Kontakt aufzunehmen, um bei einer Suche mit passenden Anforderungen in die Auswahl zu kommen (die gerne auch mit Quereinsteigern angereichert wird, die „frischen Wind“ mitbringen). Dafür brauchen potentielle Quereinsteiger dann das zugespitzte Profil (erster Punkt oben). Und im Gespräch mit dem Headhunter vor allem eine nachvollziehbare Begeisterung für die Branche. Zudem hilft auch das spezalisierte Sportjobportal der ISPO, in dem neue Sportjobs angeboten werden.

3. Sich auf „neue“ Sportarten wie Klettern und Esports konzentrieren

Allein bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio gehen fünf neue Sportarten an den Start: Baseball/Softball, Karate, Skateboard, Sportklettern und Surfen. Es muss also nicht immer Fußball sein. Wer seine Erfahrungen in Betriebswirtschaft, Marketing oder PR ganz neu im Sport einsetzen möchte, hat bei den aufstrebenden Sportarten und ihren Verbänden bessere Chancen als bei den etablierten. Ganz einfach, weil es dort noch nicht so viele erfahrene Kräfte gibt und der Bedarf dafür steigt.

Heißester Tipp ist derzeit Esports. Neben den reinen Gaming-Anbietern brauchen auch etablierte Vereine verstärkt Experten auf diesem Gebiet. Vor allem IT-Experten, aber auch Vermarkter und eine ganz neue Generation von Fan-Beauftragten. So hat der Bundesliga-Traditionsclub und aktuelle Champions-League-Teilnehmer Schalke 04 als Vorreiter eine eigene Esports-Abteilung gegründet. Andere Vereine werden und müssen folgen – wer sich bei den Einsteiger-Clubs zuerst mit einer „nerdigen“ Expertise – und sei es aus privater Leidenschaft – bewirbt, hat beste Chancen.

4. Weiterbildung ist in Sportberufen der Joker

Berufs-Erfahrung in der Branche und/oder eine Karriere im Leistungssport und dazu ein Studium im Sportmanagement sind natürlich kaum zu toppen. Es gibt aber auch einen zweiten Weg, der nicht viel weniger erfolgsversprechend ist: Fundierte Kenntnisse inklusive Studium in BWL, Marktforschung, Medizin, Psychologie, IT oder Sprachen – und dazu eine kurze aber sehr konzentrierte Fortbildung, die auf das Sportbusiness vorbereitet. Viele Vereine, Verbände und Hersteller sind für Experten auf einem Gebiet wie Finanzen oder PR offen, die sich den „Stallgeruch“ über eine Zusatzqualifikation erworben haben. Anbieter für solche Akademie-Diplome gibt es viele. Eine Entscheidungshilfe können dabei Vergleichsportale wie www.sport-studieren.de/fernstudium/ oder www.studieren-berufsbegleitend.de bieten.

Ein Fortbildungs-Beispiel ist die Kooperation des Sportwirtschaftsmediums „SPONSORs“ mit der Privathochschule „WHU – Otto Beisheim School of Management“, die „Sports Business Academy by WHU SPOAC“ in Düsseldorf. Hier können sich Berufstätige, die eine Karriere im Sportbusiness anstreben, weiterbilden. Auch Quereinsteiger. Ebenfalls in Düsseldorf sitzt das IST-Studieninstitut, welches Fern-Kurse mit Präsenzphasen zum Geprüften Sportfachwirt (IHK) inklusive DOSB-Vereinsmanager/-in B-Lizenz vom Landessportbund Nordrhein-Westfalen anbietet. Die SPORTBUSINESS CAMPUS GmbH in Düsseldorf, Fürth und Wolfsburg bietet unter anderem auch Weiterbildungen zum Esports Manager an.

5. Bereit zum (zeitweiligen) Job-Downgrading!

Nicht sonderlich beliebt, aber deshalb eine Chance für Quereinsteiger: Ein Schritt nach unten auf der Karriereleiter. Also vom Teamleiter zurück zum Manager,  vom Manager zum einfachen Sachbearbeiter oder Vertriebsmitarbeiter. Natürlich mit der Option, aus dieser „Delle“ verstärkt durchzustarten. Und das in der Traumbranche Sport. Größere Sport-Unternehmen stellen auf unteren Positionen immer wieder Leute aus anderen Branchen ein, die dort – vor allem in kleineren Firmen – bereits Führungs- und Budgetverantwortung hatten.

Ein Klassiker sind Mitarbeiter aus Startups, die dort schnell die Karriereleiter hochgeklettert sind und sich in kurzer Zeit einen breiten Horizont erworben haben. Diese können in etablierten Unternehmen mit ihrer sehr gefragten Expertise – etwa in digitaler Transformation – auch gleich auf höheren Ebenen einsteigen. Aber das ist keine Gesetzmäßigkeit. Wer keine ausgesprochen gesuchte Erfahrung hat, etwa beim Startup „nur“ für ein Callcenter zuständig war, muss bei den Sportgiganten einen Schritt nach unten in Kauf nehmen. Kann aber bei nächsten Beförderungsrunden mit einem schnelleren Fortkommen rechnen, weil frühere Führungserfahrungen oder Budgetverantwortungen berücksichtigt werden.

Den absolut passenden Bewerber gibt es im Sport fast nie

Auf jeden Fall gilt: Nicht abschrecken lassen! Die Recruiter bei Sport-Unternehmen gehen davon aus, dass die Bewerbungsvoraussetzungen meist nur zu 80 bis 90 Prozent erfüllt werden. Den absolut passenden Kandidaten gibt es fast nie. Deshalb kann sich auch jeder bewerben, der viele Voraussetzungen erfüllt – bis auf die Branchenerfahrung.

Ein Beitrag von Gunther Schnatmann, Personalberater (schnatmann media), Bewerbungs-Coach und Medientrainer (topcom academy)

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