Autor:
Markus Unckricht

Warum mentales Training Sportlern zu Höchstleistungen verhilft

Mentaltraining: Wie einfache Techniken die Leistung verbessern

Wenn der Körper im Wettkampf streikt und die Leistungen ausbleiben, kann die Arbeit mit einem Mentaltrainer wie Wolfgang Seidl helfen. Bei ISPO.com erklärt er, wie Mentaltraining nicht nur im Sport dabei hilft, das eigene Potenzial voll auszuschöpfen.

 

Als Kletterer ist das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten elementar.
Als Kletterer ist das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten elementar.

Viele Ausdauersportler haben inzwischen erkannt, dass die Arbeit mit einem Mentaltrainer ihnen helfen kann, ihre Höchstleistung zu erreichen. Paula Radcliffe, die mit einer Zeit von 2:15:25 Stunden lange den Marathon-Weltrekord bei den Damen hielt, äußerte sich zur Thematik wie folgt: „Deine mentale Stärke zu verbessern wird sich auszahlen – nicht nur beim Laufen, sondern im Leben überhaupt.“

Auch Biathlon-Legenden wie Ole Einar Björndalen oder Emil Hegle Svendsen waren während ihrer großartigen Karrieren fest von der Wirksamkeit des mentalen Trainings überzeugt.

Auch wenn dieses Bewusstsein unter Hobby-Athleten bereits oftmals vorhanden ist, fehlt in den meisten Fällen der Ansatz für die konkrete Umsetzung. Zunächst erklärt Mentalcoach Wolfgang Seidl die wichtigsten Basics, dann hat für ISPO.com drei einfache Übungen für Mentaltraining aufgeschrieben. 

Mentale Techniken helfen auch im Alltag

Selbstverständlich bestreiten Freizeitathleten mit ihrem Sport nicht ihren Lebensunterhalt. Dennoch investieren sie viel Zeit für Ausdauertraining und eben auch Geld in ihre Leidenschaft. Wenn sie dann trotz aller Bemühungen ihre Leistung im Wettkampf nicht abrufen können, frustriert das. „Ihnen machen negative Gedanken, Zweifel oder Nervosität einen Strich durch die Rechnung“, weiß Mentalcoach Wolfgang Seidl. Ratgeber wie Seidl bieten für genau diese Drucksituationen die passenden mentalen Techniken an.

„Jeder Sportler, der sich entscheidet, mit Mentaltraining zu beginnen, startet einen inneren Prozess“, so Seidl. „Dafür ist es auch notwendig, sich seinen Schwächen zu stellen, seine gewohnte Komfortzone zu verlassen und Veränderungen zuzulassen.“ Dies sei nicht immer einfach.
Von dem Erarbeiteten profitiere man nicht nur im sportlichen Wettkampf, sondern auch im Alltag, ob privat oder im Berufsleben. Und zwar genau dann, wenn es wirklich zählt, die Versagensangst also am größten ist.

Auch die beste Kondition reicht nicht aus, wenn es mental nicht stimmt.
Auch die beste Kondition reicht nicht aus, wenn es mental nicht stimmt.

Nervosität wirkt lähmend

Nervosität ist im wahrsten Sinne des Wortes lähmend. Diese Verkrampfung  sorgt, so banal das klingen mag, viel häufiger für schwächere Leistung als fehlende Muskulatur oder Technik. Der innere Selbstzweifel, die unkontrollierte Angst vor dem Versagen und der selbst gemachte Druck wiegen mindestens genauso schwer wie eine unzureichende Vorbereitung.

„Hier machen viele den Fehler, dass sie sich nicht mit der Ursache auseinandersetzen und ihre mentalen Fertigkeiten stärken, sondern den Erfolg mit noch mehr Anstrengung und Trainingsumfang herbeiführen wollen“, weiß Seidl. Die Ausweitung des Aufwandes ist oftmals gar kontraproduktiv, weil die Maxime herrscht: Ich habe so viel investiert, jetzt MUSS es sich auch auszahlen.

Wolfgang Seidl war selbst erfolgreicher Leistungssportler und betreut unter anderem die mehrfache Box-Weltmeisterin Eva Voraberger, aber auch Unternehmen und stressgeplagten Menschen.
Wolfgang Seidl war selbst erfolgreicher Leistungssportler und betreut unter anderem die mehrfache Box-Weltmeisterin Eva Voraberger, aber auch Unternehmen und stressgeplagten Menschen.

Selbstvertrauen ist der Schlüssel

Ein übergeordnetes Ziel des Mentaltraining-Ansatzes besteht darin, den Athleten zu bestärken, den Zustand seiner idealen Leistungsfähigkeit zu erreichen. Also genau jenen Punkt, an dem der Sportler seine Aktionen (noch) mit angenehmer Leichtigkeit empfindet.

Elementar für diesen Prozess ist Selbstvertrauen, welches weder bloße Veranlagung noch willkürliche Fügung des Schicksals ist. 

Nur wenn ein Trailrunner, Marathonläufer oder Freeclimber Vertrauen in seine Fähigkeiten hat, kann er seine persönlichen Ziele erreichen. Seidl ist durch seine Erfahrung davon überzeugt, dass sich das Selbstvertrauen eines Athleten mit Mentaltraining gezielt steigern lässt.

Im Mentaltraining lernt der Sportler, bewusst seine Konzentration zu schulen. Die Wettkämpfer „werden erleben, wie viel mehr Energie sie plötzlich zur Verfügung haben, wenn sie Ihren Fokus im Hier und Jetzt bündeln und in die richtige Richtung lenken“, weiß Seidl durch seine langjährige Arbeit.

Die Macht der Gedanken im Sport

Dies sei biologisch determiniert, denn jeder Gedanke löse elektrochemische Abläufe im Gehirn aus und habe dementsprechend einen maßgebenden Einfluss auf die Leistung. Wie mächtig die Einheit „Körper und Geist“ ist, weiß jeder, der einmal psychosomatische Beschwerden hatte.

Mentales Training beschäftigt sich in allen Arbeitsphasen immer mit einer konkreten Zielsetzung. Diese muss explizit erarbeitet werden. Nur wer seine Ziele kennt, kann diese auch erreichen. Die richtigen Ziele zu definieren, ist sehr viel schwieriger als es auf den ersten Blick anmutet. Denn es geht dabei beileibe nicht nur Ergebnisziele, sondern in einem ersten Schritt um Leistungs- und Handlungsziele.

Mentales Training hilft darüber hinaus beim Erholungs- und Regenerationsprozess; dabei die Balance zwischen Anspannung und Entspannung zu finden. Speziell in der heutigen schnelllebigen und komplexen Alltagswelt, wo Menschen ständig der Reizüberflutung ausgesetzt sind, ist es umso wichtiger, abzuschalten und Körper, Geist und Seele Ruhepausen zu gönnen.

Eine wichtige Rolle spielt mentales Training auch in Phasen, in denen aufgrund von Verletzung oder Krankheit körperliches Training nicht möglich ist. Ein Mentaltrainer hilft, den Fokus aufrecht zu erhalten. Die mentale Arbeit wirkt sich nicht selten beschleunigend auf den Heilungsprozess aus.

Stärke ist erlernbar

„Jeder kann seine mentalen Fertigkeiten entwickeln und ausbauen. Aber es erfordert Zeit, Arbeit und Mut, neue Wege zu beschreiten“, erklärt Seidl. Der frühere russische Schachweltmeister Garri Kasparow sagte einmal: „Neue Arten der Problemlösung finden wir nur, indem wir nach neuen Wegen suchen und den Mut haben, sie zu beschreiten. Natürlich führen sie nicht alle zum Ziel, doch je mehr wir experimentieren, desto erfolgreicher verlaufen die Experimente. Durchbrechen wir unsere Gewohnheiten! Auch die, mit denen wir uns eigentlich wohlfühlen, um nach neuen und besseren Methoden zu suchen.“

Worte, die für Seidl überall Gültigkeit haben - ob für sportliche, private oder berufliche Herausforderungen.

Mentaltraining: 3 praktische Übungen

  1. Beschäftige dich regelmäßig mit deiner Atmung. Konzentriere dich im Ruhezustand auf eine tiefe und langsame Bauchatmung und beobachte, was sich dabei in deinem Körper verändert.
  2. Mache dir deine Selbstgespräche und Denkinhalte im Training des Öfteren bewusst und frage dich: Welche Gedanken gehen mir gerade durch den Kopf und sind diese hilfreich oder störend? Welche Gedanken wären hilfreicher und würden mich besser unterstützen?
  3. Konzentriere dich vor dem Training oder Wettkampf auf den Prozess anstatt aus das Ergebnis!
Autor:
Markus Unckricht
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