Florian Pertsch
Autor:
Florian Pertsch

Klettern in China: Interview mit UIAA Safety Commission President zum Alpinismus

Chowdhury: „Verständnis für Sicherheit im Klettersport ist groß“

Wie sicher ist der Klettersport in China? Welche Standards werden eingehalten? Fragen, die im ersten Moment nicht ganz einfach zu beantworten sind, denn der Alpinismus ist in China längst noch nicht im Mainstream angekommen.

Klettern wird auch in China immer mehr zum Trend. Jedoch mangelt es den einheimischen Alpinisten an den entsprechenden Sicherheitsstandards.
Klettern wird auch in China immer mehr zum Trend. Jedoch mangelt es den einheimischen Alpinisten an den entsprechenden Sicherheitsstandards.

Berge fordern heraus: zu neuen Rekorden, zu Erstbesteigungen und um die eigenen Grenzen zu erfahren. Sie fordern aber auch immer wieder Leben. Sport in den Bergen, vor allem in hochalpinen Regionen, ist immer mit einem gewissen Risiko verbunden, welches durch Vorbereitung, Erfahrung und die richtige Ausrüstung minimiert werden kann.

In China steckt der Bergsport noch in den Kinderschuhen und neben erfahrenen einheimischen Alpinisten, mangelt es unter anderem auch an den entsprechenden Sicherheitsstandards. Allzu oft bestimmt der Geldbeutel, wie erfolgreich eine Bergtour ist. Nur der Gipfel zählt, Umweltschutz und Sicherheit sind nachrangig.

Gegen diese Missstände kämpft die International Climbing and Mountaineering Federation (UIAA) an, in dem sie verbindliche Sicherheitsstandards definiert, für Bergsport-Produkte Sicherheitslabels vergibt und für einen nachhaltigen Alpinismus wirbt. Die vom International Olympic Committee anerkannte Organisation besteht aus 91 Mitgliedern in 68 Ländern und startete vor kurzem die Zusammenarbeit mit der Chinese Mountaineering Association (CMA). Zusätzlich wurde das Unternehmen Jiangsu Zhongzheng Testing Co. Ltd. zum 18. offiziellen Testlabor der UIAA ernannt.

Im Rahmen des Rock Climbing Summit während der ISPO Beijing 2018 sprach ISPO.com mit Amit Chowdhury, Safety Commission President der UIAA, und Stephanie Stettbacher, Safety Label und Office Coordinator, über den Status Quo des Bergsports in China, wie sicher der Sport bereits ist, und welche Schritte in Zukunft ergriffen werden müssen.

ISPO.com: Wie setzt sich dich Safety Commission der UIAA zusammen und was sind ihre Aufgaben?
Amit Chowdhury: Grundsätzlich gibt es drei Stakeholder Gruppen. Erstens die Verbände, die die UIAA natürlich weltweit vertritt. Zweitens die unabhängigen Testlabore und drittens die Produzenten, deren Produkte in den Testlabors geprüft werden. Die Aufgabe der Safety Commission ist es nun, alle drei Parteien an einen Tisch zu bekommen und die Entwicklung des alpinen Sports in Themen der Sicherheit voranzubringen. Insgesamt gibt es 23 Kategorien für UIAA-Standards, wie zum Beispiel Helme, Seile, Klettereisen und seit kurzem auch Schaufeln zur Lawinenrettung.

ISPO.com: Wie werden diese Sicherheitsstandards definiert?
Chowdhury: Unsere Testlabore sind immer auf dem neuesten Stand der Technik und reagieren auf alle Entwicklungen und Erkenntnisse. Sobald die Forschung auf einem neuen Stand ist, passen sie ihre Tests an und definieren gegebenenfalls neue Standards. Zudem müssen unsere Saftey Labels für jedes Produkt einzeln erworben werden und gelten nur für einen bestimmten Zeitraum.

„Produzenten ist das Safety Label sehr wichtig“

ISPO.com: Wie schwer gestaltet es sich, die Labore und die Produzenten zu einem Konsens zu bringen?
Chowdhury: Um ehrlich zu sein, ist es kein großes Problem, denn es gibt eine Gemeinsamkeit: Alle Beteiligten sind Kletterer. Ich arbeite nun seit fünf Jahren in der Safety Commission, und es gab noch nie Probleme mit Interessenkonflikten

Stephanie Stettbacher: Es herrscht ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das alle Stakeholder in die gleiche Richtung arbeiten lässt – den Klettersport sicherer zu machen. Den Produzenten ist das Safety Label auf ihren Produkten sehr wichtig. Viele Kunden suchen gezielt nach Produkten mit unserem Label.

ISPO.com: In China ist der Alpinismus noch nicht im Mainstream angekommen. Verglichen mit Europa oder Nordamerika, welche Sicherheitsstandards gibt es in China bereits?
Chowdhury: Wir wissen es nicht... (lacht).

ISPO.com: Das ist eine sehr ehrliche Antwort.
Chowdhury: Genau aus diesem Grund sind wir auf der ISPO Beijing, kooperieren jetzt auch mit der Chinese Mountaineering Association (CMA) und Jiangsu Zhongzheng Testing als erstem Testlabor in China. Aktuell gibt es in China nur drei Produzenten – darunter Kailas -  deren Produkte unser Safety Label tragen.

„Ohne Chinesisch, ist die Sprachbarriere viel zu groß“

ISPO.com: Was glauben Sie, sind die wichtigsten Punkte, die beim Thema Sicherheit in China adressiert werden müssen?Chowdhury: Auch das ist noch ziemliches Neuland für uns. Was ich hier auf dem Rock Climbing Summit gesehen habe, so scheint es zumindest, dass das Verständnis für Sicherheit im Klettersport ein großes und wichtiges Thema ist.

Amit Chowdhury (zweiter von links) und Stephanie Stettbacher (dritte von rechts) beim Meeting mit dem neuem Test Lab Jiangsu Zhongheng Testing Co. Ltd.
Amit Chowdhury (zweiter von links) und Stephanie Stettbacher (dritte von rechts) beim Meeting mit dem neuem Test Lab Jiangsu Zhongheng Testing Co. Ltd.

ISPO.com: Wie kam der Kontakt zu Ihren offiziellen Testlabor in China zu Stande?
Stettbacher: Das hat sich über einen absoluten Zufall ergeben, da es ohne chinesische Kontakte sehr schwer ist, in diesem Land Fuß zu fassen. Eisklettern ist eine der offiziellen Sportarten der UIAA und scheinbar ist Chinas Präsident Xi Jinping ein großer Fan des Eiskletterns. Aus diesem Grund kontaktierte uns das Labor, dass sie Mitglied in der UIAA werden wollen, um die Entwicklung des Sports zu professionalisieren. Zusätzlich investiert die Chinese Mountaineering Association massiv in die Trainer-Ausbildung beim Eisklettern. Wie wir gelernt haben, gibt es bereits 20 Gebiete, in denen der Sport möglich ist.“

ISPO.com: Welche Maßnahmen unternehmen Sie, um die UIAA und ihr Safety Label in China noch bekannter zu machen?
Chowdhury: Das Wichtigste ist, eng mit der CMA zusammen zu arbeiten. Zusätzlich haben wir Broschüren zum Thema „Safety Awarness“ in Chinesisch erstellt, denn das war eines der ersten Learnings für uns. Ohne Chinesisch ist die Sprachbarriere viel zu groß, um genügend Informationen zu vermitteln.

Stettbacher: Außerdem sind wir auf der Suche nach einem „National Delegate“ aus China, der als unabhängiges Mitglied in unserer Safety Commission mitarbeitet.

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