Stars at the ISPO MUNICH 2016
Autor:
Louisa Smith

Zukunft der Textilindustrie im Wandel

Für Far Eastern New Century gibt es im Textilprozess keine Alternative zur Nachhaltigkeit

Von der Arbeit mit recycelten Abfällen bis hin zu lückenloser Rückverfolgung in der textilen Kette - die Far Eastern New Century (FENC) ist entschlossen, die Zukunft der Textilindustrie zu verändern.

Botschaft des Fernen Ostens - Es gibt keine Alternative zur Nachhaltigkeit

Eine fortschrittliche Bewegung

Nachhaltige Lösungen sind längst nicht mehr nur eine Idee, sondern bereits Realität. Sie sind ins öffentliche Bewusstsein gerückt und Teil einer fortschrittlichen Bewegung, die nicht nur die Textil- und Bekleidungsbranche, sondern die gesamte Wirtschaft betrifft. Ein bestimmtes Unternehmen macht eine besondere Wandlung durch: das komplett vertikale Textilunternehmen Far Eastern New Century. Durch seine vertikale Firmenstruktur hat das Unternehmen die vollständige Kontrolle über die Textilkette – von kleinsten Fasern über Stoffe und Gewebe bis hin zur Konfektionierung und Produktion der Kleidung.

Durch die umfangreiche F&E sowie die Reaktionsschnelligkeit des Unternehmens gelangen nachhaltige Produkte effizient und schnell auf den Markt - so zum Beispiel TopDry, ein PFC-freies DWR-Polymermaterial (Durable Water Resistant, zu Deutsch: strapazierfähig und wasserabweisend) mit Vliesstoff-Eigenschaften, das bei ISPO Textrends Herbst/Winter 2018/19 vorgestellt wurde. Anders als bei der herkömmlichen DWR-Behandlung mit Appreturmitteln ist das Polyester bereits in seiner Granulatform wasserresistent und strapazierfähig und kann als Filament-Garn oder -Streifen extrudiert werden.

Diese Innovation verleiht Fleece-Geweben DWR-Eigenschaften, ohne Hautreizungen auszulösen — sogar bei Fußbekleidung, insbesondere mit unterschiedlicher Flachstrick-Technologie. Eine winzige Änderung auf Polymer-Ebene eröffnet eine breite Palette an Möglichkeiten.

Die neuesten Entwicklungen, die Jeffrey Hsu, Manager des F&E-Zentrums, auf der Webseite ISPO.com vorstellt, zeigen: Das Unternehmen ist jetzt nicht mehr aufzuhalten.

Zusammenarbeit ist notwenig

Die Botschaft ist eindeutig: Nachhaltigkeit ist die Zukunft, doch ohne Zusammenarbeit geht es nicht, denn schließlich sitzen wir alle in einem Boot. Besonderes Aufsehen erregte die Kooperation zwischen FENC und Parley, einer Nichtregierungsorganisation, die Plastikmüll aus dem Ozean fischt, der dann in der Parley-Kollektion von Adidas verarbeitet wird.

FENC liefert die Technologie und verarbeitet den Müll zu Garn. Die Müllsammlung findet vor den Küsten der Malediven statt, und FENC berät Parley hinsichtlich der praktischen Umsetzung. „Am Anfang wurden in einem Containerschiff 500 Kilo befördert, doch dank unseres Fachwissens können nun 25 Tonnen pro Schiff transportiert werden“, erläuterte Hsu. Die Beratung durch FENC beinhaltet sowohl die Verpackung als auch Komprimierung des Mülls. Der Müll wird dann zur Recycling-Anlage von FENC nach Taiwan verschifft, wo der Plastikmüll zerkleinert und zu Garn extrudiert wird.

Parley sammelt Plastikmüll aus dem Ozean und Far Eastern recycelt ihn zu Garn für Adidas, um die Sportschuhe herzustellen.

Rcycled polyester – Mythos oder Realität?

Als recyceltes Polyester erstmals auf dem Markt eingeführt wurde, schenkte man der schönen Geschichte Glauben, dass die recycelten Plastikflaschen, die wir alle verantwortungsbewusst entsorgen, zu Garn verarbeitet werden. Der Verbraucher war überzeugt davon, einen Betrag zum Umweltschutz zu leisten. Nach der Einführung dieser Neuerung behaupteten viele Textilunternehmen, dieses neue recycelte Wundergarn zu verwenden - wie es auch bei der Markteinführung von Bambus der Fall war.

Angesichts der Anzahl an tatsächlich recycelten Flaschen war dies jedoch nicht möglich. Das Problem mit recyceltem Polyester besteht darin, dass man wie bei Öko-Baumwolle und anderen recycelten Fasern unmöglich unterscheiden kann, welches Produkt aus Recyclingmaterial und welches aus herkömmlicher Produktion stammt.

Rückverfolgbare IDs

Dieses Problem hat FENC durch ein nachverfolgbares Element gelöst, das in das recycelte Polyester aus Plastikmüll aus dem Ozean und vom Land eingebaut wird. Die neueste Innovation ist ein Tracer – eine einzigartige Identifikationsnummer (ID), die das Unternehmen derzeit in sein Recycling-System einarbeitet.

„Wir haben zwei exklusive Serien von Tracer ID, eine für recyceltes Plastik aus dem Ozean und eine weitere für unser eignes recyceltes Polyester aus Plastikflaschen.“ Das Identifikationsmittel wird während der Extrusion des recycelten Polyesters in das Polymer eingearbeitet und kann durch ein externes Testlabor nachgewiesen werden“, erläuterte Hsu.

„Wenn man ein Markenunternehmen ist und seinen Textilhersteller ausdrücklich anweist, das recycelte Garn von Far Eastern zu verwenden, ob von Verbraucherabfällen oder von Abfällen aus dem Ozean, kann eine unabhängige Prüfungseinrichtung die Herkunft des Garns mithilfe der ID-Tags feststellen. Nachverfolgung ist aktuell ein wichtiges Thema. Wir bieten diese Funktion seit 1998. Aber es bleibt nach wie vor die Ungewissheit: Woher weiß ich, ob es das echte Produkt ist?“

Sind recyceltes Polyester und herkömmliches Polyester gleichwertig?

 

Eine Problematik besteht darin, dass recycelte Produkte oft weniger hochwertig sind als Produkte aus herkömmlicher Herstellung. Das war auch in der Textilkette festzustellen. Dies ist der Fall, wenn das Produkt im Reinzustand ist, doch durch das Recycling kann das Produkt physisch beeinträchtigt sein, so dass die nachhaltige Lösung nicht dem Standard entspricht. Hsu räumte dies ein, bestätigte aber, dass FENC das Problem gelöst hat.

„Wir können mit großer Überzeugung sagen, dass unser recyceltes Polyester mit herkömmlichem Polyester in jeder Hinsicht gleichwertig ist. In der Vergangenheit gab es Probleme mit geringer Festigkeit und Gelbfärbung, doch das ist nicht mehr der Fall“, sagte er und fügte hinzu, dass der Plastikmüll aus dem Meer von Parley einen leicht bläulichen Ton hat, eine wasserartige Schattierung, die Adidas für seine Schuhkollektion durchaus schätzt.

 

Sourcing im Wandel

Es war einmal eine Textilkette, die in einer vertikalen Firmenstruktur arbeitete. Erst Fasern und Garne, dann Gewebe und Konfektionierung bis zu den Merchandisern der Marken, die aus diesen Textilien Bekleidung für die Konsumenten herstellen. Heute sieht es ganz anders aus, denn Marken spielen nicht mehr nur im Einzelhandel eine Rolle, sondern gewinnen bereits bei Fasern und Garn an Bedeutung.

Zu den neueste Entwicklungen bei Markengarn zählen unter anderem recycelte Baumwolle von Ecotec oder auch Seaqual, das neueste Recyclinggarn, das aus Plastikmüll aus dem Ozean hergestellt wird. Etablierte Garnmarken sind Repreve, ein recyceltes Polyester aus Altplastik von Unifi, sowie Cordura und Sensil, um nur einige zu nennen.

Hinter den Garnmarken stehen große Unternehmen, deren Marketing-Abteilungen auf eine B2C-Kommunikation setzen, um dem Markt deutlicher zu machen, was im Einzelhandel verfügbar ist. „Früher arbeiteten Markenhäuser ausschließlich mit den Spinnereien, aber durch die Fortschritte in der technischen Entwicklung, die von den Garnlieferanten ausgeht, schlagen nun die Markenhäuser vor, welche Garne die Textilhersteller verwenden sollen“, sagte Hsu und betonte die Bedeutung der nachverfolgbaren IDs, mit denen sich überprüfen lässt, ob die Textilhersteller auch wie gewünscht die richtigen Bezugsquellen nutzen.

Auf dem Weg in die Zukunft

Dank wasserfreier Färbetechnik und der Markteinführung ihrer neuesten Innovation ist FENC auf dem Weg zu größerer Nachhaltigkeit nicht aufzuhalten: Die weltweit erste atmungsaktive Membran aus Altmaterial soll bald kommerziell vermarktet werden. „Angefangen hat es mit Fußbekleidung — wir liefern zwar nicht die Textilien, aber wir geben unser Fachwissen zum Laminieren der Membran weiter. Vaude startet die Markteinführung im Frühjahr 2019“, sagte er.

Die Geschwindigkeit, mit der FENC sich entwickelt, lässt sich auf die komplett vertikale Firmenstruktur in Verbindung mit den von Hsu genannten Schlüsselfaktoren zurückführen: Integration, Nachhaltigkeit und Innovation.

Man bedenke, dass die Entwicklung von Bekleidungsdesigns drei bis sechs Monate dauern kann und die Entwicklung von Textilien ein bis drei Jahre.  Garn und Filamente benötigen zwei bis fünf Jahre, während die Entwicklung eines neuen Polymers bis zu zehn Jahre in Anspruch nehmen kann. Die herkömmliche Textilentwicklung braucht also eine ganze Menge Zeit.

„Wir haben alles, JDMs (Manufakturen für gemeinsame Entwicklung), JVs (Joint Ventures) und natürlich den Zeitvorteil. Unser F&E-Zentrum hat 200 Mitglieder. Unsere Ingenieure verfügen gemeinsam über hundert Jahre Erfahrung. Ich möchte nicht prahlen, aber wir verfügen über eine einzigartige Kapazität, die es uns erlaubt, die Dinge so zu tun, wie sie kein anderer auf der Welt kann“, sagte er.

Laut Hsu ist die Wärmeregulierung besonders nachgefragt, doch mittlerweile verlangen Käufer auch vermehrt nach nachhaltigen Lösungen und Funktionen.

Stars at the ISPO MUNICH 2016
Autor:
Louisa Smith




Textilien
Storys, News, Ratgeber und Hintergründe aus der Welt der Textilien lesen Sie hier.


Kommentare