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große Urban Mobility Trends der Zukunft

LISTICLE | 27.08.2021
In der Stadt sind E-Bikes besonders gefragt.

Zumindest in einer Hinsicht sind sich alle Experten einig: Die Mobilität des Jahres 2021 kann nicht mehr die Mobilität des Jahres 2030 sein. Städte müssen wieder für Menschen da sein, und nicht für Autos. Dass der Verkehrssektor mit 24 Prozent weltweit den höchsten Anteil an CO2-Emissionen verursacht, und dass jeder Autofahrer in München durchschnittlich 87 Stunden im Jahr (oder gut zehn Arbeitstage) im Stau steht, zeigt: Es kann so nicht weitergehen. Doch die Lösungen für diese Probleme stehen schon vor der Tür. Die Mobilität der Zukunft wird vielfältiger, intelligenter, geteilter und sauberer. ISPO.com verrät die fünf großen Urban Mobility Trends der Zukunft. Sie zeigen, wie wir uns schon in wenigen Jahren in unseren Städten bewegen werden.

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Weniger Autofahren, besser Autofahren

Autos fahren auf der Autobahn in Richtung München

„Die Zukunft der Nachhaltigkeit beginnt bei der Mobilität“, heißt es vom World Economic Forum der UN. In dieser Zukunft spielt das Auto nach wie vor eine große Rolle – hat aber längst nicht mehr die überragende Bedeutung von heute. Laut der Studie „Mobility Futures“ des englischen Marktforschungsunternehmens Kantar laufen weltweit heute noch 51 Prozent der Mobilität in den großen Städten über das Auto. 2030 sollen es noch 46 Prozent sein – dann aber mehr und mehr mit Autos, die geteilt werden, die elektrisch und autonom fahren.

Mobilitäts-Experte Hans-Peter Kleebinder, der auf der IAA MOBILITY in München (7. bis 12. September 2021) die „Sustainability Lounge presented by PwC“ kuratiert, prophezeit: „Nachhaltigkeit wird in der Mobilität der Zukunft zum wichtigsten Thema. Die Währung dafür ist unser persönlicher ökologischer Mobilitäts-Fußabdruck.“ Dazu passen keine benzin- oder dieselbetriebenen Automobile mehr, die wie heute eher Immobile sind – weil sie laut Statistik 23 Stunden am Tag geparkt am Straßenrand oder in der Garage stehen.

Dass die Bürger bereit sind, neue, intelligente Lösungen anzunehmen, zeigen Beispiele wie die belgische Stadt Gent. Sie setzt schon heute auf die datengestützte Steuerung ihres Verkehrs, auf Radwege und Fußgängerzonen, „um das Leben aller Menschen in Gent zu verbessern“. Dort finden mittlerweile 30 Prozent des Verkehrs zu Fuß statt, und jede Familie besitzt im Schnitt 2,8 Fahrräder.

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Die Zukunft auf zwei Rädern:

Neue Besitzer für Urban Arrow: Pon Bike übernimmt den ISPO Brandnew Overall Winner.

Experten erwarten in den nächsten Jahren einen enormen Sprung bei der urbanen Nutzung von Fahrrädern – dank immer leistungsfähigerer und bequemerer E-Bikes, dank Bike-Sharing und dank verbesserter Infrastruktur mit sicheren Radwegen und Fahrrad-Parkhäusern. Die Kantar-Studie geht davon aus, dass der Fahrradverkehr in den großen Städten weltweit bis 2030 um 18 Prozent ansteigt. Kein anderer Sektor wächst schneller.

Das gute alte Gehen kommt demnach auf einen Zuwachs von 15 Prozent, und der ÖPNV von 6 Prozent. Das praktische und gesunde Radfahren passt zur Zukunftsvision von Experte Hans-Peter Kleebinder: „Mobilität soll wieder Freude machen, einfach funktionieren und gleichzeitig unser Leben erleichtern.“ Vom Trend zum Rad profitieren alle.

Die dänische und die niederländische Regierung haben ausgerechnet, dass jeder im Auto gefahrene Kilometer eine Stadt und ihre Bürger heute noch 30 bis 40 Cent kostet – für Straßen, Infrastruktur und Umweltbelastungen. Jeder Fahrrad-Kilometer sorgt dagegen für einen gesamtgesellschaftlichen Gewinn von mindestens einem Euro.

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Die geteilte Mobilität

Der größte deutsche Anbieter Nextbike verzeichnet in Berlin monatlich 18.000 Ausleihen.

Dass es keine übertrieben clevere Idee ist, ein Auto für 20.000 Euro, 30.000 Euro oder mehr zu besitzen, um es dann eine Stunde pro Tag (oder rund vier Prozent seiner Lebensdauer) zu benutzen – diese Erkenntnis dürfte sich in den nächsten Jahren bei vielen Menschen durchsetzen. Denn es wird deutlich praktischere, günstigere und umweltfreundlichere Alternativen geben, um sich von A nach B zu bewegen. Das Schlagwort heißt „Mobility as a Service (MaaS)“.

In diesem Modell spielt das gewählte Verkehrsmittel, egal ob Sharing-Auto, Fahrrad, ÖPNV, autonomer Shuttle-Bus oder E-Scooter, keine Rolle mehr. Mobilität wird zur Dienstleistung, die gemietet und bezahlt wird, auf Wunsch auch als Flatrate. Weil der teure Unterhalt des eigenen Autos wegfällt, und weil Sharing-Autos ihre Kosten 24 Stunden am Tag einspielen können, lassen sich die weltweiten Mobilitätskosten bis Ende der 2020er-Jahre so von durchschnittlich einem Dollar pro zurückgelegter Meile (1,6 Kilometer) auf 30 US-Cent reduzieren.

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Autonomes Fahren – natürlich elektrisch

In den letzten Jahren hatte die Bundesregierung angestrebt, bis 2030 zehn Millionen Elektroautos auf die Straße zu bringen. Mittlerweile dürfte selbst diese Marke nicht mehr genügen. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU): „Um die Klimavorgaben zu erreichen, müssen wir noch ambitionierter werden: 14 Millionen E-Fahrzeuge bis 2030 muss laut Experten das neue Ziel lauten.“ Wie ehrgeizig diese Vorgabe ist, zeigt allein schon die Tatsache, dass im Jahr 2020 weltweit nur rund zehn Millionen Elektroautos unterwegs waren.

Das größte Hindernis auf diesem Weg ist die Lade-Infrastruktur. Anand Ayyadurai, CEO des indischen Sharing-Anbieters Vogo, sieht aber Grund zur Hoffnung: „Wenn die Kosten für erneuerbare Energien weiter sinken, können immer mehr Nutzer oder Besitzer von Elektroautos die Fahrzeuge an lokalen Ökostrom- oder Solarstationen laden.“ Autonome Autos ermöglichen es dann auch Senioren, länger selbstständig und mobil zu bleiben.

Menschen, die nicht mehr auf den Verkehr achten müssen, erleben das Autofahren als entspannten Teil ihrer Freizeit. Und weil autonome Autos – zumindest theoretisch – keine Unfälle mehr verursachen, sinkt der Aufwand der Städte für die Verkehrsinfrastruktur.

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Das mobile Internet der Dinge

Das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT), das künftig Milliarden von Geräten vom Smartphone über die Heizung bis zum Auto miteinander vernetzt, spielt auch bei der Mobilität von morgen eine zentrale Rolle. Wer künftig von A nach B will, gibt in einer Mobilitäts-App ein, wann welches Ziel erreicht werden soll. Die mit allen Verkehrssystemen und Anbietern vernetzte Software schlägt dann die ideale Kombination von Verkehrsmitteln vor – die je nach Tag, Uhrzeit und Auslastung immer anders aussehen kann.

Künstliche Intelligenz und „Big Data“ lernen die Bedürfnisse der Bürger kennen und passen zum Beispiel die Aufteilung zwischen Straßen und Radwegen je nach Tageszeit flexibel an. Weil künftig Unmengen von Daten zwischen Fahrern, Fahrzeugen, Herstellern, Servicezentren und kommunaler Infrastruktur unterwegs sind, kommt Datenschutz und sicheren Verbindungen eine entscheidende Rolle zu. Dass Hacker, wie vor einigen Jahren passiert, Motor, Bremsen oder Steuerung vernetzter Fahrzeuge manipulieren können, muss komplett ausgeschlossen sein.

Der japanische Autozulieferer Hitachi prophezeit den Einsatz hochmoderner Internet-Technik auch in der Mobilität: „Eine Blockchain-Lösung, die von Know-how aus der Cybersicherheit unterstützt wird, kann sowohl Fahrzeugsysteme als auch persönliche Daten vor Hackern schützen."

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