Autor:
Lars Becker

Die Zukunft der Nachhaltigkeit – Teil 2

David Ekelund: „Je mehr Macht desto mehr Verantwortung in Sachen Klimaschutz“

Klimaneutralität, Corporate Social Responsibility (CSR), Ressourcenschonung, Recycling, Nachhaltigkeits-Label – das sind ein paar der Kernthemen in Sachen Sustainability für die Sport- und Outdoor-Firmen. Was hat die Branche schon geschafft? Wo geht die Reise hin? Was können Endkunden zum Wandel beitragen? Und warum ist mit der Klimaaktivistin Greta Thunberg eine Teenagerin das Vorbild für viele Firmen?

ISPO.com hat die CEOs von Vaude, Icebug, Bergans, Picture Organic Clothing und Triple 2 in Exklusivinterviews zu diesen Themen befragt.

Im zweiten Teil spricht ISPO.com mit David Ekelund. Nachhaltigkeit ist für ihn eine der wichtigsten Punkte für den Weg durch die derzeitige Krise.

David Ekelund – CEO von Icebug

ISPO.com: Was ist derzeit das wichtigste Ziel in Bezug auf Nachhaltigkeit und CSR für Icebug?
David Ekelund:
Produkte herzustellen, die die Menschen wirklich brauchen, Menschen dazu zu bringen, in die Natur zu gehen, Produkte so lange wie möglich zu nutzen und den CO2-Fußabdruck weitestgehend zu minimieren.

Wir sind sehr transparent darin, unsere Erfahrungen im Bereich Nachhaltigkeit zu teilen, so dass sie auch von anderen kopiert und skaliert werden können. Es wird bei dem Thema keine Einzelsiege geben.

Wie arbeitet Icebug derzeit daran?
Wir arbeiten eigentlich nicht an speziellen „Nachhaltigkeitsprojekten“ – 99 % unserer Projekte berücksichtigen das Thema sowieso. Beispielsweise sehen wir derzeit nicht wirklich den großen Wert von recycelbaren Schuhen. Sicherlich müssen wir die Kreislaufwirtschaft fördern, aber effizientes Recycling erfordert große Monomaterialströme. Die Industrie müsste sich also zumindest hinsichtlich des Materials koordinieren und das gleiche System nutzen.

Über 85 % unseres Fußabdrucks werden durch die Produktion der Materialien und Schuhe verursacht. Wir haben uns die Materialien und Prozessen genau angesehen und diese im Hinblick auf Nachhaltigkeit optimiert:
Wir arbeiten mit den fünf wichtigen Nachhaltigkeitsindikatoren CO2-Fußabdruck, Prozentanteil biobasiertes Material, Prozentanteil recyceltes Material, Prozentanteil zertifizierte Quelle sowie Prozentanteil zertifizierter Prozess.
Das Ganze wird ab Frühjahr 2021 im Programm "Follow the Footprints" für unsere Kunden einsehbar sein. Über einen QR-Code auf dem Produkt sind alle diese Daten aus der Lieferkette einsehbar. Nach unserem Wissen beginnt damit eine neue Ära radikaler Transparenz im Schuhbereich.

Nachhaltiger Erfolg: Wo ist Icebug bereits erfolgreich?
Als wir die ersten Pilotprojekte von "Follow the Footprints" durchführten, konnten wir feststellen, dass wir im Vergleich zur Ausgangssituation mit Standardmaterialien zwischen 16 und 29 % an Emissionen eingespart haben. Wir haben also bereits einen weiten Weg zurückgelegt, um unsere geplante Emissionsreduzierung von 50 % zu erreichen – sind dabei gewachsen und profitabel geblieben.

Wenn wir jetzt unsere Lieferkette transparent machen, bedeutet das, dass eine andere Schuhmarke einfach die Informationen einfach abgreifen und unsere Materialien und Lieferanten verwenden kann, denn: Fast alles, was wir da draußen sehen, sind immer noch Standardmaterialien. Wir rufen hier explizit zur Kopie auf, denn am Ende werden wir alle Gewinner sein.

Was kann ich als Verbraucher tun?
Das Offensichtliche: Weniger konsumieren. Wenn Sie einkaufen müssen, geben Sie nachhaltigen Überlegungen bei Ihrer Entscheidung eine große Bedeutung .
Um den Wandel weiter voranzutreiben, würde ich auch auf Marken, die mir gefallen, zugehen und ihnen die folgenden drei Fragen stellen:

  1. Wie hoch sind die Emissionen, die Sie verursachen? Geben Sie sich nicht nur mit dem Betrieb zufrieden, normalerweise machen die Produkte den weitaus größten Teil aus.
  2. Wie sieht Ihr Plan zur Reduzierung der Emissionen aus? Er sollte sich zumindest am Pariser Klimaschutzabkommen orientieren, um den globalen Temperaturanstieg deutlich unter 2 Grad und vorzugsweise unter 1,5 Grad zu halten.
  3. Wie übernehmen Sie die Verantwortung für die verbleibenden Emissionen? Die Kompensation ist kein Freibrief für business as usual, aber wenn man die Verantwortung für die Reinigung des eigenen Hauses übernimmt, verstehe ich nicht, warum es nicht besser wäre, auch jemand anderem bei der Reinigung seines Hauses zu helfen.

Und dann wählen Sie Politiker, die sich für eine CO2-Steuer einsetzen. Es gibt nichts, was auch nur annähernd so effizient für die Transformation wäre, die wir brauchen.

Wer ist Ihr Vorbild, wenn es um Nachhaltigkeit geht?
Ich wollte mir hier etwas Originelles einfallen lassen, aber ich bin bei Greta Thunberg hängen geblieben. Mein Grundgedanke ist, dass die Klimakrise ein Problem ist, das wir alle teilen, aber je mehr Macht Sie haben, desto größer ist Ihre Verantwortung. Und die Art und Weise, wie Greta es geschafft hat, über ihr eigenes Umfeld hinaus zu mobilisieren, ist einfach unglaublich und sehr inspirierend  für diejenigen von uns, die mit viel mehr Einfluss und Ressourcen beginnen, als sie hatte.

ISPO Munich Online: Nachhaltigkeit im Fokus

Nachhaltigkeit ist eines der Fokusthemen der ISPO Munich Online von 1. bis 5. Februar 2021. Besonders im Rampenlicht stehen neben dem Status Quo der Branche im Sinne des verantwortlichen Handels die Themen Kooperationen und Kreationen. Experten und Entscheider der Branche diskutieren die Bedeutung der Sustainable Development Goals der UN für die Sportbranche und klären auf, welche Ziele in Zukunft für Handel und Marken eingehalten werden müssen.

Die Chancen und Möglichkeiten der zirkulären Kreislaufwirtschaft werden aufgezeigt und mit Teilnehmern der ISPO Munich in vielen interaktiven Workshops besprochen.

Außerdem fehlt natürlich nicht die Aufklärung über die unterschiedlichen Prüfsiegel, deren Inhalte, Bedeutung und Sinn.

Die Teilnehmer können sich auf ein vielseitiges, informatives und aufrüttelndes Konferenzformat freuen. Alle Infos gibt es hier.

Autor:
Lars Becker
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