Autor:
Lars Becker

Einkommen, Sponsoren und persönliche Infos: Karl Geiger, Skispringen

Skispringer Karl Geiger: Vater, Corona und Tourneesieg in ein paar Tagen

Erst wurde er überraschend Skiflug-Weltmeister, dann zum ersten Mal Papa und infizierte sich kurz danach mit dem Corona-Virus, um dann bei der Vierschanzentournee mit einem Comeback-Sieg in Oberstdorf zu glänzen – Karl Geiger erlebte einen turbulenten Dezember 2020. Dann der Rückschlag im dritten Springen der Vierschanzentournee. Große Träume hat er noch für die Nordische Ski-WM (24. Februar bis 7. März 2021) in seinem Heimatort Oberstdorf. ISPO.com mit Geschichte und Porträt von Karl Geiger.

Karl Geiger als Weltmeister mit Maske
Karl Geiger als Weltmeister mit Maske. Norweger Halvor Egner wird Zweiter und Markus Eisenbichler Dritter.

„Das war dann wohl die perfekte Woche, von der immer erzählt wird“, schrieb Skispringer Karl Geiger am 14. Dezember 2020 bei Instagram. Sein Glück schien an diesem Montag nach der Geburt seiner ersten Tochter Luisa vollkommen – schließlich hatte er sich am Wochenende davor zum Skiflug-Weltmeister gekrönt und zudem Silber mit dem deutschen Team gewonnen.

Auch bei der Nordischen Ski-WM 2021 in seinem Geburtsort Oberstdorf ist der ist Wintersport-Star wieder einer der Hoffnungsträger für Deutschland. Bereits bei der Generalprobe für die Weltmeisterschaft konnte Karl Geiger den dritten Platz am Podest belegen. Er gilt als einer der Topfavoriten der deutschen Mannschaft. Den ersten Start wird Geiger am Samstag den 27.02.2021 auf der Normalschanze absolvieren. Auch im Mixed-Skispringen wird Geiger mit seiner Teampartnerin Katharina Althaus teilnehmen.



Geiger: Corona mitten im Glück

Die nächste Überraschung in seinem Leben war allerdings keine positive: Zwei Tage später wurde Geiger positiv auf Corona getestet. Für den in seiner Karriere an Rückschläge gewöhnten Oberstdorfer war das jedoch kein Grund zu langem Frust: Noch vor Weihnachten meldete er sich per Video-Botschaft aus der Quarantäne. „Mir geht’s zum Glück sehr gut, ich bin beschwerdefrei“, sagte Geiger. Zu diesem Zeitpunkt hat er bereits wieder ein Kraftprogramm absolviert. Rechtzeitig zum Auftakt der Vierschanzentournee war Geiger zurück - und wie! Das Auftaktspringen in Oberstdorf gewann er eindrucksvoll. Doch dann folgten ein 5. Platz beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen und ein enttäuschender 16. Rang in Innsbruck. Tournee-Träume zerplatzt. Vorteil für das Springen am Dreikönigstag: Geiger kann befreit an den Start gehen, denn der Gesamtsieg ist so gut wie passé. „Jetzt kann jeder drauflosspringen“, sagt Stefan Horngacher dazu.

Dabei hatte der Skisprung-Bundestrainer Karl Geiger bei der Tournee vor Beginn den ersten deutschen Gesamtsieg seit 19 Jahren (Sven Hannawald/2002) und überhaupt einfach alles zugetraut: „Wenn Karl dabei ist, würde ich auf ihn wetten.“ Diese Zuversicht speist sich aus der spektakulären Entwicklung, die der inzwischen 27 Jahre alte Karl Geiger in den letzten Jahren seiner schon langen Karriere genommen hat. Eine bittere Enttäuschung hat den Flug an die Spitze eingeleitet: Bei der Flieger-WM 2018 in seinem Heimatort Oberstdorf war Geiger nur Vorspringer, weil er es nicht ins deutsche Team geschafft hatte. Kurze Zeit später gewann er jedoch die Team-Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang. Das war der Knotenlöser.

Geiger heiratete Freundin im Herbst und wird Vater einer Tochter

Bei der WM 2019 gewann er Gold im Mixed und Team sowie Einzel-Silber, stand aber trotzdem noch im Schatten des dreimaligen Weltmeisters Markus Eisenbichler. So wie auch am Anfang des Skisprung-Winters 2020/21. Dann schickte ihn Chefcoach Horngacher am Wochenende vor der Skiflug-WM nach Hause zu seiner hochschwangeren Frau Franziska. Seine langjährige Freundin hatte Geiger im September 2020 geheiratet.

„Er wird Vater und war nicht mehr 100 Prozent bei der Sache. Und wichtiger ist schon noch die Familie“, begründete Horngacher seine aus dem Bauch getroffene Entscheidung. Ausgeruht kehrte Karl Geiger dann zur Skiflug-WM ins Team zurück.

Am Ende von zwei grandiosen Flugtagen in Slowenien lag Geiger nach einer Gesamtflugweite von 936,5 Metern nämlich die Winzigkeit von 0,5 Punkten – umgerechnet gut 41 Zentimeter – vor dem favorisierten Gesamtweltcup-Spitzenreiter Halvor Egner Granerud (Norwegen). Geschlagen auf Platz drei landete der deutsche Mitfavorit Markus Eisenbichler, der beste Kumpel von Geiger im Team.

„Karl aus der Kiste“

Das sorgte nicht nur bei Chefcoach Horngacher für ungläubiges Kopfschütteln: „Da kommt der Karl aus der Kiste und macht den Weltmeistertitel.“ Und das auf einer der größten Schanzen der Welt – obwohl Geiger sich selbst immer als „Kleinschanzen-Karle“ bezeichnet: „Es ist einfach unbeschreiblich, bei einem Großevent ganz oben zu stehen. Speziell im Skifliegen – das hat mir niemand zugetraut. Es ist einfach Wahnsinn.“

Karl Geiger feiert den WM-Titel
Karl Geiger feiert den WM-Titel

Skisprung-Ingenieur Geiger macht Unmögliches möglich

Der eher introvertierte „Skisprung-Ingenieur“ Karl Geiger ist ein Mann, der dank harter Arbeit Unmögliches möglich macht. Der ausgebildete „Bachelor of Engineering“ und grandiose Analytiker hat sich über die Jahre ein perfektes Konzept zurechtgelegt, das auf „Entschlossenheit und Willensstärke“ beruht. Wenn andere im Wettkampf schwächeln, kann Karl Geiger mental oft noch einmal eine Schippe drauflegen. „Ich begebe mich in den Tunnel. Und wenn es drauf ankommt drücke ich drauf und attackiere mit Vollgas.“ Dabei helfen ihm Süßigkeiten als Nervennahrung. Der große Rückhalt des Fliegers sind neben seiner eigenen kleinen Familie die Eltern und zwei Schwestern. Geiger spielt in seiner Freizeit Harmonika und liebt das Gleitschirmfliegen.

Der Familienname Geiger ist im deutschen Skisport gleich in mehreren Disziplinen das Synonym für Weltklasse - sei es nun Slalom-Spezialistin Christina Geiger-Ackermann oder Kombinierer-Team-Olympiasieger Vinzenz Geiger. „Ich glaube, Vinzenz ist mein Groß-Groß-Groß-Cousin. Mit Christina bin ich meines Wissens nicht verwandt“, erzählt Karl Geiger. Sport ist sein seine Leidenschaft: Der Oberstdorfer war schon als Kind regelmäßig beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee als Fan an der Schanze. Besonders gern erinnert er sich an die Siege von Martin Schmitt zwischen 1998 und 2000. Nun ist es sein großer Traum, selbst die Tournee zu gewinnen. Und bei der Nordischen Ski-WM 2021 vor seiner Haustür ganz oben zu stehen.

Erfolge

Der Weltmeistertitel im Skifliegen 2020 in Planica ist zweifellos der größte Einzel-Erfolg von Karl Geiger. Bei der Nordischen Ski-WM 2019 in Seefeld hat er im Team- und Mixed-Team Goldmedaillen gewonnen. Und stand trotzdem im Schatten des dreimaligen Einzel-Weltmeisters Markus Eisenbichler, hinter dem er im Einzelwettbewerb von der Großschanze zudem Silber geholt hatte. Team-Silber bei Olympia 2018 und der Skiflug-WM 2020 runden Geigers beeindruckende Erfolgsbilanz ab. Im Weltcup hat er bisher sechs Einzel-Siege gefeiert, bei der Vierschanzentournee 2019/2020 landete er insgesamt auf Platz drei.

Social

Instagram: Fast 60.000 Abonnenten
Facebook: fast 33.000 Abonnenten

Karl Geiger gibt auf seinen Social-Media-Kanälen neben sportlichen Infos auch private Einblicke – wie zu Beispiel nach seiner Heirat und der Geburt seiner Tochter. Diese Posts lieben seine Fans besonders. Nach den jüngsten Erfolgen hat er viele neue Anhänger gewonnen, kann aber in Sachen Follower noch nicht an Konkurrenten wie die Olympiasieger Andreas Wellinger oder Kamil Stoch heranreichen.

Karl Geiger: Ausrüster und Sponsoren

Die Süßigkeiten-Firma Manner ist Karl Geigers Kopfsponsor. Auf seinen Sprungski findet sich der unaussprechliche Begriff Ubiquinol. Es handelt sich bei diesem Antioxidans der Firma Kaneka um einen „Mikronährstoff der für viele Athleten unverzichtbar ist: Er sorgt für die Energiefreisetzung in den Zellen, unterstützt die Ausdauerleistung und Regeneration, schützt das Herz sowie andere Muskeln und stärkt das Immunsystem.“ Geiger wird zudem von seiner Heimatgemeinde Oberstdorf unterstützt. Wichtigster Ausrüster ist die Skifirma Fischer.

Einnahmen:

Im seinem bisher erfolgreichsten Winter 2019/2020 kassierte Geiger als Gesamtweltcup-Zweiter allein 186.200 Schweizer Franken an Weltcup-Preisgeld. Auch für den Skiflug-WM-Titel und Silber im Team, gab es insgesamt eine fünfstellige Summe. Vom Deutschen Skiverband (DSV) belohnt große Erfolge wie WM-Goldmedaillen je nach Finanzlage mit einem Bonus am Saisonende. In der Regel ist das eine Summe im Bereich zwischen 5000 und 10.000 Euro. Inklusive Sponsoreneinnahmen kann Geiger in einem erfolgreichen Winter so auf Brutto-Gesamteinnahmen von geschätzten 300.000 Euro kommen. Geiger: „Für mich zählt aber vor allem der sportliche Erfolg.“

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Lars Becker
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