Gunnar Jans ist Chefredakteur von ISPO.COM
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Gunnar Jans

Adidas-CEO Kasper Rorsted und Runtastic-Chef Florian Gschwandtner bei Bits & Pretzels

Wie Adidas von der Fitness-App Runtastic profitiert: Digitalisierung, Tempo, Teamspirit

Runtastic hat es geschafft: den Aufstieg vom kleinen Start-up aus Oberösterreich zur Tochter des nach Nike zweitgrößten Sportartikelherstellers der Welt. Im Sommer 2015 übernahm Adidas die Fitness-App, seitdem profitieren beide Seiten voneinander. Auf der Gründermesse Bits & Pretzels berichteten Adidas-CEO Kasper Rorsted und Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner, wie das Zusammenspiel läuft.

Auch ein Dax-Unternehmen kann von Start-ups lernen: Adidas-CEO Kasper Rorsted erklärt bei der Gründermesse Bits and Pretzels, wie die Fitness-App Runtastic dem Sportartikel-Giganten hilft.
Auch ein Dax-Unternehmen kann von Start-ups lernen: Adidas-CEO Kasper Rorsted erklärt bei der Gründermesse Bits and Pretzels, wie die Fitness-App Runtastic dem Sportartikel-Giganten hilft.

Kasper Rorsted steht seit 2016 an der Spitze von Adidas, der Däne gilt als visionärer, aber auch tatkräftiger CEO: Bei der schwächelnden US-Tochter Reebok beispielsweise müssen sie fürchten, die Gunst des Bosses zu verlieren. Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner dagegen, der mit seinen 200 Mitarbeiterin im österreichischen Linz sitzt, kann sich der Zuneigung aus Herzogenaurach sicher sein. Gschwandtner und mit ihm die Fitness-App Runtastic gelten als eines der digitalen Vorzeige-Objekte.


Runtastic in einer Reihe mit Adi Dassler, Jesse Owens, 1954, Fosbory, Ali, Futurecraft 

Auftritt Kasper Rorsted auf der Gründerrmesse Bits & Pretzels 2017 in München: Der Adidas-CEO beginnt seinen Vortrag mit den Meilensteinen der Firmengeschichte: 1936 hat Adi Dassler bei den politisch missbrauchten Olympischen Spielen in Berlin die Schuhe für den US-Wunderläufer Jesse Owens geliefert, 1954 die Schraubstollen für die deutschen Fußball-Weltmeister beim Wunder von Bern erfunden, den Fosbory-Flop von Hochsprung-Star Dick Fosbory unterstützt und natürlich Box-Legende Cassius Clay. „We are Ali“, sagt Rorsted, und dann ist er schon im Heute und Morgen: ein Blick auf den kommenden Futurecraft 4D, den personalisierten Laufschuh der Zukunft. Und im selben Atemzug nennt Rorsted: Runtastic. 

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Florian Gschwandtner hat Runtastic gegründet – und ist auch nach der Übernahme durch Adidas  Chef der rund 200 Mitarbeiter der Fitness-App geblieben.
Florian Gschwandtner hat Runtastic gegründet – und ist auch nach der Übernahme durch Adidas Chef der rund 200 Mitarbeiter der Fitness-App geblieben.

Runtastic zeigt, was Start-ups können: Speed, Fokus, Digital

„Wir haben viel von Runtastic gelernt", sagt der Boss von Adidas. Was aber kann ein DAX-Unterrnehmen, der zweitgrößte Sportartikel-Hersteller der Welt mit 60.000 Angestellten von einem Start-up wie Runtastic lernen? Kasper Rorsted nennt drei Dinge:

  1. „Schneller werden!" Ein Großkonzern mag mitunter schwerfällig sein wie ein Tanker, ein Start-up erinnert da eher an ein Schnellboot. Tempo ist Pflicht. Als Start-up habe man nicht viel Zeit zu verlieren, sagt Rorsted.
  2. „Digital von Beginn an!“ Während bei einem Traditions-Unternehmen die Transformation erst auf die Agenda gerückt und alle Kräfte vom Wandel überzeugt werden müssen, gehört das Digitale bei einem Start-up zur DNA.
  3. „Fokussiert sein!“ Wer weniger Budget zur Verfügung habe, müsse sich konzentriert in eine Richtung bewegen und könne es sich nicht leisten, hier und dort Ressourcen zu verschwenden, erklärt Rorsted.

Kasper Rorsted und seine Zusammenfassung, was Adidas von Runtastic lernt: „Den Speed, den Fokus und die digitale Herangehensweise: Diese Werte kann uns ein Start-up mitgeben, und das macht uns besser.“ 

 


Kasper Rorsted und Florian Gschwandtner: High Five bei Bits & Pretzels

Florian Gschwandtner hat Rorsteds Vortrag konzentriert verfolgt, er wirkt geschmeichelt, aber nicht wie jemand, dem es peinlich wäre, vom CEO eines DAX-Unternehmens gelobt zu werden. Der Runtastic-Gründer führt den Vortrag des Adidas-CEO gewissermaßen fort, aus seiner Sicht: Die Erfolgsrezepte des Runtastic-Gründers in fünf Slogans:

  • „We play to win“. Auch ein schnelles, agiles Start-up wie Runtastic läuft nach acht Jahren am Markt Gefahr, langsamer zu werden und bequemer, gibt Gschwandter zu. Deshalb habe der Adidas-Deal seinem Unternehmen Schwung verliehen: Man müsse sich jeden Tag der Herausforderung stellen, der Beste im Wettbewerb sein zu wollen. 
  • „Entrepreneurship is a Lifestyle": Gründergeist als Lifestyle? Florian Gschwandter erklärt, Gehalt und Gewinnmaximierung dürfe nicht der oberste Antrieb eines Start-up-Unternehmers sein. Die Lust am Gründen, an der Weiterentwicklung sei der Antrieb. Eine Lebenseinstellung. „Es gibt keine Ons und Offs. Ich werde oft gefragt, wieviele Stunden pro Woche ich arbeite. Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht.“ Und doch erweitert Florian Gschwandter den Begriff Work-Life-Balance sogar, er propagiert die „Work-Sport-Fun-Life-Balance“. 
  • „Break the rules“: Sich nicht an Regeln zu halten, sie zu brechen, selbst zum Game-Changer zu werden – so beschreibt Gschwandtner das Credo von Runtastic. Nicht diskutieren, warum etwas nicht geht – sondern herausfinden, wie es geht. 
  • „Shift from Managing to leading“: Zum Führungsspieler werde man nicht mit alten Boss-Attitüden, erklärt der Runtastic-CEO, der seine Führungsqualitäten selbst permanent überprüft – mit Hilfe eines persönlichen Coachs und eines Mentors. Florian Gschwandter hat dies aus den USA übernommen und erklärt, dass Coach und Mentor auch nicht aus dem eigenen Industriezwei kommen müssen: „Der Blick von außen hilft.“
  • „Team = Together Everything Achieves More": Der Team-Gedanke stehe über allem, zumindest sei es bei Runtastic so. Dabei geht es nicht nur um die viel bemühten flachen Hierarchien, sondern darum, zu führen und gemeinsam das Unternehmen weiter zu entwickeln. Mitarbeiter-Motivation als Start-up-Kultur.

Last but not least zeigt Florian Gschwandter dann auch ein Bild mit zwei sich abklatschenden Sportlerinnen. „Some people just need a High Five.“ Sprach‘s – und ließ sich beim High Five mit Kasper Rorsted fotografieren, dem CEO von Adidas.

Der Einfluss von Runtastic auf Adidas, er hat sich auf der Center Stage der Bits & Pretzels gezeigt. 


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