Autor:
Lars Becker

Stars der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang, Francesco Friedrich, Bob

Francesco Friedrich krönt sich bei Olympia mit Bob-Doppelgold

Francesco Friedrich ist der deutsche Titelgarant im Bob. Auch bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang hat er dieses Versprechen mit zwei Goldmedaillen eingelöst. Im Zweierbob darf er sich den oberen Podestplatz dabei mit den Kanadiern teilen.

Francesco Friedrich, Thorsten Margis und die kanadischen Piloten freuen sich über gemeinsames Gold
Francesco Friedrich, Thorsten Margis und die kanadischen Piloten freuen sich über gemeinsames Gold

Beim Weltcup auf seiner Heimbahn in Altenberg hat Bobpilot Francesco Friedrich neulich „nur“ Platz zwei in seiner Paradedisziplin Zweier belegt. Das hing auch damit zusammen, dass der 27-Jährige noch nach dem schnellsten Gefährt für seinen Angriff auf Olympia-Gold gesucht hatte. Das hat er gefunden und damit sein großes Ziel, Olympia-Gold, zusammen mit seinem Anschieber Thorsten Margis erreicht. 

Das Rennen in Pyeongchang hätte spannender nicht sein können: Friedrich gelingen zwei perfekte Läufe. Doch das kanadische Team schafft das auch. Am Ende haben beide Zweierbobs nach zwei Läufen die gleiche Zeit auf der Uhr: Gold für Deutschland, Gold für Kanada!

Als Friedrich am letzten Wettkampftag mit seiner Crew auch noch Gold im Viererbob gewann, waren die Spiele für den Sachsen endgültig eine persönliche Erfolgsgeschichte.

Aktueller Doppel-Weltmeister

„Sein Fokus ist ganz klar auf olympisches Gold gerichtet. Da muss man bei ihm nach den letzten Jahren auch von nichts anderem reden“, sagte Bundestrainer Rene Spies noch vor den Spielen. 2013 krönte sich das Ausnahmetalent Friedrich zum jüngsten Zweierbob-Weltmeister aller Zeiten. Danach hat er diesen Titel dreimal erfolgreich verteidigt.

Zuletzt im vergangenen Winter im bayerischen Königssee, wo er sich zudem zeitgleich mit dem Teamkollegen Johannes Lochner erstmals auch den Vierer-Titel sicherte. Insgesamt hat der für einen Bobfahrer noch sehr junge Friedrich sieben Mal WM-Gold gewonnen.

Der bullige Francesco Friedrich verbindet perfekt Fahrtalent mit explosiver Schnelligkeit am Start. In anderen Wintersportarten wäre der Mann aus dem sächsischen Pirna mit dieser Erfolgsliste längst auch finanziell ein gemachter Mann. Doch die Formel 1 des Winters hat mit den Millionen-Verdienstmöglichkeiten einer Lindsey Vonn im alpinen Skisport oder von Grand-Slam-Sieger Kamil Stoch im Skispringen aber auch gar nichts gemein. Bobfahren ist einer der teuersten Sportarten überhaupt – ein Bob kostet gleich mal 100.000 Euro. Und an Preisgeld gibt es für einen Weltcup-Sieg vielleicht mal um die 1000 Euro. Finanzieren kann man dieses Minusgeschäft nur mit staatlicher Hilfe – der verheiratete Vater eines Kindes ist Bundespolizist - und Sponsoren.

Viele kleine Sponsoren

Die größte Unterstützung kommt von den Teamsponsoren BMW, Deutsche Post und DKB – dazu kommt eine fast endlose Liste kleinerer, meist regionaler Förderer. Auch in Sachen Social Media steht der Bobsport im Schatten – gerade gut 3400 Menschen sind Fans bei Facebook, einen Instgram-Account gibt es nicht. Allerdings könnte die Popularität nach einem Olympiasieg sprunghaft nach oben schießen. 2014 in Sotschi hatte er bei seinen ersten Winterspielen die Medaillenränge noch klar verpasst – wie alle deutschen Bobteams beim historischen Debakel.

Seine sportliche Karriere hatte Friedrich einst als Leichtathlet begonnen. Seine 12,4 Sekunden über 100 Meter oder 14 Meter im Kugelstoßen reichten nicht für die Spitze. Also wechselte er 2005 zum Bobfahren. Fast hätte er schnell wieder damit aufgehört: Sein Bruder David verunglückte einst auf der Bobbahn im sächsischen Altenberg schwer und lag zwei Wochen im Koma. Francesco Friedrich: „Am Ende hat sich aber doch herausgestellt, dass das offenbar der richtige Sport für mich ist.“

Fun Fact

Beim Sprint-Training fällt immer Friedrichs ungewöhnlicher Laufstil mit wild schlenkernden Armen auf. Der Champion nimmt die Scherze darüber gelassen: „Es gibt Leute, die haben einen schöneren Laufstil – aber es ist letztendlich nur entscheidend, ob man schnell ist.“

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