Running // 28.06.2022

Marathon – die Laufelite aus Kenia und Äthiopien 

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Was braucht es, um zur Weltelite der Marathonläufer zu gehören? Offenbar vor allem eines: Man muss in Kenia oder Äthiopien geboren und aufgewachsen sein. Dieser Schluss liegt zumindest nahe, wenn man einen Blick auf die Weltbestzeiten wirft. Die ersten 13 Plätze belegen ausnahmslos Kenianer und Äthiopier. Wir werfen einen genaueren Blick auf die Laufelite aus Ostafrika. 

Für Laufsport-Freunde ist Marcel Fehr kein Unbekannter, mehrfach hat er die Deutschen Juniorenmeisterschaften über 1.500, 3.000 und 5.000 Meter für sich entschieden. 2011 entschloss er sich dann, für einen Monat in Kenia bei „Achim Achilles“ zu trainieren. 

Danach resümierte er: „Wir haben in Kenias größter Stadt, in Eldoret, noch nie so viele große und nach unseren Maßstäben fast untergewichtige Menschen gesehen. Die sind alle fürs Laufen geboren… jeder dieser mehreren 1000 Läufer kann, egal wo in der Welt, jeden Lauf gewinnen.“

 


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Der Berlin Marathon ist einer der renommiertesten Läufe der Welt.
Mit dem verschobenen Boston Marathon hätte am 14. September eigentlich die Herbst-Marathon-Saison mit weiteren Stationen wie Berlin und London begonnen. Wegen der Corona-Pandemie fällt der Lauf in Boston aus. Für alle Marathon-Fans gibt es als Trotstpflaster die inspirierende Entstehungsgeschichte des Marathonlaufs. Kurios: Die Renndistanz haben wir nicht den Griechen, sondern dem englischen Königshaus zu verdanken.

 

Den größten Vorteil der Kenianer sieht Fehr neben der erblichen Veranlagung im dauerhaften „Training“ in großer Höhe. Eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln könne sich hier kaum jemand leisten, so würden die meisten Stecken zu Fuß bewältigt, meist in schnellem Lauf.

Zugleich sehe jeder hier die „Straße der Läufer“, in der sich die Villen der internationalen Marathonsieger aus der Region aneinanderreihten. Das sei das Ziel all jener, die es beim Marathon zu etwas bringen wollen und der Ehrgeiz der Läufer sei enorm. Gelaufen werde hier „um die Existenz“ – in Weltrekordzeiten.

Eliud Kipchoge

Eliud Kipchoge führt die Weltrangliste zurzeit als schnellster Läufer aller Zeiten an - mit einer Bestzeit von nur 1:59:40 Stunden. Damit ist er der erste und bis jetzt auch Einzige, der einen Marathon in unter zwei Stunden lief. Allerdings ist der Rekord ein inoffizieller. Warum? Weil Kipchoge jederzeit Zugriff auf Verstärkung hatte und durchgehend bis kurz vor dem Zieleinlauf Tempomacher an seiner Seite hatte.

Aber auch den offiziellen Weltrekord hält er inne: 2:01:39 Stunden, den lief er beim Berlin Marathon 2018. 2016 und 2021 gewann er die olympische Goldmedaille im Marathon. Aber sein Herz schlug nicht immer für den Langstreckenlauf: Zum Marathon kam er erst mit 28 Jahren, davor waren die 5.000 Meter seine Paradedisziplin. 

Trotz all dieser Erfolge und namhafter Sponsoren bleibt Kipchoge bodenständig und seinen kenianischen Wurzeln treu. Sein Trainingscamp, in dem er die meiste Zeit lebt, ist nicht weit von seinem Haus entfernt und sehr spartanisch eingerichtet. Außerdem setzt er auf traditionelle kenianische Nahrungsmittel (ohne Nahrungsergänzungsmittel). Während der Pandemie versorgte er notleidende Läufer*innen aus Kenia mit Essen. 

 

Kenenisa Bekele 

Der Äthiopier hat unter anderem mit drei Olympiasiegen dafür gesorgt, dass man ihn als einen der besten Langstreckenläufer der Welt kennt. Er ist mit einer Bestzeit von 02:01:41 Stunden beim Berlin Marathon 2019 nur zwei Sekunden langsamer als Weltrekordläufer Kipchoge. Für ihn bis heute ein sehr großes Ärgernis, aber kein Grund, es nicht weiter zu versuchen. 

Bekele legte sich auch erst später in seiner Karriere auf den Marathon fest, zuvor holte er mehrere olympische Goldmedaillen auf der Bahn (5.000 und 10.000 Meter) und im Crosslauf. 

Ein möglicher Grund für seinen Platz 2 könnte sein, dass er es manchmal ruhiger angehen lässt als sein disziplinierter Kollege Kipchoge und sich auch anderen Beschäftigungen außer dem Laufen widmet. Bekele brach in der Vergangenheit einige Läufe ab, ließ Trainingseinheiten ausfallen und kümmerte sich nebenbei um Investitionen in Hotels und Sportanlagen in seiner Heimat. Er war aber auch regelmäßig in seiner Karriere verletzt. 

 

Birhanu Legese 

Platz 3 der schnellsten Marathonläufer aller Zeit belegt Birhanu Legese, ebenfalls aus Äthiopien. Seine Bestzeit liegt mit 02:02:48 Stunden beim Berlin Marathon 2019 knapp eine Minute hinter Bekele. Nach mehreren gewonnenen Halbmarathons machte er mit dem Sieg beim Tokio-Marathon 2020 auf sich aufmerksam. 

Früher räumte er vor allem auf kürzeren Distanzen (100 und 200 Meter) Titel ab.

Ansonsten ist über Legese auf Platz 3 der Liste nicht viel bekannt. Da er rund 10 Jahre jünger als seine Mitstreiter Bekele und Kipchoge ist, ist es nicht ausgeschlossen, dass wir ihn im Laufe seiner Karriere auf einem der vorderen beiden Plätze wiederfinden werden. 



Mosinet Geremew (Äthiopien), Dennis Kimetto (Kenia), Titus Ekiru (Kenia) - so setzt sich die Liste der schnellsten Marathonläufer aller Zeiten bis Platz 14 fort. Die vordersten Plätze werden von immer neuen Läufern belegt, aber ihre Herkunftsländer bleiben gleich: Kenia und Äthiopien. 

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