Claudia Klingelhöfer
Autor:
Claudia Klingelhöfer (Chefredakteurin)

ISPO-Strategie “50 years of tomorrow” entspricht gesellschaftlichen Entwicklungen

Sport und Outdoor bieten Lösungen für globale Herausforderungen

ISPO entwickelt sich seit Jahren konsequent weiter. Ein Meilenstein ist die 2020 zum 50-jährigen Jubiläum vorgestellte Strategie “50 years of tomorrow”. Die Corona-Krise hat diese Weiterentwicklung nicht gestoppt, sondern eher beschleunigt. Was das für die ISPO Munich Online, für ISPO.com und für die Einbindung von Konsumenten bedeutet, beschreibt Jeanette Friedrich, Head of ISPO Group, im Interview mit ISPO.com.

 

Die Bedeutung von Sport für eine gesunde Gesellschaft ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Das belegt eindrucksvoll die aktuelle Studie des Rheingold Instituts. Gleichzeitig besteht eine große Diskrepanz zwischen dem Wissen um die Wichtigkeit von Sport und der tatsächlichen Aktivität.

Vision von ISPO ist es, die weltverändernde Kraft von Sport und Outdoor freizusetzen und gemeinsam mit der Sport- und Outdoorindustrie die Entwicklung von Sport und Outdoorweltweit zu beschleunigen. Darunter zählt – momentan wichtiger denn je – auch den Zugang zu Sport und Outdoor zu fördern.

 35 Prozent der deutschen Bevölkerung haben während der Pandemie weniger Sport getrieben, schreibt der DOSB in einer Studie. In anderen Ländern haben strengere Lockdowns körperliche Aktivität noch mehr erschwert. Gleichzeitig ist Sport und Bewegung insbesondere in der Natur wichtiger denn je. Körperliche Inaktivität begünstigt Risikofaktoren für viele Krankheiten, darunter sind Fettleibigkeit, Herzerkrankungen und Diabetes-2, die wiederum schwere Covid-19 Verläufe begünstigen.

Jeanette, das sind erschreckende Fakten – wie reagiert ISPO als globales Netzwerk darauf?
Wie wir alle spüren, fungiert die Covid-19 Pandemie wie ein Beschleuniger für viele Entwicklungen. Die weltweit steigende Inaktivität war aber bereits vor der Pandemie kein akzeptabler Zustand. Daher haben wir bereits vor der Ausbreitung von Covid-19 strategisch zu unserem Jubiläumsjahr „50 years of tomorrow“ deutlich unseren Aktionsraum erweitert. Die Pandemie macht unsere Bemühungen jetzt noch wichtiger.

Die Strategie wurde zum Start des Geburtstagsjahr mit der ISPO Munich 2020 eingeläutet. Was bedeutet sie konkret?
Es ist teilweise sehr abstrakt, aber Sport und Outdoor besitzen eine riesige Kraft und Macht, um Lösungen auf nahezu alle Herausforderungen zu finden. Sport und körperliche Fitness sind nicht zu trennen, Outdoor und mentale Fitness gehören zusammen. Wenn man das weiterdenkt, hat dies deutliche Auswirkungen auf das Gesundheitssystem, das Versicherungswesen, die Nahrungsmittelindustrie usw. Der Bike-Boom führt die Mobilitätswende an. Städteplaner setzen sich gezielter denn je mit dem Zugang zur Natur auseinander. Im TV und Entertainment ist Live-Sport einzigartig und davon profitieren aufstrebende Streaming-Anbieter als auch Sender des gebeutelten linearen Fernsehens. Das Interesse an nachhaltigen Produkten und Verfahren, auch immer stärker„upstream“ der Wertschöpfungskette, ist aufgrund der starken Naturverbundenheit enorm – Tendenz ganz klar steigend. Ich könnte ewig weiter erzählen, aber klar ist – Sport und Outdoor liefern viele Innovationen und Impulse für Lösungen in den verschiedensten Sektoren. Und in der Pandemie wird einfach noch deutlicher, wie aufgeschmissen wir Menschen ohne Sport und Natur wären. Konkret bedeutet dies, dass wir industrieübergreifend auf Lösungsentwicklung setzen.

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ISPO sagt Passivität den Kampf an. Hierzu agieren wir auf drei Ebenen: gesellschatlich (WE) - individuell (ME) - in unserer umgebenden Umwelt (US)

Lass uns noch etwas konkreter werden, was bedeutet das für die anstehende ISPO Munich Online?
Die ISPO Munich Online führt das Leitmotiv „Sport is stronger“. Das soll deutlich machen, wie Sport die Kraft hat, sich gegen viele negative Entwicklungen durchzusetzen, beziehungsweise ein positiver Faktor zu sein. Das ist im Bereich Gesundheit offensichtlich, aber auch im Bereich Nachhaltigkeit so. Sehr spannend ist aktuell auch, wie diese Kraft die Kreativität beflügelt. Vor diesem Hintergrund haben wir mit der weltweit größten Messe im Sport vor allem auch eine Verantwortung. Momentan ist der Sport für uns alle so wichtig wie nie – unser Job ist es dafür zu sorgen, möglichst alle daran teilhaben zu lassen und das greifbar zu machen.

 Und wie spiegelt sich das konkret im Konzept der ISPO Munich Online wider?
Wir hatten die ISPO Munich ursprünglich als hybride Veranstaltung geplant, damit alle partizipieren können – physisch wie digital. Aber bei dem aktuellen Infektionsgeschehen ist nur eine digitale Veranstaltung möglich. Hier gehen wir mit einem Pricing und Konzept an den Start, das möglichst allen in ihrem Interessensbereich einfachen Zugang gewährt. Dazu gibt es drei Punkte: Zum einen haben wir im Programm sehr viel Wert auf Inhalte gelegt, die sich an der Zukunft orientieren und die zum Ziel haben, Impulse zur gemeinsamen Gestaltung der Zukunft durch Sport zu geben. Das zeigt sich auch in der Wahl unserer thematischen Schwerpunkte Kreativität und Digitalisierung Gesundheit Nachhaltigkeit  wider. 

 

Zum anderen haben wir für die ISPO Munich Online drei Partnerschaften – unsere „Voices of Sport“ – mit denen wir Sport ganz konkret unterstützen. Unsere Partner sind die Deutsche Sporthilfe, Right to Play und die European Championships 2022. Wir geben diesen drei Organisationen eine Bühne, da sie auf unterschiedliche Art und Weise den Sport und seine Menschen repräsentieren – welche Herausforderungen sie gerade bewältigen, welche inspirierenden Geschichten der Sport schreibt und welche Zukunftspläne im Sport existieren.

Und was ist der dritte Punkt?
Das sind unsere Public-Streams. Logischerweise bieten wir dem Sportbusiness einen geschlossenen Bereich für alle Professionals. Aber wenn wir sagen, der Sport ist so wichtig wie noch nie zuvor und alle sollen daran teilhaben, dann gilt das auch für Privatpersonen. Je nach Plattform verbinden wir ja schon immer die Industrie mit dem Konsumenten.  Viele Marken hatten Pandemie-bedingt auch deutliche Schwierigkeiten, Erlebnisse mit ihren Kunden zu kreieren und sagen uns, ‚helft uns, unsere Kunden zu erreichen‘. Nachdem wir im vergangenen Jahr insbesondere mit dem ausverkauften ISPO Munich Night Run großen Erfolg hatten, haben wir uns in diesem Jahr gemeinsam mit unseren Partnern für B2C-Streams entschieden, die am frühen Abend frei zugänglich sind. Es ist ein erster größerer Testballon, aber wir sind zuversichtlich, dass wir das Angebot für und mit den Konsumenten weiter ausbauen werden. Das Konzept wird sehr positiv bewertet.

Kannst du uns noch etwas mehr Details über das B2C-Angebot geben?
Die Kernidee ist es den Sport in die Wohnzimmer der Menschen zu bringen – via frei zugänglichen Streaming-Angebote von der ISPO Munich Online.Die Streams werden auf ISPO.com und unseren Social-Channels integriert und sind so für jeden aufrufbar. Es gibt drei inhaltliche Schwerpunkte: „Nerd-Sessions“ geben Know-how von Experten an alle Interessierten weiter, die „Open-Gym-Sessions“ bieten Live-Workouts und der „Real Talk“ bringt Marken mit Kunden in den Dialog. Dazwischen immer ein bisschen Entertainment und Aktivierung durch unser Moderatorenteam und weiteren Partnern. Die Beteiligung von Peloton – einen der ganz spannenden Lösungsanbieter während der Pandemie –  bestätigt uns in unseren Bemühungen. Grundlage unserer B2C-Ansprache ist natürlich unsere Open Innovation Community. Das sind rund 90.000 Konsumenten mit sehr hohem Sportinteresse. Gleichzeitig erreichen wir über unsere Stammleser und über Suchmaschinen-Traffic auf ISPO.com natürlich noch wesentlich mehr Sportbegeisterte, die ISPO.com besuchen, weil sie sich für bestimmte Sportthemen interessieren.

Inwiefern habt ihr ISPO.com dann noch in die ISPO Munich Online integriert? Die ISPO Munich Online läuft ja nicht auf dieser Plattorm, oder?
Ja, das ist richtig.  ISPO.com ist ja unser News- und Insightsportal und somit vor allem darauf ausgerichtet, durch Content die Entwicklungen im Sport aus erster Hand greifbar zu machen. Somit ist es technisch nur ein kleiner Teil des Gesamtkonstrukts ISPO Munich Online, aber inhaltlich ein wichtiger Part und vor allem ein Verstärker, Multiplikator, Orientierungsgeber und Unterhalter und das weltweit. Das sehen wir am Traffic und Herkunft unserer Leser*innen: Business Professionals und Consumer Experts lesen ISPO.com, die Top-5 werden dabei von Besuchern aus Deutschland, Österreich, USA, Italien und der Schweiz gestellt.

Mediadaten und Insights zu ISPO.com entdecken

Wir sehen uns ja mit unserem Angebot aus Plattformen der ISPO Group nicht als klassischer Messeanbieter. Aber täten wir das, dann wäre Reichweite und Leserschaft von ISPO.com für eine klassische Messe mehr als einzigartig. Und das hilft uns auch als Verkaufsargument für die Teilnahme an der ISPO Munich Online. So bekommen alle Aussteller ab dem Advanced Paket Inhalte auf ISPO.com oder buchen diese einzeln dazu und profitieren von:

  • Hoher Sichtbarkeit für die Inhalte
  • Inhalten, die über den Veranstaltungszeitraum hinaus bestehen
  • Inhalten die für B2B-, als auch B2C-Kunden ersichtlich sind

Vor rund 5 Jahren sind wir diesen Schritt gegangen und davon haben der Sport und unsere Kunden konsequent profitiert. Aber man kann sich vorstellen, wie glücklich unsere Kunden und wir momentan sind, dass wir die Plattform contentorientiert ausgebaut haben.

Die Strategie der ISPO "in a nutshell"
Der Markenkern von ISPO: Das Why-How-What 

Welche Schlüsse zieht ihr daraus für die Zukunft?
Aus den Gesprächen mit unseren Kunden, haben wir sehr viel positives Feedback erhalten, denn gerade seit März wird verstärkt deutlich, dass nur wer digital kann, auch in Zukunft eine Chance haben wird. Das bestätigt uns in unserem 365-Tage-Ansatz. Hoffentlich haben wir schon zur Outdoor by ISPO wieder phyischen Kontakt auf der Messe und zusätzlich Business und ein Schaufenster für Endkunden auf ISPO.com. Für die kommenden Monate haben wir für ISPO.com Pläne, die noch viel tiefgreifender sind.

Kannst du uns dafür ein paar Beispiele geben?
Wir werden im Contentbereich deutlich stärker auf Infotainment setzen, die Reichweite im Consumer-Bereich ausbauen und stärker unterhaltende Formate kreieren. Dabei wird wichtig sein, dass wir in den jeweiligen Formaten differenzieren, wann und wo ISPO.com konsumiert wird und diese danach ausrichten. Die SEO-Orientierung wird konsequent beibehalten, aber es wird künftig mehr Anreize – auch technisch gelagerte Features – geben, aus neu gewonnenen Erstlesern Stammleser zu machen. Die Themenwahl wird sich auch an der zu Beginn erwähnten Lösungsorientierung ausrichten. Exklusive Insights und Innovationsorientierung bleiben dabei aber Schwerpunkt. Wir werden dabei den Konsumenten deutlich stärker adressieren und v. a. seine Meinung, Apelle und Wünsche abbilden – hier hilft uns unter anderem auch unsere ISPO Open Innovation Community. Das wird auch für die Businesswelt sehr spannend sein, so dass wir diese weiterhin stark adressieren.

Hier lernt ihr, wie euch die Open Innovation Community als Unternehmen nutzt

 Für Werbetreibende (egal ob B2C- oder B2B-fokussiert) wird es neben den existierenden Angeboten weitere spannende neue Angebote und Formate geben. Auch wird es mehr plattformübergreifende Kombi-Pakete geben, die an den unterschiedlichen Bedürfnissen unserer Business-Kunden ausgerichtet sind. Und es läuft gerade ein spannender Test, mit der wir unsere Reichweite neben Englisch auch in anderen Landessprachen und Potenzial-Märkten sehr deutlich erweitern werden.

Das klingt nach ganz schön viel Entwicklung, oder?
Obwohl wir mit ISPO.com schon viel erreicht haben könnte man fast sagen, es geht gerade erst richtig los. Das liegt zum einem an der starken Digitalkomponente unserer grundsätzlichen Strategie, zum anderem aber auch an der Orientierung an unseren Kunden. Die Akzeptanz sowie der Wunsch nach digitalen wie physischen Angeboten, die integriert gedacht und aus einer Hand bzw. einem Plattform-Anbieter kommen, werden immer klarer und deutlicher. Und das würden wir sonst auch nicht wagen, wenn wir nicht von unseren Geschäftspartnern wüssten, dass dies gewünscht ist und wir nicht auf deren Feedback zu Konzepten, Plänen und Ideen zählen könnten. Deswegen freuen wir uns vor allem darüber, dass unsere Stakeholder immer gerne im Gespräch mit uns sind. Das ist ein Vertrauensbeweis, dafür sind wir dankbar. Denn das zählt immer – Krise hin oder her.

Claudia Klingelhöfer
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