Autor:
Sina Horsthemke

Nachhaltigkeit für Jogger und Läufer

Nachhaltige Laufschuhe: Was machbar ist, und was (noch) nicht

Das Thema Nachhaltigkeit prägt die Sportbranche wie nie zuvor. Auch die Hersteller von Laufschuhen setzen heute auf umweltschonendere Materialien und Produktionsverfahren – wenngleich es ganz ohne Plastik noch nicht geht.

Nachhaltige Laufschuhe sind im Trend - doch ganz ohne Plastik geht es (noch) nicht.
Nachhaltige Laufschuhe sind im Trend - doch ganz ohne Plastik geht es (noch) nicht.

„In all den Jahren, die ich nun schon in der Laufschuhindustrie tätig bin, habe ich nie das Wort Ökologie gehört“, sagte Jens Bolms von der jungen Laufschuhmarke Veja auf der ISPO Munich 2020 beim Runner’s World Laufsymposium. „Niemand hat je gefragt, wie die Schuhe hergestellt werden, alle wollten nur, dass sie gut passen und schnell sind.“

Diese Einstellung dürfte sich nun ändern. Kleine und große Laufschuhmarken beginnen zu begreifen, dass Läufer beim Kauf ihrer Sportausrüstung mehr und mehr auf eine umweltbewusste Herstellung, nachhaltige Materialen und klimafreundliches Denken des Herstellers achten. 

Sohle aus Bananen, Obermaterial aus Flaschen

Vejas Neutralschuh „Condor“ beispielsweise, so Bolms, der schon für K-Swiss und New Balance arbeitete, bestehe „zu 62 Prozent aus natürlichem und recyceltem Material“. Die Zwischensohle produziere man zum Teil aus nachwachsenden Rohstoffen wie Bananenöl, der Schaum bestünde zur Hälfte aus natürlichem Latex, auch Reis und Zuckerrohr komme zum Einsatz. Veja ist nicht die einzige Marke, die bei der Produktion von Sportschuhen inzwischen versucht, nachhaltiger zu werden. Weitere Beispiele:

  • Adidas: „Für eine Zukunft ohne Müll“ macht die deutsche Marke das Ende eines Laufschuhs zum Anfang eines neuen. Kunden können abgetragene Schuhe zurückgeben, um sie recyceln zu lassen.
  • Aku: Die italienische Marke verzichtet auf Schwermetalle, hat den Wasser- und Energieverbrauch reduziert und kompensiert ihre CO2-Emissionen. Recyceltes Material, Kork und Kokosfasern kommen zum Einsatz.
  • Icebug: Die schwedische Marke wirbt damit, seit Februar 2019 klimapositiv zu sein. In der Produktion kommt laut Mathias Basedow, Geschäftsführer für den deutschsprachigen Bereich, immer mehr Solarenergie zum Einsatz.
  • Nike: „Wenn die Erde stirbt, stirbt auch der Sport“, so der US-Hersteller und produziert beispielsweise die Garne für den „Flyknit“ aus recycelten Plastikflaschen.

Ohne Plastik geht es kaum

Zugegeben: Im Running-Bereich ist das Problem mit dem Plastik nur schwer zu lösen. Denn ohne Kunststoff geht es bei Schuhen kaum. EVA und PU beispielsweise, die in nahezu jedem Laufschuh stecken, können ohne Erdöl nicht hergestellt werden. Sie sind zwar leicht und dämpfen gut, biologisch abbaubar sind sie aber nicht.

Ganz schön viel Kunststoff also, der da auf den deutschen Laufstrecken unterwegs ist: Sechs Paar Schuhe besitzt jeder Läufer durchschnittlich, berichtete Urs Weber beim 7. Runner’s World Laufsymposium auf der ISPO Munich 2020.

Sechs Paar Schuhe, die zusammen ziemlich viel CO2 auf dem Buckel haben, wie Wissenschaftler des US-amerikanischen Massachusetts Institute of Technology (MIT) schon vor einigen Jahren analysierten. Die Forscher berechneten die CO2-Emission für jeden einzelnen Produktionsschritt eines Laufschuhs. Das Ergebnis war erschreckend: Pro Paar werden zwischen 11,3 und 16,7 Kilogramm Kohlenstoffdioxid freigesetzt – für ein nicht-elektronisches Produkt sei das reichlich, so die Wissenschaftler. Zum Vergleich: 300 Gramm Rindfleisch verursachen 3,7 Kilogramm, bei einem Flug von Hamburg nach München entstehen pro Person 310 Kilogramm CO2.

Schritt in die richtige Richtung

Weitere Zahlen aus der Studie:

  • 25 Milliarden Paar Laufschuhe gingen 2010 weltweit über die Ladentheke.
  • 68 Prozent der Emissionen entstehen in der Produktion, keine 2 Prozent durch den Transport.
  • Ein Schuh besteht aus rund 65 verschiedenen Teilen.
  • Der Produktionsprozess erfordert 360 Schritte.

360 Schritte, die Hersteller alle überdenken und eventuell nachhaltiger gestalten könnten – doch einer Sache sollten sich Läufer bewusst sein: Vollständig nachhaltige Laufschuhe gibt es nicht. Und wird es in den kommenden Jahren wohl auch nicht geben.

Dass die Hersteller jedoch zunehmend zumindest teilweise auf nachhaltige Materialen setzen und nachwachsende Rohstoffe nutzen, ist trotzdem eine positive Entwicklung. Besser gesagt: Ein Schritt in die richtige Laufrichtung.

Autor:
Sina Horsthemke
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