Joscha Thieringer
Autor:
Joscha Thieringer

„Zur Digitalisierung gehört, dass wir drei Mal auf die Nase fallen“

Günter Althaus macht Sport 2000 fit für die digitale Zukunft

Die Digitalisierung stellt den großen Einkaufsverband Sport 2000 vor Herausforderungen. Günter Althaus, Vorstandsvorsitzender des Mutterkonzerns ANWR Group, hat zahlreiche Maßnahmen angestoßen, um langfristig erfolgreich zu sein. Auf der ISPO Digitize Bühne erklärt Althaus die digitale Strategie von Sport 2000.

Günter Althaus, Vorstandsvorsitzender der ANWR Group, auf der ISPO Digitize Bühne beim Adidas Symposium. 

Können Sie sich vorstellen, Ihre Mutter zu einer Instagramerin zu machen? Mit diesem – für manche womöglich absurden – Gedanken bekommen Sie einen ungefähren Eindruck davon, vor welcher Herausforderung Günter Althaus steht.

„Stellen Sie sich vor, Sie müssen einer hundert Jahre alten Gesellschaft beibringen, wie Digitalisierung geht“, sagt der Vorstandsvorsitzende der ANWR Group, Mutterkonzern von Sport 2000. Man könne es natürlich gleich bleiben lassen, „wir haben uns dennoch entschieden, Digitalisierung als Chance zu sehen“.

Günther Althaus verordnet Sport 2000 digitalen Intensivkurs

Günter Althaus hat der Unternehmensgruppe, die 2017 ihr Geschäftsvolumen auf 8,9 Milliarden Euro steigern konnte, einen digitalen Intensivkurs verordnet. „CEO = CDO“ hat der 52-Jährige, groß in seine Präsentation in der ISPO Digitize Area geschrieben.

Soll heißen: Als Geschäftsführer müsse er gleichzeitig digitaler Vorreiter in seinem Konzern sein, denn: „Wenn der Chef eines Unternehmens nicht versteht, was da gerade los ist, dann schaffst du es auch nicht, deine Leute hinter diese Bewegung zu bringen.“

Sport 2000 – dem Einkaufsverbund gehören rund 1.000 Händler mit mehr als 1.300 Sportgeschäften an – erlebt gerade einen Umbruch. Ein Umbruch, aus dem einige nicht heil rauskommen werden, das macht Althaus ganz deutlich. Shops, Lieferanten, Lagerhäuser – überall werde kräftig aussortiert.

Althaus: Einschnitte bei ANWR Group und Sport 2000

In welchem Ausmaß, das beschreibt Althaus anhand der Zahlen für die ANWR Group: „Wir haben derzeit rund 10.000 Stores, in fünf Jahren gehe ich von 4.000 aus“, sagt der ehemalige Unternehmensberater. „Wir haben zuletzt 600 Stores geschlossen. Und diese Entwicklung wird weitergehen, weil Überversorgung herrscht. Ich muss das so hart sagen: Weil manche Stores keine Existenzberechtigung haben.“

Statt der bisher 1.800 Lieferanten würden wohl auch 200 reichen, aus sechs Lagern werde in Zukunft eines. „Damit werden wir gut leben können“, glaubt Althaus. Die ANWR GROUP hat sich stattdessen neuen Vertriebswegen und Kooperationen geöffnet. Seit Sommer 2017 arbeitet der Verbund umfangreich mit Zalando zusammen und auch mit eBay wird kooperiert. „Und ich darf ankündigen, dass wir 2018 mit mindestens zwei weiteren Partnern eine Kooperation eingehen werden“, sagt Althaus. „Es darf bei uns keine Feindbilder geben.“

Althaus mahnt: Retail benötigt Kommunikation

Dass er sich als Vorstandsvorsitzender mit dieser Strategie nicht nur Freunde macht, das ist ihm völlig klar. Angesichts des Digitalisierungs-Hypes ist Althaus aber eines besonders wichtig: „Man darf bei all dem Wandel nicht vergessen, was man gut beherrscht“, sagt er: „Run the business, change the business.“

Es ist schon einige Zeit her, als Günter Althaus noch im Bankgewerbe tätig war. Doch das damals Gelernte bestimmt immer noch sein Handeln. „Retail ist eigentlich ganz einfach, also stellen Sie sich nicht so an!“, sagt er zu seinen Zuhörern mit einem Augenzwinkern. „Auf der einen Seite ist ein Produkt und auf der anderen der Kunde.“ Althaus malt dazu „Product“ und „Customer“ auf seine Präsentation und verbindet diese mit zwei Pfeilen: „Man benötigt Kommunikation – und wenn man das gut macht, dann kommt es zur Transaktion."

Kunden individuell ansprechen und Daten nutzen

Kommunikation, das steht im Mittelpunkt bei der Neuausrichtung der ANWR Group. „Wir bauen deshalb in unserem Hause eine Content Factory auf, um mit diesem Content die Kommunikation zu unterstützen, aber natürlich auch, um den Kunden richtig anzusprechen“, erklärt Althaus. Zusammen mit Software-Entwicklern sei ein Programm entstanden, das es Sport 2000 erlaube, „den Kunden über die verschiedenen Kanäle individuell anzusprechen“.

Angesichts des Digitalisierungs-Hypes ist Günter Althaus eines besonders wichtig: „Man darf bei all dem Wandel nicht vergessen, was man gut beherrscht. Run the business, change the business.“

Denn zu einer gelungenen Kommunikation gehöre natürlich auch, zu wissen, mit wem man spreche. „Der Kern von allem ist: no data, no retail. Ohne Daten kein Verkauf. Sie müssen Daten sammeln zu Produkten, zu Kunden – und dann verbinden“, sagt Althaus: „Wer diese Daten nicht verbinden kann, wird meiner Meinung nach in Zukunft im Retail keine Rolle mehr spielen.“

Digitalisierung erfordert Mut und Durchhaltevermögen

Günter Althaus hat Sport 2000 ein straffes Programm auferlegt, um fit für die digitale Zukunft zu sein. „Der schwierigste Schritt ist der oft erwähnte Cultural Change“, sagt er: „Wir glauben, dass wir die Digitalisierung nur stemmen können, wenn wir Dinge ausprobieren. Und dazu gehört auch, dass wir drei Mal auf die Nase fallen. Und erst danach wird es richtig gut."

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