Autor:
Timo Dillenberger

Tipps, Tricks und Packliste

Bikepacking mit dem Gravelbike – so geht‘s

Gravelbikes sind perfekt, um in der Natur weite Strecken zurückzulegen. Zumindest, wenn beim Anbringen des Gepäcks nicht geschludert wird. ISPO.com gibt Tipps, wie Sie durch richtiges Bikepacking Platz und Gewicht sparen können und gibt eine Packliste.

Mit dem richtig bepackten Bike steigen Fahrspaß und Sicherheit.
Mit dem richtig bepackten Bike steigen Fahrspaß und Sicherheit.

So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Das ist das Credo beim Bepacken eines sportlichen Fahrrades. Stellen Sie sich immer die Frage: Was kann ich zur Not weglassen? Welches Equipment spart Platz und Gewicht?

Und: Die Platzierung des Gepäcks am Rad wirkt sich direkt auf die Fahrqualität aus. Viele Gravelbikes verfügen zum Beispiel zwar über Ösen oder Gewinde für einen Heckträger. Kleinere und rundum am Bike verteilte Taschen erhalten aber die fürs Gelände wichtige Gewichtsverteilung und entlasten den Rahmen.

Die Frage: „Was muss mit?“, hängt entscheidend von der Länge des Trips und der Unterbringung bei Nacht ab. Zwar macht es auf dem Rad mehr Spaß, ohne Zelt, Kochequipment und den kompletten Proviant durch die Natur zu fahren. Die Flexibilität bei der Wahl der Route und ihrer Länge schränkt dies allerdings auch merklich ein. Helfen kann ein Minizelt, bei dem das Rad gleichzeitig Zeltgestänge wird, wie der „Bikecamper“ von Topeak. Das spart nicht nur bis zu 1,5 Kilogramm Gepäck, sondern ist zugleich effektiver Diebstahlschutz für das eigene Rad bei Nacht.

Topeaks Campinglösung macht das Bike zum Bestandteil des Zelts.
Topeaks Campinglösung macht das Bike zum Bestandteil des Zelts.

Hersteller wie der ISPO Award Preisträger Ortlieb bieten zudem kompakte Taschen für Sattel, Rahmen, Lenker und Gabel mit erstaunlich geringem Packmaß.

Bei Gravelbikes kommt es hin und wieder zu Tragepassagen, das Radgewicht ruht dann auf einem durchgehend weichen Polster. Wichtig ist hier: alles Schwere tief in die Tasche drücken. So vermeiden sie starke Pendel- und Wippbewegungen.

Bei der Anbindung von Trinkflaschen sollten die klassischen Fixpunkte am Rahmen überdacht werden. Zum einen verhindern die Flaschen dort, dass das Rad leicht geschultert werden kann, zum anderen bedarf es im Gelände spezieller Flaschen mit geschützten Trinkventilen. Hier haben wir gute Erfahrungen mit kleinen Trinkrucksäcken oder noch besser „Hydration Vests“, wie sie Trailrunner tragen.

Eine 1,5-Liter Trinkblase samt Schlauch auf dem Rücken, zwei Softflasks und eine Fülle von kleinen und leicht erreichbaren Taschen rund um den Oberkörper halten Getränke, Riegel, Werkzeug oder Elektronik körpernah. Sie werden weniger durchgeschüttelt, können im Winter schwer einfrieren und sind immer gut erreichbar. Weiterer Pluspunkt: die Biketaschen können im „freien Feld“ geschlossen bleiben. Der Inhalt bleibt trocken und sauber.

Schwerere Rucksäcke verändern die Haltung auf dem Rad derart, dass es schnell zu muskulären Problemen kommt, selbst wenn der Rucksack sich gut anfühlt.

Die wichtigsten Grundregeln beim Bikepacking

Die eine Methode, das Gravelbike zu beladen, gibt es nicht. Einige Basisregeln verhindern allerdings böse Überraschungen unterwegs:

  • Oberste Regel: Sitzposition und Tretbewegung dürfen nicht für das Gepäck verändert werden. Ist etwas im Weg, muss es dem Fahrer weichen.
  • An Lenker und Gabel maximal etwa ein Drittel des Gepäck befestigen, um die Steuerung nicht zu beeinträchtigen.
  • Möglichst tief beladen, um den Schwerpunkt fahrdynamisch zu halten.
  • Vor jedem Start kurz auf festen Sitz kontrollieren. Hat man etwa einer Tasche etwas entnommen, kann diese labiler sein und in Speichen, Bremsen oder Kurbellauf hineinragen.
  • Je schwerer ein Gegenstand ist, desto näher sollte er Richtung Radmittelpunkt befestigt werden. Sogar innerhalb einer Tasche ist es wichtig, massive Gegenstände zum Zentrum hin zu packen.
  • Auf die Breite achten. Gravelrouten können durch enge Fels- oder Gestrüpp-Passagen führen, breiter als der Lenker sollten die Taschen nicht sein.
  • Achtung bei Lenkertaschen am Gravelbike: Ist die Tasche zu breit oder nicht fest verzurrt, können die Fingerkuppen gequetscht oder die Bremshebel blockiert werden.

Was muss, was nicht?

Jetzt geht es um das Equipment. Das ist ziemlich individuell, je nach Fahrer und geplanter Tour. Je variabler einzelne Gegenstände sind, desto weniger muss man mitnehmen. Arm- und Beinling plus Regenjacke mit abnehmbaren Ärmeln machen aus einem Trikotsatz ein universelles Dress. An folgende Gruppen von Ausrüstung sollte man denken:

  • Bekleidung für alle wahrscheinlichen Bedingungen
  • Werkzeug und Reparaturmaterial, besonders für Reifen und Kette
  • kleines Verbandszeug und bei langen Touren Gesäßcreme sowie Sonnenschutz
  • kompakte Toilettenartikel wie ein Mikrofaserhandtuch
  • (Not)beleuchtung und oder reflektierende Kleidung, falls der Zeitplan mal aus den Fugen gerät
  • Geldbeutel, am besten wasserdicht oder im Zipbeutel mit Ausweis, Notfallkontakt, Geldkarte, Bargeld je nach Region und Münzen z.B. für Automaten oder die (Selbst)-Waschstraße
  • Zur Bikewartung reicht eine alte Zahnbürste und sogenanntes Trockenschmiermittel (sammelt weniger Sand auf als Öl)
  • Achtung: Gravelbikes besitzen oft „tubeless“ Reifen, die besondere Pumpen erfordern! Hilfreich ist auch ein Adapter von Sclaverand- auf Autoventil, um an Tankstellen nachfüllen zu können.

An was man vielleicht nicht direkt denkt:

  • Multitool mit Bikewerkzeugen
  • Kabelbinder / Tape
  • Powerbank inkl. Kabel
  • Lange Handschuhe als Schutz gegen Gestrüpp und bei Bodenkontakt
  • Sonnenbrille mit Wechselscheiben
  • 2 – 4 leichte Zurrgurte
  • Fahrradschloss (je nach Unterbringung)
  • Wasserlösliche Minaraldrinks, falls es unterwegs „nur“ Wasser gibt
  • Notfallriegel oder Gels gegen Hungeräste
  • Eine Karte mit grober eingezeichneter Route, falls die elektrische Navigation versagt
  • Eine Trillerpfeife für Notfälle an abgelegenen Orten
Autor:
Timo Dillenberger
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