So nachhaltig ist die Bundesliga

Die grüne Liga – Der Fußball-Nachhaltigkeits-Check

In der neuen Saison ist die Fußball-Bundesliga etwas weniger grün, nach dem Abstieg der Grün-Weißen von Werder Bremen. Aber es bleibt ja noch der VfL Wolfsburg, der ganz vorne mitspielt – und das sowohl sportlich als auch beim Umweltschutz. ISPO.com verrät im Fußball-Nachhaltigkeits-Check, wer Deutscher Öko-Meister ist – und wem der Abstieg droht.


 

ISPO.com macht den Nachhaltigkeitscheck der Fußball-Bundesligavereine

Neben dem VfL hat sich auch Aufsteiger Greuther Fürth, die „Kleeblättler“ aus Franken, das Grün nicht nur aufs Trikot geschrieben. Mittlerweile geben sich aber alle Klubs, auch mit rotem, blauem oder schwarz-gelbem Wappen, große Mühe in Sachen Umweltbilanz. Welche Kriterien erfüllt werden müssen, um sich einen Platz in der Öko-Tabelle zu sichern und was die einzelnen Vereine dafür tun, zeigt dir unser Fußball-Nachhaltigkeits-Check:

Das tun die Klubs

Das Beratungsunternehmen Deloitte ist in seiner Studie „Nachhaltigkeit in der Fußball-Bundesliga“ aus dem Jahr 2019 überzeugt: „Der Profifußball übernimmt Verantwortung.“ Schon vor zwei Jahren haben rund die Hälfte der befragten Profiklubs einen Nachhaltigkeitsbericht über ihre Aktivitäten veröffentlicht – obwohl sie das im Gegensatz zu großen kapitalmarktorientierten Unternehmen in aller Regel gar nicht müssten. Aber bei Themen wie Klimawandel oder Rohstoffknappheit fordern Fans, Investoren und Sponsoren mittlerweile gezielt mehr Verantwortung und Engagement. Das kann kein Profiklub mehr ignorieren.


 

In den letzten eineinhalb Jahren ist das Thema Nachhaltigkeit wegen Corona und wegen leerer Stadien etwas in den Hintergrund getreten. Aber jetzt, mit der Rückkehr der Fans, kommt die „grüne Liga“ wieder in Schwung. Maßnahmen sind zum Beispiel weniger Wasserverbrauch, energiesparende LED-Beleuchtung für die Stadien, Pfandsysteme für Getränke und konsequente Müllvermeidung. Der Liga-Verband DFL ist überzeugt: „Wie beim Fußball, so gilt auch beim Umweltschutz: Nur im Team lässt sich etwas bewegen.“

Das sind die Kriterien

Die britische Organisation „Sport Positive“ hat 2021 die erste Öko-Tabelle für die Fußball-Bundesliga erstellt. Ein solches Ranking ist zuvor bereits für die englische Premier League erschienen. Die Serie A aus Italien, La Liga aus Spanien und die französische Ligue 1 sollen ebenso folgen wie mehrere Frauen-Ligen und weitere Sportarten. Für die Nachhaltigkeit der großen Fußballklubs gibt es acht Kriterien: Nutzung erneuerbarer Energien, Energie-Effizienz, nachhaltige Mobilität für Fans und Mitarbeiter, Reduzierung und Entfernung von Einweg-Kunststoff, Abfallwirtschaft, Wasser-Effizienz, pflanzliche und kohlenhydratarme Verpflegung sowie die Kommunikation und das Engagement des gesamten Klubs für das Thema Nachhaltigkeit. Insgesamt sind in diesen Kategorien so viele Punkte zu holen wie mit sieben Bundesliga-Siegen, also 21 Zähler. Und das schafft in der deutschen Öko-Liga nur ein einziger Klub.


 

Das ist der Deutsche Öko-Meister 2021

Die Grünen aus Wolfsburg sind auch der grünste Bundesliga-Klub. Motto mit 21 von 21 möglichen Punkten: Deutscher Öko-Meister wird nur der VfL! Die DFL lobte schon vor einigen Jahren: „In Wolfsburg sind nicht nur die Trikots, sondern auch die Ambitionen grün.“ Deshalb ist beim VfL gleich eine ganze Abteilung für Umweltthemen zuständig. Und so stimmen beim VW-Werksklub derzeit mit dem neuen Trainer Mark van Bommel nicht nur die Ergebnisse auf dem grünen Rasen, sondern auch in Sachen grüner Fußball. Die Wölfe nutzen an allen Standorten zu 100 Prozent erneuerbare Energien, sparen am Stadion mit LED-Scheinwerfern 12 Prozent Strom und bewässern ihre Plätze mit Grauwasser aus dem nahegelegenen Mittellandkanal. Allein das soll im Jahr 16,25 Millionen Liter Trinkwasser sparen. Zum Stadionbier aus wiederverwertbaren Biokunststoffbechern mit Pfandsystem gibt es auf Wunsch die vegane VW-Currywurst (wenn das Gerhard Schröder hört). Und der VfL hat als erster großer europäischer Fußballklub den „Rahmen der Vereinten Nationen für Sport und Klima“ unterzeichnet. Motto in Wolfsburg: Grüner wird’s nicht!


 

Das sind die Verfolger

Der 1. FC Köln, der FC Bayern München, die TSG Hoffenheim und der 1. FSV Mainz 05 qualifizieren sich laut der Studie von „Sport Positive“ ebenfalls für die Umwelt-Champions-League. Die Kölner (20 von 21 Punkten) recyceln 85 Prozent ihrer Abfälle, und Eintrittskarten für die Spiele gelten gleichzeitig als ÖPNV-Tickets. Nur bei der Wasser-Effizienz gibt es Nachholbedarf. Der FC Bayern (17 Punkte) wandelt seine nur 10 Prozent Restabfall in einem Müllheizkraftwerk in Strom um. Sponsor und FCB-Teilhaber Audi macht mittlerweile fast den gesamten Klub inklusive der Spieler mit Elektroautos mobil. Und das Pfandsystem in der Allianz Arena gilt als so vorbildlich, dass die Bayern dafür den erstmals verliehenen „European Reusable Award“ gewonnen haben. In Hoffenheim (17 Punkte) arbeitet eine riesige Photovoltaikanlage, die sämtliche Einrichtungen rund um das Stadion mit Strom versorgt. Geheizt wird mit kohlenstoffarmen Holzpellets. Und den Grasschnitt seiner Fußballplätze hat der Klub zu Handyhüllen recycelt. Mainz 05 (15 Punkte) beweist, wie lecker nachhaltiges Catering sein kann. Statt des Klassikers Bratwurst bekommen die Fans im Stadion auf Wunsch Falafel mit Limettendip, Avocado-Sandwiches, Couscous-Salat, Karotten-Ingwer-Suppe und frisches Obst.


 

Hier gibt es Öko-Nachholbedarf

Die mittlerweile abgestiegenen Schalker (12 Öko-Punkte) und Bremer (11) landen ebenso wie der FC Augsburg (12), Union Berlin (11), RB Leipzig (11), Bayer Leverkusen und Arminia Bielefeld (jeweils 6) auf den hinteren Plätzen der Öko-Bundesliga. Aber auch wenn das Thema Nachhaltigkeit hier noch nicht so intensiv gelebt wird wie bei der Konkurrenz, gibt es trotzdem vielversprechende Ideen und Ansätze. Schalke überzeugt mit 600 Fahrradstellplätzen am Stadion sowie mit veganen Linsenravioli mit Curry-Kokossauce für die Fans. Die Augsburger heizen und kühlen ihre Arena mit zwei Großwärmepumpen, was jährlich über 700 Tonnen an CO2-Emissionen spart. Sie gilt deshalb als erstes klimaneutrales Fußballstadion der Welt. Union Berlin ist laut Studie der Bundesliga-Klub mit dem am fairsten produzierten Merchandise wie Trikots. Außerdem kaufen die Unioner keinen Fisch aus gefährdeten Beständen ein. In Bremen können die Fans das Weserstadion umweltfreundlich und weltweit einmalig per Boot erreichen – was den schlimmen sportlichen Schiffbruch in der letzten Saison aber auch nicht verhindern konnte.


 

So sieht es international aus

Das von der EU mitfinanzierte Projekt „Life Tackle“ zeigt in einer Studie, was für ein Riesenfaktor der Sport und vor allem der Fußball beim Umweltschutz ist. Demnach erzeugt ein Fan pro Stadionbesuch rund 800 Gramm Müll. Das klingt zunächst nach nicht allzu viel. Europaweit sorgen Millionen von Besuchern damit aber für 750.000 Tonnen Abfall pro Jahr – mehr Müll, als im gesamten Land Liechtenstein jährlich anfällt. Das Europa-League-Finale 2019 in Baku, zu dem absurderweise 12.000 Fans des FC Chelsea und des FC Arsenal aus London in Aserbaidschans Hauptstadt reisen mussten, verursachte laut „Life Tackle“ 5.595 Tonnen CO2.

Zur Einordnung: Der durchschnittliche CO2-Verbrauch eines Menschen in Deutschland liegt jährlich bei etwa 8 Tonnen. In der englischen Premier-League-Ökotabelle von „Sport Positive“ liegt Tottenham Hotspur mit 21 von 21 Punkten vor Arsenal, Brighton & Hove Albion und Manchester United (jeweils 20) an der Spitze. Als absolutes Öko-Vorbild gilt aber Real Betis aus Sevilla. Die Andalusier haben als erster europäischer Klub in Trikots gespielt, die aus dem in ihrem Stadion gesammelten Plastikmüll recycelt wurden – und das natürlich in der traditionellen Vereinsfarbe grün. „Jeder in Spanien verbindet uns mit dieser Farbe. Also müssen wir auch ein grüner Klub sein“, so Manager Antonio Ortega. 


 

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