Christian Stammel
Autor:
Christian Stammel

Partner wie IBM, Microsoft, Google oder Alibaba

Warum Kollaborationen im Wearables-Markt entscheidend sind

Wearables sind bereits ein riesiger Markt innerhalb der Sportindustrie: Schätzungen zufolge werden im Jahr 2019 rund 550 Millionen Wearables verkauft. ISPO.com erklärt, was Einzelhändler dabei beachten sollten und wo es noch Verbesserungspotenzial für Entwickler und Marken gibt.

Fitness trackers are one of many areas of application for wearables.
Fitnesstracker sind nur einige der vielen Anwendungsbereiche für Wearables.

Wearables sind vernetzte Elektronikgeräte, die am - oder sogar im - Körper getragen werden. Der Wearables-Markt war in den letzten Jahren sprunghaft gewachsen, geht aber allmählich in ein vorhersehbares, gleichmäßigeres Wachstumsmuster über. Es gibt zahlreiche Arten von Geräten mit einer Vielzahl von Anwendungen, von denen viele inzwischen die Verbrauchermassen erreicht haben.

Sportlern bieten Wearables vor allem die Möglichkeit, ihre eigene Leistung und Gesundheit zu überwachen und zu verbessern. Den Einzelhändlern wiederum eröffnen sich mit den kleinen Computern neue Möglichkeiten der Interaktion mit den Verbrauchern. Für die Geschäftsentwicklung ist es entscheidend, die richtigen Kooperationspartner aus den verschiedenen Branchen zu identifizieren, um die Digitalisierung voranzutreiben. Das bezieht sich nicht nur auf die einzelnen Wearable-Komponenten. Die Digitalisierung sollte vielmehr ein Schlüsselelement jeder digitalen Markenstrategie sein.

    2019 werden rund 550 Millionen Wearables verkauft

    • 2019 werden rund 550 Millionen Wearables in allen Branchen verkauft, Tendenz für die kommenden Jahren steigend.
    • Smart Patches werden bis zu 30 % des gesamten Wearable-Marktes ausmachen.
    • Im Jahr 2017 wurden weltweit mehr als 140 Millionen Smartwatches und Fitnesstracker verkauft.
    • Der Markt wächst weiter mit + 15 % CAGR.
    • Nur ein kleiner Prozentsatz der Geräte trifft den klassischen Sportfachhandel.

    Um die Möglichkeit von Zusatzverkäufen, des Verbundverkaufs (Cross-Selling) sowie des Einstiegs in einen sich wiederholenden Verkaufszyklus (After-Sales) zu nutzen, sollten Wearables primär von gut ausgebildetem Vertriebspersonal verkauft werden. Viele Einzelhändler der Branche haben diese Möglichkeiten noch nicht oder nur teilweise erkannt, mit Ausnahme einiger dynamischer und fortschrittlicher Bereiche innerhalb der Sportartikelbranche.

    Estimation of shipped units of Wearables
    Geschätze Anzahl versendeter Wearables

    Keine Digitalisierungsstrategie ohne Kollaboration

    Kollaborationen sind in jedem Digitalisierungsprozess wichtig. Bei der Entwicklung von Wearables und Produktlösungen sind sie jedoch besonders entscheidend. Daher sollten Kollaborationen im gesamten Planungsprozess der Wertschöpfungskette verankert sein.

    Wearables müssen mehr sein als ein einfacher Datensatz. Sie müssen mit einer „Identität“ vor Augen entwickelt werden, einer „Persönlichkeit“, die sich aus der Individualisierung und Optimierung der Gewohnheiten und bevorzugten Aktivitäten jedes einzelnen Users ergibt. Ein klares Verständnis der Zielgruppe schafft ein ganzheitliches Produkt, indem Kundenwissen in eine Vielzahl von Anwendungen übersetzt wird. Eine derartige Anwendung von Wearables bringt einen einzigartigen Satz unvorhergesehener Daten hervor, der die Kunden mit Informationen versorgt, auf die sie bislang keinen Zugriff hatten.

    Mehr als nur ein gut vermarktetes Gerät

    Um Produkte mit Wearable-Technologie (kurz WT) herzustellen, brauchen Sie mehr als ein gut vermarktetes Gerät und die dazugehörige App. Sie müssen mit einer Reihe von spezialisierten Unternehmen wie IBM Watson, Microsoft Azure, Google Cloud oder Alibaba Cloud und mit einigen Netzwerkanbietern zusammenarbeiten, die Ihrem Gerät / Ihrer Anwendung die Konnektivität oder die zugehörige private Cloud-Umgebung (z.B. Telefonica, Vodafone, Telstra, ....) ermöglicht.

    Für eine Sportmarke könnte es sogar von Vorteil sein, den Markt auf der Suche nach einer Partnerschaft mit einem Gesundheitsdienstleister, einem Biotech-Unternehmen oder einem traditionellen Medizintechnik-Unternehmen zu durchsuchen, um die Markteinführungszeit zu verkürzen, ein größeres Ökosystem zu schaffen und sich anschließend Zugang zum sogenannten Healthstyle"-Markt (2011 erstmals von der ISPO-Gruppe genutzt) zu verschaffen.

    Wertschöpfung mit WT-Produkten am Point of Sale

    Im Hinblick auf den Point of Sale ist es äußerst wichtig, alle potenziellen Vorteile entlang der WT-Wertschöpfungskette zu analysieren und zu erkennen.

    Im ersten Schritt könnte ein WT-Produkt etwa ein Wegbereiter für ein profitables After-Sales-Geschäft sein. So könnte z.B. ein Kunde den Händler für neues Zubehör oder Unterstützung bei einem neuen Firmware-Update oder einer anderen Art von Wartungsdienst kontaktieren. In der Vergangenheit gab es diese Möglichkeiten nur für Sportartikelhändler der Kategorien Ski- oder Radfahren. Eine WT-Servicestelle mit ein oder zwei gut ausgebildeten Mitarbeitern aufzubauen, könnte nun jedoch ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal für einen zukünftigen Konzept-Store eines jeden Sportartikelhändlers sein. Darüber hinaus könnte ein solcher Service sogar an Kunden verkauft werden, die das Produkt über andere Einzelhandelskanäle erworben haben.

    Eine weitere Idee für einen ganzheitlicheren Ansatz im gesamten Sportartikelmarkt könnte die Bewertung von Service- und After-Sales-Möglichkeiten sein, die sich aus "Low-Tech-WT-Lösungen" ergeben. Geringe Leistungsfrequenzen in Sportgeräte jeglicher Art zu integrieren, könnte letztlich die Kundenbeziehungen, Treueprogramme, Garantie- und Recyclingprozesse sowie andere Arten von POS-Diensten signifikant verbessern.

    Christian Stammel
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